#30d30s_04…, meine überhaupt allerliebste Show

Präam­bel: Hin­ter #30d30s ver­birgt sich das hier. Ich konzen­triere mich eher auf aktuelle, und haupt­säch­lich amerikanis­che Serien. Aber gucke auch andere. Warum alles noch viel schlim­mer ist, bitte hier bei den Film­fre­un­den über aktuelle Entwick­lun­gen lesen. Dem ist nicht mehr viel hinzu zu fügen.

Zu dieser Kat­e­gorie kurz ein Wort: Die Rei­hen­folge ist eigentlich vol­lkom­men wurscht. Weil, ich kann doch meine Liebe teilen, gell?

Hon­or­able Men­tion: Bones

Als es damals hieß, dass Kathy Reichs’ Bücher rund um die foren­sis­che Anthro­polo­gin Tem­per­ance Bren­nen als Vor­lage für eine Serie dienen soll­ten, war ich skep­tisch. Sehr skep­tisch. All die Änderun­gen, all der High-Tech, mit dem Tempe nie wirk­lich was zu tun hatte. (Ryan Dar­ling, *schnüff*, aber Booth ist auch ganz niedlich.)
5 Jahre später ist die Bande aus dem Smithon­ian meine Ver­sion einer Serien­fam­i­lie. Ange­führt von der furcht­losen Tem­per­ance Bren­nen, die so ganz anders als in den Büch­ern, aber genauso inter­es­sant ist. Sie hat es nicht so mit Smalltalk, Höflichkeiten und diesem ganzen emo­tionalen Zeug. (Pro­jek­tions­flächenalarm für Bella!) An ihrer Seite: der weiße Rit­ter Booth, Scharf­schütze und Gen­tle­man alter Schule mit ganz viel Bauchge­fühl bei der Arbeit.
Die Bei­den sind natür­lich füreinan­der bes­timmt, kriegen es aber ein­fach nicht auf die Reihe. Ihr denkt House und Cuddy hät­ten Prob­leme? Bitch please. Im Labor arbeiten keine gestählten Wis­senschaft­spolizis­ten a la CSI, son­dern blase, düne Män­ner mit selt­samen Vor­lieben. Für die warme Kom­po­nente gibt es dann noch Kün­st­lerin Angela, die sich um Rekro­n­struk­tio­nen küm­mert, sowie die toughe Laborchefin Camille. (ich sag mal: bestange­zo­gen­ste Serien­figur nach Joan Hol­loway. Holla.)
Wis­senschafts­ge­laber war nie so witzig und sexy. Exper­i­mente zur Nach­stel­lung eines Mordes noch nie so .. äh… fan­tasievoll. Überhaupt, die Fälle. Das sind die fan­tastis­chten Leichen, die das Fernse­hen je gese­hen hat. Da Anthro­polo­gen sich mit Knochen und kaum mit Fleisch beschäfti­gen, haben die Dahingeschiede­nen bei Bones jeden nur möglichen Zus­tand. Sie sind auch sel­ten ganz kom­plett. Oder, meine per­sön­liche Lieblingsle­iche, kom­plett in Rohrreiniger gelöst. This is not for the faint-hearted. Wer es nicht mit Blut und Käfern die aus Augäpfeln krabbeln hat, sollte vielle­icht was anderes schauen.
Ich weiß, dass Staffel 5 ein biss­chen die Magie ver­mis­sen ließ, aber das ist kein Schiff, dass man da noch ver­läßt. Weil eine Welt ohne Bren­nan und Booth ist eine Welt in der ich nicht Leben will.

Runner-up: Super­nat­ural

Ob Eric Kripke klar war welche Box der Pan­dora er öffnet, als er Super­nat­ural entwick­elt hat? Lang bevor Stephe­nie Mayer den Markt der rast­losen Mäd­chen­herzen und deren Fasz­i­na­tion fürs dämonis­che abge­grast hat, mis­chte man bei the CW einen tödlichen Cock­tail.
Jungs, so hüb­sch, dass man gar nicht mehr wegschauen kann. Mon­ster, so düster, dass es grade noch ein biss­chen gruselig ist und Dialoge, die jedes Herz eines Pop­kul­tur­fetis­chis­ten höher schla­gen lassen.
Sam und Deam Win­ches­ter sind ver­lassene Söhne auf Tour gegen Mon­ster aller Art. Mut­ter Mary ver­bran­nte durch Dämo­nen­hand als Sam noch ein Säugling war. Vom Unglück gepeitscht bildet Daddy Win­ches­ter seine Jungs zu Jägern aus und sinnt auf Rache. Bonus: hier wohnen Vam­pire nicht in L.A. und Dämo­nen nicht in New York — son­dern all die urba­nen Leg­en­den sind lebendig und schreck­lich zwis­chen Mis­sis­sippi und Nevada, im guten alten Bible Belt.
Was als Monster-der-Woche-Show begann entwick­elte sich in den let­zten 5 Jahren (2005 war ein guter Jahrgang scheint mir) zu einer großen Mytholo­gie, die vor Him­mel und Hölle, Engeln und Apoka­lypse nicht halt macht. Super­nat­ural hat sich, let’s face it, zur Kult-Show gemausert. Der Fan­club für Metal­licar (der Impala den die Jungs fahren) oder die generelle kom­plette Durchgek­nalltheit der Anhänger hat dazu geführt, dass man hier auch fröh­lich die Meta-Grenzen neu definiert. (Cue to: die Win­ches­ters besuchen eine Con­ven­tion zu den Büch­ern die über ihr Leben geschrieben wur­den, hach!) Um die Show anfangs zu mögen, muss man vom hohen Ross des Anspruchs erst­mal herunter kom­men um viel Spaß zu haben. Im Laufe der Zeit steht man dann auf einem ganz anderen Hügel und schaut hin­unter, auf die Ein­fall­slosigkeit der Anderen.
Endlich eine Show die die nicht vorhan­de­nen Gren­zen des Gen­res nutzt! Und so tre­f­fen wir neben Geis­tern und Dämo­nen eben auch suizidale Riesented­dys, böse Wölfe und den herzi­gen Antichris­ten. Mit Staffel 4 erre­icht Super­nat­ural dann die Latte die Joss Whe­don einst mit seiner Musical-Folge von Buffy (once more with feel­ing) gesetzt hatte und überflügeln sie locker. Weil Engel sind eben nicht so harm­los, wie man bisher dachte.
Super­natural schafft es, inmit­ten all des Irrsinns, die kom­plette emo­tionale Skala eines Dra­mas abzu­rufen. Fam­i­lien­bande aller Art, Ver­trauen und Ver­rat, ver­lorene Kämpfe und Ver­bün­dete — nichts davon ist hys­ter­isch oder kün­stlich, son­dern extrem nachvol­lziehbar. Am Ende hängt das Schick­sal der Welt davon ab, ob zwei Brüder sich zusam­men raufen kön­nen und wir wis­sen genau, wie sie sich fühlen.
Auch wenn die einzige Gefühlsre­gung oft ein gigan­tis­ches WHAT THE FUCK ist.

Dop­pel­su­per­bonus: Mark Shep­pard als Crowley

Win­ner: Doc­tor who

Man kennt das ja, der Kerl ist clever und witzig und ver­spricht einem das ganze Uni­ver­sum. Redet von Zeit und Raum und hier und da, klingt dabei soooo süß mit seinem britis­chen Slang und sofort ist man dahin geschmolzen. Da ignori­ert man die Klam­ot­ten und seine Behausung, die blaue Polizei­box schon mal. Auch die poten­tiel lebens­ge­fährlichen Sit­u­a­tio­nen wegen all der Geschöpfe auf frem­den Plan­eten und den vie­len Fein­den, die er sich bis hier­her schon gemacht hat, ach, das geht schon. Und der Alter­sun­ter­schied, das muss ja nicht jeder so exakt wis­sen, ob es jetzt 880 oder doch 895 Jahre sind, die er älter ist. Aber muss er wirk­lich dauernd sein Ausse­hen verän­dern? Sowas frustiert schon ein bis­chen — es passen ja dann auch die geschenk­ten Turn­schuhe wom­öglich nicht mehr!
Wie das halt so ist, mit den Time Lords. Also eigentlich mit dem Time Lord, er ist schließlich der let­zte seiner Art. Und das seit 1963. Das ist das Jahr, in dem die BBC den guten Doc­tor auf die Welt los­ge­lassen hat. Und seit­dem ist Sci­ence Fic­tion nicht mehr das Gle­iche.
Doc­tor Who? (Ironie schon im Titel, das kön­nen nur Briten!) erzählt die Aben­teuer des Time Lords (seine Rasse), genannt der Doc­tor, durch Zeit und Raum. Er besucht Plan­eten, ret­tet die Erde vor außerirdis­chen Angrif­fen und das alles mit der Kraft der zwei Herzen. (Nein wirk­lich, er hat zwei Herzen.) Er hat eine Schwäche entwick­elt, für uns, die Men­schen. So kommt es, dass er immer wieder ori­en­tierungslose Exem­plare aufli­est und mit auf seine Reise nimmt. Das Reise­fahrzeug, der TARDIS (Time and rel­a­tive Dimen­sions in Space) sieht aus wie die blaue Polizei­box mit der Doc­tor Nr. 1 (dazu kom­men wir gle­ich) damals auf der Erde zunächst ges­tran­det ist. Natür­lich ist der TARDIS größer im Inneren. Physik, Naturge­setze — damit sollen sich die Anderen rum ärgern.
Überhaupt ist Doc­tor Who nicht Sci­ence–Fic­tion son­dern eher ein Alien-Märchen mit britis­chem Augen­zwinkern. Was Doc­tor Who speziell macht, sind die Pro­por­tio­nen. Den während die Pro­duk­tion weder Bud­get noch Möglichkeiten hat um an amerikanis­che Serien heran zu reichen, sind die Geschichten so außergewöhn­lich und der Doc­tor eine so geniale Figur, dass die Serie mit­tler­weile ein Teil der britis­chen Kul­turi­den­tität ist.
Wenn ein Time Lord tödlich ver­wun­det wird, dann “stirbt” er nicht wirk­lich, er regener­iert — erhält einen neuen Kör­per. Das ermöglicht die lange Laufzeit der Serie. Momen­tan tourt Doc­tor Num­mer 11 durch die Galaxy, an seiner Seite Amy, die den Doc­tor als Kind das erste Mal traf und sich nie wieder davon erholt hat.
Der aktuelle Showrun­nter Steven Mof­fat ist darüber hin­aus ein Genie. Er hat Num­mer 11, den fabel­haften Matt Smith gecastet und die bril­liantesten Geschichten seit des Reboots 2005 geschrieben. Zeitreisen­para­doxe gibt es hier für den Zuschauer genauso, wie die zit­ternde Angst vor stein­er­nen Fig­uren. Die 13 Fol­gen jedes Jahr, plus ein Wei­h­nachtsspe­cial sind das High­light meines Fernse­h­jahres. Weil nichts so per­plex, so drama­tisch, so flir­rend ist, wie der Doc­tor. And because Bow-Ties are cool.

23
Aug 2010
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