Jahresendträume

Jahresendträume

(Screen­shot aus einer Folge der unter­schätzten Whedon-Serie “Dollhouse”)

Da sind Holz­planken unter meinen Füßen. Stehe ich auf einem Balkon? Und dieses selt­same, rot­braune Gewand, soll das eine Sari sein? Überhaupt ist hier alles ein wenig rot­braun, schat­tig. Um mich herum unbekan­nte, aber nicht unähn­liche Men­schen. Wir nesteln an Din­gen herum, seufzen, Selb­stver­sunken­heit.
Alles ist ein wenig feucht, aber frisch. Vielle­icht waren wir Schwim­men? Da drüben ist schließlich Wasser.

Ander­er­seits, dieses Drüben ist ganz anders. Irgend­wie unter und neben uns. Son­nig, strahlend. Men­schen grillen. Da sind furcht­bar viele Men­schen, einige kom­men mir bekannt vor. Die meis­ten sind sehr blond und tra­gen luftige Klam­ot­ten in blauen oder weißen Tönen. Wie aus dem Kat­a­log für die Som­mer­frische an der Ost­see, zu Zeiten von Thomas Mann.

Hier bei uns riecht es nach Moos, es ist kühl aber angenehm. Drüben plärrt die Sonne durch die Gegen, das Wasser (ist das ein Fluß? ein See? Das Meer?!) glitzert aggres­siv. Plöt­zlich ist da Z. Er winkt und … angelt? What the fuck. Er trägt außer­dem ein Hemd. Der Mann trägt keine Hem­den, er ist der per­son­ifizierte stu­den­tis­che Schlab­ber­look, dafür mit Charme.

Wir haben zwis­chen­zeitlich Tee, Drüben öffnet jemand Sekt. Ein biss­chen sehn­süchtig blicke ich hinüber. Will ich dazuge­hören? Bin ich schon soweit? Ich glaube, dass es noch nicht der richtige Zeit­punkt für Drüben ist.
Da ist K. Aus­gerech­net. Was hat der überhaupt SCHON WIEDER in meinem Kopf ver­loren? Er lächelt. Dieses sel­tene Lächeln. Der wird langsam selbst für mein Unter­be­wusst­sein lästig.

Huch ‚was macht S. denn da? Die hätte ich dann doch eher auf meiner Seite ver­mutet. Vielle­icht doch nicht so unsym­pa­thisch das da drüben. Ich sehe mich um. Jetzt grade ist es nett hier, im Schat­ten. Aber auf die Dauer doch zu lang­weilig. Auf ein­mal steht B. am Rande unserer Planken und deutet mir rüber zu kom­men. Hm.

Vielle­icht schaue ich mir das nach­her mal an, da Drüben. Wenn ich hier fer­tig bin mit rumd­ingsen und so. Dann mis­che ich dieses Drüben mal ein biss­chen auf.

Lesesachen KW 47 + 48

Lesesachen KW 47 + 48

Es wollte sich nicht alles so schnell finden lassen, am aller­wenig­sten die Zeit. Von wegen besinnlich.

Bela Lugosi betritt den Raum, Max Schreck im Roll­stuhl hinterher.

Lugosi: Was amüsiert die Her­ren?
Lee: “Twi­light”.
Schreck: Beileid?
Lugosi: Nein, Max. (Sehr laut): “Twi­light”! Dieser neue Vam­pirk­itsch mit dem Jün­gelchen.
Kin­ski: Kann der nicht auch am Tag raus?
Old­man: Klar, im Dunkeln findet der den Weg nicht.
Lee: Hat Angst, nach ‘ner Nachtschicht im Sarg zu liegen.
Kin­ski: Und der glitzert so komisch in der Sonne.
Old­man: Vam­pir, jetzt auch von Swarowski!

  • Manch­mal kön­nen die bei SPON auch ulkig.
  • ZEIT: Was muss ich tun, damit ich ziem­lich sicher beklaut werde?

    Arno: Legen Sie eine protzige Uhr an, und bum­meln Sie durchs Spanis­che Vier­tel in Neapel. Set­zen Sie sich in Barcelona in ein Straßen­café, legen Sie Ihr Smart­phone auf den Tisch, und ver­tiefen Sie sich in einen Stadt­plan. Dröh­nen Sie sich in einem Ams­ter­damer Cof­feeshop zu, und freuen Sie sich, dass Ihre neuen Kumpel dort Ihnen mit viel Kör­perkon­takt ein paar Fußball­tricks beib­rin­gen. Nehmen Sie den Zug vom Pariser Flughafen ins Zen­trum, ver­stauen Sie Ihre Tasche im Gepäck­fach neben der Tür, und lassen Sie sie aus den Augen. Und falls es immer noch nicht geklappt hat, fahren Sie weiter von Paris nach Nizza oder Mar­seille, im Nachtzug. Und helfen Sie dem Typ neben Ihnen mit einem Taschen­tuch aus, wenn der Ärmste sich mit Kaf­fee bek­leck­ert, während der Zug in einen Bahn­hof einrollt.

  • Der Mann ist eine Art Ganoven-Tester. Ein faszinieren­des Interview.
  • beim schachtel­wirten isst man bekan­ntlich ver­lässlich fad, und zwar was geschmack und tex­tur bet­rifft. das wis­sen alle, die schon ein­mal dort gegessen haben, also alle. (das gilt übrigens auch für die anderen ket­ten­burg­er­bratereien.) beim schachtel­wirten bekommt man ebenso wenig wie bei jeder art dieser gigan­tis­chen wel­tumspan­nen­den sys­tem­gas­tronomie bio­pro­dukte von kleinen regionalen betrieben. das geht näm­lich nicht, auch wenn mcd in seiner aktuellen werbeschiene in öster­re­ich anderes suggeriert.

  • Der sprach­lich schön­ste Kom­men­tar zu diesem ganzen Schuh­beck und Co bei McDon­alds — Gedöns.
  • Im sozialen Net­zw­erk Face­book brüsten sich junge Men­schen damit, sie schon zu Schulzeiten gemobbt zu haben. Ob in Wer-kenntwen, in Blogs, auf den Inter­net­seiten der Boulevard-Presse: Sarah kennt die gemeinen, erniedri­gen­den Sprüche und Schlagzeilen alle, sie weiß um die Häme und den Spott: „Das tut weh. Ich bin nicht so, wie die draußen denken. Manch­mal ein biss­chen ver­peilt, manch­mal habe ich ver­rückte Ideen: aber doch nicht so …“ Das möchte sie jetzt mith­ilfe unserer Zeitung klarstellen, obwohl ihr bewusst ist, dass genau das der 18-seitige Ver­trag mit der Pro­duk­tions­firma strikt verbietet.

  • Wo wir schon bei “Unter­hal­tung” sind, wer Schwer Ver­liebt und Co schaut zer­stört Leben.
  • Auf dem Bett dann weiter Gejaule, Geknurre, Gefauche. Er ist gen­ervt, verängstigt und er hat Schmerzen. Will wieder ständig auf­sprin­gen und wegren­nen, kann sich aber kaum umdrehen mit dem Ver­band. Panisch rufe ich den Mann an, er soll bitte sofort heimkom­men, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll. An die Tax­i­fahrerin muss ich denken und daran, wieviel man so einem kleinen Tier überhaupt zumuten darf, wo da die Gren­zen sind. Und dass von den zwölf Wochen ger­ade erst­mal elf Tage herum sind. Der Mann kommt, wir geben Theo Schmerzmit­tel und Leck­erli, wieder schlingt er alles runter, um dann danach weiter zu kla­gen. Er springt wieder auf, dies­mal lassen wir ihn, dann springt er vom Bett und mir bleibt schier das Herz ste­hen. Unters Bett kriecht er. Und still ist er auf ein­mal. Wir liegen oben und lauschen, was er macht, ein paar Mal dreht er sich um, um die richtige Liege­po­si­tion zu finden, aber das Kla­gen hat aufge­hört. Ich fange an zu heulen, meine Ner­ven sind am Ende und es tut furcht­bar weh, ihn so lei­den zu sehen.

  • Wer jemals mit einem Haustier gelit­ten hat, weiß wovon Frau Elise spricht.
  • Lieber Philipp Lahm,

    bitte tre­ten Sie als Kapi­tän der Natio­nal­mann­schaft zurück.

    Sie wer­den Ihrer Ver­ant­wor­tung als Leit­fi­gur des deut­schen Aus­wahl­teams und Vor­bild jun­ger Men­schen nicht gerecht, Beleg seien Ihre Aus­füh­run­gen zum Thema Homo­se­xua­li­tät: Was soll ein schwu­ler Fuß­bal­ler den­ken, dem der Kapi­tän der deut­schen Natio­nal­mann­schaft nahe­legt, sein Ver­steck­spiel lie­ber bei­zu­be­hal­ten, weil alles andere zu Schwie­rig­kei­ten füh­ren würde?

  • Es ist so schön wenn andere die eigene Wut so klar artikulieren können.
  • Wenn man Sie so ruhig dasitzen sieht, wirken Sie eher wie die Inkar­na­tion des Müßig­gangs.
    Ich sinnlose vor mich hin, und das mit Begeis­terung. Wenn nichts passiert, passiert ja nur schein­bar nichts, weil irgend­was passiert ja immer, und wenn eine Ameise übern Sand­bo­den läuft oder Staub­par­tikel durchs Fen­ster sicht­bar wer­den, weil die Sonne rein­scheint. Die Frage ist, ob es einem gelingt, sich diesem Ange­bot zu öffnen.

  • Es ist ein Inter­view mit Ger­hard Polt. Natür­lich wollen sie das lesen. Gern auch ein zweites Mal. Selbstverständlich.
  • Thomas Gottschalk ist ein Mod­er­a­tor, der am besten ist, wenn unvorherge­se­hene Dinge passieren — und die Ver­ant­wortlichen lassen seine let­zte Sendung zu Ende gehen, ohne dass irgen­det­was für ihn Unvorherge­se­henes passiert? Ein Gast, mit dem er nicht gerech­net hat, eine Aktion, auf die er nicht vor­bere­itet war, irgen­det­was anderes als alte Sendungs-Ausschnitte, irgen­det­was? Irgendetwas?

  • Damit hat er natür­lich vol­lkom­men recht, der Herr Nigge­meier. Und ich frage mich seit Jahren, ob man in den Redak­tio­nen deutscher Shows nicht mal Tab­ula Rasa machen sollte, so wenig wie man sich dort traut.
  • Mit dem Rauchen hat er schon vor 20 Jahren aufge­hört. Wenn ich ihm Whiskey kaufe, trinkt ihm den meine Mut­ter weg. Was Schoko­lade angeht, isst er am lieb­sten Rit­ter Sport Voll-Nuss, die zu schenken jetzt nicht so wirk­lich den Charak­ter eines liebevoll aus­ge­suchten Wei­h­nacht­spräsents hätte.

    Es ist fürchterlich.

  • Wie außeror­dentlich beruhi­gend, es ist nicht nur mein Vater son­dern min­destens auch der von Frau Mod­este. Und Hawai-Hemden hat meiner nun auch schon zwei. Schlimm.
  • Auf den Bildern waren ja Zahlen! Nicht von links nach rechts, von oben nach unten, son­dern total durcheinan­der! Und gedruckt waren sie auf Kästchen, die aus­sa­hen, als kön­nte man sie auf­brechen. Warum aber sollte man ein so schönes Bild kaputtmachen? Und was rap­pelte denn da so? Ich wandte mich in der Ver­wirrung an meinen Onkel, der mir erk­lärte, dass die Deutschen ihre Schoko­lade manch­mal umständlich ver­pack­ten, nur damit es schöner aussähe. Ich solle ein­fach mal ein Türchen öffnen und mir ein Stück herausnehmen.

  • Die Begeg­nung von Sil­tent­tiffy mit ihrem ersten Adventskalen­der: it doesn’t get more Christ­mas than this.
  • Zum Abschluss noch ein Tipp an Kosmetik-Firmen: Anstatt so glitzernde Spots zu pro­duzieren, werbt mit Videos wie dem das folgt. Es wird funk­tion­ieren, trust me.

    Twittersternchen November 2011

    Twittersternchen November 2011

    Ach Novem­ber, du schlim­mer Fin­ger. Das Schlüs­sel­bein der Nation, die Lie­der­ma­cher der Herzen, Hal­loween und Aller­heili­gen und überhaupt. Das geht doch so nicht. Ander­er­seits: Deutsch­land schlägt Hol­land, die #Twit­ter­ena erobert München und wir sin­gen alle schon Weihnachtslieder!

    Bonus-Tweet des Monats

    Soll­ten sie mal in die Ver­legen­heit ger­aten das Lebens­ge­fühl München plöt­zlich kurz und klar zu erläutern, Frau Gröner hat das schon erledigt.

    Serienblogprojekt: Hell on Wheels

    Serienblogprojekt: Hell on Wheels

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      Alles zum Serien­blog­pro­jekt: hier

      Eine Übersicht der bisher erschienen Kri­tiken gibt es hier.

      P.S.: Wer sich noch anschließen will ist gern willkom­men, gern auch als zweiter Kri­tiker einer Serie. Ein­fach in unsre kleine Tabelle hier ein­tra­gen.

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    Copy­right @ AMC

    Ach, AMC. Was ist eigentlich dein Plan? Erst gibst du uns Mad Men und Break­ing Bad, Serien die das Genre an ihre Gren­zen treiben, für Gesprächsstoff sor­gen und dabei immer größer, besser und drama­tis­cher wer­den. Jetzt soll nachgelegt wer­den. Zuerst mit The Walk­ing Dead, der ambi­tion­ierten Zombie-Serie und jetzt Hell on Wheels, einem Epos über die Zeit nach dem amerikanis­chen Bürg­erkrieg. Nur: der Plan geht nicht auf.

    Schon durch die erste Staffel The Walk­ing Dead hab ich mich ein biss­chen gequält. Und dachte zunächst es liegt an mir, weil ich keine Zombie-Fetischistin bin. Aber spätestens jetzt während Staffel 2 kommt die Wahrheit zu Tage: Rech­net man die Zom­bies raus, bleibt da nicht viel inter­es­sante Story. Die Hauptcharak­tere inter­essieren mich ein­fach nicht, ich fühle nicht mit ihnen. Nichts was sie tun oder sagen beein­druckt oder überrascht mich. Während ins­beson­dere Break­ing Bad in der zurück­liegen­den Staffel für eine dauer­haft am Boden schleifende Kinnlade bei mir gesorgt hat.

    Jetzt also Hell on Wheels. Grob gesagt, eine West­ern Serie in dessen Zen­trum Cullen Bohan­nan (der dur­chaus ansehn­liche Anson Mount ) steht — und auf Rachefeldzug ist. Er hatte auf der Seite des Südens gekämpft, die mit Sklaven han­del­ten. Allerd­ings hatte ihn seine Frau aus dem Nor­den bere­its vor dem Krieg davon überzeugt seine eige­nen Sklaven frei zu lassen und sie zu bezahlen. Moralis­che Ambivalenz ich hör dir trapsen.

    Während des Krieges allerd­ings kommt seine Frau unter nicht ganz gek­lärten Umstän­den um. Alles was er weiß sind welche Sol­daten involviert waren. Diese sucht er jetzt, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
    Einge­bet­tet wird diese Grund­hand­lung in den Bau der ersten großen Bah­n­verbindung zwis­chen Ost– und West­küste der USA. Das bietet tat­säch­lich ein span­nen­des Umfeld. Ger­adezu span­nen­der als die eigentliche Hand­lung. Das ist ein biss­chen das Problem.

    Nichts wie ungut, das ist alles toll besetzt und sieht grandios aus. Man riecht den Dreck förm­lich, der 1865 so unver­mei­d­bar war. Die Kon­flikte rund um ehe­ma­lige Sklaven und den Kampf gegen die Indi­an­er­stämme um deren eige­nen Land sind The­men, die ich mir in einer solchen Show wün­sche. Die Neben­fig­uren sind wun­der­voll besetzt, beson­ders Rap­per Com­mon ist als aufmüp­figer Arbeiter Elam eine große Ent­deck­ung. Und Colm Meany, Ire vom Dienst, als obses­siver Bauherr der Eisen­bahn ist selb­stver­ständlich grandios. Das ist er schließlich immer. (Dass Hell on Wheels nach 3 Fol­gen den Bechtel-Test noch nicht bestanden hat ist auch so eine Sache…)

    Wie gesagt, alles ganz hüb­sch. Nur der gute Cullen ist der­maßen schweigsam und in sich gekehrt und Western-like, dass ich so gar kein Inter­esse an ihm entwickle. Vielle­icht ein Grund dafür, dass klas­sis­che West­ern heute kaum noch funk­tion­ieren. Die alte Vari­ante eines Helden, der sich durch den Film knurrt, passt nicht mehr recht in unsere Welt. So will sich kein Sog entwick­eln, der für Span­nung und Inter­esse sorgt, was den Haupt-Plot angeht. Viel lieber würde ich mehr über Elam und den Eisen­bahn­bauher­ren Durant erfahren.

    Per­sön­lich werde ich Hell on Wheels die Chance geben und mir die erste Staffel anse­hen. Aber AMC, du stehst ab jetzt unter Beobach­tung. Die Freude an der Insze­nierung und der Mut für großen Aufwand ist schon da, aber ein biss­chen mehr Story-Substanz wäre schön.