? Zwei ?
Mein geliebtes Fräulein Wunder,
zwei Jahre bist du heute schon alt. Wow! Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen. Nach einem langen, heißen Sommer, in dem du jede freie Minute draußen (wenn möglich ohne Windel) verbracht hast, fesselte uns der lange, kalte Winter über lange Stunden hinweg ans Haus.
Doch alles hat seinen Reiz. Ob nun Wasser plantschen im Garten, im Schwimmbad oder am Meer, Spaziergänge durch Wald und Feld, Ausflüge ins Grüne und Besuchen auf Spielplätzen. Oder Kuscheln zu Hause, Puzzeln, Bücher lesen und Lego-Türme bauen, alles sehen wir neu mit deinen Augen und entdecken so die Wunder in jeder Situation.
So vieles hast du auch dieses Jahr zum ersten Mal gemacht oder gesehen. Deine ersten, freien Schritte, die dich erst noch wackelig und dann immer sicherer in die Welt hinaus trugen (heute rennst du so schnell, dass ich kaum hinterher komme). Das erste Mal in deinem Leben hast du das Meer gesehen und dich todesmutig und ohne erkennbare Furcht hineingestürzt (und wir sprechen hier von der Nordsee!). Das erste Mal Karussell gefahren, so lange, bis es allen anderen schlecht wurde, außer dir natürlich. Aber auch das erste Mal im Krankenhaus gewesen und damit auch das erste Mal wirklich die unangenehmen Seiten des Lebens kennenlernen.
Das erste Mal einen dieser Indoorspielplätze besucht und für gut befunden. Das erste Mal geschminkt worden (eine wunderschöne, lila Blume auf Wange und Stirn und du hast ganz ehrfürchtig still gehalten). Das erste Mal die Leiter der Rutsche alleine hinauf geklettert und das erste Mal auf einer richtigen “großen” Kinderschaukel geschaukelt (heute geht es nicht unter einer halben Stunde und dem andauernden Befehl “Hoch, Mama, hoch!” ab). Das erste Mal von einem Reh umgeboxt worden und das erste Mal Enten gefüttert. Das erste Mal zwei Nächte hintereinander ohne Deine Mama verbracht. Das erste Mal angefangen zu begreifen was es bedeutet, wenn Papa oder Mama “arbeiten” müssen. Das erste Mal mit Papa eine Eisenbahn fahren gelassen. Das erste Mal im Schnee spazieren gegangen (und es nicht sonderlich gemocht) und das erste (und einzige) Mal Schlitten gefahren. Und ganz, ganz viele Wörter zum ersten Mal benutzt und zu zweit oder dritt aneinander gereiht.
Dein Sprachvermögen schreitet täglich rasant voran. Immer öfter bildest du sogenannte Drei-Wort-Sätze. Wie zum Beispiel “Mama Gabel geben” oder “Fräulein schlafen Bett”. Man kann mit dir also schon richtig erzählen, aber auch diskutieren und streiten. Immer noch ist dein Lieblingswort “Nein”, was dich manchmal auch ins Aus befördert, wenn du zum Beispiel gefragt wirst, ob du noch ein Gummibärchen möchtest und aus Gewohnheit dein “Nein” folgt. Sofort überlegst du dir es natürlich anders, aber das zeigt sehr deutlich, wie ernst (oder besser nicht ernst) es dir manchmal mit diesem Wort ist.
Immer wieder versuchst du deine Grenzen zu testen und zu erweitern. Du versuchst zum Beispiel dich immer wieder davor zu drücken, mir bei der Überquerung einer Straße die Hand zu geben, obwohl wir dies schon immer und konsequent so tun. Genau so wie du jeden Abend um eine zweite Geschichte zum Vorlesen bittest (nunjaaaa … Manchmal bist du einfach zu süß und lieb und bettelst regelrecht, da kann ich nicht immer widerstehen).
Momentan halten sich deine Wutausbrüche auch in Grenzen. Du wirst nur laut, wenn etwas nicht so klappt, wie du es dir vorstellst. Wenn du zum Beispiel die Jacke ausziehen möchtest, du aber mit den Armen drin hängen bleibst. Oder du ein Behältnis nicht öffnen kannst. Oder aber auch, wenn ich dir die Süßigkeit vor dem Essen verbiete.
Trotzdem (oder gerade weil) du jeden Tag ein Stück mehr Unabhängigkeit entwickelst, bist du sehr verschmust. Manchmal kommst du einfach angerannt, schmiegst dich an mein Bein, drückst es kurz und flitzt wieder davon, manchmal möchtest du aber auch auf meinen Schoß oder Arm und gekuschelt werden. Du kannst dies nun auch verbal ausdrücken. “Fräulein kuscheln” sagst du dann.
Manchmal sagst du auch so etwas wie “Fräulein Baby” und dann möchtest du wie früher liegend im Arm gehalten werden und Ich wiege dich ganz sacht.
Immer häufiger packst du auch deine Sachen zusammen in eine Tasche, winkst zum Abschied und erklärst dann “Tschüüühüüüss. Fräulein Arbeit. Biero!”. Scheinbar hast du beschlossen, wenn die ganze Familie arbeitet, müsstest du auch deinen Teil dazu beitragen.
Daran, dass du sechs Vormittage im Monat bei Oma und Opa verbringst, hast du nichts auszusetzen. Am Anfang war es für dich schwer zu verstehen, warum deine Mama morgens nicht da ist, wenn du aufgewacht bist. Papa hatte dann alle Hände voll zu tun, um dich wieder zum Lachen zu bringen. Aber das kann immerhin keiner so gut wie er!
Du freust dich aber auch sichtlich, wenn ich wieder komme und dich mit einem dicken Kuss begrüße (ob du willst oder nicht). Oft verlangst du, dass Oma und Opa uns begleiten wenn wir nach Hause gehen, was ich als gutes Zeichen werte.
Es gebe noch so viel zu erzählen. Wie dein Kichern klingt, zum Beispiel, wenn du mit Papa Quatsch machst, oder wie akkurat der Schnuller auf deinem Schmusetuch liegen muss, wenn du deine Milch morgens trinkst. Wie dein kleines Gesichtchen aussieht, wenn du Theater spielst und so tust, als wärst du traurig. Wie du mein Grummeln nachahmst, wenn dir etwas nicht passt. Wie wundervoll weich dein Haar ist, wie gut du riechst, wie wundervoll zart deine Haut ist und wie gut du dich in meinen Armen anfühlst. Wie schnell und beinahe schmerzhaft mein Herz schlägt, wenn ich dir beim Schlafen zusehe, dein Lachen höre oder dich manchmal auch nur ansehe. Wie wunderschön das Wort “Mama” aus deinem Mund klingt. Und noch so vieles mehr.
Wir lieben dich. Mit jedem Tag mehr und noch mehr. Erst durch dich habe ich verstanden, was wirklich wichtig im Leben ist und was die Worte “ein Teil von mir” bedeuten.
Wir sind so sehr gespannt, wohin uns unsere gemeinsame Reise noch führen wird. Jeden Tag ist alles neu, spannend und so voller Leben. Dank dir.
Alles erdenklich Gute zu Deinem zweiten Geburtstag mein Hase. Das wünschen Dir
Mama und Papa



April 15, 2011 @ 17:21
Hach, eigentlich wollte ich mich gestern schon melden. Und in meinem Kopf ist die lange Email an dich längst geschrieben.
Ich hoffe daher, dass die Feierlichkeiten rund um das Fräulein dich genug in Beschlag nehmen, dass meine Trantütenhaftigkeit nicht weiter auffällt.
Ich wünsche dir und dem Fräulein ein weiteres aufregendes, wundervolles Jahr. Auf dass ich es hoffentlich endlich schaffe, die Madam persönlich kennen zu lernen
April 17, 2011 @ 11:09
Eigentlich bin ich ja dran mit dem Mailschreiben. Ich bekomme aber im Moment gar nix auf die Reihe. Seit Weihnachten scheint sich nur Termin an Termin zu reihen.
Was mir allerdings leuchtend im Gedächtnis geblieben ist, ist die Sache mit Heidelberg. Solltest du diese zauberhafte Stadt besuchen, ohne mir vorher bescheid zu geben, lasse ich dich Vierteilen. So!