Dann doch : Hamburg. Perle und so.

Die Ken­nen­lern­phase hat­ten Ham­burg und ich eigentlich schon hin­ter uns, als ich ende let­zten Jahres den Trip plante. Wobei, ges­tat­ten sie mir kurz auszu­holen, hier gab es ja sehr spezielle Gründe.

Kleiner Exkurs:
Liebe LOST-Gemeinde, ein biss­chen weiß ich wie es euch geht. Ehrlich. Weil, es gibt da diese kleine obskure Serie der ich anhänge. Und so auch meine Ham­burger Gast­ge­berin. Besagte Serie heißt “Super­nat­ural” und läuft in den USA auf dem Sender dessen Kernziel­gruppe ganz ein­deutig ist. Schick, jung, kau­flustig. (The CW sendet auch Gos­sip Girl und das schlimme 90210 — Remake.)
Darum ist der Cast von Super­nat­ural auch viel zu gutausse­hend, klar. Aber: es geht um auch um Mon­ster (Vam­pire, Geis­ter, Dämo­nen) und dys­funk­tionale Fam­i­lien. Außer­dem gibt es die besten one-liner seit der Gang rund um Buffy. (god bless Ben Edlund!) Und bis Anfang diesen Jahres war der Plan, dass besagte Serie mit Staffel 5 zu Ende geht. Als ich also diese Reise plante hatte das viel mit der dro­hen­den Apoc­a­lypse im TV zu tun. (Wörtlich gemeint. Erzen­gel und Lucifer inklu­sive.) Dieses Ereig­nis war der endgültige Katalysator hin­ter der Entschei­dung, Jeman­dem einen Besuch abzustatten.

— Exkurs Ende —

So also kam Mittwoch, der 12. Mai und ich saß sehr, sehr lange in einem Zug nach Ham­burg. 1
Das großar­tige an meiner Gast­ge­berin Nessy ist, der Moment als ich aus dem Zug steige und wir uns umar­men ist nicht wirk­lich selt­sam. Unter uns Freaks mit gren­zw­er­ti­gen Neu­rosen gibt es ein bemerkenswert hohes Ver­ständ­nis. Schon wenig später überfordere ich das “Big easy” (Barm­beck, ha!) mit dem Wun­sch nach einem Gim­let. (Ist das wirk­lich so speziell, ehrlich?)
Don­ner­stags dann gle­ich mal Ham­burg galore. Hafen. Queen Mary II. Ich stehe da und ver­suche im Kopf auszurech­nen wie oft mein neues Hochschul­ge­bäude wohl in diesem Schiff platz hätte. Ver­dammt oft, würde ich sagen. Als alte Men­schheits­beobach­terin finde ich natür­lich die Men­schen, die mit weißen Taschen­tüch­ern winken hochgr­a­dig faszinierend. Und, dass es auf der Queen Mary Pas­sagiere gibt, die als erste Amt­shand­lung eine HSV-Fahne aufhän­gen. Wahnsinn.
Apro­pos Wahnsinn: Es schafft glaube ich nur Ham­burg, eine Megabaustelle als quasi touris­tis­che Attrak­tion zu präsen­tieren. 2

Noch mehr beein­druckt bin ich dann von Lek­tion Nr. 2: Ham­burg hat ein Kino, das hat eine wirk­lich gute Cock­tail­bar (Gim­letver­such 2 — her­vor­ra­gend!) und man darf sogar mit seinem Cock­tail im Kino sitzen. Ich bin beein­druckt. Und dann kommt Tony Stark. 3

Fre­itag. Im Bett rum­lungern, Brötchen mit Esss­choko­lade essen (Ich bin im Aus­land, esse also Brötchen statt Sem­meln.) und Serien schaun. Man muss eine spezielle Sorte bescheuert sein, um darin sein Glück zu finden. Gott­sei­dank habe ich hier Gle­ich­gesin­nte gefun­den. Wir gucken auch noch das hoch unter­halt­same Staffel­fi­nale von Vam­pire Diaries (auch the CW, auch alle wahnsin­nig gut ausse­hend. Aber mit semi-sozialisierten Vam­piren. Und so ras­ant im Sto­ry­telling, dass es eine Riesen­gaudi ist. Außer­dem Ian Somer­halder. You’re wel­come.)
Um nicht in kom­plet­ter Serien­staffe­lend­de­pres­sion zu versinken machen wir uns auf den Weg zu einer Jung­fam­i­lie, wo ich lerne wie hart es sein kann als Bayern-Fan dauer­haft in Ham­burg zu leben, umgeben von Men­schen die sich entweder nicht dafür inter­essieren oder / und im Zweifels­fall gegen Bay­ern sind.
Dadurch erschle­iche ich mir aber eine Ein­ladung zum Pokalfinale-Schauen am Tag darauf und umgehe die gren­zw­er­tige Sit­u­a­tion als Bayern-Anhänger in einer Ham­burger Kneipe bei einem Spiel gegen Bre­men.. nun ja.

Sam­stag: Lek­tion Nr. 3, Ham­burg ist grün. Wahnsin­nig grün sogar. Nessy ver­sucht mich damit zu beeindrucken,dass der Ham­burger Stadt­park größer ist als der Cen­tral Park. (Ach nee. *hüs­tel* Englis­cher Garten *hüs­tel*). Ich stelle haupt­säch­lich fest, dass der gemeine Hans­es­tadt­be­wohner einen ähnlich großen Hang zum Ital­iener­da­sein hat wie wir hier im Süden. Draußen sitzen, Kaf­fee trinken. Dolce vita und so, das kann man hier auch ziem­lich gut. Genau darum ist Ham­burg nach wie vor die ver­mut­lich einzige Stadt in Deutsch­land, in der ich es länger als ein paar Wochen aushal­ten kann. Also jetzt, außer­halb Bay­erns. 4

Stich­wort Bay­ern, Stich­wort München, Stich­wort bester Verein der Welt. Es gab dann eine Käse­platte zum Pokal­fi­nale. Und Basti hat ein Tor geschossen. Und der Herr sah, dass es gut war, quasi. Als Mark van Bom­mel dann den Pokal in den Him­mel reckt seufzen Nessy und Ywee (Gast­ge­berin des Abends und Mut­ter des Mimik­stärk­sten Ein­jähri­gen den ich je ken­nen­gel­ernt habe. Lächeln und Winken, im Zweifels­fall, scheint sein Motto.) ob es den jetzt endlich vor­bei ist, dieses schlimme Spiel.
Mind you, die gle­ichen Damen wer­den in 14 Tagen kreis­chend pub­lic view­ing betreiben und die Her­ren Lahm, Schwe­in­steiger, Müller, Bad­stu­ber, Gomez und Co laut­stark anfeuern. Aber wem sag ich das.

Es wird wieder sehr spät. Sehr lustig. Trotz des ganzen Bavaria-Bashings. Aber, man ist ja tol­er­ant. Und nei­disch, wegen der durge­hend fahren­den U-Bahnen. Und eher lock­eren Kon­trollen im Verkehrsver­bund. Ich mag das ganze Wasser, das ganze Grün.

Son­ntag. Heiliggeist­feld. Alte Autos schauen. Kön­nte ja ein Impala dabei sein. 5
Unser Abschied fällt dank der deutschen Bahn ein biss­chen hek­tisch aus. Aber ich seufze noch eine ganze Weile sehr zufrieden vor mich hin. Und im Herbst, habe ich fest­gestelle, gibt es eine flotte und bil­lige Flugverbindung in den Nor­den. Hach. 6 Ja, des brauchts alles.7

  1. Stan­dard­mäßige Kurzkri­tik zur Bahn: Feiertage scheinen einen dort immer sehr zu überraschen. Aber dafür holt man dann die net­ten Her­ren der Polizei und schmeisst Men­schen ohne Reservierung ein­fach in Stuttgart wieder raus. Natür­lich.
  2. Ich ers­pare euch den Exkurs zu architek­tonis­chen Stre­it­fällen wie der neuen Phil­har­monie, der Hafencity und wer das den bitte alles bezahlt. Wobei: Kinder­gartenge­bühren die mal eben um bis zu 130% steigen? Nö. Also wirk­lich, nö.
  3. Kurzkri­tik: Iron Man II ist die beste, weil glaub­würdig­ste Comicver­fil­mung bis heute. Robert Downey Junior ist so eine Art Gott. Der Film ver­sucht nicht kün­stliche Tief­sin­nigkeit zu erzeu­gen und ist lieber Unter­halt­sam. Wer Philo­phie sucht findet Samuel Jack­son als Nick Fury.
  4. Bevor es hier Vorschläge gibt: Köln findet sich völ­lig grund­los sel­ber toll, außer­dem: Rhein­län­der. Berlin: Ach hör mir auf mit Berlin. Wehe wenn man da die bay­erische Herkunft erwähnt und nicht sofort ein­sieht wieviel cooler und hip­per und überhaupt dreck­iger Berlin ist. Pah. Stuttgart, äh… uh. Irgend­wie auch nicht.
  5. Einer der Haupt­darsteller in oben erwäh­ner Serie ist der Chevy Impala 1967. Ich kon­nte diesen Ami-Schlitten früher nicht so wahnsin­nig viel abgewin­nen. Aber, hach, die haben schon was. Charme. Und Größen­wahn. Und irgend­wie fordern sie alle zum großen Road­trip quer durch den Kon­ti­nent auf. Kommt auf die Bucket-List.
  6. Bah­n­fahren nach Ham­burg: schwierig. Bah­n­fahren von Ham­burg nach Ulm: AAARGH. Ver­spä­tung, Chaos, und das ganze in in den frühen Mor­gen­stun­den, also zwis­chen 3 und 5 Uhr mor­gens. Mein Bio­rhyth­mus, zefix! Außer­dem habe ich dadurch große Teile des Mon­tags ver­schlafen. Was nicht so schlim­mer gewe­sen wäre, wäre da nicht diese Ballack-Sache gewe­sen… Seufz.
  7. Und für solche Anmerkun­gen sind Fußnoten großar­tig. Warum merk ich das erst jetzt? Fußnoten sind toll. Ich werde ganze Ein­träge nur aus Fußnoten gestal­ten. Nennt mich Patschbella Foster-Wallace.

27
May 2010
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DISCUSSION 2 Comments
  • http://www.fraeulein.patschpatsch.com/ Keks

    Nicht, dass ich vorher schon nei­disch genug gewe­sen wäre. Auch noch Ywee und der Kleine. Irgend­wann, wenn ich nicht mehr Sklavin einer Ein­jähri­gen bin, wieder­holen wir das bitteschön. :)

    • http://www.patschpatsch.com/blog Isabella

      sehr gern. The blue sky : next gen­er­a­tion. Wir kön­nen alle Spaceanzüge tra­gen und so.