Wutmonster

In den letzten Tagen verwandelt sich das Fräulein Wunder immer öfter und sehr nachhaltig in ein kleines, manchmal sogar in ein sehr großes, Wutmonster.

Auslöser sind immer Situationen, in denen etwas passiert, das sie so nicht möchte.
Manchmal fängt es langsam an. Dann scheint sie sich erst mit der getroffenen Vereinbarung zufrieden zu geben (“Erst Zähneputzen, dann Sandmännchen.”), bis ihr dann zwei Minuten später aufgeht, dass ihr diese Vereinbarung doch so gar nicht passt.
Man kann dann förmlich dabei zusehen, wie ihr innerer Widerstand in Windeseile wächst und wächst und wächst, bis er sich mit lautem Geheule, Gebrüll und Tränen Bahn bricht.
Und das Kind ist ausdauernd. Oh ja! Eineinhalb Stunden Toben sind da gar nichts. Und in dieser Zeit ist sie mit nichts zu beruhigen, manchmal dringen Argumente durchaus zu ihr durch, aber sie will sie dann nicht hören, oder das Gesagte prallt von vornherein  ab und ich kann gar nicht zu ihr durchdringen.

Und dabei sind es nicht nur Verbote oder Regelungen, die ihr nicht passen, die so einen Tobsuchtsanfall auslösen können.
Anfang der Woche gab es zum Beispiel einen riesigen Aufstand, weil der Reis sich nicht mit der Gabel aufspießen ließ. Und was will man da bitte schön machen? Ich habe eine Weile argumentiert. Überhaupt ein großer Fehler meinerseits, immer zu glauben, ich könnte so eine Situation irgendwie mit Worten klären.
Natürlich hat das gar nichts gebracht.
Da heißt es einfach alles zerbrechliche außer Reichweite bringen, das Kind irgendwie dazu bringen, dass es sich auf den Boden setzt, damit es sich nicht wehtut, und dann abwarten bis der Sturm vorüber ist.

In manchen Situationen habe ich durchaus Mitleid mit dem Fräulein Wunder. Ich merke genau, dass sie dann die Gefühle einfach übermannen und sie selbst keine Ahnung hat, wie sie sie steuern und wie sie aus dieser Wut wieder heraus kommen soll.
In anderen Momenten muss ich all meine Geduld aufbringen um ruhig zu bleiben, was mir leider auch nicht immer gelingt. In diesen Augenblicken ist das Fräulein einfach nur eine geballte Ladung Trotz mit heißer Wut garniert.

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Hasenfrühstück

Vorgestern kam das Fräulein Wunder nach Hause und erzählte die ganze Zeit von einem Hasenfrühstück im Kindergarten. Und dass sie dafür Käse mitbringen solle. Als ich sie fragte, wann denn das stattfinden würde, antwortete sie nur “das weiß ich doch nicht, Mama.”
Den Begriff “Hasenfrühstück” hatte ich bis dahin noch nie gehört und Käse mag das Fräulein Wunder gar nicht. Ich war etwas verwirrt.

Ich muss dazu sagen, dass seit unserem Urlaub die seltsamsten Sachen aus ihrem Mund kommen. Da hat sie nämlich, teilweise sechs Stunden am Stück, immer die selben drei Hörspiele rauf und runter gehört. Und ab und an streut sie einfach mal ein paar Sätze aus diesen Hörspielen mit ins Gespräch ein. Ein bißchen ist das wie ein Ratespiel: Welcher Satz gehört hier nicht dazu?

Demnach war ich also etwas ratlos beim Thema “Hasenfrühstück”.

Am nächsten Tag brachte ein Blick auf die Infotafel vor dem Raum der Marienkäfergruppe ein wenig Licht ins Dunkel. Tatsächlich hatte das Fräulein alles richtig erklärt. Ihre Gruppe veranstaltet ein Frühstück und sie hatte sich gemeldet, den Käse mitzubringen (warum auch immer. Es standen auch jede Menge Dinge auf der Liste, die sie wirklich gerne ist … oder ist das so eine Erwachsenenlogik? Ich bringe das mit, was ich auch gerne esse … hmmmmm). Jedenfalls … wo war ich? … ach ja … Das Frühstück sollte bereits am nächsten Tag stattfinden, so dass ich mit Miss Allerliebst noch schnell zum nächsten Diskounter fuhr um eine Packung Käse zu kaufen (ich lasse mal unerwähnt, dass ich mir die ganze Fahrt über Gedanken machte, ob ich jetzt nun lieber ein Stück, Würfel oder Scheiben Käse kaufen sollte).

Heute morgen dann der Tag des Hasenfrühstücks. Alleine das Wort brachte das Fräulein Wunder dazu, nach gefühlten fünf Minuten streicheln, kitzeln und rütteln, die Augen auf zu machen. Die ersten Worte: “Mama, den Käse dürfen wir nicht vergessen!” Klar Kind. Kein Problem.

Wenig später trug sie die Packung wie die Kronjuwelen in ihre Kindergartengruppe und überreichte sie mit feierlicher Miene ihrer Erzieherin. Ich bin schon seeehr gespannt, was sie heute Nachmittag erzählen wird.

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Urlaub 2012

Eigentlich sollte hier ein Eintrag über die Ankunft in der Spießigkeit stehen. Aber das war mir dann irgendwie doch zu mühsam. Stellt euch einfach einen vier Sterne Campingplatz mit 2000 Stellplätzen vor (nachdem wir vier Nächte in Österreich auf einem Ponyhof mit HP verbracht hatten), der zwischen 13.00 und 15.00 Uhr Mittagsruhe hat. Da wird das Wasser in der Poollandschaft abgestellt, die Schranken des Campingplatzes bleiben geschlossen, so dass in dieser Zeit kein Auto fährt und sämtliche Aktivitäten kommen zum Erliegen. Und das schlimmste ist, dass wir das als Familie richtig genossen haben und als angenehm empfanden. Es ist also soweit. Ich darf mich offiziell erschießen.

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Rabenmutter. Ich.

Heute morgen habe ich wie immer das Fräulein Wunder in den Kindergarten gebracht. Miss Allerliebst saß dabei auf meinem Arm und freute sich ihres Lebens. Wie immer verabschiedete ich mich vom Fräulein, während diese bereits mit ihrer Freundin auf die Stühle vor der Fensterbank kletterte, damit sie mir bzw. ich ihr zum Abschied winken und gefühlte 5 Millionen Kusshände zuwerfen kann.

Auf dem Weg nach draußen treffe ich andere Mamas. Quatsche hier ein bißchen, während ich Miss Allerliebst in ihren Kinderwagen packe, grüße da hinüber, während ich langsam um das Gebäude herum gehe, plane nebenbei im Kopf meinen Tag und unterhalte mich dabei mit einer weiteren Mama, die einen kleinen Knirps von etwa zwei Monaten in der Trage vor dem Bauch hängen hat. Auf dem Weg nach draußen kommt mir auch noch ein frisch gebackener Zweitpapa entgegen (was ich vor etwa zehn Minuten erst erfahren hatte), dem musste ich natürlich auch noch gratulieren.

Dann zu Hause der Schock. Ich habe nicht gewunken!! Ahhhhhhh!! Ich habe vor lauter lauter … und weil ich gedanklich bereits mit anderen Dingen beschäftigt war … und überhaupt … Ich hab’s einfach vergessen!! Ich RABENMUTTER!!

Den ganzen Tag fühle ich mich sowas von schlecht, mein schlechtes Gewissen ist groß wie ein Hochhaus, mein Herz schmerzt bei dem Gedanken an das Fräulein Wunder, das über mir, beinahe zum Greifen nahe hockte und sich wahrscheinlich den Wolf gewunken hat, während ich sie links liegen ließ und einfach nach Hause marschierte.

Als ich sie gegen ein Uhr abhole, ist von dem Desaster am Morgen nur in meinem Kopf etwas zu spüren. Das Kind freut sich wie immer mich zu sehen, zeigt mir dies und das von dem, was sie heute gemacht hat, holt ihren Rucksack, zieht ihre Schuhe gewohnt laaaaangsam an und trottet dann hinter mir her die Stufen hinunter und hinaus in den sommerlichen Tag. Dort kann ich dann nicht mehr an mich halten. “Beim Winken heute, war das schon ein bißchen komisch, oder?” fange ich vorsichtig an. “Hm,” nickt das Fräulein, äußerlich weiterhin ziemlich unbeeindruckt. “Ich habe vergessen zu winken, gell?” werde ich also etwas konkreter. “Ja,” stimmt das Fräulein mir zu. Wir befinden uns mittlerweile unter besagtem Fenster, also sozusagen am Ort des Geschehens, so dass ich anhalte, mich zu ihr hinunter in die Hocke begebe und sie direkt anschaue.” Ich habe ein bißchen geweint,” erklärt das Fräulein kläglich und mir bricht endgültig das Herz. “Es tut mir ganz schrecklich leid,” sage ich ihr und nehme sie in den Arm. “Ich verspreche, es kommt nie, nie wieder vor, okay?” füge ich hinzu und fühle mich absolut schrecklich. “Schon gut Mama,” verkündet das Fräulein daraufhin großspurig und der Großmütigkeit nicht genug, tätschelt sie mir dann auch noch aufmunternd den Rücken, während sie nun mich ganz fest drückt. Schließlich fängt sie an, auf mir herumzuklettern und lacht sich dabei nen Ast.

Mein Kind! Hach!

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