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… vom Donnerhall fast taub

January 12, 2013 Allgemein ,

…but I wouldn’t call myself a feminist

Oh FUCK YOU.

Das ist genau das Prob­lem. Ihr seid zwar für Gle­ich­berech­ti­gung, wollt aber nicht mit dem iden­ti­fiziert wer­den, was euren ver­al­teten Vorstel­lun­gen nach für Fem­i­nis­mus steht?
Grat­u­la­tion. Ihr seid das Prob­lem des Fem­i­nis­mus 2013.

Ich habe es so satt, dass erwach­sene, geschätzte und kluge Men­schen so tun als gäbe es da einen Unter­schied. Sie begeben sich damit auf das absurde Niveau von Leuen wie der weizen­blonden Country-Göre Tay­lor Swift. Ach, ihr glaubt es ist eine Ide­olo­gie? Ihr empfindet die Bewe­gung als zu Radikal? Hört auf zu heulen.
Na dann wollen wir gle­ich mal 12 Punkte von der IQ-Schätzung abziehen. Das ist es näm­lich nicht. Fem­i­nis­mus ist eine Hal­tung — nicht mehr und nicht weniger. Ich hadere momen­tan extrem mit der Poli­tik. Mit den Poli­tik­ern, den Parteien, dem Sys­tem. Höre ich darum auf eine überzeugte Demokratin zu sein? Natür­lich nicht. Das Prinzip hin­ter Fem­i­nis­mus ist das Gle­iche. Es gibt ver­schiedene Strö­mungen und Bewe­gun­gen. Und ich gebe sofort zu, dass ger­ade die lauten Stim­men dazu, momen­tan arg anstren­gend und oft­mals abschreck­end wirken. Aber darum seid ihr trotz­dem Fem­i­nis­ten und Fem­i­nistin­nen.

Fem­i­nis­mus ist sowohl ein intellek­tuelles Beken­nt­nis als auch eine poli­tis­che Bewe­gung und tritt für Gle­ich­berech­ti­gung, Men­schen­würde und Selb­st­bes­tim­mung von Frauen ein sowie das Ende aller For­men von Sex­is­mus. Der Begriff beze­ich­net het­ero­gene Denkan­sätze und The­o­rien, deren gemein­samer Aus­gangspunkt das Auf­begehren gegen die Iden­ti­fizierung von Frauen als einer Män­nern nach­ge­ord­neten Gruppe ist. Ziel ist die Verän­derung der Lebenssi­t­u­a­tion von Frauen als auch der Struk­turen, die eine Nachrangigkeit von Frauen her­vor­brin­gen. Fem­i­nis­mus grenzt sich von Gle­ich­stel­lungspoli­tik durch die Vorstel­lung ab, dass die geschlechterg­erechte Teil­habe an der gesellschaftlichen Gestal­tung nicht ohne eine Verän­derung der Machtver­hält­nisse zu real­isieren sei. (Wikipedia)

Es ist, um es kurz auf den Punkt zu brin­gen: Human­is­mus. Wer es von sich weißt Feminist/in zu sein, sollte sich sehr gut überlegen bevor er oder sie “Diskri­m­inierung!” brüllt.
Ich weiß, das hat viel mit den Gen­er­a­tio­nen vor uns zu tun. Mit euren Alb­träu­men von lila Latzho­sen und Män­ner­hass. Und diesem alten Feind­bild überlasst ihr jetzt das Feld. Den Begriff, die Diskus­sion, die Hal­tung. Ganz schön schwach. Die Grü­nen kann man wählen — die haben sich ja weiter entwick­elt. Google — vielle­icht doch ein biss­chen evil. Dinge bewe­gen sich, Bewe­gun­gen verän­dern sich.
Bloß hier machen es sich so viele sehr ein­fach. Reden in spöt­tis­chem Ton über Gen­derd­ings, weil es in ihren Augen das alles nicht mehr braucht. Borniertheit war sel­ten so offen­sichtlich.
Ich fange an den Respekt vor Men­schen zu ver­lieren, die glauben es wäre cool oder entspannt zu behaupten man wäre eben kein Fem­i­nist oder Fem­i­nistin. Weil, die sind ja alle schrill und radikal und unsexy und überhaupt.
Jessasmaria.

Merkt ihr was? Merkt ihr, wie ihr mit diesem Bild nicht nur einen Stereo­typ am Leben erhal­tet, son­dern dabei noch ganz läs­sig gle­ich eine Gruppe von Men­schen her­ab­setzt? Während­dessen klatschen die hys­ter­ischen Maskulin­is­ten in die Hände und schreiben Essays darüber, wie wir alle ver­loren sind, weil Män­ner nicht mehr das Ruder führen. Und die Jungs so sehr die Ori­en­tierung ver­lieren, dass sie entweder Amok-laufen oder verge­walti­gen.
Diese halb­sei­dene Hal­tung zur Gle­ich­berech­ti­gung ist der Nährbo­den gesellschaftlich akzep­tierten Sex­is­mus (Alther­ren­hu­mor, Gren­züber­schre­itung, etc.) und, iro­nis­cher­weise, der Katalysator radikaler Feminismus-Strömungen. Der Satz “…aber ich bin kein/e Feminist/in” wird zur selb­ster­fül­len­den Prophezeiung. Mit Ver­laub: IHR VOLLDEPPEN.

Ihr seid doch alle nicht so doof, oder? Was ist denn so schwer daran den Begriff von der Bewe­gung zu unter­schei­den? Nie­mand zwingt euch auf Demos zu gehen oder tief in die Materie einzusteigen — es langt völ­lig sich nicht sex­is­tisch zu ver­hal­ten und sex­is­tis­che Muster nicht zu unter­stützen. Und das tut ihr doch ange­blich eh alle, so cool und aufgek­lärt und dabei total post­fem­i­nis­tisch wie ihr seid.

Es tut mir leid euch diese schreck­liche Wahrheit zu sagen, aber: Höchst­wahrschein­lich seid ihr Fem­i­nis­ten. Alle. Die andere Seite dieser Medaille ist näm­lich die hin­der­liche. Oder ist euch das Label Sex­ist lieber?
Eben.

Also bitte. Entstaubt bitte eure Def­i­n­i­tio­nen, hört mir auf mit Alice Schwarzer und gebt mir nicht mehr so viele Gele­gen­heiten wütend zu wer­den. Mein Fem­i­nis­mus muss nicht eurer sein. Nicht der von Frau Schwarzer oder sonst­wem. Baut euch eine eigene Def­i­n­i­tion. Egal. Wenig­stens denkt ihr mal darüber nach.

P.S.

Unfor­tu­nately the ques­tion appears now to not only be “are you a fem­i­nist” but more “are you a fem­i­nist like me?” But, I ask, do the minor details really mat­ter that much? When ask­ing on Twit­ter “what does fem­i­nism mean to you?” every sin­gle reply I received was unique. Maybe we don’t need one com­plete def­i­n­i­tion; if we have the fun­da­men­tal under­stand­ing then we’re all on one team, right?. More­over, some replies men­tioned bad expe­ri­ences what other peo­ple thought of them. Cul­ture edi­tor Vic­to­ria Finan said: “fem­i­nism is the right to define one’s gen­der one­self and to expect equal­ity, if you ask me any­way. I once got told I wasn’t a fem­i­nist, as I don’t believe in rais­ing gender-neutral chil­dren. It really upset me.” (Is it OK that our def­i­n­i­tions of fem­i­nism aren’t 100% the same?)

  • Mar­cus

    Hm, I see. Danke für die aus­führliche “Dar­legung”. Meiner Wahrnehmung nach triffst Du die Prob­lematik ziem­lich auf den Kopf. Die unre­flek­tierte Ablehnung des Ismus resul­tiert zumeist aus spon­taner Abwehrhal­tung gegenüber den exponierten “Fem­i­nistin­nen”, die Allein­vertre­tungsansprüche und Unfehlbarkeits­dog­men im Gepäck haben.

    Die Män­ner in meinem beru­flichen wie pri­vaten Umfeld mögen ihren eige­nen kleinen fem­i­nis­tis­chen Wertekanon ganz selb­stver­ständlich mit sich herum­tra­gen, schrecken aber zuver­läs­sig davor zurück, sich in die Pha­lanx der stal­in­is­tis­chen Spielart einzurei­hen. Nur weil man in einer Beziehung die Rollen und Auf­gaben gle­ich­berechtigt verteilt und wahr nimmt, will man(n) noch lange nix mit diesen Krawallschachteln zu tun haben, iden­ti­fiziert werden

    Mir gefällt der Ansatz, dass es eben nicht auf all­ge­me­ingültige Def­i­n­i­tio­nen ankommt. Like it or not — man(n) kann sehr wohl der Auf­fas­sung sein, dass Frauen ver­dammt­nochmal keine schlechteren oder besseren Men­schen als Män­ner sind — und ander­er­seits in seinem Welt­bild trotz­dem das Ideal der Frau am Herd nebst Kinder­be­treu­ung kul­tivieren. Und das ist sogar kon­sis­tent, wenn es Aus­fluss einer gle­ich­berechtigten Wahlhand­lung ist. Mir geht es unbeschreib­lich auf die Ner­ven, wenn Män­ner in ihrer Per­sön­lichkeitsstruk­tur auf ihre evo­lu­tionär bed­ingten Reizschemata reduziert und dafür ange­grif­fen wer­den. Es ist sehr wohl plau­si­bel, Frauen ein­er­seits fair und mit Respekt zu behan­deln — und ander­er­seits sich mit seiner männlichen “peer group” klis­chee­haft über Frauenkör­per sowie deren Bek­lei­dung und Ver­hal­ten zu fan­tasieren. Zwei Seiten — eine Münze.

    • PatschBella

      Jetzt hab ich dem Kom­men­tar die ganze Zeit applaudiert — bis zum vor­let­zten Satz. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass du (Sie? Ach du liebe Zeit, darüber musste ich mir hier noch nie Gedanken machen) damit einen inter­nen, geschlosse­nen Aus­tausch dieser Fan­tasien meinst. Nur, damit ist die erste Bar­riere gebrochen. Der näch­ste Schritt ist diese Dinge offen zu führen. Im Sinne von reduzieren­der Objek­ti­fizierung oder Body Sham­ing — ger­ade im Internet.

      Der Seil­tanz, wann man sagen darf, dass jemand attraktiv/unattraktiv ist, gehört zu den schwierig­sten Din­gen die wir heute navigieren. Darum stehe ich auf der Seite derer, die diese Dinge gerne ein biss­chen eindäm­men wür­den. Vor allem auf der neg­a­tiven Seite.

      Was aber die freie Entschei­dung, auch zu tra­di­tionellen Lebensen­twür­fen angeht, ja genau, auch das ist Fem­i­nis­mus. Diese Entschei­dung muss schließlich jeder/jede für sich abwägen.

  • http://twitter.com/e13Kiki Kiki

    Jein. Natür­lich bin ich Fem­i­nistin in dem Sinne, daß ich für die Rechte der Frauen ein­stehe und mich gegen echten Sex­is­mus zur Wehr setze. Echten, wohlge­merkt, keinen gefühlten von der Sorte „reich mir mal die Salzstreuerin“. Bei mir ist es in der Tat so, daß ich diese Uni-Schwafelantinnen à la Mäd­chen­mannschaft & Co. mit ihren Allein­vertre­tungsansprüchen so der­maßen zum kotzen finde, daß ich mit dem Essen gar nicht hin­ter­herkomme. Mir von diesen blö­den Schnepfen ern­sthaft sagen lassen zu müssen, wie oder was ich zu tun und zu denken habe, wie ich mich zu ver­hal­ten habe um in ihren winzi­gen Wertekanon zu passen, das ist unerträglich und ich lehne das vol­lum­fänglich ab. Die reis­sen mit dem Arsch ein, was Alice Schwarzer ein Leben lang aufge­baut hat (egal, ob sie jetzt in den let­zten Jahren langsam durchk­nallt oder nicht). Und da diese Dep­pin­nen aktuell für den Fem­i­nis­mus ste­hen, und so lange die das Wort führen und das ganze Thema in die Lächer­lichkeit ziehen (wie zuletzt beim CCC mit ihren öden Karten) dis­tanziere ich mich von dem Begriff. Mit solchen Irren will ich nicht assozi­iert wer­den, wenn ich sage: ich bin eine Frau. Ich kämpfe für meine Rechte und mache mich ger­ade für die Rechte aller Frauen, die diskri­m­iniert und behin­dert werden.

    • PatschBella

      Das ist meinem Empfinden nach genau das Prob­lem. Wir überlassen den Radikalen die Begriffs­de­f­i­n­i­tion. Und tat­säch­lich stehe ich dem Ver­hal­ten der Nadine Lantzsch (sp?) dieser Welt biss­chen sprach­los gegenüber. Ich will aber nicht, dass sie das so beset­zen. Die einzige Gegen­maß­nahme ist meines Eracht­ens trotzig eben 1. zu sagen “ich bin eine Frau. Ich kämpfe für meine Rechte und mache mich ger­ade für die Rechte aller Frauen, die diskri­m­iniert und behin­dert wer­den.” und 2. Damit bin ich Fem­i­nistin. Das kann man Seman­tik nen­nen, ich finde es wichtig.

      • Kiki Thaeri­gen

        Ich nenne mich gar nicht. Ich bin. Wie andere das nen­nen, geht mir sonstwo vor­bei, solange sie mir das nicht aufzwän­gen wollen.

      • http://natalie.springhart.de/ Natol­lie

        Ich seh so gar nicht ein, warum man den Schubladen­denkerin­nen und –ein­sortiererin­nen den Begriff “Fem­i­nis­mus” überlassen sollte. Nix da. Reclaim it.

        Aber das ist ja nur der eine Aspekt — der andere ist die Prob­lematik des Denkens im Stil von “Ja, klar bin ich dage­gen. Aber bitte ohne Label und Engage­ment, wir sind schließlich alle Indi­viduen, ich lasse mich nicht kat­e­gorisieren!”. Jeder will eine total einzi­gar­tige Schneeflocke sein und auch so behan­delt wer­den, aber gefäl­ligst ohne die Prob­leme und Stig­ma­tisierung, die Ander­s­sein in unserer Gesellschaft her­vor­ruft. Da fehlt dann der Mut, aufzuste­hen und zu sagen: “Ja, ver­dammt! Den Schuh zieh ich mir an! Ob euch das passt oder nicht!”

        Für mich ist mit das größte Prob­lem an eini­gen derzeit­i­gen Fem­i­nis­musströ­mungen übrigens auch, dass man zwar für die Rechte der Frau ist, aber bitte nur so, wie man sich sel­ber die per­fekte Frau vorstellt. Das ist dünkel­haft und oft­mals genau so diskri­m­inierend wie die Unter­drück­ung, die kri­tisiert wird. “Kommt, ihr armen Frauen! Ich will euch zeigen, wie ihr zu leben habt!” Nee, da mach ich nicht mit. Inklu­siv­ität, Inter­sek­tion­al­ität, indi­vidu­elle Lebenswege, das gehört doch alles mit dazu. Das MUSS doch dazu gehören. Genau wie in meinem konkreten Fall jetzt ger­ade, um der Allit­er­a­tion den Rest zu geben: Indieküchege­hen. Haus­frau und Mut­ter sein. Und trotz­dem, vielle­icht sogar ger­ade deswe­gen, Feministin.

    • aynur

      kleine Besser­wis­serei am Rande: an der Creeper-Card-Aktion auf dem CCC war die Mäd­chen­mannschaft überhaupt nicht beteiligt.

      Abge­se­hen davon habe ich den Ein­druck, daß Nadine Lantzsch und Alice Schwarzer Buh­män­nin­nen des Fem­i­nis­mus darstellen, also eine Recht­fer­ti­gung dafür, Fem­i­nis­mus von vorn­herein scheiße finden zu dür­fen, ohne je irgen­dein Argu­ment geprüft zu haben, um es dann, meinetwe­gen, zu kri­tisieren oder abzulehnen.

      • Kiki Thaeri­gen

        Ich schrob ja auch „à la Mäd­chen­mannschaft & Co.“ Die ste­hen da nur exem­plar­isch für all jene, die kein einziges Argu­ment gel­ten lassen, das nicht in ihre verquas­ten Sch­ablo­nen passt und beispiel­sweise mit ihren RTFM Attitü­den jede_n abwatschen, die bzw. der nicht über ihr ange­le­senes bzw. anstudiertes „Wis­sen“ ver­fü­gen oder gar zu wider­sprechen wagen.

  • aynur

    Das Label ‘Sex­ist’ wäre mir lieber. Ich lasse mich lieber beschimpfen als daß ich eris­tis­che Gemein­heiten einer fem­i­nis­tis­chen Grup­pen­sol­i­dar­ität zuliebe durchge­hen ließe. Für Gle­ich­berech­ti­gung ist heute näm­lich jeder. Sogar Maskulis­ten sind für Gle­ich­berech­ti­gung. …behaupten sie jeden­falls. Die sind sogar für wahre Gle­ich­berech­ti­gung, denn das, was Fem­i­nis­ten unter Gle­ich­berech­ti­gung ver­ste­hen, sei ihnen zu folge überhaupt keine. Um für Gle­ich­berech­ti­gung zu sein, muß man also kein Fem­i­nist sein, man kann auch Antifem­i­nist sein. Solange “Gle­ich­berech­ti­gung” so ein dif­fuses Konzept der poli­tis­chen Sprache ist wie “Frei­heit”, “Gerechtigkeit”, “Frieden”, “Selb­st­bes­tim­mung”, kann sich jeder aus­suchen, was er darunter ver­steht. Erst, wenn das gek­lärt ist, kann man beurteilen, ob man sich einer poli­tis­chen Gruppe näh­ern möchte, die sich “die Fem­i­nis­ten” nennt. Selbst wenn es so sein sollte, muß man sich deswe­gen nicht als “Fem­i­nist” labeln. Das sollte man erst dann tun, wenn man auch mit den schein­bar nachrangi­gen Aspek­ten des Fem­i­nis­mus ein­ver­standen ist, also Post­struk­tu­ral­ist ist, ein Feind der deutschen Sprache sowie von Wis­senschaft und Recht­staatlichkeit ist, etc.

    Nein, ein Feind der deutschen Sprache bist Du nicht. Du bist aber auch nicht das, was ich mir unter einer Fem­i­nistin vorstelle.

    • PatschBella

      Du bist aber auch nicht das, was ich mir unter einer Fem­i­nistin vorstelle.” QUOD ERAT DEMONSTRANDUM würd ich sagen.

      Zum Rest mag ich mich eh nicht äußern, das ist alles zu offensichtlich.

    • georgi

      So offen­sichtlich scheint es wohl doch nicht zu sein. Wir Zonis nen­nen das den “Bist Du für den Frieden?”-Trick. Politkom­mis­are in der DDR forderten mit dieser rhetorischen Frage die Gefol­gschaft ein. Wer nicht für die Sache des Sozial­is­mus stre­ite, der müsse für Krieg sein, so hieß es. Die Kri­tik der maulen­den DDR-Bürger wird damit von vorn­herein für ungütig erk­lärt, ohne sie je geprüft zu haben, weil Men­schen, die für Krieg sind, sich ja selbst aus der Men­schheit aus­geschlossen haben. Das zeugt nicht von Hal­tung. Von Hal­tung würde es dage­gen zeu­gen, wenn man seine Ansprüche ohne Rück­sicht auf die Reak­tion irgendwelcher Antifem­i­nis­ten vorträgt.

      Fem­i­nis­mus kann man nicht mit dem poli­tis­chen Sys­tem der DDR gle­ich­set­zen, weil es ja nie­man­den gibt, der die Rich­tung vorgibt. Aber zu behaupten, man müsse sich Fem­i­nist nen­nen, wenn man für Gle­ich­berech­ti­gung sei, kommt dem recht nahe, auch wenn vernün­ftige Men­schen natür­lich für Gle­ich­berech­ti­gung ein­treten, und über Fem­i­nis­mus dif­feren­ziert urteilen.

      • PatschBella

        Und jetzt lesen wir alle nochmal ein biss­chen aufmerk­samer meinen Text, wo ich genau darauf hin­weise, dass Fem­i­nis­mus keine reine poli­tis­che Bewe­gung ist — und alle, die Fem­i­nis­mus nur dafür hal­ten ziem­lich kurzsichtig sind. /seufzend ab.

  • kalt­mam­sell

    If you are not a fem­i­nist (or some­thing blame­lessly igno­rant, like a baby or a fer­ret or a col­lege fresh­man), then you are a bad per­son. Those are the only options. You either believe that women are peo­ple, or you don’t. ” http://​jezebel​.com/​5​9​3​0​6​6​3​/​w​h​a​t​-​n​o​-​o​n​e​-​e​l​s​e​-​w​i​l​l​-​t​e​l​l​-​y​o​u​-​a​b​o​u​t​-​f​e​m​inism

    Danke für den Wutaus­bruch.
    Ich hake der Aus­sage “Ich bin ja keine Fem­i­nistin, aber …” immer nach: “Warum?” (Genau: Wir Fem­i­nistin­nen kön­nen näm­lich ziem­lich nervig sein.) Erstaunlich oft höre ich dann: “Weil, ich bin gerne eine Frau.” WTF? Daran denke ich seit Monaten herum.

    • aynur

      Ach, liebe kalt­mam­sell, Eva Her­man hält Frauen doch auch für Men­schen. “Irgend­wie für Gle­ich­berech­ti­gung zu sein” ist doch keine Hal­tung. Oder jezebel möchte ihren eige­nen Stand­punkt der Welt aufnöti­gen. Sich davon beein­drucken zu lassen, wäre dann auch keine Hal­tung. Und wenn hoch­priv­i­legierte Akademik­erin­nen ihre Umwelt mit ihrer phar­isäis­chen Moral­isier­erei, ihrem schw­erver­ständlichen Unfug ner­ven, etwa in dem sie Ini­tia­tiven, die Roma & Sinti und Migranten unter­stützen, des Ras­sis­mus bezichti­gen, dann zeugt das von einer falschen Haltung.

  • fan­tas­tich

    Danke für diesen Text!