Auf der Zielgeraden

Morgen ist also der errechnete Entbindungstermin. Wie mein Gyn immer so schön sagt “Nur 3% der Babys kommen am errechneten Termin”, also hat das Datum eigentlich nicht viel zu sagen. Trotzdem ist es ein magisches Datum. Etwas, auf das wir neun Monate hingefiebert haben. Ein Tag, der unser Leben wieder einmal komplett verändern wird.

Seltsamer Weise bin ich ganz entspannt und ruhig. Wie auch schon beim Fräulein Wunder scheine ich das unabänderliche akzeptiert zu haben (und das mir, als absoluter Planungsmensch): Ich kann den Beginn der Geburt sowieso nicht beeinflussen und das Ereignis an sich sowieso nicht.
Meine Umgebung scheint genau deshalb schwer in Aufruhr zu sein. Der tolle Mann und Schwiegerpapa seufzen beide jeden Abend “Ach wenn es doch schon vorbei wäre”. Meine Mutter meldet sich immer ab, wenn sie irgendwo hin fährt, mit dem Hinweis, dass sie das Handy dabei hätte und jederzeit erreichbar sei. Außerdem schlafe sie nicht besonders gut, weil Nacht für Nacht in ihren Träumen ein Kind geboren wird.
Meine Käfermamas wünschten mir gestern auf dem Spielplatz viel Glück und waren ganz kribbelig bei dem Gedanken, dass sie mich wahrscheinlich das letzte Mal mit diesem riesigen Bauch gesehen haben. Nächste Woche werde ich bei unserem Treffen wahrscheinlich nicht dabei sein können, dafür wird ein neuer Erdenbürger unsere Welt auf den Kopf stellen. Natürlich möchte jede sofort informiert werden, wenn Miss Allerliebst dann endlich da ist.

Gerade diese fünf Frauen haben mich auf meinem Schwangerenweg ganz eng begleitet, zumal zwei von ihnen selbst dabei schwanger waren. Junge Nr. 1 kam bereits Ende Dezember auf die Welt, Junge Nr. 2 vor knapp sechs Wochen. Ich konnte mir gestern also noch mal live und Farbe ansehen, was mich erwartet (meine Güte sind die winzig!!). Und natürlich fiebert man ganz anders mit, wenn man eine engere Bindung zu den Müttern hat. Ein bißchen sind all diese Geburten wie die eigenen, nur ohne Schmerzen. Man wartet ebenfalls nervös, checkt sein Handy vielleicht noch ein wenig öfter, ist dann vollkommen entzückt über das Resultat und man wird dann auch noch den Nachwuchs für die nächsten Jahre begleiten.

Seit vielleicht zwei Wochen bin ich nun voller Vorfreude. Ängstliche Momente gibt es eher selten. Es ist der Gedanke an das neue Lebenswunder, der mich beflügelt. Der Wunsch, mein kleines Baby endlich im Arm halten zu können. Unsere Familie damit zu vergrößern und somit am Ziel anzukommen. Und auch wenn ich nicht vergesse, wie anstrengend gerade die Anfangszeit ist und dies auch gestern noch einmal indirekt von den Zweitmamas bestätigt bekam, so schreckt mich dieser Gedanke im Moment nicht mehr so, wie er es zu Anfang oder auch noch vor ein paar Wochen getan hat. Wir schaffen das schon. Und wenn ich mir unser Fräulein Wunder so ansehe, dann machen wir das sogar gar nicht schlecht.

Apropos Fräulein Wunder. Sie merkt natürlich auch, dass was im Busch ist. Und die Kommentare von Schwiegerpapa “Na, Fräulein Wunder, weißt du, wer diese Woche kommt?” machen es nicht wirklich besser. Rundherum wird über das neue Baby spekuliert, geredet und geschwärmt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das für sie nicht so einfach ist. “Meine Mami” ist im Moment jedenfalls ganz wichtig. Gerade wenn es abends ans Schlafen geht, würde sie mich am liebsten nicht los lassen. Tatsächlich hält sie seit drei Tagen meine Hand ganz fest, während sie langsam entschlummert und wenn sie nachts aufwacht und ich bin nicht da, weint sie sofort hysterisch.
Gestern auf dem Spielplatz, als ich den kleinen Jeven auf dem Arm hatte, drückte sie sich auch ganz eng an mich. Sie findet es zwar toll, ein Baby auf dem Schoß zu haben, ihm den Schnuller wieder in den Mund zu stecken und das Köpfchen zu streicheln, aber ich glaube, tief in ihrem Inneren ist ihr das alles doch ziemlich unheimlich.
Auch kann ich sehr schwer abschätzen, in wie weit sie schon alles versteht. Vorgestern fragte sie mich zum Beispiel, warum ich einen Koffer gepackt hätte. Ich erklärte ihr, dass Miss Allerliebst im Krankenhaus geboren wird und dass ich dafür ein paar Sachen benötige. Ich sagte ihr auch, dass ich ein paar Tage dort bleiben würde, dass sich in der Zeit Papa und Oma um sie kümmern würden und dass sie mich und Miss Allerliebst ganz oft besuchen könne. Diese Antwort schien ihr auszureichen und sie hakte auch nicht weiter nach.

So hat also jeder in meinem Umfeld sein Geburtspäckchen zu tragen, während ich selbst einfach abwarte. Und auch wenn ich mir überlege, ob es überhaupt Sinn macht heute das Abendessen für Donnerstag und Freitag zu planen und dafür einzukaufen, ich die Nummer von der Heilpraktikerin in mein Handy speichere um ihr notfalls eine SMS schicken zu können, weil ich morgen nicht zur Akupunktur kommen kann, ich mich frage, ob ich den Termin bei meinem Gyn morgen überhaupt wahrnehmen werde, ich nicht ausschließe, dass ich beim nächsten Käfertreffen doch noch dabei bin und der tolle Mann auf die Frage “sollen wir heute Abend ein letztes Mal essen gehen?” antwortet “ich weiß noch nicht, vielleicht entbinde ich ja”, trotz all dem schlafe ich gut und bin die Ruhe selbst.

Und das Beste an dem Ganzen: Das Ziel ist ja eigentlich nur der Anfang. Und ich bin mir dessen diesmal sehr wohl bewusst.

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Momentaufnahme #40

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Schon wieder

Es gibt Abende, da weiß man schon vorher, dass sie großartig sein werden und gestern war so einer.

Iris hatte zum Geburtstags-Raclette geladen und wir alle – sprich die Krabbelkäfer-Mamas – freuten uns schon seit Tagen darauf.
Wir starteten vollzählig mit sechs Frauen und einem Gläschen Sekt im Stehen, als die Gastgeberin verkündete, sie hätte eine kleine Ansprache vorbereitet. Und dann erklärte sie uns, wie glücklich sie doch sei, noch einmal so tolle Menschen wie uns kennengelernt zu haben und dass das mit uns etwas ganz besonderes wäre und sie hoffe, dass das auch noch ganz, ganz lange so bleibt. Allen Anwesenden stand sofort das Pippi in den Augen und jede von uns hauchte ein ergriffenes “Awwww” in die Runde, zumal sie uns allen mit ihren Worten aus dem Herzen sprach.

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Der letzte in diesem Jahr

Ich habe mich nach ewigen Zeiten mal wieder einen Abend an den Computer gestohlen. Ich kehrte der Couch und ihrem verlockenden Ruf nach Entspannung den Rücken, überhörte das eindringliche Wispern meines Buches, das gerade monsterspannend ist (wer noch 20 Euro Weihnachtsgeld übrig hat und auf Endzeitvisionen steht, sollte sich uuuuuuunbedingt “Der Übergang” von Justin Cronin zulegen. Das beste Buch seit langem!), verabschiedete mich von Dr. House und verkündete dem tollen Mann, dass der Computer heute Abend besetzt sei.

Also schreibe ich heute den wohl letzten Eintrag für dieses Jahr und zwar hintereinander weg, was mir gerade so einfällt. Also erwartet keinen roten Faden, irgendein Thema oder besonders geistreiches Material. Ich bin total aus der Übung.

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