Der Keks allein daheim

Ich komme gerade aus der Badewanne. Ja genau, das ist dieses, in unserem Fall weiße, dreieckige Ding, in das ich ganz selten hinein steige. Und seit das Fräulein auf der Welt ist schon dreimal nicht. Irgendwie weiß ich da drin nie etwas mit mir anzufangen und außerdem wird mir da viel zu schnell viel zu warm. Und hinterher die Putzerei und abtrocknen und Haare und überhaupt.
Aber gerade, gerade da hat es sich richtig gut angefühlt. Das Fräulein weilt bei den Großeltern, das Haus ist von oben bis unten geputzt (und das im strahlenden Sonnenschein, so dass ich die Fenster aufreißen musste und die vorübergehenden Spaziergänger sicherlich meinen schiefen Gesang zur iPod-Musik mitbekommen haben), ich war einkaufen und in der Videothek und dann dachte ich plötzlich: “Jetzt in die Wanne!”

Und was soll ich sagen? Es war richtig angenehm. Ich suchte mir eines von den fünftausend Badezusätzensinnensalzenwasserfärbern aus, die ich immer geschenkt bekomme und nie brauche, schob mir einen Kinderriegel zwischen die Zähne und ein gutes Buch in die Hände.
Immerhin habe ich es eine halbe Stunde ausgehalten. Rekord!

Das Fräulein wird in einer Stunde gebracht. Dann werden wir ein bißchen kuscheln und Bücher lesen, sie wird zu Abend essen und dann ins Bett gehen. Danach wartet nach ewigen Zeiten mal wieder eine Tiefkühlpizza, Ohne Gleichen Kekse und meine Couch auf mich. Das Unterhaltungsprogramm übernehmen heute Jamal K. Malik und Robert Langdon für den tollen Mann, da dieser das gesamte Wochenende auf der Motorradmesse in Sinsheim weilt (was mich durchaus traurig stimmt. Deshalb die Schokolade).

Ich denke, so kann ich es erstmal aushalten.

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Nostalgie #3

Hach, was waren das damals für Zeiten, als man sonntags nach dem Baden und vor dem Sandmännchen noch eine Folge Barbapapa gucken durfte. Ich fühlte mich sauber und warm, kuschelte mich mit meinem Bruder unter eine Decke und starrte wie gebannt auf den Fernsehschirm.
In meiner Erinnerung bügelte meine Mutter meist nebenher und ab und zu durften wir unser Abendbrot auf dem Sofa und vor dem Fernseher zu uns nehmen.
Als ich vor einiger Zeit dann das T-Shirt sah und es auch noch käuflich zu erwerben war, konnte ich unmöglich widerstehen.
Und sofort versuchten die grauen Zellen sich zumindest die Namen der neun Knetgummifiguren in Erinnerung zu rufen. Leider mit sehr mäßigem Erfolg. Oder wer bekommt die Namen alle noch zusammen (selbstverständlich ohne bei Wiki oder Google zu spicken)?

Für alle, die wie ich ein seliges “Hach” ausstoßen möchten, gibt es hier natürlich auch die bewegten Bilder (aber Vorsicht: ab und zu beißen sich die Farben der Barbapapas entsetzlich mit dem Teppich):

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Schizophren?

Schizophren?

Aus unerklärlichen Gründen hat Göga und mich dieses Jahr wieder das BigBrother Fieber gepackt.

Von der ersten Staffel haben wir vor sieben Jahren keine einzige Folge verpasst bzw. Göga hat die „Insassen“ damals als seine Ersatzfamilie empfunden, da ich zu dieser Zeit für 10 Tage in New York mit Freundinnen weilte und er sich alleine zu Hause schwer einsam fühlte.

Die nächsten zwei Staffeln habe ich mir mehr oder weniger alleine gegönnt, da Göga beschloss, dass dieses Format nicht zu seinem Niveau passte. Danach ebbte dann auch bei mir die Begeisterung für diese Sendung ab.

Vor 10 Tagen haben wir dann tatsächlich live den Einzug der neuen Bewohner verfolgt und da Göga zu dieser Zeit krank zu Hause auf der Couch lag, konnte er sich zwei Tage lang den kostenlos frei geschalteten 24 Stunden BigBrother Kanal bei Premiere reinziehen.
Wenn ich dann nach Hause kam, flimmerte bereits das Wohnzimmer der BB-Bewohner über den Bildschirm, während Göga an seinem Mac saß und SimCity spielte. Schön irgendwie. Und beängstigend, ich weiß.

Ich versuche manchmal dieses Phänomen erklären zu wollen, schaffe es aber nur leidlich.
Grundsätzlich hat das natürlich schon viel mit Voyeurismus zu tun. Auf der Couch zu sitzen und acht bis zwölf Spacken dabei zuzusehen, wie sie sich vor der Nation zum Horst machen, hat eindeutig was für sich. Und da Neugierde durchaus auch mein zweiter Vorname sein könnte, brauche ich mich über meine Freude bei dieser Tätigkeit wohl auch nicht zu wundern.
Zudem ist diese Sendung auch ein schönes, psychologisches Forschungsfeld. Sowohl die Analyse der Bewohner, als auch die Reflektion des eigenen Verhaltens fördert doch immer wieder einiges zu Tage.
Warum kann ich z.B. Anki nicht leiden, obwohl ich sie erst zehn Minuten auf dem Schirm gesehen habe? Warum hatte ich bei Isi gleich ein ganz komisches Gefühl, das sich bestätigte, da sie die erste war, die die Lästerrunde eröffnete? Warum überrascht mich Kevin so sehr, nur weil er offener und selbstbewusster ist, als ich anfangs dachte?
Solche Sachen gehen mir dann durch den Kopf.

Um aber mal auf das eigentliche Thema zu kommen …

Am Montag wurde im Haus eine „Scheinnominierung“ durchgeführt. Jeder Bewohner nannte die Person, die er am wenigsten leiden konnte und den beiden Bewohnern mit den meisten Stimmen wurde dann verkündet, dass sie noch an diesem Abend das Haus verlassen müssen.
Es stellte sich heraus, dass dies alles nur Fake war und die beiden Mädels für unbestimmte Zeit in einen Nebenraum ziehen müssen, um darüber nachzudenken, warum sie denn nun so unbeliebt sind.

Rebecca, von der ich noch nicht weiß, was ich von ihr halten soll, nahm das alles ziemlich gelassen und konnte auch genau, und in meinen Augen sehr richtig, feststellen, warum gerade sie das Haus verlassen musste.

Melly hingegen bekam erstmal nen Heulkrampf. Gut, sie ist 19, vielleicht entschuldigt das irgendetwas, aber sie saß dann irgendwann vollkommen fertig auf ihrem unbequem aussehenden Feldbettchen und lamentierte darüber, dass sie doch gar nicht wisse, was sie falsch gemacht habe und sie könne sich doch jetzt nicht aus den Fingern saugen, was das denn nun wohl gewesen sein könnte. Viel gerechter wäre es doch, wenn sie die Personen direkt ansprechen und sie fragen könne, was denn schief gelaufen sei.
Und überhaupt … wie solle sie denn zurück in das Haus gehen, wenn sie dabei immer daran denken müsse, dass manche sie gar nicht mehr dabei haben wollen?

Ich gebe zu … in diesem Verhalten habe ich durchaus auch mich wieder gefunden. Die Vorstellung, bei der ersten Nominierung direkt auf der Liste zu stehen und damit festzustellen, dass mich keiner leiden kann, würde mir auch einen Tiefschlag versetzen.
Und der Weg zurück in diese Gemeinschaft würde mir auch sehr, sehr schwer fallen.

Hierzu gibt es im Moment in meinem Arbeitsleben eine interessante Parallele.

Vor einigen Jahren saß ich mit meiner Kollegin A. in einem Zimmer an gegenüberliegenden Schreibtischen. Wir haben uns prächtig verstanden, uns gegenseitig von den alltäglichen Dingen des Alltags erzählt, uns auch mal kleinere Geheimnisse anvertraut und haben auch ab und an privat etwas unternommen.

Irgendwann merkte ich dann, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Geschichte wäre jetzt zu lang und zu kompliziert, um sie im Detail zu erörten, Fakt ist, dass sie mir vorwarf, ich sei profilierungssüchtig und gehe über Leichen um mein Ziel zu erreichen.

Das saß!

Ich habe versucht ihr klar zu machen, dass ich das so gar nicht sehe und habe mich auch ehrlich bemüht, ihre Gedankengänge zu verstehen, aber wie so oft in solchen Situation, haben wir seit diesem Tag nie ein wirklich klärendes Gespräch darüber geführt.

Gott sei Dank wurden wir bald darauf zimmermäßig getrennt. Im Laufe der Zeit trennten uns dann ganze zwei Stockwerke und wir kamen wohl beide irgendwie zur Ruhe.

Inzwischen grüßen wir uns wieder, wenn wir uns auf dem Flur begegnen, bleiben auch mal stehen und quatschen ein bisschen, doch in mir ist da immer noch dieses seltsame, angespannte Gefühl, wenn ich sie sehe.

Seit zwei Wochen bin ich nun an ein anderes Team „ausgeliehen“, da die jährlichen Abschlussarbeiten anstehen. Nun trennen A. und mich nur noch ein paar Schränke und Schreibtische und ich sehe sie somit jeden Tag ganz nah.

Es ist seltsam. Obwohl unser Streit schon so viele Jahre zurückliegt und obwohl sie inzwischen wieder nett und freundlich, ja fast liebenswert ist, bin ich auf der Hut.

Vielleicht mag der ein oder andere Leser denken, dass das ja normal sei, wenn man mal solche Vorwürfe gemacht bekommen hat.
Seltsamer Weise halte ich mich für einen ganz anderen Typen Mensch. Ich bin eigentlich nicht nachtragend, ich kann vergeben (aber schwer vergessen, das gebe ich zu) und ich bin die letzte, die auf ihrem Standpunkt stehen bleibt wenn ich sehe, dass mein Gegenüber einen Schritt auf mich zu macht.

Und trotzdem …
Ich kann mich einfach nicht in ihrer Nähe entspannen. Und wenn sie mir noch so oft sagt, wie toll und beeindruckend sie es findet, dass ich so diszipliniert mit meinem WW-Programm bin/war oder wenn sie mittlerweile wieder zu mir kommt und sich von mir etwas erklären lässt.
Ich lächle zwar und bin nett und freundlich und tief im Inneren freue ich mich darüber, dass sie mit mir wieder so gut klar kommt.
Trotzdem – Es geht einfach nicht.

Und da komme ich an den Punkt, an dem ich mich frage, warum das so ist und warum ich wie Melly immer noch heulend auf meinem Feldbett sitze und darüber jammere, dass mich keiner mag, obwohl es doch so offensichtlich mittlerweile anders aussieht.

Irgendwo in mir hat sie etwas kaputt gemacht und scheinbar bin ich außerstande, diesen Riss zu übersehen oder ihn wieder zu kitten.

Und das schlimmste daran ist, dass ich mich über meine eigene Unfähigkeit ärgere. Ist das nicht schizophren??

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