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Urlaub 2012

Eigentlich sollte hier ein Eintrag über die Ankunft in der Spießigkeit stehen. Aber das war mir dann irgendwie doch zu mühsam. Stellt euch einfach einen vier Sterne Campingplatz mit 2000 Stellplätzen vor (nachdem wir vier Nächte in Österreich auf einem Ponyhof mit HP verbracht hatten), der zwischen 13.00 und 15.00 Uhr Mittagsruhe hat. Da wird das Wasser in der Poollandschaft abgestellt, die Schranken des Campingplatzes bleiben geschlossen, so dass in dieser Zeit kein Auto fährt und sämtliche Aktivitäten kommen zum Erliegen. Und das schlimmste ist, dass wir das als Familie richtig genossen haben und als angenehm empfanden. Es ist also soweit. Ich darf mich offiziell erschießen.

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Rabenmutter. Ich.

Heute morgen habe ich wie immer das Fräulein Wunder in den Kindergarten gebracht. Miss Allerliebst saß dabei auf meinem Arm und freute sich ihres Lebens. Wie immer verabschiedete ich mich vom Fräulein, während diese bereits mit ihrer Freundin auf die Stühle vor der Fensterbank kletterte, damit sie mir bzw. ich ihr zum Abschied winken und gefühlte 5 Millionen Kusshände zuwerfen kann.

Auf dem Weg nach draußen treffe ich andere Mamas. Quatsche hier ein bißchen, während ich Miss Allerliebst in ihren Kinderwagen packe, grüße da hinüber, während ich langsam um das Gebäude herum gehe, plane nebenbei im Kopf meinen Tag und unterhalte mich dabei mit einer weiteren Mama, die einen kleinen Knirps von etwa zwei Monaten in der Trage vor dem Bauch hängen hat. Auf dem Weg nach draußen kommt mir auch noch ein frisch gebackener Zweitpapa entgegen (was ich vor etwa zehn Minuten erst erfahren hatte), dem musste ich natürlich auch noch gratulieren.

Dann zu Hause der Schock. Ich habe nicht gewunken!! Ahhhhhhh!! Ich habe vor lauter lauter … und weil ich gedanklich bereits mit anderen Dingen beschäftigt war … und überhaupt … Ich hab’s einfach vergessen!! Ich RABENMUTTER!!

Den ganzen Tag fühle ich mich sowas von schlecht, mein schlechtes Gewissen ist groß wie ein Hochhaus, mein Herz schmerzt bei dem Gedanken an das Fräulein Wunder, das über mir, beinahe zum Greifen nahe hockte und sich wahrscheinlich den Wolf gewunken hat, während ich sie links liegen ließ und einfach nach Hause marschierte.

Als ich sie gegen ein Uhr abhole, ist von dem Desaster am Morgen nur in meinem Kopf etwas zu spüren. Das Kind freut sich wie immer mich zu sehen, zeigt mir dies und das von dem, was sie heute gemacht hat, holt ihren Rucksack, zieht ihre Schuhe gewohnt laaaaangsam an und trottet dann hinter mir her die Stufen hinunter und hinaus in den sommerlichen Tag. Dort kann ich dann nicht mehr an mich halten. “Beim Winken heute, war das schon ein bißchen komisch, oder?” fange ich vorsichtig an. “Hm,” nickt das Fräulein, äußerlich weiterhin ziemlich unbeeindruckt. “Ich habe vergessen zu winken, gell?” werde ich also etwas konkreter. “Ja,” stimmt das Fräulein mir zu. Wir befinden uns mittlerweile unter besagtem Fenster, also sozusagen am Ort des Geschehens, so dass ich anhalte, mich zu ihr hinunter in die Hocke begebe und sie direkt anschaue.” Ich habe ein bißchen geweint,” erklärt das Fräulein kläglich und mir bricht endgültig das Herz. “Es tut mir ganz schrecklich leid,” sage ich ihr und nehme sie in den Arm. “Ich verspreche, es kommt nie, nie wieder vor, okay?” füge ich hinzu und fühle mich absolut schrecklich. “Schon gut Mama,” verkündet das Fräulein daraufhin großspurig und der Großmütigkeit nicht genug, tätschelt sie mir dann auch noch aufmunternd den Rücken, während sie nun mich ganz fest drückt. Schließlich fängt sie an, auf mir herumzuklettern und lacht sich dabei nen Ast.

Mein Kind! Hach!

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Der perfekte Moment

Ich stehe in der Küche und schneide Zucchini. Im Radio spielt Incubus, hinter mir liegt Miss Allerliebst auf dem Boden unter ihrem Spieltrapez.

Das Fräulein Wunder kommt hereingewirbelt, in der Hand ihren Hund, den Oma ihr diese Woche in einem schwedischen Möbelhaus gekauft hat (unter Protest meinerseits, da das Fräulein bereits gefühlte 5 Millionen Kuscheltiere besitzt).
Singend und lachend wirft sie das Stofftier in die Höhe, woraufhin Miss Allerliebst plötzlich aus tiefem Herzen anfängt zu gackern und zu lachen. Dem Fräulein wiederum gefällt es so gut, dass etwas, was sie macht ihrer Schwester gefällt, dass sie nun eine viertel Stunde lang immer wieder den Hund in die Höhe wirft und sich gemeinsam mit ihrer Schwester freut.

Es sind diese Momente in denen ich mich geborgen in einer Familie fühle. In meiner eigenen Familie. Ich weiß, dass alle Feministinen jetzt aufstöhnen werden, aber diese Kombination Essenmachen-Kinderspielen im Hintergrund und dann noch diese behagliche Musik … das hat mich extrem zufrieden gemacht.

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Gääääähn

Mein Bruder meinte vor kurzem in einem Gespräch, dass er so furchtbar müde sei. Er könne sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal nach acht aufgestanden ist. Er und seine Freundin haben einen noch recht jungen Hund und der fordert eben auch am Wochenende die volle Aufmerksamkeit.

Als Entgegnung lag mir schon auf der Zunge so etwas zu sagen wie: “Stell dich nicht so an, ich bekomme seit Wochen nie mehr als 4 Stunden Schlaf am Stück. Acht Uhr wäre ein Traum!”
Ich hab es dann aber gelassen, denn ich erinnerte mich doch noch ganz gut daran wie das früher war. Ohne Kinder, mit einem Job, der mich ausfüllte, sozialen Verpflichtungen, die gerne auch mal bis in die Morgenstunden dauern konnten und diesem wunderbaren Wochenendgefühl, wenn man weiß, nichts wird stören, man hat so unglaublich viel Zeit um in den Tag hinein zu leben. Aufstehen nicht vor zehn (und dann trotzdem noch müde sein), endlos frühstücken mit einem guten Buch dabei und dann mal sehen, was der Tag so bringt. Da war die Vorstellung von acht Uhr aufstehen doch sehr grausam.

Ich konnte mir vor dem Fräulein Wunder nicht vorstellen, wie ich mit so wenig Schlaf in Zukunft auskommen sollte. Und wie bei so Vielem musst ich feststellen, das alles geht und möglich ist und dass man sich relativ schnell an neue Umstände gewöhnt. Somit erscheint mir ein sechs Stunden Schlaf am Stück schon ganz normal und ausreichend.
Mit Miss Allerliebst stelle ich nun leider auch fest, dass wir in der Vergangenheit vom Fräulein Wunder wirklich verwöhnt worden sind. Das Fräulein schlief recht bald durch bzw. wachte nur einmal in der Nacht auf, sie schlief meist bis acht (Ha!) und dies auch noch friedlich in ihrem Bett.

Ich möchte nicht behaupten, dass Miss Allerliebst eine schlechte Schläferin ist. Ich denke, sie schläft ihrem Alter angemessen. Allerdings, wie oben erwähnt, wussten wir ja bisher gar nicht was “ihrem Alter angemessen” ist. Wenn meine Käfermamas von Uhrzeiten jenseits der sechs Uhr Marke stöhnten (da gab es auch Phasen mit einer vier auf dem Wecker), bedauerte ich zwar, konnte aber nicht in letzter Konsequenz nachfühlen.

Und nun pendelt sich die Miss so bei sechs Uhr morgens ein. Wenn ich Glück habe, kann ich sie dann noch eine halbe Stunde mit Schnuller und Kuscheln beruhigen, aber meist ist das vergebene Liebesmüh. Außerdem hatten wir heute die zweite Nacht, in der Miss Allerliebst gar nicht zur Ruhe zu kommen schien. Sie schlief bis halb drei, dann wurde sie unruhig und bekam eine Flasche und ab da habe ich das Gefühl, dass wir beide nicht mehr wirklich viel geschlafen haben (was natürlich Unsinn ist, denn eine Stunde hin und wieder dösen/schlafen war zwischendurch bestimmt drin).
Ich versuchte sie nach der Flasche zurück in ihr Bett zu legen. Selbst mit ausgedehntem Kuscheln vorher war dies nicht möglich. Also legte ich mich mit ihr im Arm ins Bett. Sie hat so eine Art, sich zu winden und zu verkrampfen, den Kopf mal nach hinten, dann wieder nach vorne zu werfen, die Arme rudern unkontrolliert auf der Suche nach meiner Hand, die Beine zappeln – das gesamte Bündel Menschlein ist in Bewegung. Die ganze Nacht. Bis heute morgen um viertel nach sieben.
Sie ist heute morgen ausgeruht. Ich fühle mich wie gerädert. Seltsamer Weise aber fiter als an den Tagen, an denen ich mit ihr um sechs aufstehen musste.

Erfahrungsgemäß ist Miss Allerliebst dann eine Stunde bis eineinhalb wach und schläft dann noch einmal eine Stunde. Unter der Woche bringe ich das Fräulein Wunder in den Kindergarten und gehe dann noch eine Runde laufen. Auch heute habe ich mich mit Miss Allerliebst um viertel vor acht auf den Weg ins Feld gemacht, einfach um meinen müden Kopf klar zu bekommen. Denn zu Hause rumzusitzen in dem Zustand ist tödlich.
Wenn ich dann nach einer Stunde wieder nach Hause komme, schläft Miss Allerliebst in ihrem Wagen den Schlaf der Gerechten, was mir die Möglichkeit für eine ganz entspannte Dusche und ein stressfreies Frühstück gibt.

Ich werde jetzt also zusammen mit dem Fräulein Wunder, das hier schon fröhlich plappernd herum rennt, den Tisch decken und ganz gemütlich mit InTouch und Gala mein Frühstück verspeisen (natürlich auch mit dem tollen Mann), während Miss Allerliebst im Garten in ihrem Kinderwagen schlummert.
Schlaf wird definitiv überbewertet. So!

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