docu​.fm

In den let­zten bei­den Wochen festgestellt:

  • Ich kann ohne Face­book und Google+ Apps auf dem Wis­chtele­fon leben.Weil ich in beide Netze ohne­hin nur noch spo­radisch rein­schaue und mich noch sel­tener etwas dort überrascht.
  • Dafür gehe ich nir­gendwo ohne meinen Google Reader hin. Meine Feeds sind meine tägliche Lesegrundlage
  • Und: ohne Twit­ter geht es überhaupt nicht mehr. Wie kon­nte das passieren? Aus­gerech­net das flat­ter­hafte 140 Zeichen — naja, Net­zw­erk ist mir ern­sthaft ans Herz gewach­sen. Die Men­schen, das Frotzeln, die schnelle Ver­bre­itung von Infor­ma­tio­nen. Allerd­ings ist Twit­ter auch der Ort der los­es­ten Beziehungen.

Damit ver­halte ich mich im Inter­net let­z­tendlich genauso wie im richti­gen Leben. Beziehun­gen schließe ich auf­grund von The­men und dem Niveau der Kom­mu­nika­tion. Ein gutes The­men­blog ist wie ein Sach­buch für mich, ich entwickle eine Beziehung dazu, es ist mein ver­trautes Nach­schlagew­erk. Und die kurzen, spitzen Sätze auf Twit­ter sind mein Verbalsport.

Vielle­icht soll­ten sich Start-ups und ins­beson­dere die mit einem “social” Aspekt mehr Gedanken darüber machen, wo die Gren­zen der Ver­net­zung für ihre Ziel­gruppe liegen. Ich bin nicht zuletzt darum nicht bei Path, weil ich keine Lust habe ständig meinen Stan­dort zu verraten.

Ich glaube die näch­ste Nis­che öffnet sich für Dien­ste im Netz mit klaren Gren­zen.
Zum Beispiel finde ich die Idee zu doku­men­tieren was man so gele­sen oder gese­hen hat, wo man war und was man kauft dur­chaus span­nend. Im Sinne eines eige­nen Jour­nals. Nur gibt es der­lei momen­tan soweit ich weiß nur als offene App­lika­tio­nen mit eigener Com­mu­nity oder Öffnung in Rich­tung Face­book und Twitter.

Kön­nte ich bei gele­sen Artikeln im Netz, gehörter Musik oder einem Ort den ich besuche via einer App oder einer Erweiterung des Browsers mich mit einem Klick daran erin­nern (also in Form einer Art Kalender-Eintrag) fände ich das sogar schön und würde für einen entsprechen­den Dienst (mit guter Ver­schlüs­selung, ver­steht sich) Geld bezahlen. Stattdessen gibt es momen­tan Foursquare und Miso und Lovely­books — alle mit Verbindung in die social Networks.

Das beweist, dass Jour­nal­ing (?) dur­chaus eine Art Trend ist. Schließlich führen die wenig­stens von uns noch Tage­bücher und haben Schwierigkeiten uns daran zu erin­nern was wir noch vor 3 Stun­den im Netz getan haben. Der Wun­sch nach der Doku­men­ta­tion ist ver­ständlich, schließlich wan­dert unsere Aufmerk­samkeit durch die Gegend wie eine Bus­ladung Touris­ten durch die malerischen Alt­städte Bayerns.

Face­book weiß das und ver­sucht mit der Time­line genau das darzustellen. Aber lieber öffentlich. Oder min­destens für Face­book selbst zugänglich. Nie nur für mich. So lassen sich besser große Muster ent­decken und mit großen Mustern lassen sich besser Wer­bekun­den an Land ziehen.
Ich will aber nicht Teil eines Musters sein und trotz­dem irgend­wann mal sagen kön­nen “ach, da, im Jan­uar 2012 hab ich viel von Neil Gaiman gele­sen und In Treat­ment gese­hen und ständig Rezepte aus Food­blogs aus­pro­biert.”. Man kön­nte Pro­dukte die man kauft, Bücher die man liest mit einer App durch den Bar­code ein­le­sen und später Kom­mentare hinzufü­gen. Oder sogar Bilder hinzufü­gen. Und zum eige­nen Geburt­stag gäbe es ein kleine Chronik des let­zten Jahres. Gut, ich fange an rum zu spinnen.

Ich schreibe momen­tan am Ende jeden Tages 5 Zeilen in einen pri­vaten Posterous-Blog. Das ist schon­mal ein Anfang. Aber es wäre irgend­wie nett, wenn ich diese 5 Zeilen unter die Doku­men­ta­tion eines Tage schreiben kön­nte, die ich selbst gebaut habe. Was habe ich gele­sen, getwit­tert, gegessen?
Ja, das ist ziem­lich viel und die meis­ten Men­schen wer­den nicht so viel Spaß an einer Daten­samm­lung ihres eige­nen Lebens haben. Und trotz­dem klicken sie bei Face­book fröh­lich ständig auf “like”.

Solange das nur ich sehen kann und die Daten ordentlich ver­schlüs­selt wer­den. Wie gesagt, gern auch gegen Bezahlung. Bevorzugt sogar auf dem eige­nen Web­space. Wäre sowas so schwer? Hallo Pro­gram­mierer dieser Welt, ihr dürft die Idee gern haben, solange ich dann zu den ersten Usern gehöre.

08
Jan 2012
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 2 Comments

Wenn das dann ohne mich

copy­right “the simpsons”


Zuerst wollte ich einen net­ten kleinen Nerd­beitrag zu iftt (if THIS then THAT) schreiben, ein Ser­vice, der viele unserer Anlauf­stellen im Inter­net verknüpfen und ergänzen kann.
Dann kamen die ganzen Facebook-Ankündigungen. Time­line! Daten! Dein Leben gehört jetzt Facebook!

Plöt­zlich wirkte es ganz schön däm­lich, ein­er­seits iftt zu loben und mich ander­er­seits über Face­book aufzure­gen. Also geht es jetzt, ziem­lich durcheinan­der, ein biss­chen um beides.

Kurz ein paar erk­lärende Worte zu ifttt. Im Grunde ist es der Domi­nos­tein zwis­chen zwei Inter­net­di­en­sten, der umfällt, wenn Dienst 1 etwas tut und damit bei Dienst 2 etwas anschiebt. Bei ifttt heißt so etwas “recipe” also Rezept. Damit so ein Rezept funk­tion­iert, muss ich es meinem ifttt-Account entweder selbst als “Task” eingeben, oder von beste­hen­den Rezepten anderer User übernehmen. Ich weiß, das klingt sehr the­o­retisch bis hier­her. Hier mal ein Beispiel aus meinem Account:

Von der Twit­ter DM zur Evernote-Notiz

Das heißt übersetzt: wenn ich bei Twit­ter eine DM bekomme, wan­dert diese als Notiz in ein vorher definiertes Notizbuch bei Ever­note. Es wird also ein Backup davon erstellt. Ähnliche Dinge habe ich für Face­book und Pos­ter­ous, Tumblr-Posts die ich mag oder Artikel im GoogleReader die ich teile, eingestellt.

Per­sön­lich nutze ich ifttt also vor allem, um Back­ups von den vie­len Din­gen die ich im Inter­net pub­liziere zu machen. Dabei kann es noch viel mehr. An Dinge erin­nern, das Wet­ter per SMS zustellen, Dinge in mehreren Streams gle­ichzeitig posten etc. Also ein ziem­lich prak­tis­ches kleines Ding. Wem es zu kom­pliziert ist, eine eigene Task zu erstellen sollte erst­mal durch die vie­len Recipes der anderen User blät­tern oder diesen Artikel bei Life­hacker lesen, der die Basics aus­führlich erklärt.

ABER. Damit hat ifttt the­o­retisch Zugang zu den vie­len Dien­sten, die ich nutze — schließlich muss es darauf zugreifen kön­nen, um die Tasks auszuführen. Dazu muss man sagen, dass ifttt meines Wis­sens nach nur oAuth-Verfahren bzw. APIs nutzt, um sich diese Zugriff­ser­laub­nis zu holen. Das bedeutet ohne großes Technik-Blabla, dass ifttt quasi bei meinem Twitter-Account “anfragt”, ob es sich die DMs holen darf und ich die Erlaub­nis erteile. Dabei wer­den keine Login-Daten oder gar die DMs bei ifttt selbst gespeichert.

Face­book ver­wech­selt User-Freundlichkeit mit automa­tisiertem Content

Ifttt darf also soviel, wie ich erlaube. Das kann ich ziem­lich detail­ge­nau definieren und bei Bedarf zurück nehmen. Und damit wären wir beim großen Unter­schied zu Face­book. Wer noch nicht mit­bekom­men hat (unter welchem Stein lebst du und kann ich da mit einziehen?), wie sich Zauberzw­erg Zucker­berg die Zukunft vorstellt, sollte sich das hier mal kurz durch­le­sen. Dass ich das Timeline-Gedöns für unfass­bar aufge­blasen halte1, weil sich Face­book damit als Zen­trum des per­sön­liches Inter­nets definiert, ist dabei gar nicht so rel­e­vant. Wichtig ist das hier (aus dem gle­ichen Artikel):

Pre­vi­ously, apps had to ask every time they shared infor­ma­tion about you in your pro­file. Now, the first time you autho­rize the app, it will tell you what it’s going to share about you. If you’re cool with that, the app never has to ask you again.

Das bedeutet, dass eine Anwen­dung bei der ich mich z.B. mit meinem Facebook-Account ein­logge (wie Groove­shark o. ä.) auf Face­book postet, welches Lied ich höre. Wom­öglich sogar jeden einzel­nen Song. Das hängt dabei nicht davon ab, wie viel ICH davon posten will, son­dern wie oft die App posten will. Ich habe ihr schließlich Zugang gegeben. Damit wird Face­book zur Doku­men­ta­tion­s­mas­chine, drama­tis­cher als Google es kön­nte. Denn während Google mit unseren Daten grade mal Wer­bung auf uns zuschnei­den will, will Face­book das alles unseren Fre­un­den zeigen.

Wenn man mich fragt, die schlim­mere Alter­na­tive. Soll doch Google sich fra­gen, wofür ich die Schuh­größe von Johnny Depp her­aus­finden will. Das muss aber meine kleine Schwester nicht wis­sen, ify­ouknowwha­timean.
Damit ver­sucht Face­book eine gefährlich Alles-oder-Nichts-Mentalität ins Inter­net zu inte­gri­eren. Unter dem Deck­man­tel von Post­pri­vacy (auch so eine saudumme Idee) oder Trans­parenz, die ver­hin­dern soll, dass man Anonym anderen etwas antut. (Das hat Men­schen ja immer schon von Belei­di­gun­gen abge­hal­ten. Oh wait…), wird ein Cool Kids-Table im Inter­net aufgestellt. Hey, sagen sie, komm zu uns, wir teilen ständig alles was wir tun oder kaufen oder lesen miteinan­der! Wer dann nur noch Status-Updates schreibt kön­nte ja etwas zu ver­ber­gen haben.

Das ganze Leben im Inter­net, ungeschminkt.

Klingt alles sehr nach 1984? Vielle­icht. Oder es ist ein­fach die Art, wie Mark Zucker­berg seine Welt gerne hätte. Aber ich bin nicht der Typ, der die eige­nen Fotos gern in der Aus­lage beim Fotografen sieht, oder sich für RTLs neueste Dokutainement-Horrorshow cas­ten lässt. Obwohl ich öffentlich twit­tere und blogge, gibt es Dinge, die nicht jeder im Inter­net wis­sen muss. Denn die meis­ten davon, würde er auch im “echten” Leben nicht ohne weit­eres erfahren.

Das Inter­net erweit­ert mein Leben um genau den Bere­ich, den ich brauche. Die Vorstel­lung, dass alleine Face­book gern diesen kom­plet­ten Bere­ich überwachen, doku­men­tieren und vor allem pub­lizieren will, gefällt mir nicht. Face­book war mal ein Ort wo ich auf eige­nen Wun­sch inter­agieren kon­nte — jetzt soll ich reagieren, wenn ich etwas nicht will.
Natür­lich ist es ziem­lich unwahrschein­lich, dass ich meinen Account lösche. Aber ziem­lich wahrschein­lich, dass ich alles was einen Berührungspunkt zum restlichen Inter­net her­stellt, erst­mal entferne.

Vielle­icht soll­ten die Nerds, die sich so sehr über die neues Fea­tures freuen daran erin­nern, wie grausam das Leben sein kann, und ob sie auch diese Dinge in ihrer Time­line doku­men­tiert sehen wollen würden.

  1. Nur mal ganz kurz: hätte mein 13jähriges Ich sich einen Facebook-Account zugelegt, hätte ich diesen spätestens mit 20 kom­plett löschen müssen, um nicht bis in alle Ewigkeit mit den Dummheiten in Verbindung gebracht zu wer­den, die ich damals so ins Inter­net geschrieben habe. Teenager sein ist hart, war es immer schon. In Zeiten des Inter­nets ist es trotz­dem wichtig, dass man sich aus­to­ben kann, ohne dass einen all das durch die gesamte Online-Lebenszeit hin­durch ver­folgt. Darum ist die Sache mit der Time­line von Geburt bis Ende eine saudumme Idee. Oder hab nur ich trau­rige Emo-Gedichte mit 14 auf Geoc­i­ties veröf­fentlicht? Eben. Wird sogar Zucker­berg irgend­wann fest­stellen.

26
Sep 2011
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 1 Comment

stupid girl

Und dann fällt mir gestern Nacht wieder ein­mal ein, warum ich das Inter­net so liebe.

Weil ich hier doof sein darf.

Weil es hier immer jeman­den gibt, der sich besser auskennt, mehr weiß, mehr Erfahrung hat. Das ist toll. Denn die meis­ten dieser Men­schen kann ich im Inter­net auch fra­gen und sie antworten gern zu “ihrem” Exper­ten­thema. Keiner ist all­wis­send, das ist quasi ein grundle­gen­des Inter­net­prinzip. Beson­ders auf Twitter.

Jetzt fra­gen Sie sich vielle­icht: aber im “echten” Leben weiß doch auch nie­mand alles? Natür­lich nicht. Aber wir tun dauernd so. Nein, halt, ich tue dauernd so. Als dauer­plap­pern­des Besser­wis­sergeschöpf bin ich für Men­schen, die mich in der “echten” Welt ken­nen, eine Art analoge Wikipedia gewor­den. Das habe ich im Übrigen selbst zu ver­ant­worten. Schließlich wollte ich immer zu allem eine Mei­n­ung entwick­eln, mich aus purem Kom­plex her­aus zu jeder Frage äußern.

In der Schule war ich die mit der guten All­ge­mein­bil­dung, im Studium der Freak der bei allen Möglichen Sachen auf dem neuesten Stand ist. Ein Teil von mir fand das sogar gut. Der Teil ist mein Ego. Während mein Ver­stand oft schrie WAS TUST DU DA? DU HAST DOCH EIGENTLICH KEINE AHNUNG! GIB DOCH ENDLICH ZU, DASS DU ES NICHT CHECKST!. Aber solange die Men­schen mich um Rat fragten und oft genug sehr beein­druckt waren (ich kann mein Unwis­sen ver­bal wirk­lich gut ver­packen), hab ich weiter gemacht.

In einer Übergangsphase habe ich den mich umgeben­den Offlinern dann das erzählt, was kluge Leute im Inter­net gesagt haben. Daraufhin hat man mich für ern­sthaft schlau gehal­ten. Scary stuff. Ganz langsam hab ich dann ange­fan­gen eine Art Quel­lenangabe meiner Behaup­tun­gen anzugeben. “Also jemand der selbst Schied­srichter ist, sagt, dass er den Freis­toss nicht anpfeifen muss.” Oder gern auch während der Tagess­chau. “Das ist SO gar nicht passiert und das sagt jemand der VOR ORT war.”

So gese­hen ‚macht das Inter­net mich noch schlauer. Inter­es­sant ist, dass es einen Unter­schied macht ob ich sage: “Tat­säch­lich ging es bei den Slut Walks eben nicht um Klam­ot­ten.” Oder ich sage: “Die Mädels die mit demon­stri­ert haben, erzählen von bösen Din­gen, die sie sich anhören mussten.” Während ich als Bewohnerin des Inter­nets, die Ver­sion MIT Quel­lenangabe rel­e­van­ter finde, ist für Men­schen die Aus­sage ohne meine Quelle:Internet oft glaub­würdi­ger. Noch.

Bere­its jetzt sorgt es in manchen Fällen für Nach­fra­gen a la “wo kann ich mehr dazu lesen” oder “gibt es einen Blog zu dem Thema?”, aber noch ist es zäh. Das hat bes­timmt damit zu tun, dass ich auf dem Land lebe und ich, anders als manch andere, noch mit Men­schen zu tun habe, die keine Emailadresse besitzen. Aber es zeigt, wie der sich zu langsam wan­del­nde Umgang tra­di­tioneller Medien mit dem Inter­net einen schlechten Ein­druck hin­ter­lässt. Wenn die Tagess­chau unter einem Bild die Quelle als “Inter­net” angibt, oder böse Nachrichten gern mit “Die Täter haben sich im Inter­net (!) oder bei sozialen Net­zw­erken verabre­det”, sorgt das nicht für Begeisterung.

Und es gibt in Zeiten einer immer älter wer­den­den Gesellschaft der Poli­tik die falschen Argu­mente in die Hand. In Eng­land wur­den jetzt zwei junge Män­ner zu Haft­strafen verurteilt, weil sie auf Face­book zur Ran­dale aufgerufen hat­ten. Hät­ten sie Flyer verteilt, hätte man das bei Gericht wohl weniger eng gesehen.

Das Prob­lem ist: je mehr wir darauf achten müssen, was wir im Inter­net sagen, weil es drastis­chere Kon­se­quen­zen haben kann als die Äußerung durch andere Medien, desto weniger wer­den Men­schen klare Hal­tun­gen und fundierte Mei­n­un­gen äußern. Auch Men­schen, die sich tat­säch­lich auskennen.

Dadurch wird das Inter­net als ganzes düm­mer. Und das kann ich wirk­lich nicht brauchen.

http://​groove​shark​.com/​s​/​T​h​e​+​G​r​e​a​t​+​P​r​e​t​e​n​d​e​r​/​2​x​3​J​L​I​?​src=5

18
Aug 2011
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 1 Comment
TAGS

,

sonnig, wolkenlos

(via naturegeak @ flickr)


Irgendwo zwis­chen Real­na­mendiskus­sion auf Google, stun­den­langem Dateiengeschiebe zwecks Backup und meiner erneuten Fest­stel­lung, wie prak­tisch “richtiges” DSL ist, kam mir haupt­säch­lich ein Gedanke: Das mit der Cloud könnt ihr euch erst­mal in die Haare schmieren.

Ver­steht mich nicht falsch, das hat alles seine Vorteile.

Wer arbeitet kann Wolken brauchen, in der Freizeit ist Sonne wichtig

Während des Studi­ums haben Drop­box und Co mich gerettet. Keine Massen-Emails, keine drölfzig Dokument-Versionen, alles wird schön über einen geteil­ten Ord­ner syn­chro­nisiert. Ob nun Drop­box oder Google­Docs — für Pro­jekte mit mehreren Men­schen helfen diese Dinge sehr. Da ist die Cloud großar­tig.
Man teilt und bear­beitet und sichert alles gemein­sam, sieht wer wann Zugriff hatte und min­imiert so Fehler.

Doku­mente die ich überall brauche, Buchungs­bestä­ti­gun­gen, Fahrpläne — alles in meiner Drop­box oder den Google-Dokumenten. Es gibt Sicher­heit, auch mal ohne den Lap­top unter­wegs zu sein. Oder selbst wenn der über den Jor­dan geht — wichtige Doku­mente ste­hen als Backup in einem ver­schlüs­sel­ten Ord­ner online.

Ich führe meinen Kalen­der online (Google, obvi­ously.) Ich sichere Pass­wörter über Last­pass, wichtige Doku­mente über Drop­box. Als ich am Woch­enende meinen Lap­top zuerst platt gemacht habe um anschließend alles neu zu instal­lieren waren meine Schrif­tarten und Icons sowie eine Sicherungs­datei für meine Pro­gramme in der Cloud.

So gese­hen bin ich ein großer Fan, ehrlich.
Aber.

Grund­sät­zlich ist es prak­tisch einer Fre­undin den neuen Song, den sie hören sollte in die Drop­box zu stellen. Oder eine Liste über Google­Docs zur Häu­figkeit der Erwäh­nung von Ein­hörn­ern auf Twit­ter zu führen. Mit meinem Account bei Ubun­tuOne kann ich auch mal ein Fotoal­bum strea­men, ohne das alles gle­ich auf Face­book zu stellen. (zu den Alben-Funktionen von Face­book nur ein Wort: ORRRR)

Also immer dann wenn ich kurz — oder mit­tel­fristig Dinge ver­füg­bar machen muss, ist die Cloud super. Für eine begren­zte Masse an Daten. Und in Aus­nah­me­fällen auch mal langfristig.
Für große Daten­men­gen und länger­fristig ist die Cloud aber in ihrer momen­ta­nen Form Blödsinn. Dafür gibt es zu viele Haken, Ösen und Gefahren.

Es gibt Gegen­den, da kom­men gar keine Wolken vor

Die Diskus­sio­nen um die Namens-Politik auf Google hat eines gezeigt: Ob Google, Face­book oder Apple — kein großer Anbi­eter betreibt momen­tan ein offenes, zuver­läs­siges Account­man­age­ment.
Was bei Google die Namen sind, ist bei Face­book der Daten­schutz und bei Apple dür­fen keine Drit­tan­bi­eter dazu.
Mich von einem Haup­tac­count abhängig zu machen ist also dur­chaus riskant.

Natür­lich, den Meis­ten von uns wird nie der­ar­tiges passieren. Aber es gibt keine Strate­gie mit der man 100%ige Sicher­heit für die Daten in der Cloud her­stellen kann. Selbst mein per­sön­licher Liebling Drop­box hatte vor ein paar Wochen eine größere Sichere­heit­slücke.
Dabei macht es keinen Unter­schied, ob man für den Account bezahlt hat oder nicht.

Aber selbst wenn das alles sicher wäre, wir uns darauf ver­lassen kön­nten, dass unsere Dateien jed­erzeit auf einem Server irgendwo auf der Welt ver­füg­bar sind, egal wie wir uns nen­nen und ob wir dort auch unsere Pornosamm­lung unterge­bracht haben, selbst dann ist die Cloud nur mit Krücken unterwegs.

Die Krücken der Cloud heißen DSL, G3, Wlan und Edge.
Ohne diese Krücken kommt die Cloud näm­lich nir­gend­wohin. Das ist kein Prob­lem in Gegen­den, die bar­ri­ere­frei sind. Also Städte wo das Netz auf die vie­len Smartphone-Besitzer ein­gerichtet ist. In abse­hbarer Zeit wer­den wir im Bus, Zug und auch im Flugzeug fröh­lich online sein und strea­men was das Zeug hält.

Und so wird ein ganzes Land von einem großen, zuver­läs­si­gen Funknetz bedenkt. Ein ganzes Land? Aber nicht doch! Große weiße Flecken in ländlichen Gegen bleiben wehrhaft! Gezwun­gener­maßen. Denn die Telekom hat es nie für nötig gehal­ten dort DSL-Leitungen zu legen oder für entsprechen­den Ersatz zu sor­gen. Und wenn sie jetzt in diesen Gegen­den Ange­bote für Funk-DSL macht, dann steht im Kleinge­druck­ten die Drosselung nach 6GB. 6 Giga­byte. Pro Anschluß. Mit 2–8 Geräten die mehr oder weniger regelmäßig im Netz sind, Videos herun­ter­laden, Musik im Inter­net kaufen und Emails verschicken.

Die 6GB sind dann nach einer Woche schon mal erre­icht.
Gut, dann kann man ja immer noch mit dem Smart­phone ins Netz, gibt ja UMTS & HSDPA. Oder?
Nun, speak­ing as a cit­i­zen am Rande Südos­to­ber­bay­erns — NÖ.
Mein Handy kennt die Beze­ich­nung 3G nur vom Hören­sagen. Wenn überhaupt. Es schwankt, was die grü­nen Wiesen hier hergeben.

Damit ist der Grundgedanke der Cloud “alles jed­erzeit überall ver­füg­bar machen” Quark. Stattdessen sollte er lauten “wenn sie in einer Stadt mit mehr als 20 000 Ein­wohn­ern leben, ist die Wahrschein­lichkeit ziem­lich hoch, dass sie zumin­d­est mit etwas Geduld auf ihre Dateien, die nicht größer als 100 MB sind, zugreifen können.”

Wenn ich jetzt noch bedenke, wie hoch die Pri­or­ität dieses Infra­struk­tur­prob­lems z.B. in Bay­ern unter der Hoheit Horst I dem Ungewählten (wir erin­nern uns, bei der CSU druckt man sein Inter­net gern noch aus) ist, sehe ich eher eine Win­terolympiade hier, bevor ich einen men­schen­würdi­gen Down­stream erhalte.

Meine Musik­samm­lung ist wie ein Organ, das kann man nicht streamen.

Und wis­sen sie was? Damit kann ich sehr gut leben.

Ich bin oft und viel online. Ich kom­mu­niziere, kon­sum­iere und tue eigentlich alles außer Essen im Inter­net. Wenn ich unter­wegs bin, grinse ich auf Zug­fahrten oder beim Warten auf irgen­det­was in mein Handy. Meis­tens, weil ich meine Twitter-Timeline lese.

Was ich dann nicht tue? Mein Handy als MP3-Player nutzen. Youtube-Videos schauen. Ein­fach, weil diese Dinge viel Aufmerk­samkeit brauchen. Genauso ver­suche ich größere Twitter-Konversationen auf einen Zeit­punkt, wenn ich wieder am PC bin.
Außer­dem ver­brauchen diese Dinge viel Akku und ich gehöre zu denen, die ihr Handy manch­mal wirk­lich zum tele­fonieren BRAUCHEN. (Hallo, holst du mich aaahhab?)

Kopfhörer habe ich trotz­dem ständig auf. Weil ich, sobald ich das Haus ver­lasse, Musik höre. Bevor ich die Tür hin­ter mir zumache, entscheide ich spon­tan was jetzt meinen Weg begleiten soll. Auf dem Rück­weg kann das schon wieder etwas kom­plett anderes sein.
Hin und wieder ist man einen ganzen Tag lang unter­wegs — dann wird stun­den­weise geshuf­felt, die neuen Alben durchge­hört und irgend­wann verzweifelt wieder zu den Klas­sik­ern gegrif­fen. Will sagen: ich brauche meine Musik, überall, zuver­läs­sig und in großen Mengen.

Da fällt das Strea­men schon mal flach. Weil vielle­icht stehe ich im Laufe des Tages an einem See-Ufer. Oder auf einer Waldlich­tung. Oder bin ein­fach in Randge­gen­den von Südos­to­ber­bay­ern unter­wegs. Und egal was die Simfy-Werbung mir erzählen will — da streamt es sich nicht so leicht.

Stattdessen schauf­fele ich alle par Wochen die frische Musik auf den MP3 Player, zu den anderen aus­gewählten 32 GB. Und das ist der Kern meiner Musik­samm­lung, also ein biss­chen mehr als die Hälfte. Der Akku des MP3-Players hält tage­lang durch, er ist kleiner und han­dlicher als mein Handy und min­destens genauso wichtig.
Ich liebe Musik. Meine Musik­samm­lung gehört zu meinen wichtig­sten Besitztümern.
Meine kom­plette dig­i­tale Musik­samm­lung ist ein­mal auf meinem PC, ein­mal auf einer exter­nen Fest­platte und der harte Kern wie gesagt auf dem MP3-Player. SO wichtig ist sie.

Liebe Cloud, du bist eine hüb­sche Erfind­ung, aber es gibt Dinge, um die küm­mere ich mich selbst. Das eine ist das Füt­tern meiner Katze und das andere meine Musik­samm­lung. Wir reden wieder drüber, wenn du lernst Steuer­erk­lärun­gen zu erstellen, okay?

01
Aug 2011
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 2 Comments