Digital Orientierungslose. IMUK-Studentin. Bayern. Hier und da und beim Fußball auch. Nerd. Oder Geek, up for discussion.
Braucht Worte und Musik um zu wachsen und zu gedeihen. Das übliche halt.
Wenn mir Sachen nicht gefallen beschäftige ich mich nicht weiter damit. Also sparen wir uns die Kategorie, oder? Ich meine, sowas ist ja noch subjektiver als die Lieblingsfolge. Gnarf.
(Was wir uns gleich noch sparen ist der Jammerbeitrag, der tradition um diese Zeit folgt. Voll mit Wut und Ärger über Institutionen, Banken, Bafög-Ämter, Nebenjobs und anderen Widrigkeiten die mich momentan dazu verleiten, das ganze Studium Studium sein zu lassen, nach Hamburg zu ziehen und Texterin für irgendwas zu werden. Bachelorarbeit schreiben während man die Miete nicht zahlen kann, gibt’s zu dem Thema Bücher? [Anm. d. Verfasserin: ich stehe unter Zuckerschock, sonst würde das alles hier noch wesentlich wütender klingen.])
Ich langweil euch hier nicht nochmal mit meinen favorisierten Serien, hier wird ein bisschen abgewechselt, ja?
Honorable mention: Dr. House: Three Stories (Season 1 Folge 21)
Ach Dr. House. Wie konntest du, ein brillianter schmerzmittelabhängiger Arzt zu meiner wichtigsten Identifikationsfigur im TV werden? Unter anderem durch die geniale Folge three stories. Dr. House hält eine Vorlesung und erzählt die Geschichte von 3 Patienten — alle drei präsentieren Schmerzen im Bein. Nachdem Carmen Elektra Golf gespielt und 2 der Fälle gelöst wird, offenbart sich ein noch viel schmerzhafter Kern in der Geschichte des dritten Beins.
Denn es ist das von Dr. Gregory House. Und es ist die Geschichte wie er zu seinem Stock, seinem Zynismus (Sarkastisch war er vorher schon) und seiner Spezialität, der Diagnostik, kam.Im Laufe der Folge geht es nicht nur darum, wie wichtig eine schnelle und richtige Diagnose ist, sondern warum es gar nicht so wahnsinnig viel hilft, wenn ein Arzt möglichst mitfühlend gegenüber seinen Patienten ist. Ärzte und Schmerzen in Serien sind generell eine eigentlich heikle Sache (warum zum Teufel gibt es so viele Arztserien?), weil fast jeder von uns irgendwann auf eine Stelle trifft, zu der er einen direkten Bezug hat. Nur meistens sind dieser vorübergehender Art. Oder so drastisch, dass sie sich einordnen lassen. Aber ist jemand, der ein bisschen hinkt und schmerzen hat schon “richtig” behindert? Und rechtfertigen die Schmerzen die emotionale Abschottung, die Veränderung des Charakters?
Mir wurde erst mit dieser Folge klar, das die Autoren von Dr. House vor diesen Fragen nicht halt machen. Was für viele Zuschauer sehr faszinierend, aber fremdartig scheinen mag und, dank der Intelligenz und des Wortwitzes von Dr. House selbst, unterhaltsam. Für eine Handvoll von uns ist es ein bisschen mehr. Ein bisschen closer to home, sozusagen. Allein darum, werde ich dieser Serie nie untreu werden. Egal wie abwegig es manchmal wird — medizinisch und persönlich.
Runner-up: Buffy: Once more with feeling (Season 6 Folge 7)
Was soll ich zu einem Meisterwerk noch groß sagen? Buffy hatte in den Jahren zuvor schon jedes Klischee zerschlagen. Eine erfolgreiche intelligente Serie über ein blondes Teenagermädchen, das Vampire jagt? Ja genau. Und clever, witzig, voll mit starken weiblichen Charakteren ( I love you, Joss Whedon.) und eine glaubhafte coming-of-age Geschichte der beteiligten Figuren. Die Monster und Vampire waren die Kirsche auf dem Dessert. Und dann geht er hin, der Joss, und macht ein Musical. Ein MUSICAL! Was für ein unvorstellbarer Blödsinn, müssen damals viele gedacht haben. Aber sie lagen falsch. Das Genie Whedon schrieb jedem Charakter Lieder auf den Leib, die nicht nur die Figur repräsentieren, sondern tatsächlich den Plot vorantreiben. Die Lieder bringen den Subtext an die Oberfläche und machen damit die Motivation der Figuren vollkommen klar. Ein brilliantes Stück Fernsehen.
Winner: Doctor who: the eleventh hour (Season 5 Folge 1)
Hach was war das Geschrei groß. Der neue Showrunner Steven Moffat, zur Hälfte geliebt für brilliante Stories in den ersten 4 Staffeln — zur Hälfte gefürchtet, ob er den Bombast von Vorgänger Russel T. Davies halten könnte.Und dann erst der neue Doktor! Ein Milchgesicht vor dem Herrn, dieser Matt Smith, den niemand kannte. Dazu der neue Companion, eine rothaarige (! ) Schottin (!!), diese Karen Gillian. Überhaupt lief das für viele auf zu viele junge, attraktive Menschen hinaus um noch der Doctor zu sein. (Klar, Doctor Nummer 10, David Tennant war ja auch von der gaanz häßlichen Sorte ;-))
Dann endlich war es soweit, the eleventh hour, der Pilot von Staffel 5 wurde gesendet. Und eine knappe Trilliarden Menschen verknallte sich mirnichts, dirnichts in die neue Kompanie. Zurecht.
Kaum etwas ist für einen neuen Doctor so wichtig, wie die ersten Momente nach der Regenaration. Geht der Typ als Alien durch? Ist er — trotz dem Alien — britisch genug? Kann das 26jährige Milchgesicht einen 900jährigen spielen? Er kann.
So trifft Nummer 11 als erstes auf die kleine Amilia, eine furchtlose Schottin, die Elternlos in England lebt. Sie sieht den Doctor als die Lösung zu einem Problem — den Riss (Crack) in ihrer Wand. Doch bevor der Doctor die Sache mit dem Riss ganz klären kann, macht der TARDIS faxen und der Time Lord muss kurz damit in die Luft. Nur, das kurz in diesem Fall so eine Interpretationssache ist.
In rasender Geschwindigkeit lernen wir so Amy und ihre verdrehte Welt kennen. Die Geschichte von the eleventh hour ist weniger der Alien hinter dem Riss in Amelias Wand, sondern die Geschichte eines reisenden Time Lords der ein einsames kleines Mädchen findet und sie schließlich einlädt, mit ihm Zeit und Raum zu erkunden. Nur, es wird nicht das Letzte mal sein, dass der TARDIS das mit dem Zeitraum nicht ganz perfekt hinbekommt…
Früher fand ich es seltsam, wenn Menschen gesagt haben soundso wäre “ihr” Doctor gewesen und die Nachfolger wären eben nicht das Gleliche. Aber meine Herren, seit Nummer Elf weiß ich vollkommen was diese Menschen meinen. Steven Moffat hat für den neuen Doctor dazu eine märchenhafte Geschichte voller timey-wimey und verwirrter Emotionen geschrieben. Im Unterschied zu Davies haut Moffat nicht so auf die Pauke, sondern betreibt ordentliches Storytelling und Charakterentwicklung. Die Zeit bis zum Weihnachtsspecial ist noch viel, viel zu lang.
Wir müssen an dieser Stelle den Begriff “Season” ein bisschen strecken, den Caprica begann schon vor einiger Zeit. Es liefen die ersten 9 Folgen und plötzlich … war da Stille. Ab Herbst läuft der Rest von Staffel 1 — ob es darüber hinaus noch eine Staffel geben wird ist ungewiss.
Ergo: Es geht mal wieder ums Sci-Fi Genre, das von TV-Sendern gern noch stiefmütterlich behandelt wird. Und das, obwohl Caprica nicht irgendeine Serie ist, sondern die Prequel zu Battlestar Galatica (BSG).
Halt — stop — nicht aufhören zu lesen, weil man noch keine Folge BSG gesehen hat — habe ich auch nicht! Ich bin halt nie wirklich dazu gekommen und irgendwann noch einzusteigen schien .. seltsam. Caprica funktioniert auch wunderbar für sich, eben weil es die Geschichte vor BSG erzählt.
Am Ende ist es, wie immer, eine Familiengeschichte.
Auf dem Planeten Caprica hat Daniel Graystone durch seine Erfindungen im Bereich der Technologie ein Vermögen geschaffen. Er hat sich auf künstliche Realität und intelligente Computer spezialisiert. Als seine hochbegabte Tochter Zoe bei einem Terroranschlag ums Leben kommt, bricht für ihn eine Welt zusammen.
Langsam realisiert er, dass Zoe nicht nur selbst mit den angeblichen Terroristen — Anhängern eines monotheistischen Glaubens — involviert war, sondern auch, dass Zoe es geschafft hatte, eine digitale Kopie von sich zu erstellen.
Die künstliche Realität wird zur zweiten Ebene der Serie in der sich eigene Geschichten abspielen und gleichzeitig zur großen Metapher für die Dinge an die wir Menschen verlieren. Es geht um Familie und Beziehungen, um Herkunft und Glauben und vor allen Dingen darum wie weit wir gehen würden um die, die wir verloren haben zurück zu holen.
Dafür braucht die Serie ein bisschen Aufwärmzeit, aber schon nach wenigen Folgen verwandeln sich die vielen kleinen Dramen in eine Geschichte, die zielsicher auf den Abgrund durch technische Revolutionen zusteuert.
Es gibt Serienprojekte, die brauchen keine Piloten, noch nicht mal ein Skript, um die Menschheit in Aufruhr zu versetzen. Sie funktionieren über ein paar Namen und Stichworte. In diesem Fall: David Shore, der Maestro von the Wire als Autor, eine Besetzung bei der man mit der Zunge schnalzt, HBO als ausführendes Network, das eine lange Geschichte in Sachen erfolgreiche Highclass-Serien hat und einen Schauplatz der ohnehin all die Skylines und Highways der anderen Serien in den Schatten stellt.
New Orleans.
Das Jahr nach Kathrina. Die Menschen. Das Chaos. Die Musik.
Oh ja, die Musik. Herr im Himmel, die Musik. Ohne sie wäre New Orleans nie wieder aufgestanden. Und so ist Treme keine Geschichte über eine Katastrophe, oder eines Charakters, Treme ist ein Portrait. Das Portrait einer Stadt und seiner Wiederauferstehung. Begleitet von Musik und vorangetrieben durch ihre Bewohner, die ihr Herz an diese Stadt verloren haben. Wer Treme sieht hat sehr schnell einen Eindruck: diese Serie muss existieren. Sie muss leben. So wie New Orleans leben muss.
Machen wir’s kurz: Community ist das lustigste, was mir seit dem frühen Barney Stinson untergekommen ist. Es ist schnell, clever, warmherzig und besteht zu zwei dritteln nur aus Spaß. Der Rest ist Chevy Chase und Joe McHales nacktem Hintern.
Worum geht’s? Anwalt Jeff muss seinen Abschluß im kostenlosen Community-College nachholen, weil seine bisherigen Abschlüße.. nicht unbedingt die nötigen Voraussetzungen für einen Anwalt hatten. Er gerät an eine Gruppe anderer “Looser” und gemeinsam bewältigen sie ihre Zeit am bizarren Green Dayle-College. In dieser “Lerngruppe” finden sich neben Jeff die moralische Mittzwanzigerin Britta, die sensible Streberin Annie, die geschiedene Mutter Shirley sowie der politisch unkorrekte ältere Herr Pierce (Chevy freakin’ Chase!). Außerdem sind da noch Troy und Abed. Troy war mal Footballer und hat darüber die Schule vergessen. Und Abed.. tja, Abed ist der großartigste Popkulturreferenz-Nerd, den es je gab.
Ich könnte jetzt hier was von Figuren und Plot und tatütata erzählen, aber die Wahrheit ist: Das sind einfach ein Haufen Leute sehr, sehr lustig. Wir überprüfen kurz die Humorkompatibilität, okay?
Freunde, lasst Licht in euer Leben, schaut Community!
Zugegeben: Wäre da nicht Benjamin McKenzie (Der Ryan aus O.C. California, ihr erinnert euch?) in einer Uniform, ich hätte der Serie nicht unbedingt eine Chance gegeben. Aber ich bin eines besseren belehrt worden. Endlich wieder mal was mit Biss. Natürlich ist das hier nicht the Wire oder the Shield, aber die sehr erdige Cop-Show bietet schon jetzt (nach 2 kurzen Staffeln und Turbulenzen bis hin zum Senderwechsel) sehr glaubwürdige Charaktere und den kleinen Twist, der nur in L.A. authentisch wirken könnte.
Denn der von McKenzie gespielte Nachwuchsbulle Ben kommt aus einer der besseren Gegenden der Stadt. Daddy ist ein großer Anwalt und die Kollegen witzeln, ob der Kleine das schießen wohl im Country-Club gelernt hat. Aber natürlich steckt ein bisschen mehr dahinter, wenn der Junge aus gutem Hause keine Akademiker-Karriere einschlägt.
Daneben glänzen Regina King als alleinerziehende Kommissarin Lydia Adams und Michael Cudlitz als Officer John Cooper, Ben’s Mentor mit dem leicht schizophrenen Privatleben. Der Cast von Southland deckt alle Alters — und Bevölkerungsgruppen ab, die es in L.A. tatsächlich gibt und verdient allein dafür schon Applaus. Genauso divers sind die Fälle die bearbeitet werden. Klar, Banden und Drogen sind dabei, aber eben auch häußliche Gewlt in den Hollywood Hills. Unaufgeregt, kantig und authentisch — alles ohne CSI-Effekte und Geheimagenten!
Gehen ein Vampir, ein Geist und ein Werwolf in eine Bar …
Oder wohnen, wie in diesem Fall in einem Haus in Bristol und versuchen mit allen Mitteln möglichst normal unter Menschen zu leben. Ach, geliebte BBC. Wenn du nicht grade wieder mal Big Brother spielst oder der Insel nächstes Talent suchst produzierst du manchmal Seriengold.
Wenn der natürlich attraktive, mysteriöse Vampir Mitchell mit seinem letzten Opfer hadert, Geistermädchen Annie ihrem Verlobten was zu Essen kocht und der neurotische Werwolf George versucht einen passenden Platz zum Umwandeln zu finden, hat das ganze diesen speziellen Charme und abgefahrenen Humor den wir schon an Doctor Who und Torchwood so lieben.
Die drei sind so menschlich wie du und ich, grade weil sie Monster sind. Wie sie versuchen ihre “Monster”-Seite verborgen zu halten, sich als Person davon zu trennen, das sind unsere Kämpfe mit den dunkleren Teilen unserer Persönlichkeit. Und ja, es gibt die größenwahnsinnigen Vampire, das Rätsel um Annies Tod und am Ende einen großen Kampf. Aber dazwischen ist Being Human so clever, tiefsinnig und witzig wie man es sich von vielen Serien nur wünschen kann.
Dem ist gar nicht mehr so viel hinzu zu fügen, außer: Holla, wie sich hier von Staffel zu Staffel gesteigert wird. Anschaubefehl!
Ach Fringe. Du mein neues Lieblings-WTF. Wie konnte ich nur ohne dich? Wie konnte ich ohne den verrücktesten aller Professoren Dr. Walter Bishop? Und natürlich ohne seinen Sohn, den mysteriösen aber dafür entzückenden Peter? Ganz zu schweigen von Olivia Dunham, eine FBI-Agentin gegen die Scully irgendwie verweichlicht wirkt? Und Asterix Astrid! Jetzt, wo es auch noch eure Counterparts aus dem Paralleluniversum gibt, wie soll ich mich da wieder einkriegen?
Sie merken: Welcome to Strangistan. Ist halt ein J.J. Abrams Werk. Also von dem Typ, dessen Hirn bis dato schon Alias und LOST ausgespuckt hatte. Großer, übergreifender Verschwörungsplot, here we go. Fringe ist ein bisschen Akte X auf Crack. Ohne Aliens, aber mit viel bedrohlicher Wissenschaft. Nur, dass sich die Charaktere hier auch mal bewusst sein dürfen, wie bizarr und lächerlich ihre Situation grade ist. In diesen Momenten ist Fringe unfaßbar lässig. In den anderen Momenten reichlich mindfuck. Und in seinen besten Augenblicken ein unglaubliches Drama rund um den Vater Walter Bishop und dessen komplizierter Beziehung zu seinem Sohn Peter. Diese Beziehung bildet gleichzeitig die Grundlage für die grandiose übergreifende Story von den zwei Universen, die sich fast bis aufs Haar gleichen. Aber eben nur fast.
So ist Fringe irgendwie alles, was ein Nerd sich wünschen könnte. Eine große Geschichte mit haarsträubender Wisschenschaft, voller interessanter Charaktere , die noch dazu mit wirklich herausragenden Schauspielern besetzt sind. (Gebt John Noble einen verdammten Emmy, ihr Ignoranten!)
Ich könnte jetzt ausholen und über Verstrickungen und Referenzen reden, über großartige Cameos und davor warnen, wie schnell man sich in Peter Bishop (Joshua Jackson aka Pacey..!) verlieben kann, aber würdet ihr das bitte selber überprüfen?