6 Monate

Liebe Miss Allerliebst,

und wieder sind zwei Monate wie im Flug vergangen. In dieser Zeit waren wir zwei Wochen im Urlaub, den Du ohne Probleme weggesteckt hast, Du bist in Dein eigenes Bett umgezogen und hast gelernt Brei vom Löffel zu essen. Aber dazu später mehr.

Erst einmal die Hardfacts: Vor vier Tagen waren wir bei der letzten Vorsorgeuntersuchung für dieses Jahr. Du wiegst zur Zeit genau 8 Kilo und bist 65,5 cm groß. Laut Deinem Kinderarzt entwickelst Du dich wunderbar, bist kerngesund und ein aufgewecktes Mädchen.

Auch Deine ersten beiden Zähne (Schneidezähne unten) hast Du im Urlaub gleichzeitig bekommen. Zwei Nächte lang hast Du gelitten, da Deine Nase verstopft war und Du Schmerzen hattest. Dann waren die Zähne da und damit auch die tropfende Nase verschwunden und Du wieder glücklich und zufrieden, wir erleichtert und wahnsinnig stolz.

Inzwischen entwickelst Du Dich rasant und stetig zu einem ganz eigenen, eigenwilligen Persönchen. Du weißt genau was Du willst und wie Du es willst und forderst dies auch schon mal lautstark ein. Gerade in den letzten zwei Tagen kannst Du richtig wütend werden, wenn Dir etwas nicht passt. Ich muss dann meist erst einmal schmunzeln, weil Du so viel Empörung an den Tag legen kannst, wenn ich dir zum Beispiel ein Spielzeug weg nehme um Dich anziehen zu können.
Morgens bist Du von uns allen der größte Sonnenschein. Du strahlst über das ganze Gesicht und erzählst munter drauf los, so bald Du die Augen offen hast. Für uns andere als bekennende Morgenmuffel ist das manchmal schwer zu ertragen, aber es hilft ungemein beim Wachwerden.

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Rabenmutter. Ich.

Heute morgen habe ich wie immer das Fräulein Wunder in den Kindergarten gebracht. Miss Allerliebst saß dabei auf meinem Arm und freute sich ihres Lebens. Wie immer verabschiedete ich mich vom Fräulein, während diese bereits mit ihrer Freundin auf die Stühle vor der Fensterbank kletterte, damit sie mir bzw. ich ihr zum Abschied winken und gefühlte 5 Millionen Kusshände zuwerfen kann.

Auf dem Weg nach draußen treffe ich andere Mamas. Quatsche hier ein bißchen, während ich Miss Allerliebst in ihren Kinderwagen packe, grüße da hinüber, während ich langsam um das Gebäude herum gehe, plane nebenbei im Kopf meinen Tag und unterhalte mich dabei mit einer weiteren Mama, die einen kleinen Knirps von etwa zwei Monaten in der Trage vor dem Bauch hängen hat. Auf dem Weg nach draußen kommt mir auch noch ein frisch gebackener Zweitpapa entgegen (was ich vor etwa zehn Minuten erst erfahren hatte), dem musste ich natürlich auch noch gratulieren.

Dann zu Hause der Schock. Ich habe nicht gewunken!! Ahhhhhhh!! Ich habe vor lauter lauter … und weil ich gedanklich bereits mit anderen Dingen beschäftigt war … und überhaupt … Ich hab’s einfach vergessen!! Ich RABENMUTTER!!

Den ganzen Tag fühle ich mich sowas von schlecht, mein schlechtes Gewissen ist groß wie ein Hochhaus, mein Herz schmerzt bei dem Gedanken an das Fräulein Wunder, das über mir, beinahe zum Greifen nahe hockte und sich wahrscheinlich den Wolf gewunken hat, während ich sie links liegen ließ und einfach nach Hause marschierte.

Als ich sie gegen ein Uhr abhole, ist von dem Desaster am Morgen nur in meinem Kopf etwas zu spüren. Das Kind freut sich wie immer mich zu sehen, zeigt mir dies und das von dem, was sie heute gemacht hat, holt ihren Rucksack, zieht ihre Schuhe gewohnt laaaaangsam an und trottet dann hinter mir her die Stufen hinunter und hinaus in den sommerlichen Tag. Dort kann ich dann nicht mehr an mich halten. “Beim Winken heute, war das schon ein bißchen komisch, oder?” fange ich vorsichtig an. “Hm,” nickt das Fräulein, äußerlich weiterhin ziemlich unbeeindruckt. “Ich habe vergessen zu winken, gell?” werde ich also etwas konkreter. “Ja,” stimmt das Fräulein mir zu. Wir befinden uns mittlerweile unter besagtem Fenster, also sozusagen am Ort des Geschehens, so dass ich anhalte, mich zu ihr hinunter in die Hocke begebe und sie direkt anschaue.” Ich habe ein bißchen geweint,” erklärt das Fräulein kläglich und mir bricht endgültig das Herz. “Es tut mir ganz schrecklich leid,” sage ich ihr und nehme sie in den Arm. “Ich verspreche, es kommt nie, nie wieder vor, okay?” füge ich hinzu und fühle mich absolut schrecklich. “Schon gut Mama,” verkündet das Fräulein daraufhin großspurig und der Großmütigkeit nicht genug, tätschelt sie mir dann auch noch aufmunternd den Rücken, während sie nun mich ganz fest drückt. Schließlich fängt sie an, auf mir herumzuklettern und lacht sich dabei nen Ast.

Mein Kind! Hach!

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Der perfekte Moment

Ich stehe in der Küche und schneide Zucchini. Im Radio spielt Incubus, hinter mir liegt Miss Allerliebst auf dem Boden unter ihrem Spieltrapez.

Das Fräulein Wunder kommt hereingewirbelt, in der Hand ihren Hund, den Oma ihr diese Woche in einem schwedischen Möbelhaus gekauft hat (unter Protest meinerseits, da das Fräulein bereits gefühlte 5 Millionen Kuscheltiere besitzt).
Singend und lachend wirft sie das Stofftier in die Höhe, woraufhin Miss Allerliebst plötzlich aus tiefem Herzen anfängt zu gackern und zu lachen. Dem Fräulein wiederum gefällt es so gut, dass etwas, was sie macht ihrer Schwester gefällt, dass sie nun eine viertel Stunde lang immer wieder den Hund in die Höhe wirft und sich gemeinsam mit ihrer Schwester freut.

Es sind diese Momente in denen ich mich geborgen in einer Familie fühle. In meiner eigenen Familie. Ich weiß, dass alle Feministinen jetzt aufstöhnen werden, aber diese Kombination Essenmachen-Kinderspielen im Hintergrund und dann noch diese behagliche Musik … das hat mich extrem zufrieden gemacht.

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4 Monate

(und 1 Woche und 1 Tag)

Liebe Miss Allerliebst,

schon wieder bist du ein wahnsinniges Stück gewachsen. Deine Sachen in Größe 56 sind dir allesamt zu kurz, die muss ich also demnächst aussortieren.

Du bist nun ein großes, robustes Mädchen geworden, das mächtig herum strampelt und sich dabei auch gerne mal in alle Himmelsrichtungen dreht. Dabei verlagerst Du dein Gewicht inzwischen gerne auf die Seite, reckst den Hals nach allem, was über und hinter Dir ist und hast es so auch schon ein paar Mal geschafft, dich eher ungewollt auf den Bauch zu drehen.
Auf dem Bauch liegen magst Du noch nicht so sonderlich. Wenn Du ausgeruht und gut drauf bist, kannst Du es in dieser Position schonmal fünf Minuten aushalten, aber dann fängst du an zu meckern und möchtest bitte wieder herum gedreht werden. Den Kopf reckst Du dabei bereits ganz hoch und manchmal stemmst Du dich sogar schon mit den Händen in die Höhe.

Überhaupt steht Dein Körper niemals wirklich still (außer im Tiefschlaf). Du strampelst, hampelst, streckst und reckst dich, winkst mit den Armen oder versuchst dich irgendwo hochzuziehen oder in eine sitzende Position aufzurichten (Deine Bauchmuskeln möchte ich haben!). Dadurch vermittelst Du ein wenig den Eindruck, als wärest Du den ganzen Tag über angespannt.
Selbst beim Trinken kannst Du dich sehr selten richtig fallen lassen. Deine Hände klammern sich immer irgendwo fest, am liebsten an die Hand, die die Flasche hält, und drücken und ziehen die ganze Zeit. Dein Kopf ruckt dann gerne von einer Seite zur anderen, immer dort hin, wo gerade ein Geräusch herkommt, Du Deine Schwester oder Papa hörst oder Dich auch nur ein Windhauch streift. Auch ist es eher die Ausnahme, wenn du Deine Flasche in einem Zug trinkst. Meist brauchst du zwei bis drei Anläufe und dazwischen gerne Pausen von durchaus mal einer viertel bis halben Stunde. Nur in der Nacht, wenn wirklich alles ruhig und Du noch mehr oder weniger im Halbschlaf bist, verschlingst Du Deine Mahlzeit in einem Zug (Gott sei Dank!). Lies den Rest des Beitrages

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