#30d30s_09…, die beste Szene überhaupt

Präam­bel: Hin­ter #30d30s ver­birgt sich das hier. Ich konzen­triere mich eher auf aktuelle, und haupt­säch­lich amerikanis­che Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlim­mer ist, bitte hier bei den Film­fre­un­den über aktuelle Entwick­lun­gen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Hon­or­able men­tion: Mar­shall holt Lily vom Flughafen ab (How I met your mother, Season4 Episode 13)

Oh Lilly und Mar­shall. Nie­mand erwe­icht mein roman­tik­freies Herz wie ihr bei­den. Soll doch Ted seine Traum­frau suchen bis er schwarz wird und Bar­ney bleibt eh immer Bar­ney. Aber ihr zwei, bleibt bitte meine Inspi­ra­tion für all die Liebe in dieser Welt.

Runner-up: Adelle DeWitt ver­sam­melt die Gang (Doll­house, Sea­son 2 Episode )

Es ist ein selt­sam siegre­iches Gefühl, wenn eine Figur von der man es nie recht wußte am Ende doch auf der richti­gen Seite steht und dabei ein­fach einen guten Plan hatte. So wie Adelle DeWitt, die gestrenge britis­che Chefin in Doll­house, die so glaub­haft den Ein­druck erweckt, dass sie Echo und die anderen loswer­den will, um inner­halb der Rossum Corp. auf zu steigen.
Aber was ist schon so wie es scheint.
Der Lohn für den kon­stan­ten Glauben bekommt der Zuschauer dann kurz vor dem Show­down, als die coole Adelle ihren Plan offen­bart und ihre Truppe von loyalen Kämpfern zusam­men ruft. Es ist einer der ulti­ma­tiven Hell Yeah — Momente im Schlußspurt von Doll­house und ein weit­eres Kapi­tel in der Serie: Joss Whe­don schreibt Ensemble-Szenen wie nie­mand sonst.

[Ich finde das passende Video noch, versprochen]

Win­ner: Gre­gory House steht auf (House, Staffel 2 Episode 13)

Plöt­zlich vor dem Fernse­her in Trä­nen auszubrechen ist nicht meine Art.

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Aber manch­mal gibt es Szenen, die scheinen wie ein De ja vu. Man fühlt buch­stäblich was in der Figur vorgeht. Eine Ulti­ma­tive Szene ist eine, die aus dem eige­nen Leben stam­men könnte.

31
Aug 2010
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#30d30s_08…, die sich jeder ansehen sollte

Präam­bel: Hin­ter #30d30s ver­birgt sich das hier. Ich konzen­triere mich eher auf aktuelle, und haupt­säch­lich amerikanis­che Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlim­mer ist, bitte hier bei den Film­fre­un­den über aktuelle Entwick­lun­gen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Hon­or­able men­tion: Broth­ers and Sisters

der Walker-Clan

Ken­nen sie das, wenn die Fam­i­lien­feier damit endet, dass Mut­ter sich eine Essen­schlacht mit der früheren Geliebten des verblich­enen Vaters liefert? Nein? Schade.
Dann soll­ten sie drin­gend broth­ers & sis­ters sehen. Eine Fam­i­lienserie im aller­fe­in­sten Sinne. Rund um die Walk­ers, die nach dem Tod des Fam­i­lien­pa­tri­archen merken, dass er den eige­nen Obst­großhan­del unter anderem genutzt hat, um die Geliebte zu ver­sor­gen. Zurück bleiben Norah und ihre 5 Kinder. Die poli­tis­che Kom­men­ta­torin der kon­ser­v­a­tiven Frak­tion Kitty, der älteste Sohn Thommy, der bis dato die rechte Hand des Vaters in der Firma war, Sarah, die Pow­er­frau — mit erfol­gre­icher Kar­riere, Ehe­mann und zwei Kindern, Kevin der erfol­gre­iche, aber neu­ro­tis­che Anwalt und schließlich Justin, das Nästhäckchen, der nichts so wirk­lich auf die Reihe bekommt seit er aus Afghanistan wieder da ist.
Sie ver­ste­hen, da ist Zünd­stoff drin. Dazu kom­men nach und nach all die kleinen und großen Geheimnisse des toten Vaters William Walker ans Licht. Die Tur­bu­len­zen im Leben der gut situ­ierten Fam­i­lie in Kali­fornien sind nicht immer vol­lkom­men nachvol­lziehbar, aber die Beziehun­gen und Stre­it­ereien die es so nur in einer Fam­i­lie geben kann sind es umso mehr. Und dabei machen die Walk­ers auf per­fide Weise auch wieder Lust auf Fam­i­lie. Grade wegen des ganzen Chaos und der Geheimnisse und den Essensschlachten.

Runner-up: the Sopranos

Auch ein Clan. Aber ein anderer.

Die Sache ist die: ich habe einen Großteil der Sopra­nos mit meinem Vater gese­hen. Und dabei zum ersten Mal erlebt, dass er sich so offen­sichtlich mit einer fik­tionalen Figur iden­ti­fiziert. Also aus­gerech­net mti Toni Soprano, dem Mafi­a­boss aus New York, der offiziell im Müll­busi­ness ist und dessen einzig wirk­liche Verbindung zu den ital­ienis­chen Wurzeln seine Tra­di­tio­nen und sein Rol­len­ver­ständ­nis ist. Außer­dem ist gutes Essen sehr wichtig.
Staffel 6 steht noch aus und trotz­dem kann ich jetzt schon sagen: die Geschichte rund um die Fam­i­lie (vor­sicht mehrdeutig!) der Sopra­nos, Tonis Ther­a­peutin und die vie­len Rand­fig­uren mit inter­es­san­ten Schick­salen hat mich viel über das Leben gelehrt.
Und voral­lendin­gen viel über die Gen­er­a­tion meiner Eltern, befürchte ich. Toni ist der Chef ohne glo­r­re­iche Ver­gan­gen­heit. Er hat in keinem (Mafia)-Krieg gekämpft, keine riskan­ten Fehden geführt, son­dern die wirtschaftlichkeit im Auge behal­ten. Trotz­dem stil­lisiert ihn seine eigene Tra­di­tion zu einem Mann wie früher, der Chef — auch in der Fam­i­lie zuhause. Obwohl auch dort Emanzi­pa­tion und neue Werte, in Form seiner Kinder, Einzug hal­ten. Und so ist Toni auf der Suche nach seiner Iden­tität — irgendwo zwis­chen Patre Famil­ias und mod­ernem Mann. Plöt­zlich war mir völ­lig klar, warum mein Vater so viel Empathie gegenüber diesem chau­vin­is­tis­chen Mafiosi mit depres­siven Episo­den hatte. Sie essen beide gern Mortadella.

Win­ner: Doll­house

Doll­house, L.A. Division

Ich hatte erwähnt, dass ich Joss Whe­don für ein Genie halte, richtig? Gut. Das muss man wis­sen, wenn man sich auf Doll­house einlässt.

Das Doll­house ist eine Insti­tu­tion in der Klien­ten “Actives” oder auch “Dolls” quasi mieten kön­nen. Actives sind Men­schen, deren neu­rol­o­gis­che Architek­tur so verän­dert wurde, dass ihre ursprüngliche Per­sön­lichkeit­saus­prä­gung ver­schwun­den ist und man, ähnlich einem Com­put­er­pro­gramm, jede andere Per­sön­lichkeit vorüberge­hend implantieren kann. Die Actives waren oft ursprünglich verzweifelte Men­schen, die aus ihrem Leben her­aus woll­ten. Nach eini­gen Jahren wird ihre Per­sön­lichkeit wieder hergestellt und sie wer­den mit hoher Ent­loh­nung ent­lassen.
Klien­ten bekom­men so für viel Geld ihren per­fek­ten Wun­schmen­schen. Drastisch for­muliert kön­nte man sagen, die ulti­ma­tive Pros­ti­tu­tion. Den wenn ein Klient einen Men­schen will, der sich in ihn ver­liebt, dann wird er einen Men­schen bekom­men, der sich in ihn ver­liebt. Die Wun­der der Neu­rolo­gie. Echo (Eliza Dushku) ist eine dieser Actives. Wir ver­fol­gen ihre Aufträge, ler­nen ihren Han­dler — eine Art kon­stan­ter Betreuer — ken­nen und merken langsam, dass das Löschen und Wieder­au­fladen von neuen Per­sön­lichkeiten nicht fol­gen­los bleibt.
Während der obses­sive FBI-Agent Bal­lard ver­sucht, das geheimnisvolle Doll­house zu finden und die seiner Mei­n­ung nach miss­brauchten Actives zu befreien zeigt sich aber, dass die Actives während ihrer Zeit im Doll­house geschützt und behütet wer­den. So wacht Hauschefin Adelle DeWitt mit Hilfe des jun­gen Nerd­ge­nies Topher Brink über alles was im Doll­house selbst passiert. Nur, es gibt mehr als ein Doll­house. Es gibt ein weltweites, von einer mys­ter­iösen Koop­er­a­tion überwachten, Net­zw­erk von Häusern.

Damit greift Whe­don das Thema von der großen dun­klen Organ­i­sa­tion wieder auf. Wie einst in Fire­fly, wo River Tam für Exper­i­mente her­hal­ten muss, zeigt sich in der ras­an­ten Staffel 2, dass hin­ter dem sim­plen Konzept so viel mehr steckt. Den die Wis­senschaft schre­itet voran und das Poten­tial für den Nutzen eines so manip­ulier­baren Men­schen wie den Actives ist immens.

Plöt­zlich überschla­gen sich die Ereignisse und Echo, die anders ist als andere Dolls, sieht sich mit einer Welt kon­fron­tiert in der möglicher­weise bald jeder ein Active ist. Die Apoka­lypse wird sehr greif­bar.
Als offen­sichtlich wurde, dass die Chan­cen der Serie auf mehr als 2 Staffeln ger­ing sind, griff Whe­don zu einer sen­sa­tionellen Tech­nik. Er drehte für die erste Staffel eine Folge, die 10 Jahre später spielt und in der die Apoka­lypse längst da ist. Zum Ende von Staffel 2 sind wir wieder dort ange­langt und sehen damit ein großar­tiges und tat­säch­lich logis­ches Serienende ohne die vollen 10 Jahre Hintergrundgeschichte.

Doll­house ist die bisher klüg­ste und dunkel­ste Serie von Whe­don, trägt dabei aber immer noch seine Hand­schrift. Ein sen­sa­tioneller Cast (Enver Gjokai ist die Ent­deck­ung der let­zten Jahre), scharfe Dialoge und selbst die Actives sind voll aus­ge­bildete Charak­tere. Die Serie stellt große, beängsti­gende Fra­gen und beant­wortet sie ambiva­lent. Per­fekt als Grund­lage für eigene Gedanken um den Wert von Per­sön­lichkeit, der eige­nen Seele, unseren Beziehun­gen und deren Austauschbarkeit.

29
Aug 2010
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