Für die Prinzessin nur das Beste

Für die Prinzessin nur das Beste

Da sich mein Körper in den letzten eineinhalb Jahren ziemlich verändert hat, haben sich auch meine Einkaufsmöglichkeiten auf ein vielfaches erhöht.

Früher war es einfach so, dass ich hoch motiviert in die Stadt aufgebrochen bin und die drei Läden durchkämmt habe, die Klamotten in meiner Größe anbieten. Nach spätestens einer halben Stunde war ich dann regelmäßig ziemlich frustriert, weil mir das was mir passte nicht wirklich gefiel und das was ich gerne haben wollte, leider nur die eine Hälfte meines Körpers bedeckt hätte.
Demnach ging ich meist mit einem Kompromiss in der Einkaufstüte nach Hause, denn neue Klamotten müssen eben ab und zu sein.
Ich konnte demnach auch nicht verstehen, wie man Probleme mit der morgendlichen Kleiderauswahl haben oder “Shoppen” zu seinen Hobbys zählen kann.

Auf etwa der Hälfte meines Abnehmweges stellte ich dann fest, dass ich tatsächlich Körpermaße erreicht hatte, die es mir manchmal erlaubten, XL Größen aus normalen Kollektionen zu tragen. Zu meinen bisherigen drei Einkaufsmöglichkeiten kamen plötzlich weitere fünf hinzu. Die Kleidung war zwar immer noch nicht komplett das, was ich mir in meinem Kopf so vorstellte, aber immerhin befanden sich in kurzer Zeit T-Shirts und Jeans in meinem Besitz, die ich tatsächlich richtig gerne trug/trage und die auch annähernd an meinen “Kopf-Stil” in Sachen modisch heranreichten.

Irgendwann kam dann der denkwürdige Tag, an dem ich vor einem dieser Pimpkie/Xanaka/und wie die alle heißen Läden stand und fünf Sekunden in mich gegangen bin, bevor ich über die Schwelle trat.
Die Mode dort ist vielleicht auch nicht unbedingt das, was ich gerne trage (dafür bin ich mittlerweile vielleicht zu alt, ich weiß es nicht), aber alleine die Vorstellung solch einen Laden zu betreten und etwas KAUFEN und TRAGEN zu können, was dort für verhungerte Streichholz-Teenies angeboten wird, fand ich überaus elektrisierend. Das Teil, das ich mir damals dort gekauft habe, liegt immer noch in meinem Schrank und ich bin gespannt, ob ich es im nächsten Sommer tatsächlich noch anziehen werde.

Heute stehe ich vor einer schier unendlichen Fülle an Läden, Kleidern und Möglichkeiten. Am Anfang kaufte ich wahllos, schnell und mit Hingabe. Immerhin hatte ich die passable Ausrede, dass ich neue Kleider brauche, weil mir die alten nicht mehr passen.
Nachdem ich aber nun einen Sommer und einen halben Winter in meinem neuen Körper hinter mir habe, ist die Kleiderauswahl in meinem Kleiderschrank einigermaßen annehmbar. Wohlgemerkt auch noch für meine “Früher-Verhältnisse”. Übersichtlich stapeln sich einige T-Shirts, Pullover und Hosen und ich kann morgens, wenn ich im Bett liege, in Gedanken meinen Schrank durchgehen und mich noch unter der warmen Decke entscheiden, was ich an diesem Tag anziehen werde.

Nun verschiebt sich allerdings langsam aber sicher mein Verhältnis zu Kleidung, der Auswahl und meinem Geschmack. Ich fange an zu experimentieren, versuche herauszufinden, was ich wirklich mag und was ich einfach nur kaufe, weil ich es kann.

Es ist seltsam, wenn man ganz langsam etwas in sich zu Tage fördert, was bisher 35 Jahre lang mehr oder weniger verschüttet und gut verschlossen war. Ich stelle fest, dass ich dazu tendiere Sachen zu kaufen, die anders sind als die normalen 08/15 Klamotten, nur um hinterher zu Hause zu stehen und mich zu fragen, ob ich wirklich den Mut haben werde, dieses giftgrüne Kleidchen von dieser tollen schwedischen Designerin anzuziehen. Oder ich frage mich, ob der knallorangene Kapuzenpulli mit den Ansätzen von Puffärmeln und den Kühen darauf nicht doch ein bißchen zu gewagt ist.

Mode erfordert auch Mut. Und dass ausgerechnet ich das feststellen, wo ich bisher der Meinung war, mit diesem Thema gar nichts anfangen zu können und so etwas wie Geschmack nicht zu besitzen, macht mich, ehrlich gesagt, ganz schön kribbelig. Ich kaufe, probiere aus und verliere langsam den Überblick über meinen Kleiderschrank.
Vielleicht ist das im Grunde normal … also, dass es passieren kann, dass man seinen Schrank aufmacht und plötzlich ein Shirt entdeckt, das man noch nie anhatte und man denkt “Ach ja, ich erinnere mich daran. Das habe ich vor vier Wochen gekauft.”

Ich finde DAS unglaublich gruselig, weil ich so niemals werden wollte: Hilflos vor einer riesigen Auswahl an Klamotten stehen und immer noch der Meinung zu sein, nicht genug davon zu haben.

Ich werde also mein Kaufverhalten in den nächsten Wochen und Monaten etwas genauer betrachten, mich auch mal dazu durchringen, nicht alles zu kaufen, was mir so in die Hände fällt und mich an den Stücken zu erfreuen, die ich wirklich richtig und ganz besonders toll finde. Denn so sollte es wohl sein: Aus dem übergroßen Angebot genau das Teil herauspicken, dass es wert ist, in meinen Schrank und auf meinen Körper zu gelangen.

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1 Kommentar bis jetzt. »

  1. 1

    Fräulein Wunder - von Keksen und Krümeln // fraeulein.patschpatsch.com said,

    November 4, 2009 @ 16:40

    [...] lange geknackt und ich fühlte mich mehr als wohl in meinem Körper. Ich  begann, mich verstärkt für Kleidung zu interessieren, suchte nach meinem eigenen Stil und nach dem, was mir wirklich gefiel. Der Spruch “Ich bin [...]

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