Wenn

Wenn Du Dich schon Tage vorher darauf freust und Du es kaum erwarten kannst. Wenn Du Dich gleich wie zu Hause fühlst und Du trotz Mordshunger den Spaziergang zum Restaurant genießt. Wenn die Worte nie ausgehen und Du tief über den Tisch gebeugt den Schilderungen lauschst. Wenn Du das Gefühl hast, Du konntest ein bisschen helfen und auch Du wurdest verstanden. Wenn Du die gleichen Sachen denkst, fühlst und sagst. Wenn Du winkst und lachst und den entscheidenden Satz dann doch nicht herausbekommst. Wenn Du den gleichen Rechnungsbetrag hast. Wenn Du unbekümmert über Deine Blähungen sprechen kannst. Wenn Du Dich über ein Geburtstagsgeschenk ganz doll freust und im Kerzenschein Freundinnen-TShirt-Fotos machst. Wenn Du Bilder anschaust und dabei kuschelst. Wenn Du die Zeit vergisst und traurig bist, wenn der Abend vorüber ist.

Dann hattest Du einen wunderschönen Mädchenabend.

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Momentaufnahme #22

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Tagebuch eines Fräuleins 19.02.2010

Liebes Tagebuch.

Um halb sechs bin ich wach und voll da. Mama versucht noch eine halbe Stunde vergeblich, mich wieder in den Schlaf zu wiegen, aber am Ende siege dann doch ich. Ich bekomme meine Flasche, werde angezogen und dann geht Mama mit mir spielen.

Um acht bin ich dann aber doch wieder müde und schlafe noch eine dreiviertel Stunde.

Heute hat Papa Urlaub (gestern waren ein paar Typen da, die ich nicht kenne und mit denen ist er dann losgezogen. “Männerabend” hat Mama gesagt). Am Vormittag gehen wir mit Opa einkaufen. Wir fahren dazu mit dem neuen Auto und Mama sitzt hinten mit mir und macht dauernd Faxen. Das gefällt mir.
Das Einkaufen dauert ziemlich lange und immer vorne in dem doofen Wagen zu sitzen, wird auf Dauer auch langweilig. Also trägt Papa mich eine Weile durch die Regale, das finde ich toll. Da kann ich nämlich viel mehr sehen und er kitzelt mich immer so schön. Ich darf ganz viel anfassen und angucken. Das knistert so schön und fühlt sich mal kalt, mal hart und mal weich an.

Als wir wieder zu Hause sind, bekomme ich mein Mittagessen. Immer noch finde ich diese Gläschenpampe nicht sonderlich prickelnd (obwohl Mama sagt, dass sie extra für mich gekocht hätte, aber es schmeckt auch nicht besser). Mama hat aber ein System entwickelt, damit es nicht mehr ganz so schlimm ist: Ein Löffel Obst, ein Löffel Karotten. Das geht. Gerade so. Wenn es denn sein muss.

Nach meinem Mittagsschlaf darf ich mit Papa noch ein bisschen auf der Couch schmusen, dabei beschließen Mama und Papa, dass sie noch in die Stadt fahren wollen.
Also werde ich wieder in meinen Maxi-Cosi und ins Auto gepackt (Mama sitzt diesmal vorne).

Papa parkt mal wieder ganz komisch halb auf dem Bordstein, dann werde ich in meinen Kinderwagen gepackt und wir bummeln ein bisschen durch die Fußgängerzone. Mamas Lieblingscafe hat sogar noch einen Platz auf dem gemütlichen Sofa frei und so bekomme ich dort meinen Nachmittagsbrei. Den mag ich inzwischen wieder ganz gerne.
Und als wir da so sitzen (Mama und Papa unterhalten sich, während ich mit dem Mann am Nebentisch flirte. Klar, er ist ein bisschen zu alt für mich, aber er findet mich so süß und ich ihn witzig), steht plötzlich eine große, hübsche Frau vor unserem Tisch und sagt sowas wie “Ich habe gerade meinen Augen nicht getraut. Wie cool ist das denn?”
Mama und Papa haben sich ganz doll gefreut, Lieblingssusi so zufällig zu treffen. Die hat dann auch mit uns noch einen Kaffee getrunken und sie haben ganz viel erzählt und gelacht.

Dann wurde es aber langsam spät und Papa wollte doch unbedingt noch in diesen CD-Laden wegen dieser bestimmten Platte. Also wurde ich wieder eingepackt, als befänden wir uns in Sibirien. Der Laden, in den wir dann gehen, heißt Saturn und Mama sagt, dass das das Schlaraffenland für CD-Liebhaber wäre. Aber seine CD bekommt Papa da trotzdem nicht. Wer hätte auch gedacht, dass Fehlfarben gleich ausverkauft sein würde?
Dafür kaufen sie jede Menge reduzierte Sachen, über die sie sich ganz doll freuen.

Um sieben sind wir zu Hause. Ich habe so einen Hunger, dass ich ganz vergesse, dass ich den Brei ja gar nicht mehr mag und die ganze Portion hinunterschlinge!
Ich bin noch ziemlich aufgedreht, als Mama mich ins Bett legt, aber auch soooo müde, so dass ich mich zwar noch ein bisschen herum kugele, aber dann doch ganz schnell einschlafe.

Ein schöner Tag! Papa könnte ruhig öfter zu Hause sein.

Dein Fräulein Wunder

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In letzter Zeit scheint es, als setzten alle meine Freunde ihren Neujahrsvorsatz: “Mal wieder mit Keks treffen” in die Tat um. So kommt es, dass ich bis in den März hinein mit Kaffeetrinken, Essengehen und Kaffeetrinken ausgebucht bin.

Gestern Abend also die grandiose Eröffnung des Ausgehreigens: Lieblingssusi und Lieblingsthailänder – eine unschlagbare Kombination.

Vieles hat sich verändert in den sechs Jahren, die wir uns jetzt kennen (Lieblingssusi und ich. Nicht der Thailänder. Sie verstehen.). Aber das Gefühl ist das Gleiche.

Ich habe in meinem bisherigen Leben ganz selten Menschen kennengelernt, die ich auf Anhieb richtig sympathisch und liebenswert fand. Aber bei ihr war das so. Sie betrat den Raum, wir unterhielten uns ein wenig und bereits nach einem Abend war mir klar, dass ich diese Frau ganz fest in mein Herz schließen könnte. Wenn es sich denn ergibt. Wie das eben so ist, wenn Männer ihre neuen Freundinnen mitbringen und man sich nicht sicher sein kann, ob sie nächste Woche auch noch dabei sein werden.

Doch sie kam wieder und ich weiß noch, dass ich damals unglaublich bemüht war, ihr zu gefallen. Dabei brauchte ich das gar nicht. Wir verstanden uns auf Anhieb. So ein bisschen seelenmäßig, humoristisch und gefühlsmäßig.

Wir unterscheiden uns sehr in der Art unseres Charakters. Aber das ist wohl das, was es unter anderem so spannend macht. Wir können jederzeit vom Anderen lernen und uns Rat holen. Und bei ihr fällt es mir gar nicht schwer, diesen Rat auch anzunehmen. Weil ich weiß, dass er von Herzen kommt und dass sie (meistens) Recht hat. Wir können ehrlich zueinander sein und ich kann ihr Dinge anvertrauen, die mir bis dahin selbst gar nicht bewusst waren. Weil sie meinen Geist beflügelt und mir immer zuhört.

Wegen ihr haben die Schuhe und Socken, die ich trage, meist die gleiche Farbe wie meine T-Shirts/Pullover. Sie ist die einzige, mit der ich in einer Umkleidekabine BHs anprobiert habe und mit der ich zwischen 30 anderen mehr oder weniger nackten Mädels unter einer Festivaldusche stand. Sie war der Anstoß für mein WW-Programm. Sie hat dem Fräulein ihren Schlafgefährten geschenkt. In ihr habe ich einen ebenso großen Musikjunkie wie mich gefunden. Ich bewundere sie für ihre Sportlichkeit (mit dem Fahrrad nach Nizza *Vogelzeig*), ihre Liebe zur Natur und die einfachen Dinge des Lebens.

Ich habe mal zu ihr gesagt, dass ich mir nicht vorstellen könnte, mit ihr zusammen zu leben. Damals war sie ein wenig kompliziert. Heute würde ich sofort und jederzeit in ihrem Bett schlafen.

Ich hab sie eben lieb, weil sie mich so nimmt wie ich bin und weil ich mich in ihrer Gegenwart wirklich wohl fühle und nicht unsicher oder fehl am Platz.

Es war also ein wirklich wunderschöner Abend, der nur so dahin geflogen ist. Ich wünschte nur, es könnte mehr von diesen Abenden geben.

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