Tagebuch eines Nichrauchers (4)
Tag 61
Unglaublich aber wahr: Ich habe gestern tatsächlich mein zweimonatiges Nichtraucherdasein gefeiert. Wie doch die Zeit vergeht.
Und wie sich das für ein richtiges Jubiläum gehört, wurde ordentlich gefeiert. Der eigens angereiste Superstar legte eine kesse Sohle auf das Kölner Parkett und das Mineralwasser floss in Strömen.
Eigentlich hätte es also ein wunderschöner Tag werden können. Wenn da nicht die Tücken der Technik wären.
Bis zum Rasthof Medenbach Ost lief alles bestens. Meine Mitreisende und ich sangen mit der eigens für die Fahrt angelegten Playliste um die Wette, wir freuten uns wie zwei Schnitzel auf die Wiederholung des Programms vom vorangegangenen Abend und alles war prima.
Dann wurde mir die gemeine Wimper in meinem Auge doch zu viel und ich beschloss “Mal eben schnell” auf den Parkplatz zu fahren, um das lästige Ding zu entfernen.
Schlechte Idee. Gaaaaanz schlechte Idee.
Mein liebstes Auto (auch AJ genannt), beschloss anschließend nämlich zu bocken und einfach keinen Mucks mehr von sich zu geben.
Tot.
Aber sowas von.
Als ich mit dem Kommentar “Ich brauch’ jetzt erst mal ne Kippe!” heftig amtend aus dem Wagen ausstieg, überlegte meine Begleitung bereits, ob sie sich auf mich werfen sollte, um den von mir angekündigten Zigarettenkonsum zu unterbinden.
In diesem Moment wurde mir dann zum ersten Mal klar, wie oft ich diesen Spruch eigentlich gebrauche und auch warum.
Inzwischen ist es tatsächlich so, dass ich zwar noch recht häufig am Tag an eine Zigarette denke, ich aber nicht wirklich ein Verlangen danach verspüre. Ein Bonbon reicht in solch harmlosen Situationen schon aus um mein Verlangen nach oraler Beschäftigung zu stillen.
Übrig geblieben sind lediglich die Ausnahmesituationen, die zwar nicht immer so offensichtlich zu erkennen sind wie die gestrige, aber immerhin noch mindestens ein Mal pro Tag vorkommen.
Doch genau dann scheint es mir sehr wichtig zu sein, meine Umwelt darauf hinzuweisen, dass ich jetzt wirklich gerne eine rauchen würde. Scheinbar versuche ich durch diesen Code meinen Mitmenschen mitzuteilen, dass sie die nächsten fünf Minunte ganz besonders gut auf mich acht geben müssen, da ich mich in einer recht angespannten Situation befinde. Und da ist es eher unerheblich, ob ich gerade über der Wahl meines Nachtisches im Restaurant brüte, mich über eine Mail ärgere oder wie gestern mein Auto den Geist aufgibt.
Diese heftigen Momente sind Gott sei Dank sehr, sehr selten geworden und im Nachhinein bin ich immer sehr froh, der Versuchung widerstanden zu haben.
Und so haben wir uns gestern mit einer heißen Schokolade (die leider weder süß, gut, heiß noch billig war) getröstet und auf den netten Mann vom Abschleppdienst gewartet.
Am Telefon versicherte mir der junge Mann noch sehr überzeugend, dass unserem Konzerterlebnis in Köln (O-Ton: “AJ McLean? Hab ich noch nie gehört.”) nichts im Wege stünde. So oder so seien wir rechtzeitig zum Konzertbeginn anwesend.
Nun gut. Der Mann kam, sah und überbrückte. Mit dem Hinweis, dass wir das wohl auch heute Abend nach dem Konzert noch einmal bräuchten, sollte sich die Batterie nicht doch noch auf dem Weg nach Köln aufladen, verabschiedete er sich und fuhr der strahlenden Sonne entgegen.
Tja … die Batterie hat wohl nicht geladen, zumindest würde das den Umstand erklären, dass wir mein liebes Auto im Parkhaus die letzten Meter in die Parklücke schieben mussten.
Auch nach diesem Moment hätte ich gerne eine Zigarette geraucht, diesmal allerdings nicht so dringend wie noch am Mittag. Alleine der Umstand, dass wir tatsächlich noch relativ rechtzeitig in Köln angekommen waren, wäre es mir früher wert gewesen.
Wenigstens fiel diesmal die Ich-warte-Zigarette aus. Es war einfach nicht genügend Zeit dafür.
Wirklich gebraucht hätte ich so einen Glimmstengel dann nach dem Konzert, nachdem wir zum einen schon wieder ohne Marnie-CD gehen mussten und zum anderen mein Saxolein immer noch keinen Mucks von sich gab.
In diesem Moment, das gebe ich freimütig zu, stand mir das Wasser durchaus in den Augen. Ich dachte mit sehr viel Inbrunst an eine Zigarette und dass diese meine Lage auch nicht besser machen würde und wählte dann die Nummer meines überaus netten, hilfsbereiten Automobilclubs.
Auch der Werkstattmensch, der unglaublich schnell zur Stelle war (nachdem ich eine Touristin fragen musste wo die Glockengasse ist und ich wie ne Blöde um den Block zum 4711 Haus gerannt bin), war unglaublich nett und klang so, als sei er den Umgang mit verzweifelten Nichtraucherhaltern eines geliebten, funktionsuntüchtigen Kleinwagens gewohnt.
Erst nachdem der nette Mann uns erneut überbrückt (O-Ton nach einem halbe-Sekunde-Blick auf die Batterie: “Ja, die ist hin.”), bis zur Tankstelle begleitet, nach dem Tanken nochmal überbrückt und dann bis zur Autobahnauffahrt gelotst hat, ging es mir besser. Auch die Gedanken an eine Zigarette tauchten an diesem Abend nicht mehr wirklich in meinem Kopf auf.
An dieser Stelle also ein riesengroßes Dankeschön an meine beiden namenlosen Helden des Tages. Sie haben nicht nur meine Begleitung, mich selbst und mein Auto nach Köln und wieder zurück gebracht, sondern auch einen weiteren Tag in meinem Nichtraucherdasein unterstützend begleitet.
Und falls sich jemand mit dem Gedanken tragen sollte den ADAC zu verlassen (wofür es sicherlich Millionen von Gründen gibt), bietet sich mit dem ACV eine tolle, schnelle, freundliche und kompetente Alternative. Toll! Toll! Toll!


