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Patschismus

Patschismus

Es ist ja immer so eine Sache, wenn das Inter­net lacht.

Zuletzt hat ein großer Teil des Inter­nets über kleine Kinder gelacht. Also, deren Namen. Auf dem Tumblr-Blog chantalismus.tumblr.com wer­den gar her­rliche Geburt­sanzeigen neuer Erden­be­wohner gezeigt. Und warum? Weil ihre Namen … aus dem Raster fallen.

Und — zack! — es fand sich ein Grund, nicht darüber zu lachen. Das wäre Klas­sis­mus. Klas­sis­mus?

Klas­sis­mus beze­ich­net die sys­tem­a­tis­che Diskri­m­inierung bzw. Unter­drück­ung einer Gruppe durch eine andere, basierend auf ökonomis­chen Unter­schieden. Diese Unter­schiede basieren nach dem Klassismus-Begriff wiederum auf den einzel­nen Posi­tio­nen im Sys­tem von Pro­duk­tion und Verteilung.

Sprich: Wer über Chan­tal und Kevin lacht, lacht über deren Eltern, die ja zwangsweise aus einem bil­dungs­fer­nen Milieu kom­men müssen. Ach, müssen sie?1

Und schauen Sie, das ist die Stelle wo es für mich schwierig wird. Ich bin ja die erste die gegen Body-Snarking und Sex­is­mus skandiert. Schließlich sind Geschlecht und der eigene Kör­per Dinge, die wir nur bed­ingt bee­in­flussen kön­nen. Darauf reduziert und deswe­gen her­abgestuft zu wer­den empfinde ich als wirk­liche Anfeindung.

Und wür­den wir direkt über die Kinder lachen, wäre es auch hier wohl der Fall. Für meinen Teil, und ich empfinde dass ich aus­nahm­sweise einer Mehrheit ange­höre, lache ich über Eltern, die sich im Hor­mon­rausch für der­lei Buch­stabenkom­bi­na­tio­nen entsch­ieden haben.

Assozi­iere ich dies mit deren Bil­dungsniveau? Nö. Aber lassen Sie mich erk­lären. Meine Lei­den­schaft für abstruse Namen existiert schon eine Weile und so habe ich mich auch schon an anderen Stellen im Inter­net amüsiert, wo die neuen Erden­bürger aufgezählt wer­den. (Wenn Ihnen mal an einem ver­reg­neten Sonntag-Nachmittag lang­weilig ist — die Foren, in denen wer­dende Müt­ter über Namen disku­tieren sind ganz großer Sport.)
Was ich dort schnell gel­ernt habe: Es ist nicht nur Gelsenkirchen. Es sind nicht nur Hatz4-Empfänger. Und wer denkt, es wären nur spez­i­fis­che Grup­pen (Klassen), die ihren Kindern gern selt­same Namen ver­passen (Du! Bist! Eine! Einzi­gar­tige! Schneeflocke!), muss drin­gend mehr raus in die Welt.

Oder ver­muten Sie hin­ter den Geschwis­tern Mandy und Philadel­phia die Eltern Herr Pro­fes­sor und Frau Dr.? Sie existieren. Nicht alle Akademiker nen­nen ihre Kleinen Emma und Paul. (Wenn die Eltern Wal­dorf­schüler waren auch mal Emil und Paula.) Von der Spitzen-Idee Kinder Ophe­lia oder Ähnliches zu nen­nen, ganz zu schweigen. Macht es einen Unter­schied ob die Kinder nach Miley Cirus oder der Lieblings­figur aus einer Wagner-Oper benannt wer­den? Franzö­sis­cher Namens-Wahn ist nicht besser, klüger oder inter­es­san­ter als englis­cher. Wirk­lich.
Es existiert auch eine Fre­undin meiner Schwester die überraschend und sehr jung schwanger wurde. 8 Monate lang sam­melten wir Namen, einer schöner als der andere. Wir haben nur einen Moment nicht auf sie aufgepasst, da müssen die Hor­mone zugeschla­gen haben. Ihr Töchterchen ist heute eine von 3(!) Aaliyahs im örtlichen Kinder­garten. Im beschaulichen Ober­bay­ern. Die anderen Eltern? Vom Inge­nieur bis zur Kranken­schwester alles dabei.

Nicht zuletzt ist “Chan­talis­mus” ja auch sehr tem­porär und sub­jek­tiv.
Als Mama-Patsch sein­erzeit mit mir schwanger war zum beispiel. Der betagte Fraue­narzt kon­nte nicht genau sehen, was es wird, ging aber auf­grund der schmalen Hüften (Ha! Infam! Lüge!) davon aus, dass ich ein Junge werde.
For­tan standen zur Auswahl: Philip (meine Mut­ter), Franz Xaver (meine Groß­mut­ter) und Zebu­lon (Mein Vater. Eine Geschichte für ein ander­mal.). Wie sie hier lesen, kam stattdessen dann ich zur Welt und es galt zu improvisieren.

Etliche klas­sis­che Namen waren in der Ver­wandtschaft schon vergeben und das schwarzge­lockte Mäd­chen sollte ja auch nicht Katha­rina Num­mer 3, San­dra Num­mer 4 oder Monika Num­mer 5 in der Umge­bung wer­den. Da fiel meiner Mut­ter Isabella von Lospichl ein. Zusam­men mit dem Mantra “eine Putzfrau heißt nicht Isabella” (okay, da war wom­öglich ein Hauch Klas­sis­mus im Spiel.) wurde so mein Vor­name ausgesucht.

Es kon­nte nie­mand ahnen, dass die Welt 25 Jahre später von Isabella Swan heimge­sucht wer­den würde. (Ich habe also einen Extra-Grund Frau Meyer zu ver­ab­scheuen. Yay Me!). Wis­sen Sie welcher Name seit­dem die Hitlis­ten weltweit hin­auf klet­tert, Bil­dungsniveau oder nicht? Genau. Also lassen Sie uns lachen. Wenig­stens bis es uns im Halse stecken bleibt.

  1. Mir ist natür­lich klar, dass Chan­talis­mus und Kevin­is­mus nicht nur lustige Kennze­ichen hat. Damit hat sich auch die Wis­senschaft beschäftigt. Trotz­dem möchte ich hier konzen­tri­ert über das Spot­ten, nicht den direk­ten Umgang reden. Da ver­lange ich schlichtweg von jedem zivil­isiertem Men­schen den gle­ichen Respekt.

19/01/2012 8 comments Read More
Lesesachen KW 49+50

Lesesachen KW 49+50

Mein Gott dieses Jahre­sende. Ich meine, Zeit wird’s, dass 2011 Schluß macht (der oblig­a­torische Emo-Jahresendblogeintrag wird fol­gen, TRUST ME.) aber wie zügig das jetzt wieder geht.
Ich, gegen den Main­stream wie immer, LIEBE Wei­h­nachten. Eine runde Erwach­sener isst und trinkt viel, lacht noch mehr, beschenkt sich mit trot­teligen Kleinigkeiten die trotz­dem implizieren, dass man sich kennt und schätzt und irgend­wann nach Mit­ter­nacht bauen meine Schwester und ich eine Bet­ten­burg und lassen uns von tschechis­chen Märchen­fil­men in den Schlaf erzählen.

Ich meine, how can you not love that? Eben.

Zwis­chen den Jahren” werde ich kaum noch dazu kom­men Leses­toff zu sam­meln, daher lassen wir es mal als Jahresab­schlußle­seliste gel­ten, okay? Vielle­icht rede ich in den näch­sten 14 Tagen noch ein biss­chen Musik. Oh, gute Idee. 5 kleine Ein­träge zu Songs und/oder Alben, wie wär’s? Macht jemand mit?

Gut, dann machen wir mal weiter im Text.

Alle Welt liebt Ryan Gosling. Und dank dem Inter­net wis­sen wir jetzt auch, dass

  • Ryan Gosling Bib­lio­thekarin­nen mag.
  • Ich sehe überhaupt nicht mehr ein, immer alles weg­zu­lächeln und schlag­fertig zu antworten: „Ja, es schmeckt. Auch ein Schnittchen?“ Das ist zwar cool und empfehlens­wert, um dein Gegenüber gekonnt zu ent­waffnen, heißt aller­dings auch, dass die Cool­ness mitunter auch meine eigene Wut über­deckt. Ich will mich für normierende Sit­u­a­tio­nen nicht mehr verant­wort­lich fühlen.

  • Ja, es schmeckt — bei der Mädchenmannschaft.
  • Ich schaue beim Überholen von der lah­men Sau vor mir – ist doch bes­timmt ‘ne Frau! Wenn ich aus dem Büro­fen­ster jeman­den beim Ein­parken beobachte, der sich beson­ders kom­pliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann park­enden Auto aussteigt. Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Ver­hal­ten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sex­is­tisch. Es entwürdigt andere Men­schen, die nicht meinem Geschlecht ange­hören. Es erk­lärt sie zu Objek­ten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins.

  • Einer der grandioseren Texte zum Thema All­t­ags­sex­is­mus, beim Kegelklub.
  • Frauen kön­nen studieren, zwis­chen Vol­lzeit– und Teilzeitbeschäf­ti­gung wählen oder gar nicht arbeiten, Kinder kriegen oder nicht, sie selbst aufziehen oder außer Haus betreuen lassen. Sie kön­nen die Schei­dung ein­re­ichen und eine Frau heiraten. Frauen sind die Autorin­nen ihrer eige­nen Biogra­phie. Wozu also noch Fem­i­nis­mus? Oder, wie Roten es aus­drückt: „Warum sollte ich Unter­stützung brauchen, wenn ich meinen Weg doch gän­zlich unbe­hin­dert gehen kann! Für mich lief alles super! Dank Alice Schwarzer und ihren Frauen! Sie haben ihr Ziel erre­icht: für mich eine bessere Welt zu schaf­fen! Et voilà! Merci! Und jetzt abtreten, bitte.“

  • Warum genau dem nicht so ist, beschreibt Melanie Mühl ein­drucksvoll in der FAZ
  • Man merkt auch hier, 2011 war die Sache mit der Gle­ich­berech­ti­gung eines meiner großen The­men. Ich werde euch damit auch im kom­menden Jahr auf die Ner­ven fallen, aber jetzt wech­seln wir mal den Themenblock.

    Das Gericht entsch­ied also auf­grund des rechtswidri­gen Gutacht­ens des Schuldirek­tors Pase­mann der Gehör­losen­schule Augs­burg, dass das gehör­lose Kinder in Bay­ern am besten in Förder­schulen aufge­hoben seien, da die Kinder dort die Kom­mu­nika­tions­for­men wie Sprechen usw. ler­nen würden.

  • Ich kann meine Empörung über diesen Vor­gang, bei dem zwei gehör­lose Kinder Spiel­ball sel­ten blöder Richtlin­ien wer­den, kaum in Worte fassen. Gut, dass Jule das macht.
  • Accord­ing to Yahoo News, the secret giv­ing trend that’s qui­etly spread­ing orig­i­nated in Michi­gan, and the story usu­ally goes some­thing like this: an anony­mous per­son calls a KMart store’s lay­away depart­ment and asks to help pay down the bal­ance of a fam­ily who has put toys on lay­away. The Stealth Santa won’t pay the entire bal­ance; they’ll leave a few cents to sev­eral dol­lars remain­ing to keep the items on hold. Then, some­one from the lay­away depart­ment will call the fam­ily and tell them that their Christ­mas shop­ping is paid for, save a few odd dol­lars, and that they can pick it up when they’re ready.

  • Sie wollen in diesen Zeiten ihren Glauben an die Men­schheit wieder? Lesen sie das hier.
  • Ihr, die Ihr ja so viel von Schiffs– und Freibeuter­wort­spie­len hal­tet. Ihr seid ein kleiner Haufen, schlecht organ­isiert, teil­weise reich­lich inkom­pe­tent und schon frühzeitig durch nicht ide­ales Per­sonal geplag­prägt. Das finde ich noch rel­a­tiv in Ord­nung, es dauert etwas, bis man begrif­fen hat, was gut ist und was schw­er­stens schadet. Mit wem man spricht und wann man besser doch das blöde Maul hält. Kann ja alles mal passieren, nimmt keiner krumm, das alles kommt schon in die Bah­nen, dann passt es. Und vielle­icht wer­den dann auch mehr Leute dazus­tossen, die auch wis­sen, was sie tun.

  • Ich mag Don Alphonso wenn er Leute gekonnt abwatscht. Und die Kom­mentare sind großer Sport.
  • Nicole B. hat Jonathan gekannt. Sie hat gezögert, den Lügen und Zumu­tun­gen von “Bild” und “Mor­gen­post” öffentlich zu wider­sprechen, weil sie Angst hat, dass deren Leute sich daraus wieder Dinge her­aus­picken und nach Belieben ver­drehen wer­den. Sie will dem Ruf ihres ermorde­ten Fre­un­des nicht noch weiter durch Abfalljour­nal­is­mus schaden.

  • Und darum liest man die Bild nicht. Ver­linkt sie nicht. Und lässt sich, liebes ZDF, auch nicht vor ihren Charity-Karren spannen.
  • Wie sich’s für eine Serie gehört, fing ich vor ein paar Wochen mit der ersten Folge an und auch wenn ich dem Autor und Regis­seur Franz X. Bogner schon ab dem Pilot ein sagen­haftes Gespür für Tim­ing und wahrhafte Dialoge bescheinige, hielt ich die erste Folge für ein biss­chen zu aufge­dreht, zu plaka­tiv und auf zu läs­sig getrimmt, mit vie­len One-Linern, über die ich heute nicht mehr in dem Maße lachen kann wie in meiner Gym­nasialzeit. Doch schon ab Folge 2 begreift man Folge 1 lediglich als eine Präam­bel zur einer Geschichte übers Älter­w­er­den und dem Auf­flam­men eines inhärenten Abschiedss­chmerz, den Auf­takt vom Ende der Jugend auf dem Dorf, scheiße­gal ob in den 68ern oder jetzt.

  • Der Burn­stl schreibt über das Meis­ter­w­erk “Irgend­wie und Sowieso” und mir wird ganz warm ums Herz.
  • „Um Pfeif­fer Drüsen­fieber zwei Mal zu bekom­men, muss das Immun­sys­tem eigentlich ziem­lich zer­schossen sein“, höre ich ihn sagen. „Sind Sie oft krank?“
    Fünf Monate 2010, drei Mal Antibi­otika. Zwei Lun­gen– und drei Rach­enentzün­dun­gen in vier Jahren. Drei Wochen später bin ich zu Hause, wieder einiger­maßen fit und auf dem Weg zum Gesund­heit­samt. Die beste Fre­undin von allen begleitet mich.

  • Egal wie sicher wir uns alle fühlen, die Angst bleibt.
  • Und jetzt geben wir noch schnell ab zum Spocht.

    Now­itzki played with the com­mand of a star who con­trols the tempo with­out appear­ing to be hur­ried. He led the Mavs back from deficits of 15 points with five min­utes left in the West­ern Con­fer­ence finals at Okla­homa City, and then scored the Mavs’ last nine points to steal Game 2 of the NBA Finals at Miami. All the while, he never appeared to feel pres­sure, even though this may have been his last chance at a title.

  • Ian Thom­son erk­lärt, warum Dirk Now­itzki für ihn der Sportler des Jahres ist. I’m inclined to agree.
  • Bere­its vor Jahren, als in der Cham­pi­ons League Sai­son regelmäßig kurz vor Spielschluss der Ein­marsch der Ord­ner, die gar nicht so sehr an Glad­i­a­toren gemah­n­ten, in ihren orange­far­be­nen Leibchen anstand, hatte der Gesang »Schwule, schwule Hol­län­der« Einzug gehal­ten, vielle­icht auch noch früher, ich weiß es nicht genau. Und nun war es wieder soweit.
    Ich stand dabei, rang nach Sou­veränität, war halb­herzig bemüht, an mich zu hal­ten, doch irgend­wann kon­nte ich nicht mehr.

  • Es gibt so The­men, da braucht man keinen Auf­s­tand der Anständi­gen, son­dern einen anständi­gen Auf­s­tand. Homo­sex­u­al­ität im Fußball ist so ein Thema.
  • Und dann war da noch die Geschichte von Feli­cia Day, einem Wurm und einem schö­nen Beispiel dafür, wie Geschichten erzählen heute funk­tion­ieren kann.

    The saga of the worm Feli­cia Day saved and the Twit­ter fol­low­ers who made it epic.

    P.S.: Ich weiß es ist eine Casting-Show. Ich weiß Nena ist eine Ner­ven­säge und Xavier Naidoo nicht jed­er­manns Sache. Aber. ABER! Dass es solche Momente in einer deutschen Show noch mal geben würde, damit hät­ten sie doch auch nicht gerech­net, oder?

    18/12/2011 0 comments Read More
    Lesesachen KW 47 + 48

    Lesesachen KW 47 + 48

    Es wollte sich nicht alles so schnell finden lassen, am aller­wenig­sten die Zeit. Von wegen besinnlich.

    Bela Lugosi betritt den Raum, Max Schreck im Roll­stuhl hinterher.

    Lugosi: Was amüsiert die Her­ren?
    Lee: “Twi­light”.
    Schreck: Beileid?
    Lugosi: Nein, Max. (Sehr laut): “Twi­light”! Dieser neue Vam­pirk­itsch mit dem Jün­gelchen.
    Kin­ski: Kann der nicht auch am Tag raus?
    Old­man: Klar, im Dunkeln findet der den Weg nicht.
    Lee: Hat Angst, nach ‘ner Nachtschicht im Sarg zu liegen.
    Kin­ski: Und der glitzert so komisch in der Sonne.
    Old­man: Vam­pir, jetzt auch von Swarowski!

  • Manch­mal kön­nen die bei SPON auch ulkig.
  • ZEIT: Was muss ich tun, damit ich ziem­lich sicher beklaut werde?

    Arno: Legen Sie eine protzige Uhr an, und bum­meln Sie durchs Spanis­che Vier­tel in Neapel. Set­zen Sie sich in Barcelona in ein Straßen­café, legen Sie Ihr Smart­phone auf den Tisch, und ver­tiefen Sie sich in einen Stadt­plan. Dröh­nen Sie sich in einem Ams­ter­damer Cof­feeshop zu, und freuen Sie sich, dass Ihre neuen Kumpel dort Ihnen mit viel Kör­perkon­takt ein paar Fußball­tricks beib­rin­gen. Nehmen Sie den Zug vom Pariser Flughafen ins Zen­trum, ver­stauen Sie Ihre Tasche im Gepäck­fach neben der Tür, und lassen Sie sie aus den Augen. Und falls es immer noch nicht geklappt hat, fahren Sie weiter von Paris nach Nizza oder Mar­seille, im Nachtzug. Und helfen Sie dem Typ neben Ihnen mit einem Taschen­tuch aus, wenn der Ärmste sich mit Kaf­fee bek­leck­ert, während der Zug in einen Bahn­hof einrollt.

  • Der Mann ist eine Art Ganoven-Tester. Ein faszinieren­des Interview.
  • beim schachtel­wirten isst man bekan­ntlich ver­lässlich fad, und zwar was geschmack und tex­tur bet­rifft. das wis­sen alle, die schon ein­mal dort gegessen haben, also alle. (das gilt übrigens auch für die anderen ket­ten­burg­er­bratereien.) beim schachtel­wirten bekommt man ebenso wenig wie bei jeder art dieser gigan­tis­chen wel­tumspan­nen­den sys­tem­gas­tronomie bio­pro­dukte von kleinen regionalen betrieben. das geht näm­lich nicht, auch wenn mcd in seiner aktuellen werbeschiene in öster­re­ich anderes suggeriert.

  • Der sprach­lich schön­ste Kom­men­tar zu diesem ganzen Schuh­beck und Co bei McDon­alds — Gedöns.
  • Im sozialen Net­zw­erk Face­book brüsten sich junge Men­schen damit, sie schon zu Schulzeiten gemobbt zu haben. Ob in Wer-kenntwen, in Blogs, auf den Inter­net­seiten der Boulevard-Presse: Sarah kennt die gemeinen, erniedri­gen­den Sprüche und Schlagzeilen alle, sie weiß um die Häme und den Spott: „Das tut weh. Ich bin nicht so, wie die draußen denken. Manch­mal ein biss­chen ver­peilt, manch­mal habe ich ver­rückte Ideen: aber doch nicht so …“ Das möchte sie jetzt mith­ilfe unserer Zeitung klarstellen, obwohl ihr bewusst ist, dass genau das der 18-seitige Ver­trag mit der Pro­duk­tions­firma strikt verbietet.

  • Wo wir schon bei “Unter­hal­tung” sind, wer Schwer Ver­liebt und Co schaut zer­stört Leben.
  • Auf dem Bett dann weiter Gejaule, Geknurre, Gefauche. Er ist gen­ervt, verängstigt und er hat Schmerzen. Will wieder ständig auf­sprin­gen und wegren­nen, kann sich aber kaum umdrehen mit dem Ver­band. Panisch rufe ich den Mann an, er soll bitte sofort heimkom­men, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll. An die Tax­i­fahrerin muss ich denken und daran, wieviel man so einem kleinen Tier überhaupt zumuten darf, wo da die Gren­zen sind. Und dass von den zwölf Wochen ger­ade erst­mal elf Tage herum sind. Der Mann kommt, wir geben Theo Schmerzmit­tel und Leck­erli, wieder schlingt er alles runter, um dann danach weiter zu kla­gen. Er springt wieder auf, dies­mal lassen wir ihn, dann springt er vom Bett und mir bleibt schier das Herz ste­hen. Unters Bett kriecht er. Und still ist er auf ein­mal. Wir liegen oben und lauschen, was er macht, ein paar Mal dreht er sich um, um die richtige Liege­po­si­tion zu finden, aber das Kla­gen hat aufge­hört. Ich fange an zu heulen, meine Ner­ven sind am Ende und es tut furcht­bar weh, ihn so lei­den zu sehen.

  • Wer jemals mit einem Haustier gelit­ten hat, weiß wovon Frau Elise spricht.
  • Lieber Philipp Lahm,

    bitte tre­ten Sie als Kapi­tän der Natio­nal­mann­schaft zurück.

    Sie wer­den Ihrer Ver­ant­wor­tung als Leit­fi­gur des deut­schen Aus­wahl­teams und Vor­bild jun­ger Men­schen nicht gerecht, Beleg seien Ihre Aus­füh­run­gen zum Thema Homo­se­xua­li­tät: Was soll ein schwu­ler Fuß­bal­ler den­ken, dem der Kapi­tän der deut­schen Natio­nal­mann­schaft nahe­legt, sein Ver­steck­spiel lie­ber bei­zu­be­hal­ten, weil alles andere zu Schwie­rig­kei­ten füh­ren würde?

  • Es ist so schön wenn andere die eigene Wut so klar artikulieren können.
  • Wenn man Sie so ruhig dasitzen sieht, wirken Sie eher wie die Inkar­na­tion des Müßig­gangs.
    Ich sinnlose vor mich hin, und das mit Begeis­terung. Wenn nichts passiert, passiert ja nur schein­bar nichts, weil irgend­was passiert ja immer, und wenn eine Ameise übern Sand­bo­den läuft oder Staub­par­tikel durchs Fen­ster sicht­bar wer­den, weil die Sonne rein­scheint. Die Frage ist, ob es einem gelingt, sich diesem Ange­bot zu öffnen.

  • Es ist ein Inter­view mit Ger­hard Polt. Natür­lich wollen sie das lesen. Gern auch ein zweites Mal. Selbstverständlich.
  • Thomas Gottschalk ist ein Mod­er­a­tor, der am besten ist, wenn unvorherge­se­hene Dinge passieren — und die Ver­ant­wortlichen lassen seine let­zte Sendung zu Ende gehen, ohne dass irgen­det­was für ihn Unvorherge­se­henes passiert? Ein Gast, mit dem er nicht gerech­net hat, eine Aktion, auf die er nicht vor­bere­itet war, irgen­det­was anderes als alte Sendungs-Ausschnitte, irgen­det­was? Irgendetwas?

  • Damit hat er natür­lich vol­lkom­men recht, der Herr Nigge­meier. Und ich frage mich seit Jahren, ob man in den Redak­tio­nen deutscher Shows nicht mal Tab­ula Rasa machen sollte, so wenig wie man sich dort traut.
  • Mit dem Rauchen hat er schon vor 20 Jahren aufge­hört. Wenn ich ihm Whiskey kaufe, trinkt ihm den meine Mut­ter weg. Was Schoko­lade angeht, isst er am lieb­sten Rit­ter Sport Voll-Nuss, die zu schenken jetzt nicht so wirk­lich den Charak­ter eines liebevoll aus­ge­suchten Wei­h­nacht­spräsents hätte.

    Es ist fürchterlich.

  • Wie außeror­dentlich beruhi­gend, es ist nicht nur mein Vater son­dern min­destens auch der von Frau Mod­este. Und Hawai-Hemden hat meiner nun auch schon zwei. Schlimm.
  • Auf den Bildern waren ja Zahlen! Nicht von links nach rechts, von oben nach unten, son­dern total durcheinan­der! Und gedruckt waren sie auf Kästchen, die aus­sa­hen, als kön­nte man sie auf­brechen. Warum aber sollte man ein so schönes Bild kaputtmachen? Und was rap­pelte denn da so? Ich wandte mich in der Ver­wirrung an meinen Onkel, der mir erk­lärte, dass die Deutschen ihre Schoko­lade manch­mal umständlich ver­pack­ten, nur damit es schöner aussähe. Ich solle ein­fach mal ein Türchen öffnen und mir ein Stück herausnehmen.

  • Die Begeg­nung von Sil­tent­tiffy mit ihrem ersten Adventskalen­der: it doesn’t get more Christ­mas than this.
  • Zum Abschluss noch ein Tipp an Kosmetik-Firmen: Anstatt so glitzernde Spots zu pro­duzieren, werbt mit Videos wie dem das folgt. Es wird funk­tion­ieren, trust me.

    03/12/2011 0 comments Read More
    Lesesachen KW 46

    Lesesachen KW 46

    Selt­same Woche, oder? Nichts passt so richtig, das Tim­ing nicht, die Stim­mung nicht und eigentlich würde man sich gern mit einer Decke, einer großen Schachtel Kekse und einem Hek­to­liter Tee ver­graben und nie wieder rauskom­men. Und sagt jetzt bitte nicht, dass es nur mir so geht — mein Welt­bild ist momen­tan sehr fragil. Any­way. Onwards!

      Er hatte keine Ahnung und auch keine Antworten. Er war ein Frageze­ichen gefüllt mit tausenden anderen Frageze­ichen. Fra­gen über das Leben, über Lit­er­atur, über soziale Struk­turen, über Gerechtigkeit, Geiz und Gier und über die Liebe. Sie hatte auf alles eine Antwort gehabt. Nun standen sie da, die zwei Frageze­ichen, und wussten nicht weiter.

    • Einer dieser Texte über eine Frau und einen Mann und eigentlich der Dra­matik der kleinen Dinge.
    • Die Tat blieb nicht lange geheim. Es ist näm­lich nicht ein­fach, mit einem Blech Kuchen durch den recht ver­schlafe­nen Vorort zu radeln, ohne gese­hen zu wer­den. Harte Ver­höre schlossen sich an. Der eine anges­tiftete Junge darf nun nicht mehr dem verkomme­nen Sohn der Bekan­nten spie­len. Der Sohn selbst gab auf Befra­gen zu, er habe nicht nur diese Mis­se­tat zu vertreten. Er habe auch nur wenige Tage zuvor Geld, das ihm seine Groß­mut­ter heim­lich gegeben, bei real in mehrere Würstchen investiert und diese sofort mit Senf verschlungen.

    • Lesen Sie um Him­mel­swillen diesen Text! Und essen Sie Kuchen, so viel Sie wollen!
    • Manch­mal wis­sen wir nicht, was wir suchen, bis wir es gefun­den haben. Und ver­mut­lich ist das auch ganz okay so, denn die Suche ermöglicht uns ja erst, erken­nen zu ler­nen, was wir nicht wollen. Oder man macht’s wie ich und stolpert blin­d­lings durch die Gegend, bis man dann zufäl­lig über das Glück fällt. Irgen­deinisch fingt ds Glück eim, hier im Gegen­satz zum Lied ganz ohne Fragezeichen.

    • Ich hatte ja keine Ahnung, dass man Glück in Form von Blo­gein­trä­gen trans­portieren kann. Aber es funk­tion­iert sogar ganz großar­tig. #mehr_kitsch
    • so unspeck­takulär sich diese erken­nt­nis jetzt in diesem artikel anhört, hat sie sich wahrschein­lich auch in gabriele fis­ch­ers büro ange­hört, als sie meinen kopf ver­liess, aber die eigentliche erken­nt­nis die daraus erwuchs war eh eine ganz andere. näm­lich wie grossar­tig und inspiri­erend es ist, sich mit leuten zu unter­hal­ten die a) klüger als man selbst sind, b) neugierig sind und c) aus anderen lebens­bere­ichen kom­men als die, in denen man selbst feststeckt.

    • Wenn der ix gut ist, dann ist er ziem­lich gut.
    • ab dem punkt ist etwas in mir aufge­brochen. ich hatte plöt­zlich ver­standen, dass ich leben will. nicht als eine überlebende, son­dern als eine, die freude am leben hat. und ich ver­stand endlich, was man mir vorher 100.000fach hätte sagen kön­nen, ohne, dass ich es hätte umset­zen kön­nen: ich habe immer eine wahl. wenn ich gut leben will, dann bin ich es, die diese entschei­dung tre­f­fen muss. und wenn ich diese entschei­dung tre­ffe, brauche ich mir nicht einzu­bilden, dass sie keine kon­se­quen­zen auf meine lebens­führung hätte.

    • Eine Ther­a­pie ist mehr als eine Behand­lung. Ther­a­peuten sind mehr als Ärzte.
    • Ein Spiel dauert neun­zig Minuten. Zumin­d­est im besten Fall, für schwule Profi­fußballer dauert das Ver­steck­spiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homo­sex­u­al­ität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressen­ti­ments hal­ten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

    • Von der AKTION LIBERO haben Sie garantiert schon gehört. Jetzt finden Sie hier auch alle Beiträge. Lesen Sie sie alle — es lohnt sich.

    Na dann kratzen wir mal den let­zten Schwung zusam­men, was?

    20/11/2011 0 comments Read More