#30d30s_01 … die nie hätte abgesetzt werden dürfen

Präam­bel: Hin­ter #30d30s ver­birgt sich das hier. Ich konzen­triere mich eher auf aktuelle, und haupt­säch­lich amerikanis­che Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlim­mer ist, bitte hier bei den Film­fre­un­den über aktuelle Entwick­lun­gen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Ich kann mich nur schwer bei solchen Din­gen entschei­den, darum habe ich das für mich erweit­ert. Für jede Kat­e­gorie gibt es daher in guter Award-Tradition einen win­ner, ein­mal runner-up und ein hon­or­able men­tion.

hon­or­able men­tion: KINGS

David und die Königsfamilie

Kings war wohl ein­fach zu groß, zu episch für einen Sender wie NBC. Nicht weniger als die Geschichte Davids aus der Bibel wurde hier in ein alter­na­tives Uni­ver­sum ver­setzt. Eine Stadt die nach dem Krieg neu erbaut und von der Königs­fam­i­lie beherrscht wird — mit allem was unser mod­ernes Leben kennt. Ein Junge, der als Sol­dat mit hals­brecherischen Aktio­nen den Prinzen ret­tet und in die Gunst des Königs gerät. Obwohl der bald schon ahnt, dass dieser Gold­junge sein Ende bedeuten könnte.

Der hoch klas­sige Cast, die Ausstat­tung und das langsame her­anziehen der großen Sto­ry­line hät­ten HBO oder AMC gut zu Gesicht ges­tanden, bei NBC bekam die bril­lant gespielte Serie nur eine kurze Staffel und endete lei­der mit­ten im ersten ganz großen Kon­flikt. Kings hatte Poten­tial für eine Saga wie Dead­wood oder die Sopra­nos, zuviel Poten­tial für einen Sender, der sich keine Exper­i­mente mehr erlauben will.

Runner-up: Life

Char­lie Crews, Obstesser

Meet: Char­lie Crews. Detec­tive, Obstlieb­haber, ZEN-Anhänger, Mul­ti­mil­lionär. All das ist er, weil er als junger Polizist für den Tod an seinem Fre­und und dessen Frau verurteilt wurde, lebenslänglich. Nach 12 Jahren stellt sich seine Unschuld her­aus. Er bekommt seine Marke zurück und ver­dammt viel Schmerzens­geld. Aber er geht zurück in den Dienst, schließlich muss er wis­sen wer ihm das ganze damals unter geschoben hat.

Und ja, ich weiß, das klingt wie ein ver­dammt ein­fall­sloser Plot für einen Action-Rache-Streifen mit Stal­lone oder so. ABER. Char­lie Crews ist anders.
Da ist das Geld, das er fröh­lich in Autos, eine Villa und eine Orangen­plan­tage investiert (Der Mann hatte 12 Jahre kein frisches Obst, sie ver­ste­hen). Da sind die ZEN — Gebote und Buddha-Zitate mit denen er durch den Tag kommt. Char­lie Crews ist der fröh­lich­ste Cop der in einem Pro­ce­dural der let­zten Jahre los­ge­lassen wurde. Und dazu hat er eine inter­es­sante, cle­vere Hin­ter­grundgeschichte. Auch seine Fälle sind nicht immer das, was sie scheinen.
Genau das hat der Serie wohl das Genick gebrochen. Nicht so düster wie Law&Order, nicht so High-Tech wie CSI aber nicht neu­ro­tisch genug für Monk. Schwer einzuord­nen. Aber so, so liebenswert. Grade auch Neben­fig­uren (unbestech­liches Qual­itätsmerk­mal: eine Serie, in der Christina Hen­dricks auf­taucht ist gut. More on that later.) Außer­dem hat Crews aus­gerech­net die Jahre 95 bis 2007 nicht mit­bekom­men. Google? Handys? WAS??

In LIFE gibt es keine Kallauer-Dialoge, son­dern die Story schafft komis­che Sit­u­a­tio­nen. Und wenn in der zweiten Staffel langsam klar wird, wie umfassend und ver­woben die Geschichte um Char­lies Fall ist, hält man vor Span­nung schon mal den Atem an.
Gott­sei­dank kann man auch wieder ausat­men, den mit einem kleinen Geniestre­ich am Ende der zweiten Staffeln endete Life viel zu früh. Hi there NBC, again.

Win­ner: Fire­fly

Sollte ich eines Tages zu viel Geld und Zeit kom­men werde ich Joss Whe­don anrufen und ihm sagen er soll den großen roten Knopf drücken, die Seren­ity startk­lar machen.

Was Fire­fly ist? In a nut­shell: Unsere Erde ist Geschichte und die Men­schheit hat sich über Uni­versen verteilt. Unab­hängig von der herrschen­den Allianz fliegen Cap­tain Mal und seine Crew mit der Seren­ity durch’s Verse und trans­portieren wofür auch immer sie bezahlt wer­den. Legal ist da ein vari­abler Begriff, schließlich herrschen auf den Plan­eten Zustände früher Besiedelung. Neben der Crew mit Kämpferin Zoe, deren Ehe­mann und Pilot Wash sowie Mann für alle Fälle Jayne und der Maschi­nen­za­uberin Kaylee nehmen sie im Laufe der Reise den Priester Book sowie den Arzt Simon Tam und dessen Schwester River auf. Simon hat Tam aus einer … Insti­tu­tion der Allianz ent­führt.
Ergo: Sie sind auf der Flucht. Und sie sind Rebellen. Yehaaa!

die Crew


Fan­gen wir mal so an: eine Serie die 2002 — 2003 nur eine halbe Staffel und später einen Kinofilm hatte, aber bis heute fanatis­che Anhänger hat — was um Him­mel­swillen hat es damit auf sich?
Nun, es gibt da ein paar Fak­toren. Num­mer 1: Joss Whe­don. Der hatte mit Buffy und Angel bewiesen, dass er was von Ensem­bles, Dialo­gen und Charak­ter­tiefe ver­steht aber gle­ichzeitig Sto­ries von gren­zen­loser Fan­tasie kon­stru­ieren kann. Auf die Art schafft man sich Fans. Ach was sag ich, kul­tische Anhänger. Die jedes fol­gende Pro­jekt sowieso unter­stützen wür­den. Weil die meis­ten Nerds sind und wis­sen, dass es bei Gen­re­pro­duk­tio­nen oft knapp wird. (Überset­zung: der Name Joss Whe­don wird im Laufe dieser kleinen Serie das ein oder andere mal noch ziem­lich oft Erwäh­nung finden.)
Speak­ing of Genre: West­ern. Sci-Fi. Aben­teuer. Ver­schwörungs­the­o­rien und neue Wel­ten. Alles in einer Show. Oh, und Herz. Und Witz. Davon schäumte diese Show quasi über.
Ich kön­nte an dieser Stelle kom­plette Dialoge zitieren oder lang und breit von den großar­ti­gen Beziehungs­ge­flechten reden, aber es wird der Vielschichtigkeit des Ganzen nicht wirk­lich gerecht.

Was ich sagen will: Fire­fly wächst ans Herz. Es nis­tet sich ein und lässt nie wieder los. (Fra­gen sie mal Nathan Fil­lion aka Cap­tain Mal.)
Und wer ein­mal ein Brown­coat ist, wird dieser Show für alle Zeit nachtrauern.

P.S. Christina Hen­dricks mit ohne Klam­ot­ten und Mark Shep­pard spricht dreck­iges Irisch!

19
Aug 2010
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