März 27, 2010
· Geschrieben von: Keks
Schwerelos / Ildiko von Kürthy (1)
Seite 121
Ich nutze die Zeit während des Beischlafs lieber sinnvoll.
Als ich das letzte Mal mit Frank geschlafen habe, auch schon wieder ein paar Wochen her, habe ich mich zum Beispiel gefragt, warum Barbapapas keine Beine haben und wie sie sich eigentlich fortbewegen. Eine interessante Fragestellung, die meines Wissens noch nirgends hinreichend beantworte wurde. Immerhin war ich so taktvoll, diese Problem mit mir selbst auszumachen und mich ein wenig über mich selbst zu wundern – allerdings nur so lange, bis mich Frank kurz nach Abschluss des Aktes als solchem unvermittelt fragte: “Sag mal, lebt Inge Meysel eigentlich noch?”
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März 19, 2010
· Geschrieben von: Keks
Die gelöschte Welt / Nick Harkaway (4)
Seite 603
Fünf Minuten verbringe ich damit, in Royce Allens Konfektionsware herumzukramen und die Sachen zu bewundern, während mir ein nervöser Assistent nickend hin und her folgt. Ich aber gebe kleine, unzufriedene Laute von mir und erkläre, dass (obwohl alles, was ich sehe, in jeder Hinsicht von allerbester Qualität ist), maßgeschneiderte Ware doch sicherlich angenehmer wäre. Ich probiere ein Hemd an, in dem ich wie ein Gott aussehe, und deute an, es kneife ein wenig unter den Achseln. Ja. Eindeutig, es drückt tatsächlich … welche Art Faden Royce Allen wohl für seine Nähte benutzt? Es fühlt sich so rau an. Der Assistent versichert mir, der Faden sei aus feinstem Babyhaar und bester Angorawolle gewirkt, etwas Weicheres gebe es nicht. Ich seufze. Dann muss es der Stoff sein, wie schade. Nein, nein, der Stoff sei Baumwolle, die von Kindersklaven gepflückt werde. Sie müssten jede Stunde ihre Hände waschen und befeuchten, damit ihre Finger die Fasern nicht aufrauten. Natürlich bluteten sie auch, aber ihr Blut enthalte dank einer streng kontrollierten Ernährung einige Chemikalien, die sogar noch die luxuriöse Geschmeidigkeit des Stoffes verstärkten. Das Blut werde natürlich mit einem mineralischen Reinigungsmittel, das aus zerstoßenen Diamanten und dem Speichel von Jungfrauen besteht, auf hygienische Weise herausgebleicht, was den Glanz und das Schimmern sogar noch verstärke und dem fertigen Hemd beinahe die Festigkeit einer Schutzweste verleihe.
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März 17, 2010
· Geschrieben von: Keks
Die gelöschte Welt / Nick Harkaway (3)
Seite 520
Jeder Mensch trägt eine Vielzahl von Geistern mit sich herum: Die Eindrücke, die andere Menschen hinterlassen haben, ob stark oder schwach, ob nach langer Bekanntschaft oder in Folge einer oberflächlichen Begegnung. Diese Geister sind wie Landkarten, die bei jeder Begegnung aktualisiert werden und neue Details bekommen. Wir beurteilen sie und entwickeln Zuneigungen oder Abneigungen. Wenn man einen Philosophen fragt, dann stellen sie alles dar, was wir in der realen Welt jemals über einen Menschen erfahren können. Normalerweise ist es nicht sinnvoll Philosophen zu befragen. Sie haben eine Angewohnheit, die in der persischen Sprache sanud genannt wird – die ziellose Betrachtung beunruhigender, im Grunde aber doch bedeutungsloser Dinge.
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März 14, 2010
· Geschrieben von: Keks
Die gelöschte Welt / Nick Harkaway (2)
Seite 445
Von da an war dies einfach unser Leben. Jeder einzelne Tag ist kurz, aber wenn man die Tage zählt, stellt man fest, dass die Zeit sie mit ihrem eigenartigen Fortschreiten zu Jahren zusammengeschmiedet hat. Wir fanden Orte, an denen wir leben konnten, strichen Zäune und Haustüren, die Jahreszeiten schälten die Farbe ab, und wir begannen wieder von vorn. Samuel P. machte Saphira einen Antrag, den sie ablehnte. Als er es ein Jahr später noch einmal versuchte, hetzte ihr Onkel seine Hunde auf ihn. Tommy Lapland fand in seiner Schamgegend ein graues Haar und stürzte in die Bar ohne Namen, um es uns allen zu zeigen. Dabei entblößte er sein legendäres hässliches Glied und veranlasste Tobemory Trent zu der Bemerkung, es habe ihm noch nie so leid getan, ein Auge behalten zu haben. Sally Culpepper wurde strenger und schöner und zog mit Jim zusammen. Baptiste Vasille baute ein Gewächshaus und produzierte einen Wein, der nach Asche und Fischmehl schmeckte. Wir sagten, er sei köstlich, und seufzten erleichtert, als er einen großen Teil seiner ersten Lese selbst trank und anschließend mit dem Panzer rückwärts in sein Gewächshaus fuhr. Annie der Ochse begann, Puppenköpfe zu sammeln. Sie besaß eine Katze, einen Hund, einen Affen und mehrere Bären. Ihr Liebling war jedoch ein Elefantenkopf mit geschwungenen Stoßzähnen aus Hanfseil. Er lächelte traurig, als vermisste er die Taftsavanne und die Sackleinenweiden seiner Heimat. Wir fragten nie, was ihr die Sammlerei bedeutete, weil manche Dinge zur Privatsphäre gehörten, so verrückt und beunruhigend es auch war, die ordentlich über ihrem Bett aufgereihten Köpfe zu sehen. Alles in allem verbrachten wir die Zeit mit Essen, Trinken und Lieben – also wie ganz gewöhnliche Menschen, die ganz gewöhnliche Dinge taten. Bis eines Tages das Rohr Feuer fing, in der Bar ohne Namen das Licht erlosch und Gonzo in seinem neuen großen Truck das erste Mal einen Gang einlegte.
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