Der Mann, den sie Schweini nannten

Mit­tler­weile ist es so eine Art run­ning gag auf Twit­ter.
Während des DFB-Pokalfinales war ich nur spo­radisch online. Das hat meine Time­line nicht abge­hal­ten, als Bas­t­ian Schwe­in­steiger das 4:1 geschossen hat.
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Und ja, meine Verehrung für Bas­t­ian Schwe­in­steiger ist ziem­lich gut doku­men­tiert. Fast noch besser, als meine reservierte Hal­tung Herrn Bal­lack gegenüber. Ich erkenne ihn an seinen Wadln. Ich mag seine Inter­views. Er macht mir sogar die Bundes-Angie sympathischer.

Da die WM dieses Jahr mit meinem Semester-Endspurt kol­li­diert und ich nicht dazu kom­men werde, viel zu bloggen, ist es vielle­icht ganz gut zumin­d­est schon mal zu klären warum ich den mein Fan­herz aus­gerech­net an den Basti aus Kol­ber­moor (LK Rosen­heim REPRESENT, ha!) ver­loren habe.
Und das nicht erst 2006. Au contraire.

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aus "die Spieler" von Strenesse

Wir schreiben das Jahr 2002. Der FC Bay­ern ist amtieren­der Champions-League Sieger. Aber, durch eine Myr­i­ade an Ver­let­zun­gen und genereller Selb­stüber­schätzung sollte es jetzt, in der Folge­sai­son, nicht über die Vor­runde hin­aus­ge­hen. Sucht man heute nach einem Gewinn aus dieser Zeit, es wäre ver­mut­lich ein später Moment im Spiel gegen Lens. Mehmet Scholl wurde aus­gewech­selt. Und eingewech­selt wurde ein 18jähriger, der bis dato in der zweiten Mannschaft gespielt hatte. Von diesem ersten Moment an, ob in der Cham­pi­ons League oder kurz darauf in der Bun­desliga, fiel an diesem Kerl eines auf: So uner­schrocken war schon lange kein junger Bay­ern­spieler mehr aufge­laufen. Man kön­nte auch sagen, er war unver­schämt Selb­st­be­wußt. Und weil Begeis­terung, ja Liebe, kein Aus­druck der Ratio ist, son­dern ein­fach irgend­wie passiert, hat das gelangt. Also bei mir jetzt.

Sel­ten hatte mich ein Fußballer, noch dazu einer der kaum ein ganzes Jahr älter ist als ich, so beein­druckt. Er kan­nte ein­fach kein Par­don, egal welche Liga, welcher Geg­ner. Die natür­lich aufk­om­menden Ratschläge von Uli Hoeneß waren ihm irgend­wie auch her­zlich egal. Dieses Ego ist ihm bald vorge­wor­fen wor­den.
Und das obwohl es ihm wahrschein­lich geholfen hat sich in die erste Mannschaft des FC Bay­ern und schließlich auch in die National­mannschaft (er war 2004 schon dabei!) zu spie­len. Nicht zuletzt, weil sich nette Jungs nicht beim FC Bay­ern durch­set­zen. Roque Santa Cruz any­one? Phillip Lahm musste kurz nach Stuttgart, der gle­ichal­trige Tro­chowski hat es genau­sowenig geschafft. Allein Bas­t­ian Schwe­in­steiger ist aus dieser Gen­er­a­tion gradewegs von der Jugend in die Profi­mannschaft marschiert.

Dass ein Kerl in seinen frühen Zwanzigern daraufhin mit Frisuren exper­i­men­tiert, die Münch­ner Clubs durch­streift und mal so generell das Leben genießt war in den dann für viele tat­säch­lich ein Grund Kri­tik an ihm zu üben. 1 Ha. Haha. Darf ich dazu kurz sagen, was ich getan hätte, so mit einem Job der mir Spaß macht und genug Kohle um mir meine ver­rück­ten Wün­sche zu erfüllen? Ein ver­flucht großes Haus, ein wahnsin­nig schickes Auto und auch sonst hätte ich an der Sta­tussym­bol­front wenig ausgelassen.

So wie es auch jeder Jour­nal­ist getan hätte, der sich so gern über die Extrav­a­ganzen des Herrn Schwe­in­steiger aus­ge­lassen hat. Und das lange, vor jeder Diskus­sion an seinen fußbal­lerischen Fähigkeiten.

Und dann, dann kam das Som­mer­märchen.
Der Jubel einer ganzen Nation bildete den Boden für eine Show, die die Presse liebevoll “Poldi und Schweini” nan­nte. Podol­ski sollte bald darauf nach München wech­seln und Bas­t­ian Schwe­in­steiger wurde verse­hentlich als bril­lianter Außen­spieler ent­deckt. Sco­lari, so schien es, wollte den jun­gen deutschen Spieler eigentlich gle­ich mit­nehmen. Und das trotz der Tore, die er gegen Por­tu­gal schoß. Außer­dem hatte er Angela Merkel um den Fin­ger gewick­elt, eine kleine Armee an jun­gen Mäd­chen betört und Uli Hoeneß dazu gebracht, ihn die Zukunft des FC Bay­ern zu nen­nen.
Diese Form zu hal­ten, oder wom­öglich zu verbessern, wurde zur Min­destanforderung an einen 21jährigen, der sich noch nicht sicher war ob die Außen­bahn überhaupt sein Platz auf dem Feld ist.

In den Jahren 2006 bis 2010 war es dann auch nicht immer leicht für Basti und seine Anhänger. Die Form schwankte bedrohlich, die Suche nach einem Image wurde ihm angekrei­det und generell galt er als eine der Sym­bol­fig­uren wenn es um die Iden­tität­skrise 2 des FC Bay­ern ging.
Mit­tler­weile bin ich mir ziem­lich sicher, dass es ger­ade auch diese Jahre sind, die mich zur sturen Vertei­di­gerin von Basti haben wer­den lassen. Weil: Mitte Zwanzig sein, sich selbst und den eige­nen Weg finden — ob im Job oder generell im Leben — das kenne ich auch. Das ken­nen ver­mut­lich sehr viele seiner Fans.
Auch, weil hier so schön der Gen­er­a­tionswech­sel illus­tri­ert wurde. Grade Uli Hoeneß, den ich sonst sehr schätze, hat da oft kom­plett unnötig Kri­tik an Kleinigkeiten wie Schwe­in­steigers Äußerem geübt. Von der Gefahr, er würde abheben. Und dass das jawohl so nicht sein dürfe. Ich meine, Uli, bei aller Liebe — aber Fußballer und Ego, Style und so — das soll es gerüchteweise früher auch gegeben haben.

Dieser eigene Kopf, diese gewisse Grund­sturheit gepaart mit einem Hauch Wahnsinn und einger­ahmt von genug Selb­st­be­wußt­sein — das ist ja auch der FC Bay­ern in Rein­form. Und das ist eigentlich per Def­i­n­i­tion ein Typ. Einer von diesen Typen 3 die neuerd­ings gefordert wer­den, speziell für die Nationalmannschaft.

Verzei­hung, ich schweife ab. Weil jetzt kommt ja Lois ins Spiel.
Es war per­fek­tes Tim­ing, als der rauhe aber unver­mei­dlich liebenswerte Lois van Gaal an die Säbener Straße kam. Schwe­in­steiger, dank neuem Man­ager und Dauer­fre­undin per­sön­lich einen ganzen Schritt weiter bekommt einen Trainer, der fest­stellt, dass der Junge ja wirk­lich gut Fußball­spie­len kann, ihn sogar als kom­plet­ten Spieler beze­ich­net — ihn aber auch endlich aus der Mater der Außen­bahn holt.

Als Lois van Gaal grade erst ein paar Wochen Trainer des FCB war, hat ein dus­seliger 4 Jour­nal­ist Bas­t­ian Schwe­in­steiger im Vor­beige­hen gefragt, was er den so vom ihm hielte. Basti hat mit den Schul­tern gezuckt, kurz gegrinst und gesagt “Er ist ein biss­chen ver­rückt, aber ich glaube das passt schon.“
Das war im Übrigen der Moment, als für mich fest­stand, dass Luis van Gaal lange bleiben wird. Dass er zu Bay­ern passt hatte sich mir schon erschlossen, als er auf der ersten Pressekon­ferenz so her­vor­ra­gend demon­stri­erte wie sehr seine Per­sön­lichkeit­san­la­gen sich mit den Eigen­schaften des FC Bay­ern überschnei­den. Mia san mia, indeed.

Was dann während der zurück­liegen­den Sai­son passiert ist, muss ich nicht erzählen, das wäre ja Wasser in die Isar schüt­ten. Die Welt, sie liegt Herrn Schwe­in­steiger 5 doch sehr zu Füßen. Keine self-respecting Pub­lika­tion, ob print oder online, ohne den ulti­ma­tiven “da ist aber jemand erwach­sen geworden”-Artikel. You don’t say. Passiert Leuten in dem Alter auch sonst nicht.

Doch genug des Ärgers. Schließlich bin ich eigentlich ein sehr glück­liches Fan­mäd­chen, aktuell. Basti, der Fels im Mit­telfeld des FC Bay­ern. Basti, der emo­tionale Leader (Wirk­lich, Jogi, WIRKLICH?) in der National­mannschaft. (Nein, ich sag jetzt wirk­lich Nichts mehr zu you-know-who und seiner Abwe­sen­heit und wie das auch noch gut ist für Bas­t­ian. Nein. Bes­timmt nicht.)
Und Basti, der immer­noch genug Selb­st­be­wußt­sein hat, um sich von dem ganzen Druck nicht irre machen zu lassen. Plöt­zlich seid ihr alle ganz schön froh, dass er so ist, gebt’s zu.
In den näch­sten Wochen wer­den viele, viele Sätze geschrieben wer­den in denen die Worte Fußstapfen, Erwartung­shal­tung, Chef im Mit­telfeld, Nach­fol­ger, erstaunliche Entwick­lung und let­z­tendlich beein­druck­ende Leis­tung vorkom­men. (Ich glaube, ich hab grad ein Trinkspiel entwickelt.)

Unab­hängig davon wie die Sache in Südafrika aus­geht, (who am I kid­ding, bei allem unter Viertel­fi­nale wird die Nation in höch­stem Maße iri­tierrt sein und ich glaub ich auch.) ich kann es kaum erwarten zu sehen wie die Kar­riere von Bas­t­ian Schwe­in­steiger weiter geht. Jetzt bin ich auch davon überzeugt, dass es gut gehen wird. Basti war das ja irgend­wie immer schon. Ich denke, ich werde diese Hal­tung auch mal ausprobieren.

Und da sag noch ein­mal einer, Fußballer gehen nicht als Vor­bilder durch.

  1. Womit ich mich kurz mal an die Jour­naille wen­den muss: Dieser Tage schreibt ihr ja alle brav schöne Artikel über die ange­bliche Wand­lung des Bas­t­ian S. Und jeder, wirk­lich jeder von euch, kommt nicht umhin seine Fin­gernägel zu erwäh­nen, respek­tive deren nicht länger vorhan­dene Gelack­theit. Ja sagt mal Fre­unde, ist das alles was euch ein­fällt? WIRKLICH? FINGERNÄGEL??
  2. Sollte jemand den hier ver­link­ten Blo­gein­trag lesen: ich dis­tanziere mich natür­lich nachträglich eine kom­plette Milch­straßen­bre­ite von den Zweifeln an Herrn Robben. Robben ist toll. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegen­teil.
  3. Unbe­d­ingter Lese­be­fehl: der Blog von Roland Eitel, dem Kom­mu­nika­tions­ber­ater unser National­mannschaft­stroika.
  4. Seit Luis da ist, ist jeder Jour­nal­ist min­destens dus­selig, stelle ich fest. Sollen sie doch endlich ihren Job machen und sich vor­bere­iten. Jawohl.
  5. Ach, noch eine Kleinigkeit, liebe Schreiber­linge. Neben den Fin­gernägeln habt ihr ja noch eine Standard-Allegorie für eure Wand­lungsar­tikel, näm­lich die vom Schweini zum Schwe­in­steiger. Nur: habt nicht ihr selbst 2006 diesen Namen aus­gerufen und nicht er? Und hat er nicht seit dem in jedem einzel­nen Inter­view erk­lärt, dass er nicht der Schweini ist? Was ihr ignori­ert habt? Könnt ihr also bitte aufhören so großkotzig darüber zu schreiben wie er JETZT, PLÖTZLICH nicht mehr Schweini genannt wer­den will? Ja, bitte? Okay.

06
Jun 2010
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Alles was kullern kann — von Tränen im Knopfloch und Bällen im Tor

12
Aug 2009
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No. 7 still brilliant — name still hard to spell

Super­tak­tik. Die Russen wer­den aus allen Wolken fallen.

10
Sep 2008
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Nennen wir das nicht unbedingt Liveblog. Mehr so aktuelle Notizen des Unterbewußten

25
Jun 2008
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