Keksens Woche

Die letzten und die kommenden Wochen ist mein Terminkalender vollgeschrieben mit Ereignissen und Terminen, wie er es noch nie war. Selbst zu der Zeit als ich noch ohne das Fräulein und damit frei und ungebunden war, habe ich so viele Vorhaben nicht zusammen bekommen.
Damit ich mich in ein paar Jahren noch daran erinnern kann, wie einfach und problemlos es “damals” noch war, hier einmal ein Einblick in die letzte Woche.

Montag

Jeden Montag besuche ich seit zwei Monaten die Krabbelgruppe der evangelischen Gemeinde (wie ich letzte Woche erfahren habe, sind auch ein paar Katholiken unter uns, also so ernst nehmen die es da wohl nicht).
Am Anfang war ich skeptisch, da ich natürlich mit meinen Krabbelkäfern die Messlatte zum Wohlfühlen sehr hoch gelegt hatte. Dementsprechend enttäuscht (wenn nicht sogar empört) war ich nach den ersten beiden Besuchen, bei denen ich mehr oder weniger ignoriert wurde und mich total überflüssig fühlte. Ich ging die nächste Woche eigentlich nur hin, weil die Kinder, die dort anwesend sind, die zukünftigen Kindergarten- und Schulkameraden des Fräuleins sind und ich denen wenigstens eine Chance geben wollte.

Inzwischen finde ich es dort ganz angenehm. Ich verstehe mich mit den Frauen, deren Kinder in etwa ein Jahr älter sind als das Fräulein zwar besser, als mit den Mamas gleichaltriger Kinder, aber das wird schon.
Inzwischen werde ich sogar gegrüßt, wenn ich die Mütter irgendwo im Dorf treffe. Wir bleiben stehen, unterhalten uns ein bißchen (hierbei muss ich meine Smaltalk-Fähigkeiten, die noch nie besonders ausgeprägt waren, täglich trainieren) und wünschen uns einen schönen Tag. Wir winken uns von Spielplätzen und erzählen uns jeden Montag nach und nach ein wenig unserer Lebensgeschichte (bisher nur die harmlosen Sachen).

Nach dem Treffen fahre ich mit dem Fräulein noch einkaufen. Bei strahlendem Frühsommerwetter bummeln wir durch DM und Real und ich fühle mich wie im Urlaub.

Dienstag

Heute besuchen uns die Krabbelkäfer zu Hause. Jeden Dienstag treffen wir uns wo anders. Mal bei dem ein oder anderen zu Hause, nachdem das Wetter jetzt wieder besser wird auch gerne auf einem Spielplatz zum Picknicken.
Im Gegensatz zu der Montags-Krabbelgruppe sind wir Mädels uns erstaunlich nahe. Natürlich kennen wir uns schon viel länger und irgendwie stimmt die Chemie zwischen uns.

Um zehn treffen also als erstes Ramona und Finn ein, danach kommen Steffie und Matilda, Iris und Mila, Katja und Jascha und das Schlusslicht bilden Tanja und Tobias. Eigentlich wollen wir auf den Spielplatz vor dem Haus, aber irgendwie bekommen wir die Kurve nicht. Bald ist es halb zwölf und wir sitzen immer noch in unserem Wohnzimmer, erzählen und lachen und vergessen die Zeit. Schließlich werden die Kinder der Reihe nach gefüttert, gewickelt und schlafen gelegt. Anschließend setzen wir Mamas uns dann entspannt zum Mittagessen raus auf die Terrasse.
Erwähnte ich schon einmal das W0rt Urlaub?

Am Abend kläre ich noch ein paar Dinge telefonisch wegen einer bevorstehenden Hochzeit, bei der ich Trauzeugin sein darf (Drama, Drama, Drama. Aber ich traue mich noch nicht, das alles hier aufzuschreiben. Braut liest eventuell mit!).

Mittwoch

Der heutige Tag steht ganz unter dem Motto “Wellness”. Als ich in Mutterschutz ging, bekam ich von meinen tollen Kollegen einen Gutschein für die Binshof Thermen geschenkt. Diesen löse ich heute ein.
Ich habe einige Probleme mit dem Navi (die Straßen, auf denen ich fahre, sind dort noch nicht eingetragen), aber schlussendlich schaffe ich es doch noch rechtzeitig zu meinem Termin (aber nur, weil ich eine Stunde vorher los fahre, obwohl ich eigentlich nur eine halbe brauchen sollte).

Ich bekomme von der freundlichen Empfangsdame Anweisungen, wo ich mich auszuziehen habe, in welchen Spint meine Klamotten kommen und wo ich warten kann. Dann holt mich eine nette, junge Frau ab und die nächsten ein einhalb Stunden werde ich gepeelt, gewaschen, massiert, verpackt und eingecremt. Anschließend fühle ich mich zwar matt aber sowas von entspannt, dass ich nach einem gemütlichen Tee im Ruheraum beschließe, noch eine Runde in Speyer shoppen zu gehen.

Ich gehe und shoppe, esse eine Kleinigkeit zu Mittag und bin gegen drei Uhr wieder zu Hause. Meine Mama erklärt mir, dass sie das Fräulein zwischen fünf und halb sechs vorbei bringt, so dass ich noch ein bißchen Zeit habe um Mails/Blogs zu lesen und eine Stunde zu schlummern.

Donnerstag

Iris und Mila haben mich eingeladen, mit ihnen in die Stadt zu gehen. Um zehn treffen wir uns in Mannheim am Bahnhof, schlendern von einen Geschäft zum nächsten, trinken im Starbucks einen Kaffe/Chai Tea Latte (Urlaub!!), füttern unsere Kinder und bummeln im allerschönsten Sonnenschein über den Markt.

Kennengelernt haben wir uns im Geburtsvorbereitungskurs und nach einigen Treffen der Krabbelkäfer war klar, dass wir uns richtig gut verstehen.
Als Iris dann beim Mittagessen dem Fräulein ein kleines Päckchen nachträglich zum Geburtstag überreicht, bin ich ein bißchen beschämt, da ich Mila nichts geschenkt hatte. Und nachdem das Fräulein das Päckchen aufgerissen hat, glühen meine Wangen noch heißer. Eine selbstgemachte Puppe und das Fräulein, das sofort mit einem Jubellaut und heftig wackelnden Beinen die Puppe an sich drückt, treiben uns beiden Erwachsenen die Tränen in die Augen. Es gibt wirklich ganz unglaubliche Menschen auf diesem Planeten!

Freitag

Eigentlich wollte ich mit meinen Eltern in die Stadt, die ersten Schuhe für das Fräulein kaufen. Aber nach dem Terminmarathon der vergangen Woche, bat ich mir eine Pause aus. Und so fuhren wir lediglich auf den Markt nach Ladenburg, ich kaufte die Stände leer (Obst, Gemüse, Lamm, Geflügelwurst … hmmmmm lecker!), wir tranken ein Kännchen Tee in der Sonne und liefen abwechselnd mit dem Fräulein über das Kopfsteinpflaster (von Stillsitzen hält sie im Moment nicht viel).

Am Abend fahren der tolle Mann und ich mit dem Fahrrad noch zum ortsansässigen Spanier. Auf der Terrasse jede Menge Platz um gemütlich in der Sonne zu sitzen, während direkt daran angrenzend ein Spielplatz zum Toben einlädt, ohne dass die Kinder auf die Straße geraten könnten. Toll!!

Samstag

Nachdem mein Körper am Mittwoch einigermaßen auf die Reihe gebracht wurde, sind heute meine Haare dran. Um halb zehn habe ich einen Termin bei der Friseuse meines Vertrauens (sie hat bereits meine Hochzeitsfrisur hoch- und meinen Schleier angesteckt). Anschließend gibt es ein opulentes Frühstück auf der heimischen Terrasse, mit frischen Brötchen und gekochtem Ei für den tollen Mann, das Fräulein und mich.

Am Nachmittag besteigen wir mal wieder das Fahrrad und radeln zwei Orte weiter in einen wunderschönen Biergarten. Das Fräulein spielt hingebungsvoll mit dem Kies, während wir spärlich bekleideten Menschen beim Beachvolleyball zuschauen. Ein perfekter Tag!

Sonntag

Um 13.15 Uhr trifft sich die Montags-Krabbelgruppe im hiesigen Schulhof mit gefühlten 500 anderen Kindern zum Sommertagsumzug. Wir haben vor drei Wochen einen Marienkäferhut für die Kinder gebastelt, den sich das Fräulein allerdings weigert aufzusetzen (ist das Deutsch?!? Ich bin verwirrt.).

Wir marschieren also los und ich bin sehr glücklich, da mir die anderen Teilnehmerinnen das Gefühl geben, dass ich dazu gehöre. Es wird auf mich gewartet, wenn wir etwas zurück fallen, ich unterhalte mich mal hier und da, da wird von der Verwandtschaft gewunken und ich bekomme nie gekannte Einblicke in die Familienverhältnisse meiner Mitstreiterinnen.
Der Schneemann, der am Ende verbrannt wird (O-Ton Simone: *entsetzt* “Das sind unsere lang vermissten Gartenbegrenzungssteine, die da unter dem Schneemann liegen!!!”), erzeugt eine Menge Ruß und Aschepartikel, das Fräulein verschläft die Hälfte des Spektakels und zum Abschluss gibt es ein riesiges Stück Erdbeerkuchen. Lecker!

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Momentaufnahme #13

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Über das Basteln

Ich erwähnte ja bereits, dass ich des Bastelns nicht unbedingt mächtig bin. Trotzdem stellte sich beim ersten Mal ein leises Kribbeln ein, als ich mit Papier und Schere ans Werk ging. Auch als ich den Stern anschließend an des Fräuleins Fenster hängte, überschwemmten mich dabei positive Gefühle. Angefangen bei Stolz bis hin zu Freude über das glückliche Babylächeln.

Nachdem nun Weihnachten und so langsam auch der Winter vorbei sind, musste natürlich eine neue Fensterdekoration her. Also sagte ich bereitwillig und mit einer gewissen Vorfreude zu, als Iris zum geselligen Basteln bei sich zu Hause einlud.

Bereits vorab wälzten wir Zeitschriften und Bücher um die richtigen Motive auszuwählen, ich betrat das erste Mal einen Bastelladen und kaufte Tonkarton und Tonpapier (und kam mir dabei ziemlich uncool vor) und ich überließ das Fräulein für einen Abend dem tollen Mann, um mich meiner neu entfachten Bastelleidenschaft zu widmen.

Wir waren diesmal nur zu dritt, was aber bedeutete, dass die tolle Iris ihre volle Aufmerksamkeit auf Steffi und mich (unseres Zeichens Bastelanfänger) lenken konnte. Also pausten und schnippelten und klebten und malten und verzweifelten wir, fingen manche Teile neu an, lachten, tranken, redeten, oder schwiegen auch eine ganze Weile hochkonzentriert. Wir klebten Enten, Küken, Hasen und Frösche und als mein Werk fertig war, ärgerte ich mich zwar über den zu dunkel geratenen Körper, war aber stolz, dass ich das alles mehr oder weniger alleine hinbekommen hatte.

Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es noch zu früh war um aufzuhören, also blätterte ich erneut (freiwillig!!) durch die Vorlagen und fand etwas, was mich sofort an den Frühling erinnerte. Inzwischen war ich so mutig geworden, dass ich mich nicht sofort nach dem Schwierigkeitsgrad erkundigte, kaum noch auf Hilfe angewiesen war und sofort loslegte.

Was soll ich sagen? Irgendwie entwickele ich mich dann doch zum Bastler. Es macht Spaß, auch wenn kleine Fitzelarbeiten mich und meine Geduld weiterhin schwer auf die Probe stellen. Ich glaube, ich mag das Gefühl etwas zu erschaffen. In meinem früheren Leben, als ich noch der arbeitenden Gesellschaft angehörte, erstellte ich Prozessabläufe, widmete mich Projekten und brachte diese auf den Weg, oder organisierte auch einfach mal einen Arbeitstag mit meinen Kollegen. Am Ende des Tages/Projektes/Prozesses hatte ich immer ein ähnliches Gefühl. Nur ist es diesmal ein wenig stärker, da ich den Karton für mich und das Fräulein zusammenleime und nicht für einen Konzern, dem es kaum auffällt, was eines seiner fleißigen Bienchen im Stock tut.

Das nächste Projekt ist auch schon ins Auge gefasst: Die Glückwunsch-Girlande für des Fräuleins Geburtstag wird von meinen eigenen Händen angefertigt. Die nette Frau im Bastelladen (in dem ich beim zweiten Mal ein Glöckchen und rosa Holzblüten für meine tolle Blume kaufte), erzählte mir was von Serviettentechnik und Vorlagen aus dem Computer und Vorder- und Rückseiten und Laminieren und, und, und. Nur gut, dass die tolle Iris sich sofort bereit erklärt hat, mir helfend zur Seite zu stehen.
Das Projekt kann also kommen. Ich werde berichten!

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Krabbelkäfer (5)

Das “rosa Zimmer”

Ich schätze es kommt recht selten vor, dass man seine Hebamme nach Geburt, acht Wochen Nachsorge und zehn Wochen Rückbildung noch einmal wieder sieht.
Wir Krabbelkäfer haben das große Glück, dass die tolle Hebamme mit uns immer noch in Verbindung steht und ab und an auch an besonderen Treffen teilnimmt.

Gestern hatte sie nun zu sich nach Hause eingeladen. Schließlich gilt: Gleiches Recht für alle. Ein Abend im Zeichen der Wellness sollte es sein. Entspannung. Pizza. Wohlfühlen.
Da die Praxis unter ihrer Wohnung liegt, versammelten wir uns erst einmal – genau wie damals mit noch dickem Bauch – im “rosa Zimmer”. Für mich hatte das definitiv ein bisschen was von nach Hause kommen.

In diesem Raum lümmelten wir damals einmal die Woche mit unseren dicken Bäuchen auf den Matratzen auf dem Boden und durften für zwei Stunden ganz bei uns und unseren noch ungeborenen Babys sein. Wir atmeten und entspannten gemeinsam, wir lauschten der tollen Hebamme und bekamen nach und nach eine (wie sich im Nachhinein herausstellen sollte) sehr vage Ahnung davon, wie wir uns richtig vorbereiten, wie eine Geburt abläuft und was danach so alles auf uns zukommt.
Am wichtigsten war aber wohl, dass wir uns in diesem gemütlichen, sanft beleuchteten, gut duftenden, immer mit Blumen geschmückten, kleinen Kosmos näher kennenlernen durften. Wir wussten, dass alles was in diesem Raum besprochen wurde, auch in diesen vier Wänden bleiben würde (so wir dies wollten).
Und natürlich war die tolle Hebamme immer da. Von ihr wurden unsere Ängste, Befürchtungen, Wehwehchen, Probleme und Anliegen immer ernst genommen. Hier wurden unsere Fragen beantwortet, Ratschläge erteilt, Hilfestellung geleistet oder auch mal eine herzliche Umarmung verschenkt, wenn man eine nötig hatte.
Hier haben wir gelacht und geweint und diskutiert und erzählt und uns (im Rahmen unserer damaligen “Umfangreichen” Möglichkeiten) wohlgefühlt.
Als ich damals die letzte Stunde der Rückbildungsgymnastik besucht hatte, flossen tatsächlich Tränen, weil ich annahm, nie wieder den Schutz und die Gemütlichkeit des “rosa Zimmers” genießen zu dürfen.

Als ich dann nun gestern wieder über die Schwelle eben dieses Raumes trat, war das Wohlgefühl sofort wieder da. Es hatte sich nichts verändert: Die Matratzen auf dem Boden, das indirekte Licht, das Duftöl. Und wie damals wähle ich meinen Sitzplatz, lege alles belastende ab, kuschele mich mit dem Rücken an die mit Kissen gepolsterte Wand und beginne einen Plausch mit meinen Krabbelkäfermamas. Wir haben uns immer noch so viel zu sagen, obwohl wir uns am Morgen gerade vier Stunden gesehen haben (bei Silke. Mit Tee. Und Chili mit Zartbitterschokolade).

Als wir alle da sind, wird erst einmal die Pizzabestellung aufgegeben. Anschließend geht es los mit der ersten Yoga-Stunde meines Lebens. Es ist ein wenig seltsam, dass ich die Augen schließe und die sanfte, einschmeichelnde Stimme, die uns dazu auffordert unseren Körper zu spüren und in die Matratze sinken zu lassen, nicht die der tollen Hebamme ist. Stattdessen dürfen wir erleben, wie gut Ramona in ihrem Job ist. Ich lerne nun sehr viele verschieden Tiere kennen: Der herabschauende Hund, das halbe Kamel und ich glaube, eine Katze war auch dabei. Ein bisschen anstrengend ist das Ganze schon und dass mein Rücken rein gar nichts mehr gewohnt ist, stelle ich nebenbei auch gleich fest.
Doch Gott sei Dank winkt uns anschließend eine angenehme Massage, die wir uns gegenseitig geben. Heiße Tücher werden aus dem Ofen geholt und auf unseren Rücken gelegt, Babyöl auf den Handflächen verteilt und dann sind da zehn Minuten nur noch die Gesänge der Buckelwale und Iris’ angenehm kräftige Hände.

Man könnte ja jetzt meinen, damit wäre unser Wellnessprogramm abgeschlossen, aber weit gefehlt! Nun geht es mit Sack und Pack hinauf in die Wohnung der tollen Hebamme. Um genauer zu sein, auf den Dachboden, wo die bereits aufgeheizte Sauna auf uns wartet. Zu neunt haben wir uns hineingequetscht und geschwitzt, was das Zeug hält.

Und dann, frei nach dem Motto “Lustgewinn durch Triebaufschub”, saßen wir ziemlich müde aber vollkommen entspannt gemeinsam im Bademantel vor unserer Pizza, tranken leckeren Wein/Wasser/Saft und fühlten uns einmal mehr wie eine eingeschworen Gemeinschaft.
Vielleicht planen wir das nächste Mal noch eine Übernachtung im “rosa Zimmer” mit ein, aber für dieses Mal endete ein perfekter Abend mit einer gemütlich Radtour nach Hause.

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