#30d30s_03…, die besten der neuen Saison

Präambel: Hinter #30d30s verbirgt sich das hier. Ich konzentriere mich eher auf aktuelle, und hauptsächlich amerikanische Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlimmer ist, bitte hier bei den Filmfreunden über aktuelle Entwicklungen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Honorable Mention: Caprica

Wir müssen an dieser Stelle den Begriff “Season” ein bisschen strecken, den Caprica begann schon vor einiger Zeit. Es liefen die ersten 9 Folgen und plötzlich … war da Stille. Ab Herbst läuft der Rest von Staffel 1 -- ob es darüber hinaus noch eine Staffel geben wird ist ungewiss.
Ergo: Es geht mal wieder ums Sci-Fi Genre, das von TV-Sendern gern noch stiefmütterlich behandelt wird. Und das, obwohl Caprica nicht irgendeine Serie ist, sondern die Prequel zu Battlestar Galatica (BSG).
Halt -- stop -- nicht aufhören zu lesen, weil man noch keine Folge BSG gesehen hat -- habe ich auch nicht! Ich bin halt nie wirklich dazu gekommen und irgendwann noch einzusteigen schien .. seltsam. Caprica funktioniert auch wunderbar für sich, eben weil es die Geschichte vor BSG erzählt.
Am Ende ist es, wie immer, eine Familiengeschichte.
Auf dem Planeten Caprica hat Daniel Graystone durch seine Erfindungen im Bereich der Technologie ein Vermögen geschaffen. Er hat sich auf künstliche Realität und intelligente Computer spezialisiert. Als seine hochbegabte Tochter Zoe bei einem Terroranschlag ums Leben kommt, bricht für ihn eine Welt zusammen.
Langsam realisiert er, dass Zoe nicht nur selbst mit den angeblichen Terroristen -- Anhängern eines monotheistischen Glaubens -- involviert war, sondern auch, dass Zoe es geschafft hatte, eine digitale Kopie von sich zu erstellen.
Die künstliche Realität wird zur zweiten Ebene der Serie in der sich eigene Geschichten abspielen und gleichzeitig zur großen Metapher für die Dinge an die wir Menschen verlieren. Es geht um Familie und Beziehungen, um Herkunft und Glauben und vor allen Dingen darum wie weit wir gehen würden um die, die wir verloren haben zurück zu holen.
Dafür braucht die Serie ein bisschen Aufwärmzeit, aber schon nach wenigen Folgen verwandeln sich die vielen kleinen Dramen in eine Geschichte, die zielsicher auf den Abgrund durch technische Revolutionen zusteuert.

Runner-up: Treme

Es gibt Serienprojekte, die brauchen keine Piloten, noch nicht mal ein Skript, um die Menschheit in Aufruhr zu versetzen. Sie funktionieren über ein paar Namen und Stichworte. In diesem Fall: David Shore, der Maestro von the Wire als Autor, eine Besetzung bei der man mit der Zunge schnalzt, HBO als ausführendes Network, das eine lange Geschichte in Sachen erfolgreiche Highclass-Serien hat und einen Schauplatz der ohnehin all die Skylines und Highways der anderen Serien in den Schatten stellt.
New Orleans.
Das Jahr nach Kathrina. Die Menschen. Das Chaos. Die Musik.
Oh ja, die Musik. Herr im Himmel, die Musik. Ohne sie wäre New Orleans nie wieder aufgestanden. Und so ist Treme keine Geschichte über eine Katastrophe, oder eines Charakters, Treme ist ein Portrait. Das Portrait einer Stadt und seiner Wiederauferstehung. Begleitet von Musik und vorangetrieben durch ihre Bewohner, die ihr Herz an diese Stadt verloren haben. Wer Treme sieht hat sehr schnell einen Eindruck: diese Serie muss existieren. Sie muss leben. So wie New Orleans leben muss.

Winner: Community

Machen wir’s kurz: Community ist das lustigste, was mir seit dem frühen Barney Stinson untergekommen ist. Es ist schnell, clever, warmherzig und besteht zu zwei dritteln nur aus Spaß. Der Rest ist Chevy Chase und Joe McHales nacktem Hintern.
Worum geht’s? Anwalt Jeff muss seinen Abschluß im kostenlosen Community-College nachholen, weil seine bisherigen Abschlüße.. nicht unbedingt die nötigen Voraussetzungen für einen Anwalt hatten. Er gerät an eine Gruppe anderer “Looser” und gemeinsam bewältigen sie ihre Zeit am bizarren Green Dayle-College. In dieser “Lerngruppe” finden sich neben Jeff die moralische Mittzwanzigerin Britta, die sensible Streberin Annie, die geschiedene Mutter Shirley sowie der politisch unkorrekte ältere Herr Pierce (Chevy freakin’ Chase!). Außerdem sind da noch Troy und Abed. Troy war mal Footballer und hat darüber die Schule vergessen. Und Abed.. tja, Abed ist der großartigste Popkulturreferenz-Nerd, den es je gab.

Ich könnte jetzt hier was von Figuren und Plot und tatütata erzählen, aber die Wahrheit ist: Das sind einfach ein Haufen Leute sehr, sehr lustig. Wir überprüfen kurz die Humorkompatibilität, okay?

Freunde, lasst Licht in euer Leben, schaut Community!

#30d30s_02 , die mehr Menschen sehen sollten

Präambel: Hinter #30d30s verbirgt sich das hier. Ich konzentriere mich eher auf aktuelle, und hauptsächlich amerikanische Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlimmer ist, bitte hier bei den Filmfreunden über aktuelle Entwicklungen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

honorable mention: Southland

Zugegeben: Wäre da nicht Benjamin McKenzie (Der Ryan aus O.C. California, ihr erinnert euch?) in einer Uniform, ich hätte der Serie nicht unbedingt eine Chance gegeben. Aber ich bin eines besseren belehrt worden. Endlich wieder mal was mit Biss. Natürlich ist das hier nicht the Wire oder the Shield, aber die sehr erdige Cop-Show bietet schon jetzt (nach 2 kurzen Staffeln und Turbulenzen bis hin zum Senderwechsel) sehr glaubwürdige Charaktere und den kleinen Twist, der nur in L.A. authentisch wirken könnte.
Denn der von McKenzie gespielte Nachwuchsbulle Ben kommt aus einer der besseren Gegenden der Stadt. Daddy ist ein großer Anwalt und die Kollegen witzeln, ob der Kleine das schießen wohl im Country-Club gelernt hat. Aber natürlich steckt ein bisschen mehr dahinter, wenn der Junge aus gutem Hause keine Akademiker-Karriere einschlägt.
Daneben glänzen Regina King als alleinerziehende Kommissarin Lydia Adams und Michael Cudlitz als Officer John Cooper, Ben’s Mentor mit dem leicht schizophrenen Privatleben. Der Cast von Southland deckt alle Alters – und Bevölkerungsgruppen ab, die es in L.A. tatsächlich gibt und verdient allein dafür schon Applaus. Genauso divers sind die Fälle die bearbeitet werden. Klar, Banden und Drogen sind dabei, aber eben auch häußliche Gewlt in den Hollywood Hills. Unaufgeregt, kantig und authentisch – alles ohne CSI-Effekte und Geheimagenten!

Runner-up: Being Human

Ich zitiere mich mal ganz kurz selber:

Gehen ein Vampir, ein Geist und ein Werwolf in eine Bar …
Oder wohnen, wie in diesem Fall in einem Haus in Bristol und versuchen mit allen Mitteln möglichst normal unter Menschen zu leben. Ach, geliebte BBC. Wenn du nicht grade wieder mal Big Brother spielst oder der Insel nächstes Talent suchst produzierst du manchmal Seriengold.
Wenn der natürlich attraktive, mysteriöse Vampir Mitchell mit seinem letzten Opfer hadert, Geistermädchen Annie ihrem Verlobten was zu Essen kocht und der neurotische Werwolf George versucht einen passenden Platz zum Umwandeln zu finden, hat das ganze diesen speziellen Charme und abgefahrenen Humor den wir schon an Doctor Who und Torchwood so lieben.
Die drei sind so menschlich wie du und ich, grade weil sie Monster sind. Wie sie versuchen ihre “Monster”-Seite verborgen zu halten, sich als Person davon zu trennen, das sind unsere Kämpfe mit den dunkleren Teilen unserer Persönlichkeit. Und ja, es gibt die größenwahnsinnigen Vampire, das Rätsel um Annies Tod und am Ende einen großen Kampf. Aber dazwischen ist Being Human so clever, tiefsinnig und witzig wie man es sich von vielen Serien nur wünschen kann.

Dem ist gar nicht mehr so viel hinzu zu fügen, außer: Holla, wie sich hier von Staffel zu Staffel gesteigert wird. Anschaubefehl!

Winner: Fringe

Ach Fringe. Du mein neues Lieblings-WTF. Wie konnte ich nur ohne dich? Wie konnte ich ohne den verrücktesten aller Professoren Dr. Walter Bishop? Und natürlich ohne seinen Sohn, den mysteriösen aber dafür entzückenden Peter? Ganz zu schweigen von Olivia Dunham, eine FBI-Agentin gegen die Scully irgendwie verweichlicht wirkt? Und Asterix Astrid! Jetzt, wo es auch noch eure Counterparts aus dem Paralleluniversum gibt, wie soll ich mich da wieder einkriegen?
Sie merken: Welcome to Strangistan. Ist halt ein J.J. Abrams Werk. Also von dem Typ, dessen Hirn bis dato schon Alias und LOST ausgespuckt hatte. Großer, übergreifender Verschwörungsplot, here we go.
Fringe ist ein bisschen Akte X auf Crack. Ohne Aliens, aber mit viel bedrohlicher Wissenschaft. Nur, dass sich die Charaktere hier auch mal bewusst sein dürfen, wie bizarr und lächerlich ihre Situation grade ist. In diesen Momenten ist Fringe unfaßbar lässig. In den anderen Momenten reichlich mindfuck. Und in seinen besten Augenblicken ein unglaubliches Drama rund um den Vater Walter Bishop und dessen komplizierter Beziehung zu seinem Sohn Peter. Diese Beziehung bildet gleichzeitig die Grundlage für die grandiose übergreifende Story von den zwei Universen, die sich fast bis aufs Haar gleichen. Aber eben nur fast.
So ist Fringe irgendwie alles, was ein Nerd sich wünschen könnte. Eine große Geschichte mit haarsträubender Wisschenschaft, voller interessanter Charaktere , die noch dazu mit wirklich herausragenden Schauspielern besetzt sind. (Gebt John Noble einen verdammten Emmy, ihr Ignoranten!)
Ich könnte jetzt ausholen und über Verstrickungen und Referenzen reden, über großartige Cameos und davor warnen, wie schnell man sich in Peter Bishop (Joshua Jackson aka Pacey..!) verlieben kann, aber würdet ihr das bitte selber überprüfen?

#30d30s_01 … die nie hätte abgesetzt werden dürfen

Präambel: Hinter #30d30s verbirgt sich das hier. Ich konzentriere mich eher auf aktuelle, und hauptsächlich amerikanische Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlimmer ist, bitte hier bei den Filmfreunden über aktuelle Entwicklungen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Ich kann mich nur schwer bei solchen Dingen entscheiden, darum habe ich das für mich erweitert. Für jede Kategorie gibt es daher in guter Award-Tradition einen winner, einmal runner-up und ein honorable mention.

honorable mention: KINGS

David und die Königsfamilie

Kings war wohl einfach zu groß, zu episch für einen Sender wie NBC. Nicht weniger als die Geschichte Davids aus der Bibel wurde hier in ein alternatives Universum versetzt. Eine Stadt die nach dem Krieg neu erbaut und von der Königsfamilie beherrscht wird – mit allem was unser modernes Leben kennt. Ein Junge, der als Soldat mit halsbrecherischen Aktionen den Prinzen rettet und in die Gunst des Königs gerät. Obwohl der bald schon ahnt, dass dieser Goldjunge sein Ende bedeuten könnte.

Der hoch klassige Cast, die Ausstattung und das langsame heranziehen der großen Storyline hätten HBO oder AMC gut zu Gesicht gestanden, bei NBC bekam die brillant gespielte Serie nur eine kurze Staffel und endete leider mitten im ersten ganz großen Konflikt. Kings hatte Potential für eine Saga wie Deadwood oder die Sopranos, zuviel Potential für einen Sender, der sich keine Experimente mehr erlauben will.

Runner-up: Life

Charlie Crews, Obstesser

Meet: Charlie Crews. Detective, Obstliebhaber, ZEN-Anhänger, Multimillionär. All das ist er, weil er als junger Polizist für den Tod an seinem Freund und dessen Frau verurteilt wurde, lebenslänglich. Nach 12 Jahren stellt sich seine Unschuld heraus. Er bekommt seine Marke zurück und verdammt viel Schmerzensgeld. Aber er geht zurück in den Dienst, schließlich muss er wissen wer ihm das ganze damals unter geschoben hat.

Und ja, ich weiß, das klingt wie ein verdammt einfallsloser Plot für einen Action-Rache-Streifen mit Stallone oder so. ABER. Charlie Crews ist anders.
Da ist das Geld, das er fröhlich in Autos, eine Villa und eine Orangenplantage investiert (Der Mann hatte 12 Jahre kein frisches Obst, sie verstehen). Da sind die ZEN – Gebote und Buddha-Zitate mit denen er durch den Tag kommt. Charlie Crews ist der fröhlichste Cop der in einem Procedural der letzten Jahre losgelassen wurde. Und dazu hat er eine interessante, clevere Hintergrundgeschichte. Auch seine Fälle sind nicht immer das, was sie scheinen.
Genau das hat der Serie wohl das Genick gebrochen. Nicht so düster wie Law&Order, nicht so High-Tech wie CSI aber nicht neurotisch genug für Monk. Schwer einzuordnen. Aber so, so liebenswert. Grade auch Nebenfiguren (unbestechliches Qualitätsmerkmal: eine Serie, in der Christina Hendricks auftaucht ist gut. More on that later.) Außerdem hat Crews ausgerechnet die Jahre 95 bis 2007 nicht mitbekommen. Google? Handys? WAS??

In LIFE gibt es keine Kallauer-Dialoge, sondern die Story schafft komische Situationen. Und wenn in der zweiten Staffel langsam klar wird, wie umfassend und verwoben die Geschichte um Charlies Fall ist, hält man vor Spannung schon mal den Atem an.
Gottseidank kann man auch wieder ausatmen, den mit einem kleinen Geniestreich am Ende der zweiten Staffeln endete Life viel zu früh. Hi there NBC, again.

Winner: Firefly

Sollte ich eines Tages zu viel Geld und Zeit kommen werde ich Joss Whedon anrufen und ihm sagen er soll den großen roten Knopf drücken, die Serenity startklar machen.

Was Firefly ist? In a nutshell: Unsere Erde ist Geschichte und die Menschheit hat sich über Universen verteilt. Unabhängig von der herrschenden Allianz fliegen Captain Mal und seine Crew mit der Serenity durch’s Verse und transportieren wofür auch immer sie bezahlt werden. Legal ist da ein variabler Begriff, schließlich herrschen auf den Planeten Zustände früher Besiedelung. Neben der Crew mit Kämpferin Zoe, deren Ehemann und Pilot Wash sowie Mann für alle Fälle Jayne und der Maschinenzauberin Kaylee nehmen sie im Laufe der Reise den Priester Book sowie den Arzt Simon Tam und dessen Schwester River auf. Simon hat Tam aus einer … Institution der Allianz entführt.
Ergo: Sie sind auf der Flucht. Und sie sind Rebellen. Yehaaa!

die Crew


Fangen wir mal so an: eine Serie die 2002 – 2003 nur eine halbe Staffel und später einen Kinofilm hatte, aber bis heute fanatische Anhänger hat – was um Himmelswillen hat es damit auf sich?
Nun, es gibt da ein paar Faktoren. Nummer 1: Joss Whedon. Der hatte mit Buffy und Angel bewiesen, dass er was von Ensembles, Dialogen und Charaktertiefe versteht aber gleichzeitig Stories von grenzenloser Fantasie konstruieren kann. Auf die Art schafft man sich Fans. Ach was sag ich, kultische Anhänger. Die jedes folgende Projekt sowieso unterstützen würden. Weil die meisten Nerds sind und wissen, dass es bei Genreproduktionen oft knapp wird. (Übersetzung: der Name Joss Whedon wird im Laufe dieser kleinen Serie das ein oder andere mal noch ziemlich oft Erwähnung finden.)
Speaking of Genre: Western. Sci-Fi. Abenteuer. Verschwörungstheorien und neue Welten. Alles in einer Show. Oh, und Herz. Und Witz. Davon schäumte diese Show quasi über.
Ich könnte an dieser Stelle komplette Dialoge zitieren oder lang und breit von den großartigen Beziehungsgeflechten reden, aber es wird der Vielschichtigkeit des Ganzen nicht wirklich gerecht.

Was ich sagen will: Firefly wächst ans Herz. Es nistet sich ein und lässt nie wieder los. (Fragen sie mal Nathan Fillion aka Captain Mal.)
Und wer einmal ein Browncoat ist, wird dieser Show für alle Zeit nachtrauern.

P.S. Christina Hendricks mit ohne Klamotten und Mark Sheppard spricht dreckiges Irisch!

come on baby, stop your crying

Und dann windet man sich ein paar Tage im Vakuum, wird immer unbeweglicher. Da greift etwas aus dem Kosmos und schlägt einem das Brett vom Kopf. Daraufhin tut sich zuerst ein Ziel, eine Motivation, ein Platz für das noch so ungeplante Leben auf.

Dann kommen Mails, die ein Versprechen von fremden Ländern und einfachen Lösungen für Wahlpflichtfächerproblemen mit sich tragen. Oder Wege aufzeigen, dass nichtmal jemand mit so undefiniertem Fähigkeitsangebot hier und da etwas tun kann. Dafür sogar bezahlt wird.

Sag mal Universum, macht dir das eigentlich Spaß?