Zusammen mit dem tollen Mann lernte ich vor knapp 20 Jahren auch eine ganze Horde anderer, liebe Menschen kennen. Damals nur die männlichen Exemplare, die dann nach und nach ihre Freundinnen, große Lieben und späteren Ehefrauen mit in “die Clique” brachten.
Die ersten Jahre verbrachten wir jedes Wochenende gemeinsam. Freitag, Samstag und oft auch den Sonntag (heute unvorstellbar). Wir gingen in Kneipen, ins Kino oder in Diskos, tranken, rauchten und standen uns bei kleineren und größeren Katastrophen zur Seite.
Unvergessen, wie Hansi im kompletten Motorrad-Lederkombi mit Feuerwehrstiefeln auf dem Maimarkt in die dort ausgestellte (und befüllte) Badewanne stieg. Wie er und der tolle Mann sich das erste Mal eine Glatze für 10 Lasagne schneiden ließen. Der Blues-Brothers Abend im Capitol, bei dem Volker den ersten Platz belegte, weil er wie Elwood tanzte und damit 20 Kino-Freikarten gewann. Wir bzw. er entschied sich damals für eine Film-Doppelnacht und so schauten sich 10 mehr oder weniger erwachsene Menschen “Ein Hund namens Beethoven” und Disneys “Aladdin” gemeinsam an.
Mit diesen Chaoten war ich das erste Mal live dabei, als ein gewaltiger Furz angezündet wurde. Wir tanzten zu “No Coke” von Dr. Alban wie die Bekloppten, tranken Bier und Korea in Massen und probierten das erste Mal lustig machende Substanzen.
Das Motorradfahren einte uns. Am Anfang saß ich noch als Sozia hinter dem tollen Mann auf dessen BMW, später fuhr ich eine eigene. Ich fühlte mich damit als Teil eines Ganzen. Wir brachten es zeitweise auf knapp zwanzig Motorräder, besuchten unzählige Motorradtreffen, darunter jedes Jahr unser geheiligtes Florentiner, dessen Ende wir erst nach vier Jahren wirklich akzeptieren konnten (wir campten auf einer leeren Wiese, aber das ist eine andere Geschichte). Wir fuhren auch sonntags einfach mal so in den Oden- oder Pfälzer Wald. Wir planten Urlaube gemeinsam, kurvten durch Schweden und Norwegen. Jedes Jahr zu Ostern unternahmen wir eine Ostertour in eine andere deutsche Stadt. Wir froren auf dem Weg nach Berlin, genossen auch mal strahlenden Sonnenschein in Trier oder Köln. Wir bewohnten seltsame Hotels in Freiburg und drehten dort eine unvergessene Folge von FF-TV (“Fäkalien in Freiburg TV” eine große Show, über die ich hier auch eine ganz eigene Geschichte schreiben könnte).
Und je älter wir wurden, desto mehr veränderten wir uns und damit auch der Charakter, der unsere Gemeinschaft ausmachte. Pärchen fanden und trennten sich, Ehen wurden geschlossen, Kinder geboren. Aus rauschenden Besäufnissen wurden eher gemäßigte Geburtstagspartys oder Grillabende. Irgendwann überwogen dann die Wochenenden auf der Couch. Ausgehen, tanzen, feiern kam immer seltener vor. Trotzdem schafften wir es, uns neue Traditionen aufzubauen. Unser Wochenende auf dem Campingplatz im Schwarzwald, die runden Geburtstage, für die wir immer etwas besonderes planten und die Männer- und Weiberabende, die in unregelmäßigen Abständen weiterhin stattfinden (bei den Kerlen leider häufiger, als bei uns).
Inzwischen sind wir alle alt und gesetzt. Wir haben unser eigenes zu Hause und sind nicht mehr darauf angewiesen, dem elterlichen Haushalt zu entfliehen. Wir haben eigene Familien, die jetzt unser Leben bestimmen. Wir haben nicht mehr die Energie, um ein ganzes Wochenende auf Tischen zu tanzen und montags wieder frisch und einigermaßen ausgeruht zur Arbeit zu gehen. Jeder hat seine eigenen Termine, so dass ein Treffen mit allen meist unmöglich ist.
Und trotzdem … manchmal gibt es dann doch so Abende, an denen plötzlich alle wieder da sind. An denen wir zusammen sitzen und über die alten und auch neue Witze lachen. An denen wir uns wie früher blind verstehen. An denen es für ein paar Stunden unwichtig ist, welche Probleme dich bewegen oder welche Sorgen du dir machst. Der Geist unserer Gemeinschaft ist nach wie vor da. Zwar sehr durchscheinend und ziemlich verändert, aber irgendwie gehören wir immer noch zusammen. Und wahrscheinlich werden wir das auch immer tun. Eine gemeinsame Vergangenheit schweißt zusammen.