sonnig, wolkenlos

(via naturegeak @ flickr)


Irgendwo zwis­chen Real­na­mendiskus­sion auf Google, stun­den­langem Dateiengeschiebe zwecks Backup und meiner erneuten Fest­stel­lung, wie prak­tisch “richtiges” DSL ist, kam mir haupt­säch­lich ein Gedanke: Das mit der Cloud könnt ihr euch erst­mal in die Haare schmieren.

Ver­steht mich nicht falsch, das hat alles seine Vorteile.

Wer arbeitet kann Wolken brauchen, in der Freizeit ist Sonne wichtig

Während des Studi­ums haben Drop­box und Co mich gerettet. Keine Massen-Emails, keine drölfzig Dokument-Versionen, alles wird schön über einen geteil­ten Ord­ner syn­chro­nisiert. Ob nun Drop­box oder Google­Docs — für Pro­jekte mit mehreren Men­schen helfen diese Dinge sehr. Da ist die Cloud großar­tig.
Man teilt und bear­beitet und sichert alles gemein­sam, sieht wer wann Zugriff hatte und min­imiert so Fehler.

Doku­mente die ich überall brauche, Buchungs­bestä­ti­gun­gen, Fahrpläne — alles in meiner Drop­box oder den Google-Dokumenten. Es gibt Sicher­heit, auch mal ohne den Lap­top unter­wegs zu sein. Oder selbst wenn der über den Jor­dan geht — wichtige Doku­mente ste­hen als Backup in einem ver­schlüs­sel­ten Ord­ner online.

Ich führe meinen Kalen­der online (Google, obvi­ously.) Ich sichere Pass­wörter über Last­pass, wichtige Doku­mente über Drop­box. Als ich am Woch­enende meinen Lap­top zuerst platt gemacht habe um anschließend alles neu zu instal­lieren waren meine Schrif­tarten und Icons sowie eine Sicherungs­datei für meine Pro­gramme in der Cloud.

So gese­hen bin ich ein großer Fan, ehrlich.
Aber.

Grund­sät­zlich ist es prak­tisch einer Fre­undin den neuen Song, den sie hören sollte in die Drop­box zu stellen. Oder eine Liste über Google­Docs zur Häu­figkeit der Erwäh­nung von Ein­hörn­ern auf Twit­ter zu führen. Mit meinem Account bei Ubun­tuOne kann ich auch mal ein Fotoal­bum strea­men, ohne das alles gle­ich auf Face­book zu stellen. (zu den Alben-Funktionen von Face­book nur ein Wort: ORRRR)

Also immer dann wenn ich kurz — oder mit­tel­fristig Dinge ver­füg­bar machen muss, ist die Cloud super. Für eine begren­zte Masse an Daten. Und in Aus­nah­me­fällen auch mal langfristig.
Für große Daten­men­gen und länger­fristig ist die Cloud aber in ihrer momen­ta­nen Form Blödsinn. Dafür gibt es zu viele Haken, Ösen und Gefahren.

Es gibt Gegen­den, da kom­men gar keine Wolken vor

Die Diskus­sio­nen um die Namens-Politik auf Google hat eines gezeigt: Ob Google, Face­book oder Apple — kein großer Anbi­eter betreibt momen­tan ein offenes, zuver­läs­siges Account­man­age­ment.
Was bei Google die Namen sind, ist bei Face­book der Daten­schutz und bei Apple dür­fen keine Drit­tan­bi­eter dazu.
Mich von einem Haup­tac­count abhängig zu machen ist also dur­chaus riskant.

Natür­lich, den Meis­ten von uns wird nie der­ar­tiges passieren. Aber es gibt keine Strate­gie mit der man 100%ige Sicher­heit für die Daten in der Cloud her­stellen kann. Selbst mein per­sön­licher Liebling Drop­box hatte vor ein paar Wochen eine größere Sichere­heit­slücke.
Dabei macht es keinen Unter­schied, ob man für den Account bezahlt hat oder nicht.

Aber selbst wenn das alles sicher wäre, wir uns darauf ver­lassen kön­nten, dass unsere Dateien jed­erzeit auf einem Server irgendwo auf der Welt ver­füg­bar sind, egal wie wir uns nen­nen und ob wir dort auch unsere Pornosamm­lung unterge­bracht haben, selbst dann ist die Cloud nur mit Krücken unterwegs.

Die Krücken der Cloud heißen DSL, G3, Wlan und Edge.
Ohne diese Krücken kommt die Cloud näm­lich nir­gend­wohin. Das ist kein Prob­lem in Gegen­den, die bar­ri­ere­frei sind. Also Städte wo das Netz auf die vie­len Smartphone-Besitzer ein­gerichtet ist. In abse­hbarer Zeit wer­den wir im Bus, Zug und auch im Flugzeug fröh­lich online sein und strea­men was das Zeug hält.

Und so wird ein ganzes Land von einem großen, zuver­läs­si­gen Funknetz bedenkt. Ein ganzes Land? Aber nicht doch! Große weiße Flecken in ländlichen Gegen bleiben wehrhaft! Gezwun­gener­maßen. Denn die Telekom hat es nie für nötig gehal­ten dort DSL-Leitungen zu legen oder für entsprechen­den Ersatz zu sor­gen. Und wenn sie jetzt in diesen Gegen­den Ange­bote für Funk-DSL macht, dann steht im Kleinge­druck­ten die Drosselung nach 6GB. 6 Giga­byte. Pro Anschluß. Mit 2–8 Geräten die mehr oder weniger regelmäßig im Netz sind, Videos herun­ter­laden, Musik im Inter­net kaufen und Emails verschicken.

Die 6GB sind dann nach einer Woche schon mal erre­icht.
Gut, dann kann man ja immer noch mit dem Smart­phone ins Netz, gibt ja UMTS & HSDPA. Oder?
Nun, speak­ing as a cit­i­zen am Rande Südos­to­ber­bay­erns — NÖ.
Mein Handy kennt die Beze­ich­nung 3G nur vom Hören­sagen. Wenn überhaupt. Es schwankt, was die grü­nen Wiesen hier hergeben.

Damit ist der Grundgedanke der Cloud “alles jed­erzeit überall ver­füg­bar machen” Quark. Stattdessen sollte er lauten “wenn sie in einer Stadt mit mehr als 20 000 Ein­wohn­ern leben, ist die Wahrschein­lichkeit ziem­lich hoch, dass sie zumin­d­est mit etwas Geduld auf ihre Dateien, die nicht größer als 100 MB sind, zugreifen können.”

Wenn ich jetzt noch bedenke, wie hoch die Pri­or­ität dieses Infra­struk­tur­prob­lems z.B. in Bay­ern unter der Hoheit Horst I dem Ungewählten (wir erin­nern uns, bei der CSU druckt man sein Inter­net gern noch aus) ist, sehe ich eher eine Win­terolympiade hier, bevor ich einen men­schen­würdi­gen Down­stream erhalte.

Meine Musik­samm­lung ist wie ein Organ, das kann man nicht streamen.

Und wis­sen sie was? Damit kann ich sehr gut leben.

Ich bin oft und viel online. Ich kom­mu­niziere, kon­sum­iere und tue eigentlich alles außer Essen im Inter­net. Wenn ich unter­wegs bin, grinse ich auf Zug­fahrten oder beim Warten auf irgen­det­was in mein Handy. Meis­tens, weil ich meine Twitter-Timeline lese.

Was ich dann nicht tue? Mein Handy als MP3-Player nutzen. Youtube-Videos schauen. Ein­fach, weil diese Dinge viel Aufmerk­samkeit brauchen. Genauso ver­suche ich größere Twitter-Konversationen auf einen Zeit­punkt, wenn ich wieder am PC bin.
Außer­dem ver­brauchen diese Dinge viel Akku und ich gehöre zu denen, die ihr Handy manch­mal wirk­lich zum tele­fonieren BRAUCHEN. (Hallo, holst du mich aaahhab?)

Kopfhörer habe ich trotz­dem ständig auf. Weil ich, sobald ich das Haus ver­lasse, Musik höre. Bevor ich die Tür hin­ter mir zumache, entscheide ich spon­tan was jetzt meinen Weg begleiten soll. Auf dem Rück­weg kann das schon wieder etwas kom­plett anderes sein.
Hin und wieder ist man einen ganzen Tag lang unter­wegs — dann wird stun­den­weise geshuf­felt, die neuen Alben durchge­hört und irgend­wann verzweifelt wieder zu den Klas­sik­ern gegrif­fen. Will sagen: ich brauche meine Musik, überall, zuver­läs­sig und in großen Mengen.

Da fällt das Strea­men schon mal flach. Weil vielle­icht stehe ich im Laufe des Tages an einem See-Ufer. Oder auf einer Waldlich­tung. Oder bin ein­fach in Randge­gen­den von Südos­to­ber­bay­ern unter­wegs. Und egal was die Simfy-Werbung mir erzählen will — da streamt es sich nicht so leicht.

Stattdessen schauf­fele ich alle par Wochen die frische Musik auf den MP3 Player, zu den anderen aus­gewählten 32 GB. Und das ist der Kern meiner Musik­samm­lung, also ein biss­chen mehr als die Hälfte. Der Akku des MP3-Players hält tage­lang durch, er ist kleiner und han­dlicher als mein Handy und min­destens genauso wichtig.
Ich liebe Musik. Meine Musik­samm­lung gehört zu meinen wichtig­sten Besitztümern.
Meine kom­plette dig­i­tale Musik­samm­lung ist ein­mal auf meinem PC, ein­mal auf einer exter­nen Fest­platte und der harte Kern wie gesagt auf dem MP3-Player. SO wichtig ist sie.

Liebe Cloud, du bist eine hüb­sche Erfind­ung, aber es gibt Dinge, um die küm­mere ich mich selbst. Das eine ist das Füt­tern meiner Katze und das andere meine Musik­samm­lung. Wir reden wieder drüber, wenn du lernst Steuer­erk­lärun­gen zu erstellen, okay?

01
Aug 2011
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 2 Comments

Dr. Strangetweet , oder — wie ich lernte die Hysterie zu lieben

Momen­tan ist Fas­ten­zeit. Jeden­falls, wenn man noch so einen Rest Katholizis­mus in den Blutkör­perchen hat. Und mit­tler­weile ist es ja sehr beliebt, dig­i­tal zu fas­ten. Kein Face­book oder kein Twit­ter, weniger Emails checken oder sowas in der Richtung.

Das klingt auf den ersten Blick wahnsin­nig vernün­ftig. Ich erwis­che mich viel zu oft dabei, wie ich auf mein Handy schaue oder selbst irgendwo etwas poste. Ander­er­seits kann ich mir mein Leben, ohne all diese Kanäle schlicht nicht mehr vorstellen.

Zwar schaffe ich es, nur noch 2x am Tag meine Emails wirk­lich zu bear­beiten — ich sehe aber wesentlich öfter in meinen Postein­gang, um zu entschei­den was drin­gend ist. Meinem Fee­dreader widme ich mich ein­mal mor­gens und ein­mal abends — das muss lan­gen. Face­book sieht mich nur noch sehr sel­ten — was aber auch daran liegt, dass Klien­ten wie Tweet­deck das sehr schön integrieren.

Bliebe Twit­ter. Tja. Guilty as charged. Manch­mal ver­stricke ich mich dort in der­ar­tige Konversationen/Streitereien, dass ich kaum merke wie die Zeit vergeht. Und dann all die Links und Bilder, die es dort zu sehen gibt! Schlimm.
Bis man daran erin­nert wird, warum Twit­ter so großar­tig ist.

Twit­ter ist der größte Dorf­platz der Welt. Ratschen ist auch Informationsaustausch

Ich hatte grade das Tee­wasser zum Früh­stück aufge­setzt und dabei einen Blick in meine Twitter-Timeline gewor­fen. BUMM.
Ich lasse alles ste­hen und liegen, mache den Fernse­her an, um mich zu vergewis­sern. Doch, da war die Welle. Die Nachrichten. Die Katas­tro­phe. Ohne Twit­ter hätte ich erst Stun­den später etwas davon mit­bekom­men. Ohne Twit­ter hätte ich weniger zum Thema gele­sen, weniger gese­hen und würde vorallem weniger wis­sen.
Denn in diesen Momenten läuft Twit­ter zu Höch­st­form auf — es ist wie eine Wasser­leitung an Infor­ma­tio­nen.
Am ersten Tag: Videos, Tweets aus Japan, erste Möglichkeiten um zu helfen.
Am zweiten Tag: Artikel, Bilder, erste Hin­weise auf die Auswirkun­gen auf die AKW in Japan. Im Laufe des Tages unter­schiedliche Mel­dun­gen. Der japanis­che Sender NHK meldet anderes als die japanis­che Regierung. Die Atom-Welle beginnt zu rollen. Im Laufe des gestri­gen Tages dann viele viele Mei­n­un­gen und Ansichten. Darunter hys­ter­isches Gebrabbel, zynis­che Kom­men­tare und hin und wieder sogar etwas Vernün­ftiges. Auf alle Fälle genug, um die eige­nen Gedanken arg durcheinan­der zu wirbeln. 1

Werfe ich in solchen Zeiten eine Frage in den Raum bekomme ich min­destens eine Antwort. Und ver­mut­lich genug Mate­r­ial um mir fünf neue Fra­gen zum Thema zu stellen.

Hier zeigt sich, dass der Aufwand und die Zeit es eben doch Wert sind. Als ich mir vor zwei Jahren einen Twitter-Account zulegte, fand ich das alles doch recht unüber­sichtlich. Sein­erzeit noch mit Pub­lic Time­line.
Der wirre Prozess des Fol­lower und zu Fol­gen­den suchen und finden lässt sich nicht struk­turi­eren oder bew­erten. Außer­dem endet er nie. Manch­mal folgt man jeman­dem nur eine Weile, eines The­mas wegen. Oder ent­folgt eben wegen den Tweets zu einem Thema. (Wenn unser alter Vertei­di­gungsmin­is­ter wüßte, welche Fehden er auf Twit­ter angezettelt hat…!)

Es gibt die Promi­nen­ten, denen man als braves Fan­girl folgt. Oder die Medi­en­schaf­fenden — aus Inter­esse. Dann findet man vielle­icht ein Thema und darüber gle­ich ganze Grup­pen von Diskus­sion­spart­nern. Durch meine Fußbal­llei­den­schaft habe ich geschätzte 70% meiner Time­line gefun­den. Um mit ihnen heute auch über alles abseits des Fußballs zu diskutieren.

Natür­lich zieht Twit­ter dadurch einen größeren Anteil meiner Aufmerk­samkeit auf sich. Nir­gendwo lässt es sich so schön prokras­tinieren. Die Time­line begleitet einen auch auf der Zug­fahrt und auf einen Aus­flug. 2
Dort muss ich mich mit­tler­weile zusam­men reißen, nicht alle paar Stun­den aufs Dis­play zu schauen. Aber es klappt — zumin­d­est bei den Men­schen die mir wichtig sind. Oder bei Din­gen, die meine Aufmerk­samkeit wirk­lich fes­seln. (Ist ein schöner Indika­tor wie gut ein Film ist. Wie lange danach schaue ich in die Time­line?)
Es ist — natür­lich — eine Frage der Bal­ance. Diese Bal­ance ist an “nor­malen” Tagen kein größeres Prob­lem. Und selbst, wenn es beim geliebten Fußbal­lverein hoch hergeht und man irgendwo Trost finden will, lässt es sich regeln. Katas­tro­phen, so merke ich grade, sind eine andere Sache.
Nach dem 11. Sep­tem­ber kon­nte ich eine Weile nicht ohne Nachrichten ins Bett. Ich wollte mir sicher sein, dass die Welt in Ord­nung ist, bevor ich schlafe. Heute stelle ich einen ähnlichen Effekt mit Twit­ter fest. Ein let­zter Blick in die Time­line — ist etwas neues passiert? Erwache ich mor­gen vielle­icht schon ein einer anderen Welt?

Dann schüt­tele ich den Kopf und frage mich, ob es jetzt nicht zu weit gegan­gen ist. Ob ich nicht auch mal Pause machen sollte. Damit der dig­i­tale Teil des Lebens nur ein Teil bleibt, nicht alles.
Aber der Infor­ma­tionsvor­sprung den mir Twit­ter ver­schafft, die großar­ti­gen Unter­hal­tun­gen und das Enter­taine­ment sind es wert, dass Men­schen mir gegenüber manch­mal die Stirn run­zeln, wenn ich wieder in mein Handy hinein grinse.

  1. Wodurch ich let­zendlich nur noch eine Mei­n­ung zu dem ganzen Atom-Ding habe. Näm­lich: Ja, wir soll­ten aussteigen. Aber ein deutscher Ausstieg allein bringt nichts, wenn Res­teu­ropa fröh­lich Neue baut. Also muss eine EU-Lösung her. Europa muss gemein­sam aussteigen. Die alten und mar­o­den Reak­toren zuerst. Strombe­darf wird untere­inan­der aus­geglichen. Dann sehen wir weiter.
  2. Was Aus­flüge mit anderen Twit­ter­ern so toll macht. Die lei­den an der­sel­ben Krankheit und man kann gemein­sam beim Kaf­fee ins Smart­phone star­ren, während man sich die Neuigkeiten aus der Time­line vor­li­est.

14
Mar 2011
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 0 Comments

Man wird ja mal noch Kommunikationsherrscher werden dürfen

Ich muss dann mal kurz Pause machen mit #30d30s , geht bald weiter

Dieser Ein­trag von Don Dahlmann hat bei mir einen schon lange andauern­den Denkprozess wieder angeleiert.

Während er viele Punkte anspricht, geht es mir per­sön­lich speziell um die Kom­po­nente der manig­falti­gen Kom­mu­nika­tion­skanäle die viele von uns heute nutzen.

Aber in einem Punkt hat er Recht – die Kom­mu­nika­tion, vor allem von sehr aktiven Net­zbe­wohn­ern, franst zuse­hend aus und die eige­nen soziale Net­zw­erke wer­den bis zu Unken­ntlichkeit atom­isiert. Leute, die ich gerne lese, schreiben in Blogs, Tum­blern, Soups, auf Twit­ter, Face­book und in Zeitun­gen. Da den Überblick zu behal­ten, ist schon mal ne Sache für sich.
[…]

Ich erlebe das auch bei mir sel­ber. Ich beschränke meine Kom­mu­nika­tion schon Twit­ter und das Blog, und ver­suche andere Dien­ste (blip​.fm zB) zumin­d­est mit Face­book zu verknüpfen, merke und höre aber auch, dass das schon anderen Men­schen zu viel ist. Das kann ich ver­ste­hen, denn nicht jeder hat Zeit, sich mit all diesen Tools zu beschäfti­gen.
[…]

Nicht, dass ich alles dop­pelt posten möchte, im Gegen­teil. Am lieb­sten würde ich das Blog lieber mehr in den Vorder­grund stellen um die Kom­mu­nika­tion wieder mehr zu konzen­tri­eren. Das Twit­ter und Face­book Blo­gein­trä­gen schaden kön­nen, ist hin­re­ichend disku­tiert wor­den. Tat­säch­lich fehlt das Sam­meln der Kleinigkeiten, die man früher in Blo­gein­träge ver­wan­delt hat, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite hat sich halt gezeigt, dass Twit­ter und Face­book die deut­lich besseren Tools dafür sind, weil selbst gehostete Blogs ein­fach zu unflex­i­bel sind.

Casus Knaxus, würde ich sagen. Selbst für jeman­den wie mich, der das alles noch nur auf per­sön­licher Ebene und nicht pro­fes­sionell nutzt wird es langsam anstren­gend. Dabei fotografiere ich nicht selbst oder stelle Videos ins Netz. Fast alles an von mir erstell­tem Con­tent ist Wort — bzw. Sprach­basiert. Ander­er­seits teile ich viele Fotos und Videos und Blödsinn mit anderen. Sehr viel davon via Twit­ter. Ein Teil aus Twit­ter wieder­rum lan­det bei Face­book und manches bei den emp­fohle­nen Sachen im GReader.

Als Zwis­chen­lö­sung habe ich links den Lifestream inte­gri­ert, aber der lädt ewig und ich kann kaum her­ausstellen was mir wichtig ist. Let­zten Endes geht es hier auch ganz stark um Pri­or­itäten und Fil­ter. Wenn ich einen Artikel gefun­den habe, den möglichst viele Men­schen lesen sollen — reicht es dann, wenn ich ihn twit­tere? Oder sollte er auch noch in den GReader, auf Deli​cio​.us und in mein Blog?
Oder teile ich das ganze nach The­men auf? Vielle­icht auch nach Medi­en­typ: Videos auf Twit­ter, Artikel in den GReader, und alles andere in den Blog? Meh.
Außer­dem hab ich mit meinem Blödel­pro­jekt auch noch Tum­blr und Co ken­nen­gel­ernt und fest­gestellt — das schnelle sor­gen­freie posten da macht ein biss­chen mehr Spaß als Word­Press. (Wobei man dort anfängt zu reagieren und diverse erste Fea­tures kopiert.)

Don Dahlmann führt dann noch aus, warum ihn Word­Press nervt und ich kann das zum Teil dur­chaus nachvol­lziehen. Ich glaube aber eher, dass es nicht das Sys­tem Word­Press ist, son­dern wie wir es nutzen, bzw. wie es beschrieben wird. Den für die Lösung die viele von uns suchen hat doch nur Word­Press bis jetzt genug Möglichkeiten.

Es gibt für mich zwei Optio­nen, wie ich per­sön­lich gern Kom­mu­nika­tion betreiben/rezipieren würde.

Vari­ante 1:
Ein Tool, ähnlich wie bere­its Friend­feed, Lifestream oder Ping das einen Atom­feed gener­iert mit allem was eine Per­son ins Netz hinein kom­mu­niziert — aber mit mehr Optio­nen zum Edi­tieren. Dop­pelte Links fliegen raus, Tweets mit speziellen Hash­tags kön­nen gefiltert oder zusam­menge­fasst wer­den.
Wer viel twit­tert hat ver­mut­lich schon mit Paper​.li oder twit​ter​tim​.es Bekan­ntschaft gemacht — diese Pro­jekte sam­meln alles was die eigene Time­line den ganzen Tag über so ausspuckt und tun genau das — sie grup­pieren, pri­or­isieren und empfehlen sogar anhand der Häu­figkeit, mit der etwas in der Time­line oder deren Fol­low­ern getweetet wurde.
So kön­nte man bspw. am Ende eines Tages in diesen Feed schauen und kön­nte mit einem Blick kon­trol­lieren, was die entsprechende Per­son so veröffentlicht/geteilt hat. Kein einzel­ner Klick mehr aufs Tumblr-Dashboard, in den Twit­ter­clien­ten und wom­öglich auch noch auf Buzz, Flickr und Youtube.
Solte es übrigens so einen Ansatz schon irgendwo geben — immer her damit.

Vari­ante 2:
Das Revival der Splash-Page. Yes, I said it.
Als Ver­fech­terin der sim­plen Bloglay­outs ist das mit dem Darstellen aller Kanäle so eine Sache. Ich hasse zugepflasterte Blogs. Neben den Klas­sik­ern Archiv, Lin­kliste und Tags stapeln sich bei vie­len mit­tler­weile die But­tons und Streams. Last​.fm, Twit­ter, irgendwo klebt auch bes­timmt dieser saublöde Facebook-Button. Und wo es nicht die Seit­en­leiste zuquetscht, hängt es annähend unbeachtet im Footer rum.
Ich glaube, dass sich Bloglay­outs so wie wir sie ken­nen, ein biss­chen überholt haben.
Immer mal wieder hab ich in let­zter Zeit rumgekritzelt und überlegt, wie ich ein­er­seits einen Blo­gein­trag ins Zen­trum stelle und gle­ichzeitig darstellen kann, was ich rund­herum verzapfe. Man beobachte dazu das beliebte Blog­ger­phänomen: ich zitiere meine eige­nen Tweets in meinem Blo­gein­trag.Schließlich nutzt man die lange Blog­form um möglichst erschöpfend über etwas zu berichten und dazu gehören natür­lich die eige­nen Tweets.
Die wichtig­ste Dif­feren­zierung an dieser Stelle findet bei den The­men­blogs statt. Wenn auf einem Blog fast jeden Tag ein Ein­trag zu einem bes­timmten Thema erscheint (wie beim zurecht gefeierten Alle­sausser­sport.) und außer Kom­mentaren und the­men­spez­i­fis­chen Tweets nicht viel stat­tfindet, ist ein “klas­sis­ches” Bloglay­out immer noch die Beste Lösung.
Aber sobald man zu den Lab­ber­taschen des Web2.0 gehört– ein biss­chen Bloggen hier , ein paar Tweets da, außer­dem stellt man Fotos vom let­zten Bar­camp auf Flickr, betreibt einen Pod­cast oder hat einen eige­nen YouTube-Kanal — sollte sich ein Lay­out pro­por­tional anpassen lassen.
Wie das genau ausse­hen soll — puh, ich weiß es auch nicht genau. Aber ich denke, dass es effek­tiver ist eine Übersichts­seite ähnlich einem Port­fo­lio zu betreiben von wo aus ein Besucher sich den bevorzugten/gesuchten Con­tent auswählt, als ständig alles rund um einen eventuell mehrere Tage alten Blo­gein­trag zu stapeln.
So lässt sich ein einzel­ner Blo­gein­trag auch wieder stärker in den Focus richten. (Dafür hat auch Word­Press in let­zter Zeit mit Fea­tures wie Tax­onomies und Post Types Einiges getan.) Hier fehlen ein­fach die entsprechen­den Themes und Plu­g­ins. Statt alles als Wid­get zu betreiben, muss es möglich sein eigene Con­tentkästen mit einem Feed zu füllen und entsprechend zu verän­dern. Word­Press bietet hier schon eine gute Grund­lage, ger­ade als CMS. Wenn sich jetzt noch ein paar Code-Götter erbar­men und die entsprechen­den Tem­plates bauen, kön­nte es sein, dass die Gemis­cht­waren­blogs sich in Kom­mu­nika­tion­szen­tralen verwandeln.

Aus der Akte: Blog­ger die übers Bloggen bloggen und damit automa­tisch auf der Schmäh­liste von Don Alphonso lan­den. (Alphonso — nicht Dahlmann!)

07
Sep 2010
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 1 Comment

Wir Kinder vom Land wissen nicht nur, dass Kühe nicht lila sind oder: ich hab zwar keine Akademiker in der Famile, aber dafür Bauern und Metzger. Ha!

Chris­t­ian Rach gehört zur sel­te­nen Gat­tung der intellek­tuellen Köche. Er hat ja auch lange genug Math­e­matik und Philoso­phie studiert, ist bele­sen und kann seine Ansichten tat­säch­lich entsprechend artikulieren. Neulich, hab ich im Focus (Aus­gabe 34/10) ein Inter­view mit ihm gele­sen. Darin sprach er über Esskul­tur, soziokul­turelle Hin­ter­gründe und was das alles mit Bil­dung zu tun hat. 1

Es ist all­ge­mein poli­tis­cher Kon­sens, dass wir die Geschlecht­sun­ter­schiede aufgelöst haben. In der Arbeitswelt reden wir heute über Neu­tren, was im Grunde sehr pos­i­tiv ist. […]
Gle­ichzeitig wur­den allerd­ings tradierte Ver­hal­tensweisen — die Frau bleibt zu Hause und kocht — aufgelöst. Essen und Trinken als Zen­trum des famil­iären Seins existieren nicht mehr. […]
Man kann es aber auch sozi­ol­o­gisch betra­chten und sagen: die fehlende Esskul­tur in den Fam­i­lien ist eine Quelle der Gewalt. Die entsteht näm­lich, wenn man keine Möglichkeit mehr hat, sich zu artikulieren, über Liebe oder Spaß, über Frus­tra­tion oder Trau­rigkeit, über Erfolg und Mis­ser­folg. Die Fam­i­lie als Ort der Bear­beitung per­sön­licher Prob­leme ist ver­schwun­den.
[…]
Wir müssen an den Punkt kom­men, an dem wir die Fam­i­lie wieder zulassen und wertschätzen. Egal, ob es eine selbst gewählte Fam­i­lie ist oder die Fam­i­lie im klas­sis­chen christlichen Sinne, ob es eine Mann-Frau-Beziehung ist oder eine gle­ichgeschlechtliche Beziehung. Ich bin sicher, dass in der Fam­i­lie viele Gesellschaft­sprob­leme zu lösen und zu tra­gen wären.

AMEN.
Ern­sthaft, ich habe dem ganzen so gut wie nichts mehr hinzu zu fügen. Wenn überhaupt, dann fällt mir dazu ein, was meine Mut­ter oft gesagt hat. “Das wäre ja nicht gegan­gen, dass da keiner ist, wenn du und deine Schwester von der Schule gekom­men sind. Du wärst ja geplatzt wegen der ganzen Sachen die du erzählen musst. Das Mit­tagessen war schon wichtig, aber die Haupt­sache war, dass jemand zuge­hört hat.” (Ätschbätsch, meine Mama ist die Beste.)
Das Rit­ual eines gemein­samen Essens pro Tag hat zum einen die starke soziale Kom­po­nente — zum anderen die Ernährung­stech­nis­che. Schließlich betreibt man für eine Gruppe von Men­schen einen ganz anderen Aufwand bei der Zubere­itung. Zutaten wer­den wichtiger, der tat­säch­liche Wert eines Mahls wird höher. Was für jeman­den wie mich eine unglaublich sim­ple und unum­strit­tene Tat­sache ist (Kind­heit auf dem Land, sie wis­sen schon.) muss man jun­gen Men­schen heute vielfach beib­rin­gen. Meint auch Herr Rach.

“All­ge­mein­bil­dung” gibt es bei uns nicht mehr in der Schule. Ich würde sie sub­sum­ieren unter der Rubrik “Wirtschaft”, und darin müsste es unbe­d­ingt ein Fach “Steuern” geben, so wie ein Fach “Gesund­heit und Ernährung”. […] Wir haben extrem­ste Defizite in dem Ver­ständ­nis von staatlich-wirtschaftlichen Zusam­men­hän­gen, weil sie lei­der in den Schulen nicht gelehrt wer­den. Noch ekla­tan­ter sind die Defizite in puncto Ernährung.

Gesund­heit und Ernährung”. Darunter fällt für mich auch “wo kom­men Nahrungsmit­tel her” mit der Exkur­sion “so sieht ein Bauern­hof und so eine Massen­tier­hal­tung aus”. Womit ich — Überraschung — bei dem aktuellen Buch von Jonathan Safran Foer, Tiere essen bin.
Vorneweg: ich habe das Buch (noch) nicht gele­sen. Nach­dem ich etliche Artikel und die bemerkenswerten Beiträge einer der Überset­zerin­nen, Isabel Bog­dan (@twitter) gele­sen habe, freue ich mich, dass hier jemand zwar informiert und erzählt, aber dafür nicht belehrt oder mis­sion­iert. Viele von uns essen zu viel Fleisch und wis­sen zu wenig darüber, wo es her kommt. Aber nicht für alle ist Veg­e­taris­mus die Antwort darauf.

Liebe Stadtkinder: das sind Kühe

Ich muss nochmal kurz auf die Sache mit der Kind­heit auf dem Land zurück kom­men. Der Bauern­hof meines Onkels am Ende der Straße, war die Bezugsstelle für Milch und Eier, die ich auch schon per­sön­lich aus Hüh­n­ernestern sam­meln durfte. Auf dem Rück­weg kam ich an der Weide vor­bei, dort standen die Rinder. Ich wußte rel­a­tiv bald wohin der Weg der Viecher führte und kan­nte dann auch den Schlachter. Von dem wiederum (ja gut, Bay­ern ist klein, das war erweit­erte Ver­wandtschaft) holten wir unser Fleisch. Bis ins Teenager­al­ter war mir nicht klar, dass es Fleisch und Wurst auch in abgepack­ter Form im Super­markt gibt.
Sogar die lokalten Gasthäuser hier schlachten entweder selbst, oder bekom­men sehr hochw­er­tiges Fleisch von hiesi­gen Bauern.
Was mir tat­säch­lich bis dato nicht klar war: ich habe einen sehr tra­di­tionellen Bezug zu Lebens­mit­teln und deren Wert. Dafür bin ich heute sehr dankbar.
Jeder Bericht zu Leg­e­bat­te­rien, Tier­trans­porten und den schwachen geset­zlichen Regelun­gen zur Massen­tier­hal­tung macht mich zuerst trau­rig und dann wütend. Und die Wut steigert sich, wenn ich die Son­derange­bote der Super­märkte lese, wo man Auf­schnitt für Cent­be­träge verkauft. Zum Ver­ständ­nis: hin­ter jeder Scheibe Wurst steckt die Aufzucht, Schlach­tung und Ver­ar­beitung eines Tieres. Bei art­gerechter Hal­tung heißt das vor allem viel Arbeit, viel Zeit und kurze Wege. Das schlägt sich logis­cher­weise im Preis nieder.
Ergo: nur wenn der kom­plette Ablauf so kosten-effizient wie möglich gestal­tet wird, kann Fleisch der­art bil­lig sein. Also wer­den die Tiere zusam­mengepfer­cht, gemästet, durch die Gegend trans­portiert und in der Fab­rik ver­ar­beitet. Dieser Fakt sollte in jeden Kopf der west­lichen Wert.

Nicht Fleisch. Aber lecker.

Ich glaube, dass es Foer auch mehr darum geht, als aus uns allen Veg­e­tarier zu machen — wir sollen nur Nahrung wieder wertschätzen. Die Deutschen geben europaweit den ger­ing­sten Prozentsatz ihres Einkom­mens für Lebens­mit­tel aus. Klar, nicht alle. 2 Aber die Sta­tis­tiken sind düster: nur 11% (Elf!)eines Haushalt­seinkom­mens wer­den im Schnitt für Lebens­mit­tel aus­gegeben. Weil Essen bei vie­len das Erste ist, an dem ges­part wird. Noch vor Elek­tronik, Urlaub oder anderem Schnickschnack. Wir kaufen das beste Motorenöl für das neue Auto, aber kaufen fröh­lich unser Olivenöl beim Dis­counter. Das nehmen wir ja nur zu uns.
Län­der, deren Sinn für gutes Leben wir bewun­dern, wie Frankre­ich (15,7 %), Spanien (20,3%) und Ital­ien (20,4%) rümpfen da zurecht die Nase. Essen hat Vor­rang. Die Mit­tagspause findet auch nicht am Schreibtisch statt, son­dern man sitzt 2 Stun­den (!) zusam­men und genießt. Eine Woh­nung ohne Esstisch? Unvorstellbar.

Essen erhält uns am Leben — in wahrsten Sinne des Wortes. Was wir essen, wie wir essen, mit wem wir essen — all das sagt viel über unser Leben aus. Ich bin kein großer Fan von Kochshows und irgendwelchen Trends beim Essen. Aber ich applaudiere jedem, der ern­sthaft ver­sucht unsere Wahrnehmung und unser Ver­hal­ten in dieser Hin­sicht zu verbessern.

  1. Außer­dem habe ich in dem Inter­view ein neues Wort gel­ernt. Inkom­men­su­ra­bel = die The­o­rie von der Unver­gle­ich­barkeit der Dinge. Was für ein großar­tiges Wort.
  2. Wis­sen sie noch, damals, als der Sebas noch gebloggt hat und die Leute ein gemein­sames Gespräch­s­thema hat­ten? Das war sogar noch vor Twit­ter. Irre.

01
Sep 2010
POSTED BY
POSTED IN Allgemein
DISCUSSION 0 Comments