Serienblogprojekt: Hell on Wheels

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    Eine Übersicht der bisher erschienen Kri­tiken gibt es hier.

    P.S.: Wer sich noch anschließen will ist gern willkom­men, gern auch als zweiter Kri­tiker einer Serie. Ein­fach in unsre kleine Tabelle hier ein­tra­gen.

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Copy­right @ AMC

Ach, AMC. Was ist eigentlich dein Plan? Erst gibst du uns Mad Men und Break­ing Bad, Serien die das Genre an ihre Gren­zen treiben, für Gesprächsstoff sor­gen und dabei immer größer, besser und drama­tis­cher wer­den. Jetzt soll nachgelegt wer­den. Zuerst mit The Walk­ing Dead, der ambi­tion­ierten Zombie-Serie und jetzt Hell on Wheels, einem Epos über die Zeit nach dem amerikanis­chen Bürg­erkrieg. Nur: der Plan geht nicht auf.

Schon durch die erste Staffel The Walk­ing Dead hab ich mich ein biss­chen gequält. Und dachte zunächst es liegt an mir, weil ich keine Zombie-Fetischistin bin. Aber spätestens jetzt während Staffel 2 kommt die Wahrheit zu Tage: Rech­net man die Zom­bies raus, bleibt da nicht viel inter­es­sante Story. Die Hauptcharak­tere inter­essieren mich ein­fach nicht, ich fühle nicht mit ihnen. Nichts was sie tun oder sagen beein­druckt oder überrascht mich. Während ins­beson­dere Break­ing Bad in der zurück­liegen­den Staffel für eine dauer­haft am Boden schleifende Kinnlade bei mir gesorgt hat.

Jetzt also Hell on Wheels. Grob gesagt, eine West­ern Serie in dessen Zen­trum Cullen Bohan­nan (der dur­chaus ansehn­liche Anson Mount ) steht — und auf Rachefeldzug ist. Er hatte auf der Seite des Südens gekämpft, die mit Sklaven han­del­ten. Allerd­ings hatte ihn seine Frau aus dem Nor­den bere­its vor dem Krieg davon überzeugt seine eige­nen Sklaven frei zu lassen und sie zu bezahlen. Moralis­che Ambivalenz ich hör dir trapsen.

Während des Krieges allerd­ings kommt seine Frau unter nicht ganz gek­lärten Umstän­den um. Alles was er weiß sind welche Sol­daten involviert waren. Diese sucht er jetzt, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Einge­bet­tet wird diese Grund­hand­lung in den Bau der ersten großen Bah­n­verbindung zwis­chen Ost– und West­küste der USA. Das bietet tat­säch­lich ein span­nen­des Umfeld. Ger­adezu span­nen­der als die eigentliche Hand­lung. Das ist ein biss­chen das Problem.

Nichts wie ungut, das ist alles toll besetzt und sieht grandios aus. Man riecht den Dreck förm­lich, der 1865 so unver­mei­d­bar war. Die Kon­flikte rund um ehe­ma­lige Sklaven und den Kampf gegen die Indi­an­er­stämme um deren eige­nen Land sind The­men, die ich mir in einer solchen Show wün­sche. Die Neben­fig­uren sind wun­der­voll besetzt, beson­ders Rap­per Com­mon ist als aufmüp­figer Arbeiter Elam eine große Ent­deck­ung. Und Colm Meany, Ire vom Dienst, als obses­siver Bauherr der Eisen­bahn ist selb­stver­ständlich grandios. Das ist er schließlich immer. (Dass Hell on Wheels nach 3 Fol­gen den Bechtel-Test noch nicht bestanden hat ist auch so eine Sache…)

Wie gesagt, alles ganz hüb­sch. Nur der gute Cullen ist der­maßen schweigsam und in sich gekehrt und Western-like, dass ich so gar kein Inter­esse an ihm entwickle. Vielle­icht ein Grund dafür, dass klas­sis­che West­ern heute kaum noch funk­tion­ieren. Die alte Vari­ante eines Helden, der sich durch den Film knurrt, passt nicht mehr recht in unsere Welt. So will sich kein Sog entwick­eln, der für Span­nung und Inter­esse sorgt, was den Haupt-Plot angeht. Viel lieber würde ich mehr über Elam und den Eisen­bahn­bauher­ren Durant erfahren.

Per­sön­lich werde ich Hell on Wheels die Chance geben und mir die erste Staffel anse­hen. Aber AMC, du stehst ab jetzt unter Beobach­tung. Die Freude an der Insze­nierung und der Mut für großen Aufwand ist schon da, aber ein biss­chen mehr Story-Substanz wäre schön.

26
Nov 2011
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Von der Weiblichkeit des Zupfens

Ange­fan­gen hat es so:

Doch nein: Zu 99 Prozent ist anschließend die Strumphose um min­destens 90 Grad, bis zu 360 Grad spi­ralver­dreht am Bein und ziept. Es dauert Minuten, bis sie ger­adeaus zurecht­gezup­pelt ist.

  • Frau Kalt­mam­sell beklagt die Mühe des Strumpfho­se­nanziehens. Zurecht.
  • Und auch wenn sie die Vok­a­bel “zurecht­gezup­pelt” ver­wen­det, musste ich sofort ans Zupfen denken. Und wie typ­isch diese Zupfende, schon in ihrer Aus­führung leicht wehk­la­gende Bewe­gung ist. Wie typ­isch weib­lich auch, auf eine Art. Denn das Mar­tyrium des Zupfens beginnt im Leben einer Frau schon arg früh. Als kleine Mäd­chen will die wär­mende Strumpfhose unter der eigentlichen Hose zurecht gezupft wer­den. Auch Mützen und Hand­schuhe sind ständige Zupfherausforderungen.

    Während das andere Geschlecht bere­its hier etwas grober und mit angestrengtem Gesicht­saus­druck zu Werke geht — wir zupfen.

    Hinein in die Pubertät und es beginnt die näch­ste Diszi­plin im großen Zupf-Mehrkampf. Denn überschüs­sige Haare über der Nasen­wurzel und der Ober­lippe wollen ent­fernt wer­den. Die Pinzette wird unsere Ver­bün­dete im Kampf gegen die Mono-Augenbraue. Wir entwick­eln Tech­niken und informieren uns über unter­stützende Helfer­lein, die den Schmerz und die Entzün­dun­gen min­imieren sollen. Es wird gekühlt und gepeelt, damit das Zupfen leichter fällt.

    Mit­tler­weile kommt uns die Indus­trie zu Hilfe und entwick­elt mit dem Epilierer ein Gerät, dessen einzige Spezial­isierung das schnelle Zupfen ist. Von wegen Mul­ti­funk­tion. Nichts außer Zupfen. Die jun­gen Her­ren? Rasieren. Nass oder elek­trisch, blut­triefend oder mit zuviel Rassier­wasser. Wir Zupfen.

    Und finden das nicht ein­mal beson­ders selt­sam.
    Ist Zupfen damit ein Klis­chee? Ein Stereo­typ? Sind wir, auch als mod­erne Fem­i­nistin­nen, Oper einer großen Zupf-Verschwörung? Ander­er­seits: Zupf-Instrumente. Da kom­men plöt­zlich auch die Her­ren der Schöp­fung zu ihrem Zupf-Grundkurs. Wobei überraschend viele auf Nach­frage das, was sie da mit einer Gitarre tun gerne “Schram­meln” nen­nen. Warum auch immer. Zupfen ist schließlich aller Ehren wert.

    Wir seufzen, während wir auch als Erwach­sene die Strumpfhose zurechtzupfen und schließlich ein­mal von oben bis unten über das Out­fit zupfen — bis es sitzt, wie es soll. Finden wir uns selbst dann ordentlich genug, spitzen wir Dau­men und Zeigefin­ger erneut — schließlich will der Kra­gen am beglei­t­en­den Her­ren auch zurecht gezupft wer­den.
    Ganz so, als hätte uns die Natur das Zupfen als übergreifende, küm­mernde Fähigkeit mit­gegeben. Eine uralte Kul­turtech­nik, die sprechende iPhones hin und Laser­haar­ent­fer­nung her , in allen Lebensla­gen zur Gel­tung kommt.

    Schließlich kann Zupfen auch despek­tier­lich sein, herabsetzend.Wenn wir es wollen. Oder auf­munternd, optimistisch.Zupfen als non­ver­baler Beziehungsaus­druck. Da schlum­mern doch gle­ich mehrere Dis­ser­ta­tio­nen, oder nicht?
    Und liebevoll, wenn man der eige­nen Tochter am Ende wieder die Strumpfhose zurecht zupft, damit sie raus­ge­hen kann und mit den Lackschuhen und der frischen Strumpfhose in eine Wasserpfütze springen.

    Apro­pos, Zupfen als verbinden­des Element.

    25
    Nov 2011
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    Lesesachen KW 46

    Selt­same Woche, oder? Nichts passt so richtig, das Tim­ing nicht, die Stim­mung nicht und eigentlich würde man sich gern mit einer Decke, einer großen Schachtel Kekse und einem Hek­to­liter Tee ver­graben und nie wieder rauskom­men. Und sagt jetzt bitte nicht, dass es nur mir so geht — mein Welt­bild ist momen­tan sehr fragil. Any­way. Onwards!

      Er hatte keine Ahnung und auch keine Antworten. Er war ein Frageze­ichen gefüllt mit tausenden anderen Frageze­ichen. Fra­gen über das Leben, über Lit­er­atur, über soziale Struk­turen, über Gerechtigkeit, Geiz und Gier und über die Liebe. Sie hatte auf alles eine Antwort gehabt. Nun standen sie da, die zwei Frageze­ichen, und wussten nicht weiter.

    • Einer dieser Texte über eine Frau und einen Mann und eigentlich der Dra­matik der kleinen Dinge.
    • Die Tat blieb nicht lange geheim. Es ist näm­lich nicht ein­fach, mit einem Blech Kuchen durch den recht ver­schlafe­nen Vorort zu radeln, ohne gese­hen zu wer­den. Harte Ver­höre schlossen sich an. Der eine anges­tiftete Junge darf nun nicht mehr dem verkomme­nen Sohn der Bekan­nten spie­len. Der Sohn selbst gab auf Befra­gen zu, er habe nicht nur diese Mis­se­tat zu vertreten. Er habe auch nur wenige Tage zuvor Geld, das ihm seine Groß­mut­ter heim­lich gegeben, bei real in mehrere Würstchen investiert und diese sofort mit Senf verschlungen.

    • Lesen Sie um Him­mel­swillen diesen Text! Und essen Sie Kuchen, so viel Sie wollen!
    • Manch­mal wis­sen wir nicht, was wir suchen, bis wir es gefun­den haben. Und ver­mut­lich ist das auch ganz okay so, denn die Suche ermöglicht uns ja erst, erken­nen zu ler­nen, was wir nicht wollen. Oder man macht’s wie ich und stolpert blin­d­lings durch die Gegend, bis man dann zufäl­lig über das Glück fällt. Irgen­deinisch fingt ds Glück eim, hier im Gegen­satz zum Lied ganz ohne Fragezeichen.

    • Ich hatte ja keine Ahnung, dass man Glück in Form von Blo­gein­trä­gen trans­portieren kann. Aber es funk­tion­iert sogar ganz großar­tig. #mehr_kitsch
    • so unspeck­takulär sich diese erken­nt­nis jetzt in diesem artikel anhört, hat sie sich wahrschein­lich auch in gabriele fis­ch­ers büro ange­hört, als sie meinen kopf ver­liess, aber die eigentliche erken­nt­nis die daraus erwuchs war eh eine ganz andere. näm­lich wie grossar­tig und inspiri­erend es ist, sich mit leuten zu unter­hal­ten die a) klüger als man selbst sind, b) neugierig sind und c) aus anderen lebens­bere­ichen kom­men als die, in denen man selbst feststeckt.

    • Wenn der ix gut ist, dann ist er ziem­lich gut.
    • ab dem punkt ist etwas in mir aufge­brochen. ich hatte plöt­zlich ver­standen, dass ich leben will. nicht als eine überlebende, son­dern als eine, die freude am leben hat. und ich ver­stand endlich, was man mir vorher 100.000fach hätte sagen kön­nen, ohne, dass ich es hätte umset­zen kön­nen: ich habe immer eine wahl. wenn ich gut leben will, dann bin ich es, die diese entschei­dung tre­f­fen muss. und wenn ich diese entschei­dung tre­ffe, brauche ich mir nicht einzu­bilden, dass sie keine kon­se­quen­zen auf meine lebens­führung hätte.

    • Eine Ther­a­pie ist mehr als eine Behand­lung. Ther­a­peuten sind mehr als Ärzte.
    • Ein Spiel dauert neun­zig Minuten. Zumin­d­est im besten Fall, für schwule Profi­fußballer dauert das Ver­steck­spiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homo­sex­u­al­ität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressen­ti­ments hal­ten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

    • Von der AKTION LIBERO haben Sie garantiert schon gehört. Jetzt finden Sie hier auch alle Beiträge. Lesen Sie sie alle — es lohnt sich.

    Na dann kratzen wir mal den let­zten Schwung zusam­men, was?

    20
    Nov 2011
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    Hier, Dings — Lesesachen KW 45

    Ach Google Reader, du dummes Ding. Es lief doch so gut mit uns. Und ich kon­nte alles so prak­tisch hier automa­tisch posten. Jetzt kommt alles von Inter­esse in einen Leseze­ichenord­ner. Leseze­ichenord­ner! Wo kom­men wir denn da hin? Weil: ins Instapa­per kommt alles und Ever­note ist zu kom­pliziert und, fällt hier jeman­dem was besseres ein? Ach, Inter­net. This is why we can’t have good thing.

    Nun, denn.

      Zwis­chen­drin laufen split­ter­nackte, mit Gold­farbe ange­malte „Elfen“ mit zarten Flügeln und spitzen Ohren herum, ein Mann und eine Frau, die auf großen Sil­bertabletts Süßigkeiten anbi­eten: Lol­lis, Eiskon­fekt, weiße Mäuse, bunte Mäuse, andere Schaum– und Gummi-Süßigkeiten. Ich nehme mir eine bunte Maus.

    • Isabella Bog­dan war für ihre Kolumne “Sachen Machen” bei einer Orgie. Toll!
    • Kinder, die Kühlpads ken­nen, also alle, beste­hen in aller Regel bei jedem Wehwe­hchen auf feier­lichem Kühlen, selbst dann, wenn sie das gar nicht aus den Fußball­berichten am Woch­enende von den Auf­nah­men am Spielfel­drand ken­nen. Denn auch in Kindergärten wird stets jede noch so kleine Schramme hinge­bungsvoll gekühlt, als wäre dies das wichtig­ste Erste-Hilfe-Gebot aller Zeiten.

    • Der Herr Buden­bohm, mal wieder, grandios.
    • Some fun facts regard­ing the time­line of the tracks: It was first used by Gen­eral Per­sh­ing in 1938, and less than 30 years after that, in 1965, it was the venue for a party thrown by Andy Warhol (fit­tingly called The Under­ground Party).

    • Unter dem Wal­dorf Asto­ria gibt es eine ver­waiste Bahn­sta­tion und, ach, sehen sie sich das an.
    • And then I’m recharged and it all helps. I started doing yoga, too. There, I said it. Yes, I live in L.A. Clearly I live in L.A. Now excuse me while I have my pro­tein shake and my chardon­nay. Mixed together. No, that was a hor­ri­ble idea.

    • Joss Whe­don, Gott aller Nerds, spricht mit Rook­iemag und redet über Schule, die Avengers und Shake­speare und ist fürchter­lich endear­ing
    • Nein. Mein Traum wäre es, dass mein Kör­per in einem Häck­sler zerklein­ert und über ein Mar­i­hua­nafeld gestreut wird. An meinem Geburt­stag wür­den meine Fre­unde zusam­menkom­men und aus den Pflanzen einen großen Haschkuchen backen. Dann hät­ten alle ein biss­chen Larry in sich und wür­den drei Tage lang tanzen.

    • Larry Hag­man, der J.R. aus Dal­las ist viel klüger und witziger und untex­anis­cher als man denkt.

    Sie wollen einen Rauss­chmeißer? Ich hätte da was.

    13
    Nov 2011
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