Einer fehlt

Es kommt einem so unwirklich vor, wenn man morgens angerufen wird und einem mitgeteilt wird, dass ein guter, langjähriger Freund ganz plötzlich verstorben ist. Jemand in unserem Alter, einer, den wir seit vielen, vielen Jahren kennen, der immer zu uns gehört hat, wenn wir uns auch in den letzten Jahren ein wenig von einander entfernt haben.

Schock. Trauer. Entsetzen. Dieses Unwirklichkeitsgefühl verflüchtigt sich irgendwie nicht.

Ich muss die ganze Zeit daran denken, wie es seiner Frau jetzt wohl geht. Alleine in dem Haus. Du gehst abends ins Bett und die andere Betthälfte bleibt leer und du weißt, dass sie für immer leer bleiben wird.
Diese Momente, in denen du einfach nur kurz einen Gedanken loswerden willst oder einen kurzen Rat brauchst und der Mensch, der immer ganz selbstverständlich für dich da war, ist es nun nicht mehr.
Kopfkino Deluxe. Ich könnte schon wieder heulen.

Und wie bringt sie es ihrem 8 Jahre alten Sohn bei? Er war bis heute auf einer Freizeit und war somit wenigstens nicht zu Hause, als es passiert ist. Diese Bilder brennen sich sicherlich auch für ein ganzes Leben in dein Hirn.

Wir hatten in der Vergangenheit mit ihr so unsere Schwierigkeiten, so dass wir nicht zu dem Kreis gehören, der sofort zu ihr eilt um ihr persönlich beizustehen. Trotzdem würde ich gerne irgendetwas tun. Ich hoffe und fürchte gleichzeitig, sie kommt irgendwann auf unser Hilfsangebot zurück.

Und dann sitzen wir da beim Abendbrot, ich halte Miss Allerliebst ganz fest im Arm, das Fräulein Wunder hat es sich auf dem Schoß des tollen Mannes bequem gemacht und ich bin so dankbar und glücklich für und mit meiner kleinen Familie und spüre gleichzeitig einen Anflug von schlechtem Gewissen darüber.
Und mir schießen wieder die Tränen in die Augen und ich sehe, dass es dem tollen Mann genau so geht.

Wie heißt es so schön? Das Leben ist ein Arschloch.

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Die Clique

Zusammen mit dem tollen Mann lernte ich vor knapp 20 Jahren auch eine ganze Horde anderer, liebe Menschen kennen. Damals nur die männlichen Exemplare, die dann nach und nach ihre Freundinnen, große Lieben und späteren Ehefrauen mit in “die Clique” brachten.
Die ersten Jahre verbrachten wir jedes Wochenende gemeinsam. Freitag, Samstag und oft auch den Sonntag (heute unvorstellbar). Wir gingen in Kneipen, ins Kino oder in Diskos, tranken, rauchten und standen uns bei kleineren und größeren Katastrophen zur Seite.

Unvergessen, wie Hansi im kompletten Motorrad-Lederkombi mit Feuerwehrstiefeln auf dem Maimarkt in die dort ausgestellte (und befüllte) Badewanne stieg. Wie er und der tolle Mann sich das erste Mal eine Glatze für 10 Lasagne schneiden ließen. Der Blues-Brothers Abend im Capitol, bei dem Volker den ersten Platz belegte, weil er wie Elwood tanzte und damit 20 Kino-Freikarten gewann. Wir bzw. er entschied sich damals für eine Film-Doppelnacht und so schauten sich 10 mehr oder weniger erwachsene Menschen “Ein Hund namens Beethoven” und Disneys “Aladdin” gemeinsam an.
Mit diesen Chaoten war ich das erste Mal live dabei, als ein gewaltiger Furz angezündet wurde. Wir tanzten zu “No Coke” von Dr. Alban wie die Bekloppten, tranken Bier und Korea in Massen und probierten das erste Mal lustig machende Substanzen.

Das Motorradfahren einte uns. Am Anfang saß ich noch als Sozia hinter dem tollen Mann auf dessen BMW, später fuhr ich eine eigene. Ich fühlte mich damit als Teil eines Ganzen. Wir brachten es zeitweise auf knapp zwanzig Motorräder, besuchten unzählige Motorradtreffen, darunter jedes Jahr unser geheiligtes Florentiner, dessen Ende wir erst nach vier Jahren wirklich akzeptieren konnten (wir campten auf einer leeren Wiese, aber das ist eine andere Geschichte). Wir fuhren auch sonntags einfach mal so in den Oden- oder Pfälzer Wald. Wir planten Urlaube gemeinsam, kurvten durch Schweden und Norwegen. Jedes Jahr zu Ostern unternahmen wir eine Ostertour in eine andere deutsche Stadt. Wir froren auf dem Weg nach Berlin, genossen auch mal strahlenden Sonnenschein in Trier oder Köln. Wir bewohnten seltsame Hotels in Freiburg und drehten dort eine unvergessene Folge von FF-TV (“Fäkalien in Freiburg TV” eine große Show, über die ich hier auch eine ganz eigene Geschichte schreiben könnte).

Und je älter wir wurden, desto mehr veränderten wir uns und damit auch der Charakter, der unsere Gemeinschaft ausmachte. Pärchen fanden und trennten sich, Ehen wurden geschlossen, Kinder geboren. Aus rauschenden Besäufnissen wurden eher gemäßigte Geburtstagspartys oder Grillabende. Irgendwann überwogen dann die Wochenenden auf der Couch. Ausgehen, tanzen, feiern kam immer seltener vor. Trotzdem schafften wir es, uns neue Traditionen aufzubauen. Unser Wochenende auf dem Campingplatz im Schwarzwald, die runden Geburtstage, für die wir immer etwas besonderes planten und die Männer- und Weiberabende, die in unregelmäßigen Abständen weiterhin stattfinden (bei den Kerlen leider häufiger, als bei uns).

Inzwischen sind wir alle alt und gesetzt. Wir haben unser eigenes zu Hause und sind nicht mehr darauf angewiesen, dem elterlichen Haushalt zu entfliehen. Wir haben eigene Familien, die jetzt unser Leben bestimmen. Wir haben nicht mehr die Energie, um ein ganzes Wochenende auf Tischen zu tanzen und montags wieder frisch und einigermaßen ausgeruht zur Arbeit zu gehen. Jeder hat seine eigenen Termine, so dass ein Treffen mit allen meist unmöglich ist.

Und trotzdem … manchmal gibt es dann doch so Abende, an denen plötzlich alle wieder da sind. An denen wir zusammen sitzen und über die alten und auch neue Witze lachen. An denen wir uns wie früher blind verstehen. An denen es für ein paar Stunden unwichtig ist, welche Probleme dich bewegen oder welche Sorgen du dir machst. Der Geist unserer Gemeinschaft ist nach wie vor da. Zwar sehr durchscheinend und ziemlich verändert, aber irgendwie gehören wir immer noch zusammen. Und wahrscheinlich werden wir das auch immer tun. Eine gemeinsame Vergangenheit schweißt zusammen.

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Der Morgenmuffel

Der Morgenmuffel

Ich persönlich bin ein totaler Morgenmuffel. Grundsätzlich benötige ich eine gute Stunde, in der man mich gar nicht ansprechen braucht, da ich sowieso noch nicht wirklich unter den Lebenden weile.
Göga ist da ähnlich gepolt, wobei es durchaus auch einmal vorkommen kann, dass er mir am Frühstückstisch (also morgens!) einen Vortrag über die Problematik in China, neue Wasserthermen auf dem Dach, meinen immer noch nicht vorhandenen Kräutergarten oder die Katastrophe in Myanmar hält.

Auch immer gerne genommen: Der Radiowecker fängt an zu dudeln, für eine halbe Stunde wird noch gekuschelt, dann verkünde ich, dass ich jetzt aufstehe. Göga murmelt “Mach doch” und klammert sich weiterhin an mir fest. Wenn ich mich dann nach zehn Minunten irgendwie unter ihm heraus gekämpft habe, bin ich meistens richtig wach.
Dann kann es aber auch passieren, dass ich mich noch einmal zu ihm herumdrehe, er mich dann breit angrinst und die Arme nach mir ausstreckt. In den seltensten Fällen kann ich dieser Aufforderung widerstehen.

Zudem verfügt ein normaler Haushalt in der Regel lediglich über ein einziges Badezimmer und mit viel Glück noch über ein separates Gäste WC.
Wenn man in diesem Haushalt alleine lebt, ist das ja alles kein Problem. Aber wehe, man muss sich dieses Kleinod der Nasszellen und Zahnputzbecher mit einem weiteren Menschen teilen! Dann kann das schon einmal zu kleineren Reibereien führen.

Da Göga normaler Weise immer erst nach mir aufsteht, ist das bei uns weniger das Problem. Und verspürt er dann doch mal den Drang zur gleichen Zeit zu duschen wie ich, nutzt er meist die Badewanne im 1. Stock.

Über dieses Thema unterhielten wir uns am Mittwoch auch mit einem befreundeten Pärchen. Während Göga und ich erklärten, dass wir morgens normaler Weise nicht viel mehr als “Guten Morgen” und “Tschüss” untereinander austauschen, während ich aus dem Bad komme und Göga es betritt, berichtete V. von folgendem Szenario.

Normaler Weise, erklärte er, stehe er ja wesentlich später als seine Freundin auf, aber ganz selten oder auch mal am Wochenende kann es vorkommen, dass es zu Überschneidungen kommt.
Der Mann kriecht also verschlafen, muffelig und mit verknautschtem Gesicht viel zu früh aus dem Bett, schlurft mit noch halb geschlossenen Augenlidern durch den Flur und drückt, während er ausgiebigst gähnt, die Badezimmertür auf.
Im nächsten Moment malträtiert ein lautes, fröhliches und ekelhaft waches “Guten Morgääääään” seine Welt des Halbschlafs, während sich noch nasse Hände um sein Gesicht schließen und er nach Zahnpasta schmeckend Küsse aufs gesamte Gesicht gedrückt bekommt.
“Und dann … ” fährt er mit einem tadelnden Blick auf seine Freundin fort, während der Rest der Manschaft bereits vor Lachen unter dem Tisch liegt ” … kann es auch noch passieren, dass der Fön bläst und das Radio auf voller Lautstärke läuft.”
Seine Freundin daraufhin “Weißt du wie laut so ein Fön ist? Ich muss doch das Radio auch hören können!”

Wir lernen also: Es ist schon schlimm genug, wenn man sich ein Badezimmer teilen muss, aber es ist noch schlimmer, wenn man ganz unterschiedliche Aufstehgewohnheiten pflegt.

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Wahre Freunde …

Wahre Freunde …

… bringen dich von der Party nach Hause, betten dich auf ihre Couch, ziehen dir die Schuhe aus und decken dich zu. Am nächsten Morgen warten sie mit einer Kopfschmerztablette, einem oppulenten Frühstück und einer eigenen Zahnbürste auf dich. Sie sprechen dabei leise, bis du der Meinung bist, dass dein Kopf jetzt schon etwas mehr vertragen kann und sie lachen dann mit dir, wenn sie dir erzählen, was du am vergangenen Abend alles gemacht hast, ohne dich daran erinnern zu können.

Danke T. und A.. Ohne euch würde ich heute wahrscheinlich immer noch auf der Bank im Geflügelzüchterverein liegen.

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