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… vom Donnerhall fast taub

May 3, 2011 Allgemein , ,

vom Schreiben übers Schreiben schreiben.

via habichkom­plettvergessentschuldigung

Dieser Post hat eine lange Entwick­lung hin­ter sich. Erst sollte es um Schreibtech­nik und Aufwand gehen, um die Wirrun­gen des Bloggens. Irgend­wann dann, nat­u­rally, um Schreib­block­aden, ums sich selbst leer-schreiben. Zwis­chen­zeitlich kamen Notizbücher zur Sprache, das Gefühl von Tinte auf Papier und nos­tal­gis­ches Blät­tern in alten Seiten.

Dann kam ich mit jeder Zeile einem Kern näher, einer Erken­nt­nis die mich plagte.

Während meiner Adoleszenz habe ich mit Hilfe von Musik und Hor­mo­nen seit­en­lang schw­ere­los dahin geschrieben. Geschichten. Kom­mentare. Stream of con­scious­ness. Es kam, es flowte ger­adezu dahin. Man wird älter. Die Ansprüche steigen.

Als ich vor fast 10 Jahren anf­ing, ins Inter­net hineinzuschreiben, hatte ich einen kleinen Blog. Ein kaum besuchter Ort im Netz, wo ich die Fre­unde aus Chats und Foren an mir und meiner sich for­menden Depres­sion teil­haben lies. Nur, dass ich damals keinen Namen für diesen Nebel in mir hatte. Dort wur­den auch die kleinen Fehden und großen Fre­und­schaften besiegelt, die uns, als erste Tee­niegen­er­a­tion mit DSL-Zugang prägten. (Foren! Chats!!).
Dafür habe ich mich mit wirren Buch­stabenkom­bi­na­tio­nen von FTP über HTML und CSS zu CMS und PHP beschäftigt. Diese Aben­teuer bee­in­flussten let­z­tendlich meine Stu­di­en­wahl, so wie das Inter­net als ganzes in Zukunft mein Beruf­sleben bee­in­flussen wird.

Nur, über all das bin nicht nur ich, son­dern ist auch mein Schreiben prag­ma­tisch gewor­den. Geord­net. Ein Ein­trag soll bitte ein Thema haben, ein Ziel. Und wenn mir grade nichts ein­fällt, das nicht schon in drölfzig anderen Blogs vorkam, dann lasse ich es.

Das ist irgend­wie schade, glaube ich.

In let­zter Zeit finde ich viele Blogs derer, die jetzt mit Schule, Fre­und­schaften und der Welt kämpfen. Ihre Tum­blrs und Blogs mit Bildern von Mäd­chen­füßen auf Asphalt und Tex­ten über Vergänglichkeit und Gefühle rühren etwas in mir, graben eine alte Sehn­sucht aus.
Ich ertappe mich dabei, wie ich mit wün­sche, das taube Gefühl mancher Tage in einen Text zu klei­den, der nach Regen riecht und zu dem Gitar­ren­zupfen gehört.

Die Frage ist, habe ich tat­säch­lich die Fähigkeit dazu ver­loren oder bin ich so damit beschäftigt auf vie­len Plat­tfor­men zu posten, zu disku­tieren und lustige Videos zu sehen, dass ich nicht mehr die Worte habe, um auch noch aus mir selbst ein Thema zu machen?

Dabei lese ich selbst am lieb­sten Blogs, dir mir Geschichten aus dem Leben eines Men­schen erzählen. Wo jemand auch vor den eige­nen Befind­lichkeiten nicht halt macht, mich mit einer Schwäche kon­fron­tiert.
Mein Auge für Geschichten ist genau deshalb eigentlich so gut wie nie. Wie ein Spürhund sehe in ich meiner Umge­bung, in meinem eige­nen Leben Stoff für eine gute Episode Leben. Und dann… kann ich sie nicht aufschreiben.

Ist das eine Schreib­block­ade? Mit­tler­weile denke ich, es ist eine Grenzblock­ade. Alles was ich an Medien kon­sum­iere, also lese, sehe, höre , teile ich ohne­hin. Auf Twit­ter, Face­book mit den Shared Items des Google Reader. Auf Twit­ter wer­den auch die The­men des Tages durchdek­lin­iert. Was bleibt also? Die kleinen, ganz per­sön­lichen Dinge. Die Fam­i­liengeschichten, die Insid­er­witze und das eigene Gefühl.

Es gibt da wohl etwas in mir, das diese Dinge behal­ten will. Oder zumin­d­est mein Kontin­gent an Geteil­tem ein­schränkt. Ich werde eine innere Inven­tur machen müssen, um wirk­lich her­auszufinden ob das was, oder doch das wie viel entschei­dend dafür ist, was von mir in den Net­zweiten steht. Ein­fach mal eine Diskus­sion sein lassen, einen Artikel allein für mich lesen, ohne gle­ich den Link weit­erzuleiten und am Ende schauen, fühlen, was jetzt noch raus muss.

Also ein biss­chen so tun, als wäre ich grade erst im Inter­net angekommen.

  • http://twitter.com/heinzkamke heinzkamke

    Das ist doch mal ein Anfang. Ein guter, schöner, geteilter.

  • Keks

    Ich kenne das. Sogar sehr gut. In anderer Form auf jeden Fall, denn bei mir hängt es sicher­lich nicht an zu vie­len Kanälen, die ich nutze, son­dern an dem Gefühl, unbe­d­ingt etwas “erwach­senes”, etwas mit Hand und Fuß, etwas per­fek­tes online zu stellen.
    Ich befürchte, wir sind auch ein Stück selb­stkri­tis­cher gewor­den, ein ganzes Stück mehr erwach­sen, nüchterner und auch real­is­tis­cher. Was wir jetzt tun, soll eben nicht nach Tee­niege­habe ausse­hen, son­dern nach einem ordentlichen Stück Lesekultur.

    Manch­mal denke ich, ich sollte mich ein­fach hin­set­zen und anfan­gen. Und dann schaue ich in meinen Kopf und merke, dass ich mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Energie und wohl auch mehr Mut bräuchte, um mich so wie damals in etwas kom­plett versinken zu lassen. Ob das nun eine Geschichte oder die eige­nen Gefühle sind, ist dabei wohl egal.

    Ich hoffe immer noch, dass ich ein­fach nur ein bißchen Zeit brauche. Dass ich in vier oder fünf Jahren wieder wie damals vor einer leeren Seite sitze, um sie ohne groß darüber nachzu­denken in wun­der­volle Worte zu kleiden.

    Ich drücke dir jeden­falls die Dau­men. Und dich gle­ich mit :).

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