Mein Bruder meinte vor kurzem in einem Gespräch, dass er so furchtbar müde sei. Er könne sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal nach acht aufgestanden ist. Er und seine Freundin haben einen noch recht jungen Hund und der fordert eben auch am Wochenende die volle Aufmerksamkeit.
Als Entgegnung lag mir schon auf der Zunge so etwas zu sagen wie: “Stell dich nicht so an, ich bekomme seit Wochen nie mehr als 4 Stunden Schlaf am Stück. Acht Uhr wäre ein Traum!”
Ich hab es dann aber gelassen, denn ich erinnerte mich doch noch ganz gut daran wie das früher war. Ohne Kinder, mit einem Job, der mich ausfüllte, sozialen Verpflichtungen, die gerne auch mal bis in die Morgenstunden dauern konnten und diesem wunderbaren Wochenendgefühl, wenn man weiß, nichts wird stören, man hat so unglaublich viel Zeit um in den Tag hinein zu leben. Aufstehen nicht vor zehn (und dann trotzdem noch müde sein), endlos frühstücken mit einem guten Buch dabei und dann mal sehen, was der Tag so bringt. Da war die Vorstellung von acht Uhr aufstehen doch sehr grausam.
Ich konnte mir vor dem Fräulein Wunder nicht vorstellen, wie ich mit so wenig Schlaf in Zukunft auskommen sollte. Und wie bei so Vielem musst ich feststellen, das alles geht und möglich ist und dass man sich relativ schnell an neue Umstände gewöhnt. Somit erscheint mir ein sechs Stunden Schlaf am Stück schon ganz normal und ausreichend.
Mit Miss Allerliebst stelle ich nun leider auch fest, dass wir in der Vergangenheit vom Fräulein Wunder wirklich verwöhnt worden sind. Das Fräulein schlief recht bald durch bzw. wachte nur einmal in der Nacht auf, sie schlief meist bis acht (Ha!) und dies auch noch friedlich in ihrem Bett.
Ich möchte nicht behaupten, dass Miss Allerliebst eine schlechte Schläferin ist. Ich denke, sie schläft ihrem Alter angemessen. Allerdings, wie oben erwähnt, wussten wir ja bisher gar nicht was “ihrem Alter angemessen” ist. Wenn meine Käfermamas von Uhrzeiten jenseits der sechs Uhr Marke stöhnten (da gab es auch Phasen mit einer vier auf dem Wecker), bedauerte ich zwar, konnte aber nicht in letzter Konsequenz nachfühlen.
Und nun pendelt sich die Miss so bei sechs Uhr morgens ein. Wenn ich Glück habe, kann ich sie dann noch eine halbe Stunde mit Schnuller und Kuscheln beruhigen, aber meist ist das vergebene Liebesmüh. Außerdem hatten wir heute die zweite Nacht, in der Miss Allerliebst gar nicht zur Ruhe zu kommen schien. Sie schlief bis halb drei, dann wurde sie unruhig und bekam eine Flasche und ab da habe ich das Gefühl, dass wir beide nicht mehr wirklich viel geschlafen haben (was natürlich Unsinn ist, denn eine Stunde hin und wieder dösen/schlafen war zwischendurch bestimmt drin).
Ich versuchte sie nach der Flasche zurück in ihr Bett zu legen. Selbst mit ausgedehntem Kuscheln vorher war dies nicht möglich. Also legte ich mich mit ihr im Arm ins Bett. Sie hat so eine Art, sich zu winden und zu verkrampfen, den Kopf mal nach hinten, dann wieder nach vorne zu werfen, die Arme rudern unkontrolliert auf der Suche nach meiner Hand, die Beine zappeln – das gesamte Bündel Menschlein ist in Bewegung. Die ganze Nacht. Bis heute morgen um viertel nach sieben.
Sie ist heute morgen ausgeruht. Ich fühle mich wie gerädert. Seltsamer Weise aber fiter als an den Tagen, an denen ich mit ihr um sechs aufstehen musste.
Erfahrungsgemäß ist Miss Allerliebst dann eine Stunde bis eineinhalb wach und schläft dann noch einmal eine Stunde. Unter der Woche bringe ich das Fräulein Wunder in den Kindergarten und gehe dann noch eine Runde laufen. Auch heute habe ich mich mit Miss Allerliebst um viertel vor acht auf den Weg ins Feld gemacht, einfach um meinen müden Kopf klar zu bekommen. Denn zu Hause rumzusitzen in dem Zustand ist tödlich.
Wenn ich dann nach einer Stunde wieder nach Hause komme, schläft Miss Allerliebst in ihrem Wagen den Schlaf der Gerechten, was mir die Möglichkeit für eine ganz entspannte Dusche und ein stressfreies Frühstück gibt.
Ich werde jetzt also zusammen mit dem Fräulein Wunder, das hier schon fröhlich plappernd herum rennt, den Tisch decken und ganz gemütlich mit InTouch und Gala mein Frühstück verspeisen (natürlich auch mit dem tollen Mann), während Miss Allerliebst im Garten in ihrem Kinderwagen schlummert.
Schlaf wird definitiv überbewertet. So!
