Honorable mention: Marshall holt Lily vom Flughafen ab (How I met your mother, Season4 Episode 13)
Oh Lilly und Marshall. Niemand erweicht mein romantikfreies Herz wie ihr beiden. Soll doch Ted seine Traumfrau suchen bis er schwarz wird und Barney bleibt eh immer Barney. Aber ihr zwei, bleibt bitte meine Inspiration für all die Liebe in dieser Welt.
Runner-up: Adelle DeWitt versammelt die Gang (Dollhouse, Season 2 Episode )
Es ist ein seltsam siegreiches Gefühl, wenn eine Figur von der man es nie recht wußte am Ende doch auf der richtigen Seite steht und dabei einfach einen guten Plan hatte. So wie Adelle DeWitt, die gestrenge britische Chefin in Dollhouse, die so glaubhaft den Eindruck erweckt, dass sie Echo und die anderen loswerden will, um innerhalb der Rossum Corp. auf zu steigen.
Aber was ist schon so wie es scheint.
Der Lohn für den konstanten Glauben bekommt der Zuschauer dann kurz vor dem Showdown, als die coole Adelle ihren Plan offenbart und ihre Truppe von loyalen Kämpfern zusammen ruft. Es ist einer der ultimativen Hell Yeah — Momente im Schlußspurt von Dollhouse und ein weiteres Kapitel in der Serie: Joss Whedon schreibt Ensemble-Szenen wie niemand sonst.
[Ich finde das passende Video noch, versprochen]
Winner: Gregory House steht auf (House, Staffel 2 Episode 13)
Plötzlich vor dem Fernseher in Tränen auszubrechen ist nicht meine Art.
Aber manchmal gibt es Szenen, die scheinen wie ein De ja vu. Man fühlt buchstäblich was in der Figur vorgeht. Eine Ultimative Szene ist eine, die aus dem eigenen Leben stammen könnte.
Kennen sie das, wenn die Familienfeier damit endet, dass Mutter sich eine Essenschlacht mit der früheren Geliebten des verblichenen Vaters liefert? Nein? Schade.
Dann sollten sie dringend brothers & sisters sehen. Eine Familienserie im allerfeinsten Sinne. Rund um die Walkers, die nach dem Tod des Familienpatriarchen merken, dass er den eigenen Obstgroßhandel unter anderem genutzt hat, um die Geliebte zu versorgen. Zurück bleiben Norah und ihre 5 Kinder. Die politische Kommentatorin der konservativen Fraktion Kitty, der älteste Sohn Thommy, der bis dato die rechte Hand des Vaters in der Firma war, Sarah, die Powerfrau — mit erfolgreicher Karriere, Ehemann und zwei Kindern, Kevin der erfolgreiche, aber neurotische Anwalt und schließlich Justin, das Nästhäckchen, der nichts so wirklich auf die Reihe bekommt seit er aus Afghanistan wieder da ist.
Sie verstehen, da ist Zündstoff drin. Dazu kommen nach und nach all die kleinen und großen Geheimnisse des toten Vaters William Walker ans Licht. Die Turbulenzen im Leben der gut situierten Familie in Kalifornien sind nicht immer vollkommen nachvollziehbar, aber die Beziehungen und Streitereien die es so nur in einer Familie geben kann sind es umso mehr. Und dabei machen die Walkers auf perfide Weise auch wieder Lust auf Familie. Grade wegen des ganzen Chaos und der Geheimnisse und den Essensschlachten.
Die Sache ist die: ich habe einen Großteil der Sopranos mit meinem Vater gesehen. Und dabei zum ersten Mal erlebt, dass er sich so offensichtlich mit einer fiktionalen Figur identifiziert. Also ausgerechnet mti Toni Soprano, dem Mafiaboss aus New York, der offiziell im Müllbusiness ist und dessen einzig wirkliche Verbindung zu den italienischen Wurzeln seine Traditionen und sein Rollenverständnis ist. Außerdem ist gutes Essen sehr wichtig.
Staffel 6 steht noch aus und trotzdem kann ich jetzt schon sagen: die Geschichte rund um die Familie (vorsicht mehrdeutig!) der Sopranos, Tonis Therapeutin und die vielen Randfiguren mit interessanten Schicksalen hat mich viel über das Leben gelehrt.
Und vorallendingen viel über die Generation meiner Eltern, befürchte ich. Toni ist der Chef ohne glorreiche Vergangenheit. Er hat in keinem (Mafia)-Krieg gekämpft, keine riskanten Fehden geführt, sondern die wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Trotzdem stillisiert ihn seine eigene Tradition zu einem Mann wie früher, der Chef — auch in der Familie zuhause. Obwohl auch dort Emanzipation und neue Werte, in Form seiner Kinder, Einzug halten. Und so ist Toni auf der Suche nach seiner Identität — irgendwo zwischen Patre Familias und modernem Mann. Plötzlich war mir völlig klar, warum mein Vater so viel Empathie gegenüber diesem chauvinistischen Mafiosi mit depressiven Episoden hatte. Sie essen beide gern Mortadella.
Ich hatte erwähnt, dass ich Joss Whedon für ein Genie halte, richtig? Gut. Das muss man wissen, wenn man sich auf Dollhouse einlässt.
Das Dollhouse ist eine Institution in der Klienten “Actives” oder auch “Dolls” quasi mieten können. Actives sind Menschen, deren neurologische Architektur so verändert wurde, dass ihre ursprüngliche Persönlichkeitsausprägung verschwunden ist und man, ähnlich einem Computerprogramm, jede andere Persönlichkeit vorübergehend implantieren kann. Die Actives waren oft ursprünglich verzweifelte Menschen, die aus ihrem Leben heraus wollten. Nach einigen Jahren wird ihre Persönlichkeit wieder hergestellt und sie werden mit hoher Entlohnung entlassen.
Klienten bekommen so für viel Geld ihren perfekten Wunschmenschen. Drastisch formuliert könnte man sagen, die ultimative Prostitution. Den wenn ein Klient einen Menschen will, der sich in ihn verliebt, dann wird er einen Menschen bekommen, der sich in ihn verliebt. Die Wunder der Neurologie. Echo (Eliza Dushku) ist eine dieser Actives. Wir verfolgen ihre Aufträge, lernen ihren Handler — eine Art konstanter Betreuer — kennen und merken langsam, dass das Löschen und Wiederaufladen von neuen Persönlichkeiten nicht folgenlos bleibt.
Während der obsessive FBI-Agent Ballard versucht, das geheimnisvolle Dollhouse zu finden und die seiner Meinung nach missbrauchten Actives zu befreien zeigt sich aber, dass die Actives während ihrer Zeit im Dollhouse geschützt und behütet werden. So wacht Hauschefin Adelle DeWitt mit Hilfe des jungen Nerdgenies Topher Brink über alles was im Dollhouse selbst passiert. Nur, es gibt mehr als ein Dollhouse. Es gibt ein weltweites, von einer mysteriösen Kooperation überwachten, Netzwerk von Häusern.
Damit greift Whedon das Thema von der großen dunklen Organisation wieder auf. Wie einst in Firefly, wo River Tam für Experimente herhalten muss, zeigt sich in der rasanten Staffel 2, dass hinter dem simplen Konzept so viel mehr steckt. Den die Wissenschaft schreitet voran und das Potential für den Nutzen eines so manipulierbaren Menschen wie den Actives ist immens.
Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und Echo, die anders ist als andere Dolls, sieht sich mit einer Welt konfrontiert in der möglicherweise bald jeder ein Active ist. Die Apokalypse wird sehr greifbar.
Als offensichtlich wurde, dass die Chancen der Serie auf mehr als 2 Staffeln gering sind, griff Whedon zu einer sensationellen Technik. Er drehte für die erste Staffel eine Folge, die 10 Jahre später spielt und in der die Apokalypse längst da ist. Zum Ende von Staffel 2 sind wir wieder dort angelangt und sehen damit ein großartiges und tatsächlich logisches Serienende ohne die vollen 10 Jahre Hintergrundgeschichte.
Dollhouse ist die bisher klügste und dunkelste Serie von Whedon, trägt dabei aber immer noch seine Handschrift. Ein sensationeller Cast (Enver Gjokai ist die Entdeckung der letzten Jahre), scharfe Dialoge und selbst die Actives sind voll ausgebildete Charaktere. Die Serie stellt große, beängstigende Fragen und beantwortet sie ambivalent. Perfekt als Grundlage für eigene Gedanken um den Wert von Persönlichkeit, der eigenen Seele, unseren Beziehungen und deren Austauschbarkeit.