Patsch / Bella / Blog

… vom Donnerhall fast taub

December 30, 2012 Allgemein ,

obligatorischer Jahresendeintrag

Willkommensgruß vor einer Münchner Wohnungstür. Wo sonst.

Willkom­mensgruß vor einer Münch­ner Woh­nungstür. Wo sonst.

In der Pubertät sagt man, rennt die kör­per­liche Entwick­lung dem Kopf voraus, der noch damit beschäftigt ist den vorderen Hirn­lap­pen fer­tig auszu­bilden. Ich glaube 2012 war das erste Jahr, indem der Kopf wieder den Anschluss gefun­den, vielle­icht sogar die Pro­jek­tleitung übernom­men hat.

Das hängt auch damit zusam­men, dass ich als gel­ernte Sozial­pho­bik­erin das kom­plette Inter­net zu meiner Ther­a­piegruppe gemacht habe. Sehr schön geholfen hat das an meinem Geburt­stag. (Eigentlich kön­nen sie hier aufhören zu lesen und ein­fach nochmal die Kom­mentare studieren, sehr viel klüger wird es in diesem Blog nicht mehr.) Überhaupt war dieses Inter­net, waren diese Men­schen sehr gut zu mir.

Das hilft, wenn das Leben komis­che Wellen­be­we­gun­gen macht und man sich weniger als Kapitän son­dern mehr wie Strandgut vorkommt. Für mich per­sön­lich hat 2012 ganz am Ende die Kurve gekriegt. Things are look­ing up. Und mein Thema, meine Sache hab ich auch gefun­den. Social Media ist weniger gewor­den, mein Facebook-Account liegt im Wachkoma, Pin­ter­est und Gomiso wur­den gekickt, mein Heimath­afen ist Twit­ter und dieses kleinge Dings hier. Näch­stes Jahr mit mehr Bildern und mehr Ein­trä­gen — jetzt, wo ich tat­säch­lich Leser habe, so im mess­baren Bereich.

Und sonst so, 2012? Naja. Da ist Steigerungspo­ten­tial.
2013? Was will ich eigentlich von 2013?
three crosses

Viele viele Jahre wollte ich so wer­den wie die anderen, die coolen Kids. Regelmäßige soziale Kon­takte, regelmäßige Arbeit­szeiten, Geld aus­geben für Tech­nik und Reisen. 2012 hab ich gel­ernt, dass mich das nicht glück­lich macht. Dass ich meine Energie anders ver­wal­ten muss. Der ewige innere Kampf eines Intro­vertieren gegen die Kon­ven­tion eben. Während man darüber im Inter­net sehr gut sprechen kann, sind andere Dinge schwieriger. Ich bin, und das hat was von einem Out­ing, ziem­lich kon­ser­v­a­tiv. Nicht poli­tisch, glaub ich (wobei ich zum jet­zi­gen Zeit­punkt gern überhaupt ungern irgend­wie poli­tisch bin, weil mich dieses Thema so sehr ermüdet wie noch nie.), son­dern so leben­stech­nisch. Das hat viel mit Stadt und Land, mit Tempo und Ver­ständ­nis für Lebensen­twürfe zu tun, die total ana­log und tra­di­tionell ablaufen und Men­schen nicht mehr oder weniger unglück­lich wer­den lassen.

Aber, das würde jetzt zu weit führen. Es geht darum, dass ich mehr als zu irgen­deinem Zeit­punkt weiß welche Fak­toren mich in Entschei­dun­gen bee­in­flussen und woher sie eigentlich stam­men. Darum tue ich neuerd­ings sehr bewusst haupt­säch­lich Dinge, die mir Spaß machen. Nicht, die ich machten sollte, um nor­mal zu wirken. Das alles hat damit ange­fan­gen, dass ich wieder lese. Und dann haben andere auch darüber geschrieben und ich habe ange­fan­gen Ver­hal­tensweisen auszu­sortieren von denen ich dachte, dass ich sie zu haben hätte. So als aufgek­lärte, fem­i­nis­tis­che junge Frau.

Mei schaun’s, jetzt bin i ins Ratschn kema, I wuid doch über 2013 schreym.
Kramerladen Wasserburg
Zum Beispiel was dieses kleine Blogdings angeht. Zu meiner Überraschung gibt es eine gewisse Nis­che was die Beschrei­bung süd­deutscher Eigen­heiten angeht, die nicht von Leuten stam­men die sich neben­her selbst auf die Schul­ter klopfen weil sie das alles hin­ter sich gelassen haben. Ich bin zwar in keinem Verein und mein Dirndl­drahn lässt zu wün­schen über, aber ich war eben bis dato nur auf Hochzeiten mit >200 Gästen und Zucht­tieren als Geschenken und ich stehe Aller­heili­gen noch am Grab und kenne die Mark­t­frau, von der ich meine Lieblings­marme­lade (Melone-Birne!) bekomme und ich mag das. Das ist wohl dieses kon­ser­v­a­tiv, von dem ich sprach.
Und ich bin auch immer wieder fasziniert von der Tol­er­anz die eben doch herrscht. Manch­mal mehr als bei meiner geliebten Peer­group der Online-Sonderlinge. Darum ist mein einziger Vor­satz, wenn man so will, mich wieder mehr damit zu beschäfti­gen. Auf Dinge zu schaun und nicht immer alles so selb­stver­ständlich zu finden. Nein, das wird hier kein Blog durch das bayerisch-katholische-Brauchtumsjahr, aber dem Fakt, dass die Mehrheit der Men­schheit eben nicht in Berlin, Ham­burg, Köln oder München lebt sollte auch online mehr Beach­tung geschenkt wer­den. Außer­dem ist ger­ade hier in Südos­to­ber­bay­ern alles so irrsin­nig pit­toresk und vielle­icht kön­nen wir kitschige Alt­stadt­fas­saden mal als Konkur­renz zu Katzen­bildern testen. (Oder ich fotografiere ein­fach ein paar der umliegen­den Klosterkirchen und lasse mir von Frau Gröner erk­lären, was es damit auf sich hat.)
Ein Epos lebt nicht zuletzt auch von den Details.
(Das Inter­net! Ich meine das GESAMTE INTERNET! Nicht mein kleines Blogdings hier. Also wirklich.)

Tat­säch­lich hoffe ich den Blog regelmäßiger befüllen zu kön­nen, auch wenn das näch­ste Jahr ziem­lich sicher noch voller wird als das let­zte. Und da sind frei­willige soziale Kon­takte noch nicht mit­gezählt. Trotz­dem. Es muss doch geschrieben wer­den. Wer ein­mal damit ange­fan­gen hat, merkt erst wie unauswe­ich­lich diese Dinge sind.
Auch das offline Schreiben darf bitte noch mehr wer­den. Lumpige 40 Seiten aus dem NaNoW­riMo sind nach einer ersten Kor­rek­tur­runde geblieben, aber fer­tig wer­den soll diese Geschichte doch. Muss ja, nee, eben.

Ich merke ger­ade wie typ­isch 2012 dieser Ein­trag hier wird. Unzusam­men­hän­gend, aber gut gemeint. Mir ist auch völ­lig klar, dass aus mir keiner dieser gewitzten Profi­blog­ger mit hüb­schen Bildern und kleinen Anek­doten wird. Manch­mal bin ich sauer und manch­mal hab ich was zu erzählen und oft reg ich mich über frauen­feindlichen Dreck auf — das war es dann auch fast schon. Gut, Fußball. Aber als Bayern-Fan ist man nicht abson­der­lich genug, um im Inter­net als cool zu gelten.

Daran wird sich auch 2013 nichts ändern. Aber wis­sen sie was? Jetzt ist es mir egal. Namen und Beze­ich­nun­gen und Schubladen und Real Life vs Dig­i­tales und die Erwartun­gen und das Het­zen — es kön­nte mir nicht mehr egaler sein. Es gibt keinen Weg, kein Rezept, keine Anleitung zum Glück­lich­sein. Es gibt nur die Akzep­tanz dessen, was jetzt ist und viele kleine Schritte die es besser oder schlechter machen können.

2013 ist mir jetzt schon vol­lkom­men egal. Ich habe die Erwartun­gen nicht bloß weg­geräumt oder in Schubladen ver­steckt, ich habe sie ver­brannt und die Asche wegge­fegt. Dann hab ich die Fen­ster aufgeris­sen und jetzt kann frische Luft herein und wenn sie Überraschun­gen mit­bringt, biet ich denen was zu trinken an. Prost Neujahr!

Lieb­ste Blogleser der Welt: es war mir eine Freude. See you on the other side.

Weihnachtsmarkt Wasserburg 2012