Honorable mention: annähernd jede Doctor Who Folge seit dem Reboot 2005
Was soll ich sagen — ich bin ein Junkie. Und wir bekommen nur 13 Schuß pro Jahr, wenn überhaupt. Oft braucht es schon 2 bis 3 mal gucken bis man alles annähernd verstanden hat. Später, während man auf die nächste Staffel wartet sieht man sich die alten Folgen an und fühlt sich wie in eine Kuscheldecke gehüllt.
Runner-up: Supernatural: Yellow Fever (Season 4 Episode 6), [What is and what never should be]
Ein kurzes Wort zu “what is and what never should be”. Eine Serienfolge, nach der ich mich fühle als wäre ich in einer Therapiesitzung gewesen, kann so substanzlos nicht sein. Es war vermutlich auch der Moment in dem ich dem Charakter Dean Winchester endgültig und bis auf weiteres verfallen bin, Stereotyp Lost Boy hin — Klischee witziger Kerl mit verborgenen Gefühlen her, es gab kein Zurück.
Kurzfassung: Dean wird von einem Djin (!) geschnappt und in einen Zustand versetzt, in dem er von seiner Version eines perfekten Lebens träumt. Ein What-if der aller schmerzhaftesten Sorge.
Hört auf zu heulen, es geht ja auch anders. Es gibt wenig Shows die so rund um komisch sein können wie Supernatural. Nicht nur, dass die Serie sich ohnehin nicht sooo ernst nimmt — manchmal hauen die Schreiber auch noch richtig rein. (Ben Edlund, solltest du mal eine Niere oder so brauchen — ruf mich an.)
Ich präsentiere: Yellow fever
Winner: Bones — the man in the morgue (Season 1 Episode 19)
Bones war von Anfang an die Serie von mir und meiner Mutter. Wir hatten die Bücher von Kathy Reichs zusammen gelesen und bereits im Vorfeld gelästert, dass das so nichts werden kann als Serie.
Als eine der letzten Folgen von Staffel 1 gab es “the man in the morgue”. Tempe Brennen verbringt ihren Urlaub mit der Arbeit im noch frisch zerstörten New Orleans — wir sprechen hier schließlich von 2005.
Sie gerät in einen großartigen Voodoo-Mordfall bei dem sie selbst zwischenzeitlich verdächtig ist. Der weiße Ritter Booth sorgt aber dafür, dass alles gut ausgeht.
Ich weiß gar nicht warum ich diese Folge so sehr liebe. Vielleicht wegen Sätzen wie : “Jesus was NOT a zombie”. Vielleicht wegen New Orleans. Aber wann immer ich sie sehe, fühlt es sich ein bisschen wie zu Hause an.
Als es damals hieß, dass Kathy Reichs’ Bücher rund um die forensische Anthropologin Temperance Brennen als Vorlage für eine Serie dienen sollten, war ich skeptisch. Sehr skeptisch. All die Änderungen, all der High-Tech, mit dem Tempe nie wirklich was zu tun hatte. (Ryan Darling, *schnüff*, aber Booth ist auch ganz niedlich.)
5 Jahre später ist die Bande aus dem Smithonian meine Version einer Serienfamilie. Angeführt von der furchtlosen Temperance Brennen, die so ganz anders als in den Büchern, aber genauso interessant ist. Sie hat es nicht so mit Smalltalk, Höflichkeiten und diesem ganzen emotionalen Zeug. (Projektionsflächenalarm für Bella!) An ihrer Seite: der weiße Ritter Booth, Scharfschütze und Gentleman alter Schule mit ganz viel Bauchgefühl bei der Arbeit.
Die Beiden sind natürlich füreinander bestimmt, kriegen es aber einfach nicht auf die Reihe. Ihr denkt House und Cuddy hätten Probleme? Bitch please. Im Labor arbeiten keine gestählten Wissenschaftspolizisten a la CSI, sondern blase, düne Männer mit seltsamen Vorlieben. Für die warme Komponente gibt es dann noch Künstlerin Angela, die sich um Rekronstruktionen kümmert, sowie die toughe Laborchefin Camille. (ich sag mal: bestangezogenste Serienfigur nach Joan Holloway. Holla.) Wissenschaftsgelaber war nie so witzig und sexy. Experimente zur Nachstellung eines Mordes noch nie so .. äh… fantasievoll. Überhaupt, die Fälle. Das sind die fantastischten Leichen, die das Fernsehen je gesehen hat. Da Anthropologen sich mit Knochen und kaum mit Fleisch beschäftigen, haben die Dahingeschiedenen bei Bones jeden nur möglichen Zustand. Sie sind auch selten ganz komplett. Oder, meine persönliche Lieblingsleiche, komplett in Rohrreiniger gelöst. This is not for the faint-hearted. Wer es nicht mit Blut und Käfern die aus Augäpfeln krabbeln hat, sollte vielleicht was anderes schauen.
Ich weiß, dass Staffel 5 ein bisschen die Magie vermissen ließ, aber das ist kein Schiff, dass man da noch verläßt. Weil eine Welt ohne Brennan und Booth ist eine Welt in der ich nicht Leben will.
Ob Eric Kripke klar war welche Box der Pandora er öffnet, als er Supernatural entwickelt hat? Lang bevor Stephenie Mayer den Markt der rastlosen Mädchenherzen und deren Faszination fürs dämonische abgegrast hat, mischte man bei the CW einen tödlichen Cocktail.
Jungs, so hübsch, dass man gar nicht mehr wegschauen kann. Monster, so düster, dass es grade noch ein bisschen gruselig ist und Dialoge, die jedes Herz eines Popkulturfetischisten höher schlagen lassen.
Sam und Deam Winchester sind verlassene Söhne auf Tour gegen Monster aller Art. Mutter Mary verbrannte durch Dämonenhand als Sam noch ein Säugling war. Vom Unglück gepeitscht bildet Daddy Winchester seine Jungs zu Jägern aus und sinnt auf Rache. Bonus: hier wohnen Vampire nicht in L.A. und Dämonen nicht in New York — sondern all die urbanen Legenden sind lebendig und schrecklich zwischen Mississippi und Nevada, im guten alten Bible Belt.
Was als Monster-der-Woche-Show begann entwickelte sich in den letzten 5 Jahren (2005 war ein guter Jahrgang scheint mir) zu einer großen Mythologie, die vor Himmel und Hölle, Engeln und Apokalypse nicht halt macht. Supernatural hat sich, let’s face it, zur Kult-Show gemausert. Der Fanclub für Metallicar (der Impala den die Jungs fahren) oder die generelle komplette Durchgeknalltheit der Anhänger hat dazu geführt, dass man hier auch fröhlich die Meta-Grenzen neu definiert. (Cue to: die Winchesters besuchen eine Convention zu den Büchern die über ihr Leben geschrieben wurden, hach!) Um die Show anfangs zu mögen, muss man vom hohen Ross des Anspruchs erstmal herunter kommen um viel Spaß zu haben. Im Laufe der Zeit steht man dann auf einem ganz anderen Hügel und schaut hinunter, auf die Einfallslosigkeit der Anderen.
Endlich eine Show die die nicht vorhandenen Grenzen des Genres nutzt! Und so treffen wir neben Geistern und Dämonen eben auch suizidale Riesenteddys, böse Wölfe und den herzigen Antichristen. Mit Staffel 4 erreicht Supernatural dann die Latte die Joss Whedon einst mit seiner Musical-Folge von Buffy (once more with feeling) gesetzt hatte und überflügeln sie locker. Weil Engel sind eben nicht so harmlos, wie man bisher dachte. Supernatural schafft es, inmitten all des Irrsinns, die komplette emotionale Skala eines Dramas abzurufen. Familienbande aller Art, Vertrauen und Verrat, verlorene Kämpfe und Verbündete — nichts davon ist hysterisch oder künstlich, sondern extrem nachvollziehbar. Am Ende hängt das Schicksal der Welt davon ab, ob zwei Brüder sich zusammen raufen können und wir wissen genau, wie sie sich fühlen.
Auch wenn die einzige Gefühlsregung oft ein gigantisches WHAT THE FUCK ist.
Man kennt das ja, der Kerl ist clever und witzig und verspricht einem das ganze Universum. Redet von Zeit und Raum und hier und da, klingt dabei soooo süß mit seinem britischen Slang und sofort ist man dahin geschmolzen. Da ignoriert man die Klamotten und seine Behausung, die blaue Polizeibox schon mal. Auch die potentiel lebensgefährlichen Situationen wegen all der Geschöpfe auf fremden Planeten und den vielen Feinden, die er sich bis hierher schon gemacht hat, ach, das geht schon. Und der Altersunterschied, das muss ja nicht jeder so exakt wissen, ob es jetzt 880 oder doch 895 Jahre sind, die er älter ist. Aber muss er wirklich dauernd sein Aussehen verändern? Sowas frustiert schon ein bischen — es passen ja dann auch die geschenkten Turnschuhe womöglich nicht mehr!
Wie das halt so ist, mit den Time Lords. Also eigentlich mit dem Time Lord, er ist schließlich der letzte seiner Art. Und das seit 1963. Das ist das Jahr, in dem die BBC den guten Doctor auf die Welt losgelassen hat. Und seitdem ist Science Fiction nicht mehr das Gleiche. Doctor Who? (Ironie schon im Titel, das können nur Briten!) erzählt die Abenteuer des Time Lords (seine Rasse), genannt der Doctor, durch Zeit und Raum. Er besucht Planeten, rettet die Erde vor außerirdischen Angriffen und das alles mit der Kraft der zwei Herzen. (Nein wirklich, er hat zwei Herzen.) Er hat eine Schwäche entwickelt, für uns, die Menschen. So kommt es, dass er immer wieder orientierungslose Exemplare aufliest und mit auf seine Reise nimmt. Das Reisefahrzeug, der TARDIS (Time and relative Dimensions in Space) sieht aus wie die blaue Polizeibox mit der Doctor Nr. 1 (dazu kommen wir gleich) damals auf der Erde zunächst gestrandet ist. Natürlich ist der TARDIS größer im Inneren. Physik, Naturgesetze — damit sollen sich die Anderen rum ärgern.
Überhaupt ist Doctor Who nicht Science–Fiction sondern eher ein Alien-Märchen mit britischem Augenzwinkern. Was Doctor Who speziell macht, sind die Proportionen. Den während die Produktion weder Budget noch Möglichkeiten hat um an amerikanische Serien heran zu reichen, sind die Geschichten so außergewöhnlich und der Doctor eine so geniale Figur, dass die Serie mittlerweile ein Teil der britischen Kulturidentität ist.
Wenn ein Time Lord tödlich verwundet wird, dann “stirbt” er nicht wirklich, er regeneriert — erhält einen neuen Körper. Das ermöglicht die lange Laufzeit der Serie. Momentan tourt Doctor Nummer 11 durch die Galaxy, an seiner Seite Amy, die den Doctor als Kind das erste Mal traf und sich nie wieder davon erholt hat.
Der aktuelle Showrunnter Steven Moffat ist darüber hinaus ein Genie. Er hat Nummer 11, den fabelhaften Matt Smith gecastet und die brilliantesten Geschichten seit des Reboots 2005 geschrieben. Zeitreisenparadoxe gibt es hier für den Zuschauer genauso, wie die zitternde Angst vor steinernen Figuren. Die 13 Folgen jedes Jahr, plus ein Weihnachtsspecial sind das Highlight meines Fernsehjahres. Weil nichts so perplex, so dramatisch, so flirrend ist, wie der Doctor. And because Bow-Ties are cool.