Innenstädtisches

kaufingerstrasse, munich

Die Kaufin­ger­strasse. Ver­suchen sie hier mal, ein hüb­sches Café zu finden.

Heute Nach­mit­tag stand ich das erste Mal seit langem wieder in einem H&M. Was nichts zur Sache tut, weil der H&M auch ein New Yorker, ein Pimkie oder weißderGeier­welcheKette sein könnte.

Zuerst wurde ich aggres­siv. Weil die Qual­ität so mies ist. Die meis­ten Dinge häßlich. Also so ein nor­maler Einkaufs-Aufreger.1 Aber dann hab ich mich umgeschaut. Und wurde traurig.

In dem Laden waren fast nur junge Mäd­chen. Irgendwo zwis­chen 12 und 18. Wobei manche ver­mut­lich schon 21 waren, aber eben noch wie 17 ausse­hen. Und das meine ich nicht nett. Ich bin dafür, dass Erwach­sene anders ausse­hen als Kinder. Und 17jährige sind eben doch auch noch Kinder. Keine Sorge, ihr sollt solange rumhip­stern und Girliepink tra­gen wie ihr wollt, auch egal. 2
Was sie viel mehr vere­int hat, war ihr leerer Blick. Ihre Getrieben­heit davon, das per­fekte Oberteil zu finden. Das per­fekte Oberteil für den jet­zi­gen Trend, der satte 14 Tage hal­ten wird. Ihre Gesichter sind so ausdruckslos.

Aber wer Geld für George Gina Lucy — Taschen hat, sollte genug Selb­stach­tung haben, nicht die gle­iche Skinny-Jeans wie 9832743 andere Mäd­chen zu tra­gen. Aber was sag ich.
Da war eine Gruppe solcher Mäd­chen, vielle­icht 5 junge Frauen knapp nach der Pubertät. Sie ver­glichen die Einkäufe und pro­bierten Stücke, rede­ten dabei von ihren unter­schiedlichen Stilen, ihrer Indi­vid­u­al­ität. Jede trug bunte Turn­schuhe, hatte die Haare schlampig aber styl­ish hochgesteckt, die lan­gen dün­nen Beine steck­ten in hellen, zer­fransten Jeans. Die Taschen waren klo­big, der Schmuck glitzerte ein biss­chen zu heftig.
Ver­mut­lich mein­ten sie mit Indi­vid­u­al­ität ihre Band T-Shirts. Da waren wirk­lich unter­schiedliche Bands drauf. Und ein­mal Lady Gaga.

Dann musste ich an Bor­ders denken, die britis­che Buch­han­dels­kette, die diese Woche bekannt gab, dass alle 399 Fil­ialen im UK geschlossen wer­den wür­den. 10.000 Jobs weniger. 399 Buch­lä­den weniger. 399 Gele­gen­heiten zum Innehal­ten, zum Schmök­ern weniger.

Jetzt warte ich darauf, dass es H&M genauso geht. Dass die vie­len guten Online-Shops das Aus dieser see­len­losen Kon­sumter­ror­lä­den bedeuten. Dass das Inter­net mit seinem dröl­fiz­tausend Möglichkeiten die Her­stel­lung­shallen des Jugend­wahns ausster­ben lässt.

Bis unsere Innen­städte gere­inigt sind von dem Krem­pel. Und Neues wach­sen kann. Kleine Läden. Wo die Besitzer noch im Laden arbeiten, anstatt eine Kette von 720 Läden zu ver­wal­ten. Cafès mit selb­st­ge­back­enem Schokokuchen und einem Klecks Sahne. Kleine, abson­der­liche Innen­stadtki­nos. Schnei­dereien, in die man den Stoff der Träume trägt um daraus ein Kleid machen zu lassen, dass die schön­sten Momente der näch­sten 5 Jahre begleitet.
Weil ein Kleid, dass mir passt und steht auch dann an mir gut aussieht, wenn der Trend zu Bleis­tiftröcken mit durch­sichti­gen Blusen grade nicht zu mir passt.
Ein Schmuck­laden, der neben ein paar handgeschmiede­ten teuren Din­gen auch Holzper­len­ket­ten hat. Und Kästen, in denen nur Perlen sind, aus denen man sich eine Kette zusam­men­stellen kann.

Mit Bücher­lä­den in denen genug Sofas ste­hen, auf denen man sitzen und blät­tern kann. Led­er­man­u­fak­turen. Damit die Mäd­chen nicht jeden Tag im H&M ein Teil kaufen, son­dern solange vor der Aus­lage lange Zähne bekom­men, bis sie ihr Taschen­geld sparen und sich eine lan­glebige Tasche nach ihren Vorstel­lun­gen zule­gen. Etwas, das nie­mand anders hat. Etwas, das ihre Indi­vid­u­al­ität unterstreicht.

Damit ihre, damit unsere Schränke nicht mehr voller Zeug sind, das wir zwar haben wollen, aber kaum brauchen und wir stattdessen unser Leben mit Erin­nerun­gen von Nach­mit­ta­gen zwis­chen Perlen und Schokokuchen verbringen.

Wenn sich jetzt hier jemand down fühlen sollte, dem sei gesagt: Es gibt sie, die anderen. Eine davon ist Mirka, die aus der Sock­en­schublade darüber bloggt und twit­tert. Wenn es nicht ger­ade um Vam­pire Diaries geht. Ihr sollte man öfter applaudieren.

  1. Und das liegt nicht nur daran, dass ich in diesem Leben wohl in keine der dort ange­bote­nen Hosen passen wer­den. Also fast nicht.
  2. Bevor es hier heißt, ich redee nur die Mäd­chen schlecht. Nein, die Jungs ste­hen genauso leeren Blickes bei Media­Markt und im Turn­schuh­laden. Dass ich sie hier nicht weiter erwähne, liegt daran, dass es so poet­is­cher klingt. Und das hier mein Blog ist.

21
Jul 2011
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Being a woman is not a punchline, moron

Ja, wir hat­ten das Thema schon­mal angeschnitten.

Auf Twit­ter ver­suchen viele Men­schen witzig zu sein. Mit wech­sel­n­dem Erfolg und schwank­en­dem Niveau. Das ist okay, ist ja offline nicht anders. Sowohl On– als auch Offline denkt mancher ein Witz, dessen Pointe das Geschlecht ist, sei vol­lkom­men in Ord­nung. Und wer dies nicht ver­steht eine ver­härmte, hys­ter­ische Feministin.

Yeah, right.

Bull­shit.

Und weil ich die bald täglichen Diskus­sio­nen zu dem Thema auf Twit­ter langsam aber sicher satt habe, arbeite ich mich hier an einem prak­tis­chen Beispiel ab. Ich habe mit dem entsprechen­den Men­schen auch auf Twit­ter schon disku­tiert, ern­tete aber nur Unver­ständ­nis. Warum ich mich so aufrege, wurde ich gefragt. Nun, dann eben in der Langfassung.

Beispiel 1: Frau sein ist Ansichtssache (von Männern?)


Iran ver­weigert Merkels Mas­chine die Überflu­grechte. Ver­ständlich: Wer will diese “Frau” schon über sich haben.
@voegi79
Patrick Völkner

Ich gebe zunächst mal zu Pro­tokoll, wie ich einen solchen Spruch lese. Ein Land, dass ver­mut­lich das Wort Frauen­rechte erst noch ins Vok­ab­u­lar aufnehmen muss, ver­weigert der Mas­chine unserer Kan­z­lerin den Überflug. Schein­bar iro­nisch wird daraufhin davon gesprochen, dass man Mann diese Frau also Angela Merkel ja wohl kaum über sich haben will. Die Kono­ta­tion ist dabei, wie bei vie­len Witzen, eine sex­uelle. Das allein ist jedoch nicht das Prob­lem.
Mein Prob­lem beginnt mit den Anführungsze­ichen. Ohne diese ist es ein däm­licher, aber lei­der gebräuch­licher Chauvi-Spruch dazu, dass Frauen natür­lich1 unten liegen sollen. So weit, so dumm. Mit den Anführungsze­ichen wird der Schw­er­punkt der Pointe aber auf das Frau-Sein von Angela Merkel gelegt.
Als nor­mal denk­ender Men­sch tauchen jetzt Frageze­ichen auf. Schließlich ist sie eine Frau, was auch sonst. Dass die Optik unserer Regierungschefin seit Jahren das Ziel mehr oder weniger orig­ineller Phrasen ist, ist bekannt. Und jetzt wird die Sache ein biss­chen igitt.
Denn das eine ist das biol­o­gis­che Geschlecht. Das andere ist die Wahrnehmung darüber, wie fem­i­nin sie ist. Wie fraulich. Also die sub­jek­tive Bew­er­tung von unbe­grün­de­ten, aber lei­der gesellschaftlich akzep­tieren Eigen­schaften wie ihrem Ausse­hen, ihrem Ver­hal­ten, ihrer Beruf­swahl, ihrer Rhetorik, etc.
Genau diesen Punkt stellt der Ver­fasser des Tweets mit den Anführungsze­ichen ins Zen­trum. Schließlich wird er kaum das biol­o­gis­che Geschlecht unsrer Kan­z­lerin anzweifeln. Aber ihre Fem­i­ninität — etwas, dass man tat­säch­lich kaum definieren kann.

Diese gefühlte Fraulichkeit stellt für viele Män­ner einen direk­ten Indika­tor dar, für wie begehrenswert sie eine Frau hal­ten. Und natür­lich, Ohrfeigen und Geschmäcker sind ver­schieden. Nicht jeder Mann soll oder muss Angela Merkel begehrenswert finden.
Nur, der obige Tweet soll witzig sein. Für Humor braucht es inner­halb einer Gruppe einen gewis­sen Wertkon­sens. Ich kann weder etwas überze­ich­nen, verz­er­ren oder ins Gegen­teil umkehren (iro­nisch sein), wenn es andere nicht genauso sehen. Hier wer­den drei Dinge vorausgesetzt.

  1. Es ist wichtig ob und wie fem­i­nin eine Frau ist. Sogar eine Kan­z­lerin. Als spiele es für die Bew­er­tung dieses Men­schen eine Rolle, wie sehr Frau sie ist.
  2. Darauf auf­bauend wird voraus­ge­setzt, dass Angela Merkel als wenig fem­i­nin wahrgenom­men wird. Also die bre­ite Masse der Gesellschaft ihr nur geringe typ­isch weib­liche Merk­male zuspricht.
  3. Daraus folgt für den Ver­fasser, dass die bre­ite Masse (der Män­ner) Frau Merkel als nicht genug begehrenswert empfindet, nicht fem­i­nin genug um sie ohne Anführungsze­ichen als Frau zu beze­ich­nen.

Wer jetzt überfordert ist, hier die Pointe nochmal in Neandertal:

Angela Merkel ist nicht begehrenswert fem­i­nin genug –> Män­ner (ver­all­ge­mein­ert) wür­den sie nicht gern flach­le­gen bzw. sich von ihr flach­le­gen lassen (über sich haben) –> Damit ist sie eben “nur” biol­o­gisch, aber nicht per männlicher Def­i­n­i­tion eine Frau –> Deswe­gen steht das in Anführungsze­ichen und darum ist das lustig, so.

Für, sagen wir mal, langsame Leser: Warum das jetzt prob­lema­tisch ist?

Weil Frauen damit, selbst wenn sie es an die Spitze einer Regierung schaf­fen, nicht allein für ihre Fähigkeiten, ihren Charak­ter und ihre Erfolge geschätzt wer­den. Son­dern dabei bitteschön immer noch weib­lich sein sollen. Schön. Begehrenswert.
Set­zen Sie, geneigter Leser, an die Stelle von Angela Merkel in dem Tweet doch mal Michelle Hun­ziker. Oder Megan Fox. Ist dann da überhaupt eine Pointe? Nein, natür­lich nicht. Und dabei sind das Frauen, die ohne ihren Grad an vordefinierter Weib­lichkeit wom­öglich entsprechend gerin­geren Erfolg hätte. Frauen also, deren Optik tat­säch­lich in ihrer pro­fes­sionellen Bew­er­tung eine Rolle spie­len kann. (nicht muss, da beide keine Mod­els son­dern Mod­er­a­torin bzw. Schaus­pielerin sind.)

Würde die All­ge­mein­heit Män­ner exakt genauso bew­erten, wäre es zwar ein Zeichen gesellschaftlichen Irrsinns, aber kein fem­i­nis­tis­ches Prob­lem. Allein, die All­ge­mein­heit oder besser gesagt Frauen im All­ge­meinen, haben keinen der­ar­ti­gen Kon­sens. (Das ist die Grund­lage dafür, dass jemand wie Seth Rogen in Fil­men unfass­bar attrak­tive Frauen abstauben kann.) Frauen werten Män­ner nicht primär nach ihrer Maskulin­ität bzw. ihrem Ausse­hen. Natür­lich, es gibt diese Frauen, das will ich nicht bestre­iten. (Sie sind wohl die Grund­lage für Sex and the City.) Aber der Kon­sens reicht nicht für Humor dieser Sorte.

Damit tra­gen diese Witze / Bemerkun­gen zur Diskri­m­inierung von Frauen auf­grund ihres Geschlechts, und sei es das Wahrgenommene, bei. Dabei habe ich die Diskus­sion zum Thema was tat­säch­lich “typ­isch” weib­lich oder männlich ist, noch gar nicht los­ge­treten. Und ob der­lei überhaupt irgen­deine Rolle außer­halb der eige­nen Sex­u­al­ität spie­len sollte.

Als ich mich über diesen sowie einen weit­eren Tweet, der in eine ähnliche Kerbe 2 schlägt ereif­ferte, stellte ich ein­mal mehr fest, wieviel Erk­lärungs– ger­adezu Bil­dungsar­beit man (Frau) immer noch leis­ten muss.

Schließlich kamen Voegi79 genug Geschlechtsgenossen zu Hilfe. Ich hätte nicht genü­gend bzw. gar keinen Humor. Müsste mich entspan­nen, das Ganze nicht so eng sehen.

Dabei sind das nicht die Kerle, die Fem­i­nis­mus für den Feind schlechthin hal­ten, son­dern Män­ner die sich der schwieri­gen Rolle der Frau in der Gesellschaft dur­chaus bewusst sind.
Aber auf ihre dif­famieren­den Witze verzichten, das wollen sie nicht.

Und das ist es, was mich so wütend macht. Das ist es, was mich leicht verzweifeln lässt, wenn ich daran denke wie jetzt schon über die anste­hende Welt­meis­ter­schaft im Frauen­fußball gesprochen wird. Hihi, Mäd­chen die Fußball spie­len, höhö. Schließlich ist es für einen Spieler eine der gröb­sten Belei­di­gun­gen wenn er wie ein Mäd­chen spielt. (Mäd­chen übrigens, die nie ronal­doesk the­atralisch liegen bleiben oder sich totti-like bei einem gestoße­nen Knie an den Kopf greifen, nur mal so.)

Es sind näm­lich nicht zuletzt auch diese ach so lusti­gen Bemerkun­gen, die dazu beitra­gen, dass Frauen ver­suchen, sich in ein gesellschaftlich definiertes Korsett von Schöhn­heit zu pressen. Man will schließlich nicht eine von denen sein, über die Witze gemacht wer­den.

Damit ver­pul­vert knapp die Hälfte der Men­schheit vol­lkom­men sinn­los Zeit, Kraft und Energie mit neg­a­tiven Gedanken zum eige­nen Kör­per, daraus resul­tieren­den Zweifeln und Unsicher­heit die sich eben nicht nur auf den Blick in den Spiegel nieder­schlägt, son­dern auf alle Bere­iche des Lebens. Wer weiß, was Frauen schon alles mehr (noch mehr!) geleis­tet hät­ten, kön­nten wir unsere Zeit anders nutzen, als beispiel­sweise über die Aus­maße unserer sekundären Geschlechtsmerk­male nachzu­denken.

  1. Nach mehreren Kom­mentaren zu dieser For­mulierung bei Twit­ter entschuldige ich mich bei den Her­ren der Schöp­fung wegen der vere­in­fachten Aus­sage. Mir ging es darum eine gewollte Pas­siv­ität darzustellen. Ich unter­stelle nicht jedem Mann, er würde dies automa­tisch bevorzu­gen.
  2. Ja, ich weiß, Frau Schwarzer ist momen­tan ein beliebter Punching-Ball. Auch zurecht. Aber Jungs, ver­sucht euch doch mehr ein­fallen zu lassen als ihre Attrak­tiv­ität.

06
Jun 2011
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#30d30s_07, … [die Folge , die ich kein zweites Mal sehen will] was soll der Schmarrn bloß

Präam­bel: Hin­ter #30d30s ver­birgt sich das hier. Ich konzen­triere mich eher auf aktuelle, und haupt­säch­lich amerikanis­che Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlim­mer ist, bitte hier bei den Film­fre­un­den über aktuelle Entwick­lun­gen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Wenn mir Sachen nicht gefallen beschäftige ich mich nicht weiter damit. Also sparen wir uns die Kat­e­gorie, oder? Ich meine, sowas ist ja noch sub­jek­tiver als die Lieblings­folge. Gnarf.

(Was wir uns gle­ich noch sparen ist der Jam­mer­beitrag, der tra­di­tion um diese Zeit folgt. Voll mit Wut und Ärger über Insti­tu­tio­nen, Banken, Bafög-Ämter, Neben­jobs und anderen Widrigkeiten die mich momen­tan dazu ver­leiten, das ganze Studium Studium sein zu lassen, nach Ham­burg zu ziehen und Tex­terin für irgend­was zu wer­den. Bach­e­lo­rar­beit schreiben während man die Miete nicht zahlen kann, gibt’s zu dem Thema Bücher? [Anm. d. Ver­fasserin: ich stehe unter Zuck­er­schock, sonst würde das alles hier noch wesentlich wüten­der klingen.])

    alles fällt außeinander

27
Aug 2010
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das F-Wort — oder wie ich eine Nervensäge wurde

Je länger ich blogge, desto mehr merke ich, wie oft eine gewisse Wut den let­zten Funken für einen Ein­trag gibt. Das ist nicht unbe­d­ingt empfehlenswert, sorgt aber für die Art Moti­va­tion die es manch­mal braucht.

Pro­log:

Die von mir hochgeschätzte Anke Gröner musste sich vor kurzem, mit einer charak­ter­lichen Amöbe einem unfre­undlichen DHL-Mitarbeiter herum­schla­gen. Und das hat sie dann aufgeschrieben.
Ver­mut­lich weil als “Ser­viceanek­dote” ein­sortiert, erschien ein Link zu diesem Beitrag im Law­blog. Und wurde dort kom­men­tiert. Es zeigte sich die kom­plette Band­bre­ite men­schlicher Verblendung. Let­z­tendlich hat Frau Gröner dann noch kurz was zum Nach­spiel geschrieben.
Ich will gar nicht den x-ten Meta-Eintrag zu dem Vor­fall schreiben, ihn aber zum Anlaß nehmen, einen der Ein­träge die schon sehr, sehr lange auf der to-do-list ste­hen zu schreiben. Hat was mit Mädchen-sein zu tun.

1. Akt — jedem sein Fem­i­nis­mus
Ich bin Fem­i­nistin, doch, ja. Zwar hadere ich oft mit dem mod­er­nen Fem­i­nis­mus weil ich nicht glaube, dass er die Biolo­gie außer Kraft setzt und ich sehe wie sich die Bewe­gung bzw. deren Anführerin­nen manch­mal ein biss­chen zu sehr um sich selbst drehen (Madame Schwarzer, I’m look­ing at you!), aber let­z­tendlich ist mein Welt­bild fem­i­nis­tisch geprägt.
Was das heißt? Ok, befra­gen wir mal die (der die das???) allmächtige Wikipedia:

Fem­i­nis­mus ist eine Sam­mel­beze­ich­nung für het­ero­gene Konzepte, die die Rechte und Inter­essen von Frauen the­ma­tisieren. Von der gesellschaftlichen Ungle­ich­heit zwis­chen Mann und Frau aus­ge­hend, zielt der Fem­i­nis­mus auf eine verbesserte Lage der Frau und ihre fak­tis­che Gle­ich­stel­lung in der Gesellschaft. Unter dem Begriff Fem­i­nis­mus wer­den zahlre­iche, teil­weise auch gegen­läu­fige Strö­mungen zusammengefasst.

Um also mal ein biss­chen all­ge­mein­platziger zu werden:

Frauen sollen die gle­ichen Optio­nen und Wahlmöglichkeiten haben wie Män­ner. Ihre Entschei­dun­gen sollen die gle­ichen Kon­se­quen­zen haben wie für Män­ner und all dies akzep­tiert und respek­tiert vom Rest der Gesellschaft. (also auch Män­nern wie der DHL-Amöbe.)

Ich musste mir schon sagen lassen, meine Ein­stel­lung wäre arg Post-feministisch oder aber nicht radikal genug. Das liegt schlichtweg daran, dass ich lange blind für frauen­feindliches Ver­hal­ten war, weil ich es für men­schen­feindlich gehal­ten habe. Mein überge­bildetes Hirn kon­nte sich nicht vorstellen, dass die Tat­sache eine Frau zu sein heute noch ein Nachteil sein kann. Es wirkte auf mich so rück­ständig wie das Umerziehen von Linkshän­dern und ver­botene Ehen zwis­chen Katho­liken und Evangelen.

Heute mache ich die Augen auf und bin schwer iri­tierrt. Über die Zwei­deutigkeiten, das Chau­vi­tum, die Reduzierung auf Optik von Frauen — und das von eigentlich intel­li­gen­ten, “mod­er­nen” Män­nern. Sie wis­sen es nicht besser.

2. Akt — Frauen haben keine Bedi­enungsan­leitung — schade.

Mir ist klar, dass die heutige Män­ner­gen­er­a­tion hin und wieder ein biss­chen Kon­fus in der Gegend rum­steht und nach einem Prinzip, einer ein­fachen Ord­nung sucht. Manch­mal glaube ich, diese Sache mit Ord­nung und fes­ten Rol­len­vorstel­lun­gen haben sich Män­ner erar­beitet, weil sie es zur Sicher­heit brauchen. So wie Frauen die erhöhte Kom­mu­nika­tion, auch über Gefühle brauchen, um klar zu kommen.

Und jetzt reißen wir euer Sicher­heit­snetz ein, weil es unser Zaun gewor­den ist. Sorry Jungs, muss sein. 1

Damit wären wir dann auch wieder bei Frau Gröner. In den Kom­mentaren im Law­blog ging es dann irgend­wann darum, dass man ja wohl ein biss­chen Flirten aushal­ten muss und überhaupt hätte sie nur anders reagieren müssen.
Jetzt mal langsam und in Großbuchstaben:

MAN (FRAU) MUSS GAR NICHTS AUSHALTEN, SICH GEFALLEN LASSEN ODER ALS WIE AUCH IMMER SCHMEICHELHAFT EMPFINDEN.

Sie kann, wenn sie will. Und das ist dann näm­lich Fem­i­nis­mus, ihr Vollp­fos­ten aller Länder.

Manch­mal ist man als Frau ein Reh in freier Wild­bahn und muss sich mit dem noch net­ten Kom­pli­ment, über den blö­den Anmach­spruch bis hin zur saublö­den (physis­chen) Attacke mit vielem rum­schla­gen. Und wehe man reagiert nicht sou­verän. Ob man nun empfind­lich ist oder sich die Wut bahn bricht, das Gegenüber ver­steht die Welt ja ohne­hin nicht mehr. In diesen Hir­nen herrscht oft genug noch, soll sie doch froh sein, dass ich (ich! Zen­trum des Uni­ver­sums!) sie bemerkt habe.
Wenn einem eine solche Attacke aus der Abteilung saublöd dann noch — wie im Fall von Anke — vor der eige­nen Haustür, also im eigentlich geschützten Zuhause passiert, ist es schwer die Beherrschung zu behalten.

Das Sticht­wort hier ist geschützt. In Sicher­heit. Die Welt lehrt uns, dass wir als Frauen Sicher­heits­maß­nah­men tre­f­fen müssen, wollen wir Übergriffe jeglicher Art durch einen Mann ver­hin­dern. Die Sit­u­a­tion in der “unmöglich etwas passieren” kann? Sie existiert nicht.
Wir ver­muten nicht in jedem Mann einen Verge­waltiger, um Him­mel­swillen. Aber jedes mal, wenn ein Mann auf all zu aggres­sive Art Kon­takt sucht, ein Nein beim Date ignori­ert oder eben Spielchen spielt wenn er ein Päckchen aus­liefern soll, schrillen unsere Alar­m­glocken. (You’re Schroedinger’s Rapist)

Und da ver­sagt oft jede Schlagfertigkeit.

Ab wann etwas zu aggres­siv ist? Das entschei­det jede einzelne Frau für sich. Und damit müsst ihr klarkom­men, meine Her­ren. Wenn ihr eine grobe Anleitung haben wollt: Jede Sit­u­a­tion in der euch eine Frau räum­lich oder ver­bal aus­geliefert ist, ist die falsche Sit­u­a­tion um sie anzus­prechen. Kör­per­sprache, Umge­bung, Selb­stein­schätzung — ein­fach mal kurz darauf achten und überlegen wie viel Unwohl­sein ihr aus­lösen könnt.

Im Zweifels­fall das klas­sis­che Gedanken­spiel, was wäre wenn das nicht irgen­deine Frau, son­dern die eigene Mut­ter, Schwester, Fre­undin, Tochter… wäre. Sollte die Sache ein­facher machen.


3. Akt — it’s a wom­ens world, lets critiz­ice them

In der west­lichen Welt hat die Emanzi­pa­tion der let­zten 40 Jahre viel Gutes gebracht. 2 Aber auch das ein oder andere zweifel­hafte Echo. Frauen haben heute Kaufkraft und die Wirtschaft hat sie als Ziel­gruppe iden­ti­fiziert. Nur, anstatt ihnen Honig ums Maul zu schmieren, bietet uns die Wer­bung 1001 Möglichkeiten uns zu verän­dern. Verbessern. Weil wir ja nicht gut genug sind. Nicht per­fekt ausse­hen. Mehr Kar­riere machen sollen. Und Kinder haben und eine Part­ner­schaft pfle­gen sollen. Und Hob­bies. Und Reisen. Und die Welt verän­dern. Also mindestens.

Die Entwick­lung der Gle­ich­berech­ti­gung hat da einen inter­es­san­ten Ansatz: die Wer­bung fängt an Män­ner genauso unter Druck zu set­zen. Man betra­chte hierzu die Spots der Kos­metikin­dus­trie und mod­erne Fam­i­lien­darstel­lun­gen in der Wer­bung. (der kom­pe­tente junge Vater ist das neue Lieblingsmo­tiv der Werbeagenturen.)

Was ich damit sagen will: Für all die Möglichkeiten die wir uns bere­its erkämpft haben (und die noch lange nicht voll­ständig sind), hat sich auch der Druck auf Frauen von allen Seiten entsprechend erhöht. An dieser Stelle noch mal ein anderer Blick auf die Sache mit dem Paket­boten: Anke Gröner gehört zu den viel gele­se­nen Blog­gerin­nen in Deutsch­land. Weil sie sehr ehrlich und humor­voll über sich selbst, ihre Schwächen, Begeis­terun­gen und Amazon-Lieferungen schreibt.
Sie ist, so lose sich das im web definieren lässt, beliebt deswe­gen. Und eine Blog­gerin, die nach eigener Aus­sage nicht den gängi­gen Schön­heit­side­alen entspricht, fröh­lich über Alles schreibt was ihr gefällt — dabei auf Klis­chees pfeift und damit erfol­gre­ich ist? Oh the hor­ror, da kom­men die Nei­der aus den Nestern und wer­fen ihr am Ende vor, dass sie sogar über ihren Zugang zu den eige­nen Gefühlen schreibt. You wish you were that brave.

Als Blog­gerin war es ver­mut­lich die natür­liche Reak­tion ihre Erleb­nisse mit ihren Leser_innen zu teilen. Und dafür gebührt ihr Applaus, den wir brauchen genau diese Berichte. Wir brauchen sogar noch viel mehr davon.


Epi­log — fem­i­nis­tis­che Ner­ven­sä­gen dieser Welt vere­inigt euch!

Denn die kri­tis­chen Kom­mentare, die vie­len “hab dich nicht so”, die es als Reak­tion gab, zeigen vor Allem eins — man­gel­nde Sen­si­bil­ität dem Thema gegenüber. Es geht eben nicht darum wie drastisch ein Vor­fall ist. Es geht auch nicht darum wie man als Frau reagiert oder welche Begrün­dung der Mann vielle­icht hatte. Es geht darum wie ver­dammt oft solche Sit­u­a­tio­nen jeden Tag vorkom­men. Dass sich quasi jede Frau min­destens ein­mal im Leben direkt damit kon­fron­tiert sieht.

Dass sie in dieser Häu­figkeit Wirkung haben. Bei jun­gen Mäd­chen, die ihren Selb­st­wert zu sehr über diese Art der Aufmerk­samkeit definieren — Aufmerk­samkeit, die ihrem Ausse­hen, nicht ihrem Intellekt geschenkt wird. Bei Frauen, die nicht gel­ernt haben sich zur Wehr zu set­zen und den Frust, die Scham die solche Momente aus­lösen in sich hinein fressen.
Und weil, solange die Hal­tung der Gesellschaft so wankelmütig ist — so schul­terzuck­end gegenüber dieser Art Ver­hal­ten — die nachwach­sende Gen­er­a­tion immer und immer wieder gegen den Sta­tus quo kämpfen muß.

Also müssen wir mit dem Fin­ger drauf zeigen. Jedes. Einzelne. Mal. Und zwar deut­lich. Mit Erk­lärung für die, die es nicht ver­ste­hen. Wenn ein Werbespot sex­is­tisch, eine Anmache her­ab­set­zend und ein blöder Spruch diskri­m­inierend ist. Wir alle müssen fiese, nervtö­tende Fem­i­nistin­nen und Fem­i­nis­ten wer­den, wenn wir den Fem­i­nis­mus irgend­wann als überflüs­sig betra­chten wollen.

Anders gesagt:

  1. Ich will erst gar nicht davon reden, wie prob­lema­tisch es ist, dass es sogar Frauen gibt, denen dieses Sicher­heit­snetz lieber ist und die weit­er­hin blind durch die Welt laufen, während sie andere Frauen kri­tisieren. (Cue to Eva Hermann-Referenz in 3…2…1..)
  2. Wie gesagt, die west­liche Welt. Und natür­lich wirken unsere Beschw­er­den gegen die Unter­drück­ung und Mis­shand­lung von Frauen,die in vie­len Län­dern noch herrscht, lux­u­riös. Trotz­dem müssen wir uns weit­er­hin Gehör ver­schaf­fen. Die Selb­stver­ständlichkeit der fem­i­nis­tis­chen Bewe­gung in Europa und den USA ist die Grund­lage für den Kampf der in vie­len Län­dern Asiens und Afrikas noch in den Anfän­gen steckt. Und die Schnittmen­gen sind längst vorhan­den. Burkadiskus­sion any­one?

31
Jul 2010
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